kultur.montag [2017.11.06]
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks kultur.montag
Katalogzettel
| Titel | kultur.montag [2017.11.06] |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Traxl, Martin [Moderation]
[GND
]
ORF 2 [Sendeanstalt] |
| Datum |
2017.11.06 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Kultur ; Reportage ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt |
| Typ | video |
| Format |
DFMPG [Dateiformat: MPG] |
| Sprache |
Deutsch |
| Gesamtwerk/Reihe | kultur.montag |
Information
Inhalt
"Wild" - Reinhold Messner | Buchbranche im Umbruch | Leipzig | Éva Fahidi | wien modern | Péter Nádas
les.art:
Die 'Buch Wien' steht bevor, das wohl wichtigste Buchevent Österreichs. Diesmal bei Christian Ankowtisch zu Gast: der deutsche Autor Ingo Schulze, einer der Stargäste des Eröffnungsabends der Buch Wien am 8. November, und die ungarische Philosophin Ágnes Heller.
Wir leben in einer Zeit, in der die Apologeten der Vereinfachung Hochkonjunktur haben und wir die Korrektur eines, zumal seit 1989 weit verbreiteten Geschichtsverständnisses erleben müssen: Geschichte, das zeigt uns die Gegenwart, muss nicht immer Fortschritt heißen, sie kann auch aus Rückschritten bestehen.
Ingo Schulze ist mit seinem neuen Roman 'Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst' seit Wochen in aller Munde: es gehöre zu den wichtigsten Texten des Bücherherbstes, meinen renommierte Literaturkritiker.
Alles darin dreht sich um die titelgebende Figur, die von Ingo Schulze mit einer Kerneigenschaft ausgestattet wird: dem unerschütterlichen Glauben an die Möglichkeit, Menschen ein für alle Mal beizubringen, dass das Gemeinwohl über den Bedürfnissen und Wünschen des Einzelnen zu stehen hat. Es ist die Geschichte eines zweifelhaften Aufstiegs – vom (vermeintlichen) Waisenkind zum selbstlosen Millionär.
Sie zeigt 'das Gute' ist ein heftig umkämpftes Feld und es scheitert (deshalb) nicht selten an der Umsetzung ins Wirkliche. Dass der Kapitalismus keine zivilisatorische Errungenschaft ist, ihm vielmehr die Vernichtung jeglicher Form von Ethik immanent ist – diese Einsicht prägt diesen Roman, der eine moderne Version des Schelmenromans ist und gibt ihm seine politische Grundierung.
Ágnes Heller lässt in ihrem neuen Buch 'Eine kurze Geschichte meiner Philosophie' ihr Leben als Philosophin Revue passieren und macht gleich zu Anfang klar: "Ich hatte nie das Bedürfnis, meine früheren Schriften zu verurteilen, bloß weil meine Ideen sich geändert hatten. Ich habe immer betont, dass ich nicht zum Richter über meine eigenen Werke berufen bin, (…)."
Ágnes Heller gelang es durch schieres Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter, die NS-Diktatur zu überleben. Viele ihrer Verwandten, auch ihr Vater, wurden ermordet. Später sollte sie Assistentin von Georg Lukács werden, 1977 emigrierte sie aus Ungarn nach Australien, wo sie viele Jahre in Melbourne Soziologie unterrichtet hat. 1986 wurde sie Hannah Arendts Nachfolgerin auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.
Seit ihrer Emeritierung lebt Ágnes Heller wieder in Budapest, reist viel. Etwas, was ihr Denken durchzieht, ist das Pochen auf die Unabhängigkeit von Philosophie und Kunst, das Eintreten dafür, sich von niemandem und nichts in den Dienst nehmen zu lassen, will man Gültiges, will heißen Bleibendes in die Welt setzen.
Darüber hinaus in der lesArt: in der Reihe "Kleinverlage im Portrait" der gegenwärtig wohl kleinste und jüngste Verlag Österreichs: die 'Edition Anna Jeller', die jetzt den Roman "Siebzehnter Sommer" von Maureen Daly in der Übersetzung von Bettina Obrecht herausbringt.
Die 'Buch Wien' steht bevor, das wohl wichtigste Buchevent Österreichs. Diesmal bei Christian Ankowtisch zu Gast: der deutsche Autor Ingo Schulze, einer der Stargäste des Eröffnungsabends der Buch Wien am 8. November, und die ungarische Philosophin Ágnes Heller.
Wir leben in einer Zeit, in der die Apologeten der Vereinfachung Hochkonjunktur haben und wir die Korrektur eines, zumal seit 1989 weit verbreiteten Geschichtsverständnisses erleben müssen: Geschichte, das zeigt uns die Gegenwart, muss nicht immer Fortschritt heißen, sie kann auch aus Rückschritten bestehen.
Ingo Schulze ist mit seinem neuen Roman 'Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst' seit Wochen in aller Munde: es gehöre zu den wichtigsten Texten des Bücherherbstes, meinen renommierte Literaturkritiker.
Alles darin dreht sich um die titelgebende Figur, die von Ingo Schulze mit einer Kerneigenschaft ausgestattet wird: dem unerschütterlichen Glauben an die Möglichkeit, Menschen ein für alle Mal beizubringen, dass das Gemeinwohl über den Bedürfnissen und Wünschen des Einzelnen zu stehen hat. Es ist die Geschichte eines zweifelhaften Aufstiegs – vom (vermeintlichen) Waisenkind zum selbstlosen Millionär.
Sie zeigt 'das Gute' ist ein heftig umkämpftes Feld und es scheitert (deshalb) nicht selten an der Umsetzung ins Wirkliche. Dass der Kapitalismus keine zivilisatorische Errungenschaft ist, ihm vielmehr die Vernichtung jeglicher Form von Ethik immanent ist – diese Einsicht prägt diesen Roman, der eine moderne Version des Schelmenromans ist und gibt ihm seine politische Grundierung.
Ágnes Heller lässt in ihrem neuen Buch 'Eine kurze Geschichte meiner Philosophie' ihr Leben als Philosophin Revue passieren und macht gleich zu Anfang klar: "Ich hatte nie das Bedürfnis, meine früheren Schriften zu verurteilen, bloß weil meine Ideen sich geändert hatten. Ich habe immer betont, dass ich nicht zum Richter über meine eigenen Werke berufen bin, (…)."
Ágnes Heller gelang es durch schieres Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter, die NS-Diktatur zu überleben. Viele ihrer Verwandten, auch ihr Vater, wurden ermordet. Später sollte sie Assistentin von Georg Lukács werden, 1977 emigrierte sie aus Ungarn nach Australien, wo sie viele Jahre in Melbourne Soziologie unterrichtet hat. 1986 wurde sie Hannah Arendts Nachfolgerin auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.
Seit ihrer Emeritierung lebt Ágnes Heller wieder in Budapest, reist viel. Etwas, was ihr Denken durchzieht, ist das Pochen auf die Unabhängigkeit von Philosophie und Kunst, das Eintreten dafür, sich von niemandem und nichts in den Dienst nehmen zu lassen, will man Gültiges, will heißen Bleibendes in die Welt setzen.
Darüber hinaus in der lesArt: in der Reihe "Kleinverlage im Portrait" der gegenwärtig wohl kleinste und jüngste Verlag Österreichs: die 'Edition Anna Jeller', die jetzt den Roman "Siebzehnter Sommer" von Maureen Daly in der Übersetzung von Bettina Obrecht herausbringt.