kultur.montag [2018.10.01]
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks kultur.montag
Katalogzettel
| Titel | kultur.montag [2018.10.01] |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Stadler, Clarissa [Moderation]
[GND
]
ORF 2 [Sendeanstalt] |
| Datum |
2018.10.01 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Kultur ; Reportage ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt |
| Typ | video |
| Format |
DFMPG [Dateiformat: MPG] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E52-10238 |
| Gesamtwerk/Reihe | kultur.montag |
Information
Inhalt
Nachruf Charles Aznavour | Bruegel Schau im KHM | Stefan Draschan | Andreas Vitaseks "Austrophobia" | "Werk ohne Autor" | Florian Henckel von Donnersmarck | Vienna Humanities Festival | Postkarten aus Europa
Kultur Doku:
Kunst als Waffe - Die Welt des Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein, Österreichs Schockmaler von internationalem Format, ist ein Mahner in unserer Gesellschaft, ein scharfer Beobachter einer Welt voller Ungerechtigkeit. Anläßlich seines 70. Geburtstages am 8. Oktober besuchte Claudia Teissig ihn auf seinem Schloß und gestaltete einen facettenreichen Film über ihn und sein Werk.
Er ist der Ritter der Freiheit und Unabhängigkeit, seine Rüstung sind - das Stirnband, die dunkle Sonnenbrille und mystische Totenkopfringe, seine Waffe ist die Kunst. Sein atemberaubendes Schloß steht mitten im sagenumwobenen Irland.
Was er sieht, ist das was wir nicht sehen wollen, was er erkennt, ist das was wir verdrängen wollen. Seit mehr als 50 Jahren kämpft er unermüdlich mit seinen Bildern, Installationen und Fotografien gegen Verdrängung, das Verschweigen und gegen Unterdrückung. Im Zentrum seiner subtilen Bilderwelten steht das unschuldige Kind, gequälte, bandagierte, verletzte Seelen als Symbol für eine Welt voller Gewalt und Mißbrauch.
Vor mittlerweile 20 Jahren hat sich der Sohn eines "erzkatholischen" Wiener Postbeamten, im "erzroten" Favoriten geboren, im Süden der grünen Insel angesiedelt. Gottfried Helnwein, ein Künstler von barocker Natur. Der vierfache Vater und Großvater lebt mit einem Großteil seiner Familie unter einem Dach, mit seiner Frau Renate, zwei seiner Kinder, drei Enkelkindern, sowie fünf Hunden und wie kann es anders sein: mit jeder Menge Enten.
Kein Wunder, denn Helnwein ist ausgewiesener "Barksist", verehrt er doch Carl Barks, den geistigen Vater der Familie Duck seit seinem vierten Lebensjahr. Sein Held ist der ewige Verlierer-Typ Donald, den er auf unzähligen Bildern verewigt hat. Allerdings nicht ganz so süß und tollpatschig, sondern in der für Helnwein so typisch subtilen wie grotesken Art.
Auf Schloss Gurteen in der Grafschaft Tipperary, einem weitläufigen Anwesen aus dem Jahr 1866, das der elisabethanischen Architektur nachempfunden ist, findet er Inspiration und Ruhe für seine Kunst.
Die Kapelle des einstigen Schloß-Besitzers Edmond de la Poer, der Haus-und Hofmeister von Papst Pius. IX war, hat der Künstler eigenhändig zum Atelier umgestaltet und ausgebaut.
Nicht aus ästhetischen, sondern aus humanistischen Motiven sei er Künstler geworden. Schon als Kind interessierte er sich für Berichte über die Kriegsverbrecherprozesse, war und ist besessen von dieser Geschichte der Grausamkeit und Intoleranz. Gottfried Helnwein versteht sich als durch und durch politischen Künstler, beobachtet das politische Weltgeschehen akribisch und setzt sich mit seiner Arbeit zur Wehr.
Ob mit dem finsteren Kapitel des Nationalsozialismus oder ganz aktuellen Massakern an Schulen - mit Bleistift und Feder, Spraydose und Pinsel rückt Helnwein einer saturierten Gesellschaft auf die Pelle, will sie für den alltäglichen Horror sensibilisieren.
