Mitwirkende:
Scobel, Gert [Moderation]
, Hachmeister, Lutz
, Loosen, Wiebke
, Hanfeld, Michael
Datum:
2014.08.21 [Sendedatum]
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Schlagworte:
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Medien und Kommunikation
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Gesellschaft
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Fernsehen
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TV-Mitschnitt
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Typ:
video
Signatur:
E52-01923_K01,
E52-01923
e52-01923
Inhalt:
Laptops, Tablets und Smartphones gehören - wie das Fernsehen - heute zum Alltag. Die modernen Technologien haben durch neue Formen der Mobilität die klassischen Sehgewohnheuten verändert: Fernsehen und Film werden anders genutzt als früher. Statt zu festgelegten Programmzeiten, in denen sich ein "Fenster zur Welt" öffnete, wird heute immer öfter "nichtlinear" ferngesehen, das heißt nach persönlicher Maßgabe und nicht nach Vorgaben des Programms. Zudem haben sich die Perspektiven und Angebote durch die neuen digitalen Medien und das Internet vervielfacht. Qualitätsfernsehen der Zukunft
Die Verschmelzung von Internet und Fernsehen
Durchschnittlich 224 Minuten verbringen wir täglich vor dem Fernsehen. Es ist mit Abstand immer noch das beliebteste aller Medien. Doch das Fernsehen verändert sich. Mit der Anschlussfähigkeit an das Internet hat sich das mediale Angebot vervielfacht. Neben Free- und Pay-TV treten neue Anbieter auf. Auch große Verlagshäuser nutzen das Netz, und sie verbreiten dort nicht nur ihre Druckerzeugnisse.
"Wir haben klassische Textmedien. Wir haben Medien, die natürlich auch Fotografie übertragen, das ist zum Beispiel Bild-online, Welt, FAZ, Zeit und Spiegel. Aber es kommen plötzlich auch Fernsehinhalte mit rein. Zunächst noch in Form von Clips, aber zunehmend immer längere Angebote. Das ist meines Erachtens das Modell, das das Fernsehen erst recht verändern wird. Das heißt, dass es nicht mehr die strenge Unterteilung in Fernsehen, Print und Fotografie gibt", so Medienpsychologe Jo Groebel.
Entkoppelt von Raum und Zeit
In Zukunft kommen noch sogenannte Web-Player hinzu, die nur über das Netz verbreitet werden. Die Clips auf YouTube sind erst der Anfang. Das Internet entkoppelt das Fernsehen aber auch von Raum und Zeit. Mit Smartphone und Tablet kann der Konsument an jedem Ort und zu jeder Zeit sein Fernsehprogramm-– und auch unzählige andere Unterhaltungs- und Informationsangebote wählen. "Viele stellen sich die Frage, ob das Fernsehen überhaupt noch das Leitmedium ist. Sie vergleichen es dann mit dem Internet. Doch dieser Vergleich stimmt nicht so richtig, weil das Fernsehen zum Teil und zunehmend mehr über das Internet verbreitet wird. Das heißt, dass das Internet eine Plattform ist. Innerhalb dieser Plattform ist aber Fernsehen durchaus mit der Chance versehen, nach wie vor das, oder wenigstens ein Leitmedium zu bleiben", so Groebel.
Aber wie verhält es sich mit der Qualität? Droht das Fernsehen im Quotenwettlauf weiter zu verflachen? Für Groebel ist Qualität auch ein Wettbewerbsvorteil. Qualität bedeutet unter anderem auch, Programme zu produzieren, die ein jugendliches Publikum ansprechen, das sonst sein Interesse immer mehr dem Internet zuwendet. "Und dann sollte man auch als Qualität in einem gesellschaftlichen, in einem kulturellen Zusammenhang definieren, wie angemessen zum Beispiel Journalismus stattfindet und wie in die Tiefe gehend eine Recherche aussieht. Resultat kann mal eine Nachricht, kann mal eine Dokumentation sein. Das ist durchaus objektivierbar. Und es gibt im guten alten Journalismus die vielen W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Wie, Warum, etc. Es ist nicht mehr so selbstverständlich, dass das gewährleistet ist und das bedeutet auch Qualität", so der Medienpsychologe.
Individuell und zeitversetzt
Mit der Möglichkeit, von überall aktuelle Bilder zu erhalten, wächst das Bedürfnis nach Informationen, die zuverlässig sind. Gerade auf dem Nachrichtensektor könnte das Qualitätsfernsehen punkten. Qualität kann es aber auch in der Unterhaltung geben. Gut gemachte Serien können gegen Trash bestehen und setzen Qualitätsstandards für andere. Ein weiterer Aspekt: Mediatheken erlauben es dem Zuschauer, sich ein ganz individuelles, zeitversetztes Programm zusammenzustellen. Überraschenderweise entwickeln sich aber auch ganz neue Gemeinschaften.
"Jetzt mit den neuen Möglichkeiten entsteht eine Renaissance des Fernsehens als Gemeinschaftsmedium. Nur nicht mehr vorwiegend durch physische, gemeinschaftliche Anwesenheit vor dem Fernseher definiert, sondern virtuell verbunden durch die Social Media. Wir haben schon längst das Phänomen, dass bei einem besonders interessanten Fernsehprogramm, das synchron geschaut wird, eine ganze Community dieses Fernsehprogramm auf Facebook, Twitter und vielen anderen Social Media kommentiert und begleitet", weiß Jo Groebel.
Qualität bedeutet Viellfalt
Hier entsteht jedoch auch eine Gefahr. In der Online-Fernsehwelt lässt sich unser Zuschauerverhalten immer perfekter analysieren und für die Gestaltung von Programmen nutzen. Werbung kann dann maßgeschneidert auf die Situation des Konsumenten reagieren. Dazu braucht es gar nicht die Rückkoppelung durch soziale Netzwerke. "Die Gefahr besteht eher darin, dass über die Datenpreisgabe, die ich gar nicht aktiv vornehmen muss, natürlich eine ganze Menge von Informationen - Tageszeiten, wann, was, wo, mit wem - preisgegeben wird und man dann darauf sehr geschickt reagiert. Das ist dann aber nicht mehr die herkömmliche Werbung, sondern neue Formen der Kommunikation. Und da ist es schon wichtig, dass die Fernsehanstalten auch ein bisschen darauf achten, dass da nicht plötzlich der nie willenlose, aber schon ein bisschen mehr stimmungsmäßig geleitete Konsument herauskommt", so Groebel. Qualität bedeutet wie in der Natur Vielfalt. Ob die Fernsehanstalten in Zukunft allerdings noch den Mut haben, die Vielfalt von Qualitätsprogrammen zu senden, ist fraglich.
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u.a. Ausschnitt aus dem Film "Free Rainer - Dein fernseher lügt
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Gäste: Wiebke Loosen, Kommunikationswissenschaftlerin ;
Lutz Hachmeister, Medienkritiker ;
Michael Hanfeld, Journalist / FAZ ;