Trotz internationalem Erfolg sieht er sich in der Rolle des Außenseiters im Kunstbetrieb und fühlt sich darin "pudelwohl". Denn für Helnwein ist seine Kunst die einzige Chance, zu existieren, der letzte Freiraum in der Gesellschaft, die dem System nicht dienen muß.
Kunst als Waffe - Die Welt des Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein, Österreichs Schockmaler von internationalem Format, ist ein Mahner in unserer Gesellschaft, ein scharfer Beobachter einer Welt voller Ungerechtigkeit. Anläßlich seines 70. Geburtstages am 8. Oktober besuchte Claudia Teissig ihn auf seinem Schloß und gestaltete einen facettenreichen Film über ihn und sein Werk.
Er ist der Ritter der Freiheit und Unabhängigkeit, seine Rüstung sind - das Stirnband, die dunkle Sonnenbrille und mystische Totenkopfringe, seine Waffe ist die Kunst. Sein atemberaubendes Schloß steht mitten im sagenumwobenen Irland.
Was er sieht, ist das was wir nicht sehen wollen, was er erkennt, ist das was wir verdrängen wollen. Seit mehr als 50 Jahren kämpft er unermüdlich mit seinen Bildern, Installationen und Fotografien gegen Verdrängung, das Verschweigen und gegen Unterdrückung. Im Zentrum seiner subtilen Bilderwelten steht das unschuldige Kind, gequälte, bandagierte, verletzte Seelen als Symbol für eine Welt voller Gewalt und Mißbrauch.
Vor mittlerweile 20 Jahren hat sich der Sohn eines "erzkatholischen" Wiener Postbeamten, im "erzroten" Favoriten geboren, im Süden der grünen Insel angesiedelt. Gottfried Helnwein, ein Künstler von barocker Natur. Der vierfache Vater und Großvater lebt mit einem Großteil seiner Familie unter einem Dach, mit seiner Frau Renate, zwei seiner Kinder, drei Enkelkindern, sowie fünf Hunden und wie kann es anders sein: mit jeder Menge Enten.
Kein Wunder, denn Helnwein ist ausgewiesener "Barksist", verehrt er doch Carl Barks, den geistigen Vater der Familie Duck seit seinem vierten Lebensjahr. Sein Held ist der ewige Verlierer-Typ Donald, den er auf unzähligen Bildern verewigt hat. Allerdings nicht ganz so süß und tollpatschig, sondern in der für Helnwein so typisch subtilen wie grotesken Art.
Auf Schloss Gurteen in der Grafschaft Tipperary, einem weitläufigen Anwesen aus dem Jahr 1866, das der elisabethanischen Architektur nachempfunden ist, findet er Inspiration und Ruhe für seine Kunst.
Die Kapelle des einstigen Schloß-Besitzers Edmond de la Poer, der Haus-und Hofmeister von Papst Pius. IX war, hat der Künstler eigenhändig zum Atelier umgestaltet und ausgebaut.
Nicht aus ästhetischen, sondern aus humanistischen Motiven sei er Künstler geworden. Schon als Kind interessierte er sich für Berichte über die Kriegsverbrecherprozesse, war und ist besessen von dieser Geschichte der Grausamkeit und Intoleranz. Gottfried Helnwein versteht sich als durch und durch politischen Künstler, beobachtet das politische Weltgeschehen akribisch und setzt sich mit seiner Arbeit zur Wehr.
Ob mit dem finsteren Kapitel des Nationalsozialismus oder ganz aktuellen Massakern an Schulen - mit Bleistift und Feder, Spraydose und Pinsel rückt Helnwein einer saturierten Gesellschaft auf die Pelle, will sie für den alltäglichen Horror sensibilisieren.
Trotz internationalem Erfolg sieht er sich in der Rolle des Außenseiters im Kunstbetrieb und fühlt sich darin "pudelwohl". Denn für Helnwein ist seine Kunst die einzige Chance, zu existieren, der letzte Freiraum in der Gesellschaft, die dem System nicht dienen muß.