kultur.montag [2019.03.25]
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks kultur.montag
Katalogzettel
| Titel | kultur.montag [2019.03.25] |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Traxl, Martin [Moderation]
[GND
]
ORF 2 [Sendeanstalt] |
| Datum |
2019.03.25 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Kultur ; Reportage ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt |
| Typ | video |
| Format |
DFMPG [Dateiformat: MPG] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E52-12654 |
| Gesamtwerk/Reihe | kultur.montag |
Information
Inhalt
Iffland-Ring für Jens Harzer | Heimat | Leipziger Buchmesse | Kulturkampf in Ungarn | "Die Ratten" im Burgtheater | Gerhard Fritsch | Foto Wien
Kultur-Doku:
Matera - Von der Steinzeit in den Cyberspace
Matera in Süditalien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. Seit 9.000 Jahren sind die Höhlenwohnungen von Matera kontinuierlich bewohnt. Die Stadt zählt zu den am längsten dauerhaft von Menschen besiedelten Orten der Welt.
Die Stadt im Süden Italiens sucht nach Zukunftsperspektiven und hat sich deswegen der Open-Data-Bewegung verschrieben. Hansjürgen Schmölzer hat sich auf eine filmische Spurensuche zwischen alten Traditionen und neuen, teils digitalen Herausforderungen begeben.
Die Sassi, die Höhlenwohnungen von Matera, die seit 1993 zum UNESCO-Welterbe zählen, haben den Ort zu einer beliebten Filmlocation für große internationale Filmproduktionen gemacht. Während Armut, Verfall und die Abwanderung der Jugend Italiens Süden prägen, wird in Matera durch das Kulturhauptstadtjahr eine gegenläufige Entwicklung spürbar.
Der Film begleitet Andrea Paoletti und Susanna Camerlengo vom Designer-Kollektiv "Casa Netural" bei ihren Projekten, mit denen sie sich zum Ziel gesetzt haben, mit Hilfe von Social-Design-Interventionen das soziale Zusammenleben zu stärken und so den Ort vor allem für junge Menschen wieder attraktiv zu machen.
Denn Matera hat noch immer mit einer offenen Wunde aus seiner jüngeren Geschichte zu kämpfen: In den 1950er Jahren wurde die Politik auf die ärmlichen Lebensverhältnisse der Menschen in den Höhlenwohnungen von Matera aufmerksam, die damals ohne Strom, fließendes Wasser oder Kanalisation gemeinsam mit ihren Tieren in den Höhlen lebten. Der damalige Ministerpräsident Alcide de Gaspari sprach von der "Schande Italiens" und verordnete die vollständige Zwangsräumung der Sassi. Dadurch wurde eine Kultur zerrissen, die Jahrtausende lang nur deshalb überleben konnte, weil sie von Nachbarschaftshilfe und Nachhaltigkeit getragen war.
Mit der erfolgreichen Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2019 ist ein Ruck durch die Stadt gegangen. Intendant Paolo Verri setzt bei seinem Programmkonzept vor allem darauf, die Bevölkerung einzubinden: Partizipation und Transparenz stehen im Mittelpunkt. Dem Kulturhauptstadt-Team ist es gelungen, die Stadtverwaltung für ein umfassendes Open-Data-Projekt zu gewinnen. Damit will man auch der Korruption einen Riegel vorschieben.
Internet und Digitalisierung bieten Orten an der Peripherie wieder neue Perspektiven. "Open Future" lautet das Motto von Matera 2019: Das Kulturhauptstadtjahr ist ein soziales Experiment. Es zeigt auf, dass die Impulse für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft an den Rändern Europas gefunden werden können.
Matera - Von der Steinzeit in den Cyberspace
Matera in Süditalien ist 2019 Kulturhauptstadt Europas. Seit 9.000 Jahren sind die Höhlenwohnungen von Matera kontinuierlich bewohnt. Die Stadt zählt zu den am längsten dauerhaft von Menschen besiedelten Orten der Welt.
Die Stadt im Süden Italiens sucht nach Zukunftsperspektiven und hat sich deswegen der Open-Data-Bewegung verschrieben. Hansjürgen Schmölzer hat sich auf eine filmische Spurensuche zwischen alten Traditionen und neuen, teils digitalen Herausforderungen begeben.
Die Sassi, die Höhlenwohnungen von Matera, die seit 1993 zum UNESCO-Welterbe zählen, haben den Ort zu einer beliebten Filmlocation für große internationale Filmproduktionen gemacht. Während Armut, Verfall und die Abwanderung der Jugend Italiens Süden prägen, wird in Matera durch das Kulturhauptstadtjahr eine gegenläufige Entwicklung spürbar.
Der Film begleitet Andrea Paoletti und Susanna Camerlengo vom Designer-Kollektiv "Casa Netural" bei ihren Projekten, mit denen sie sich zum Ziel gesetzt haben, mit Hilfe von Social-Design-Interventionen das soziale Zusammenleben zu stärken und so den Ort vor allem für junge Menschen wieder attraktiv zu machen.
Denn Matera hat noch immer mit einer offenen Wunde aus seiner jüngeren Geschichte zu kämpfen: In den 1950er Jahren wurde die Politik auf die ärmlichen Lebensverhältnisse der Menschen in den Höhlenwohnungen von Matera aufmerksam, die damals ohne Strom, fließendes Wasser oder Kanalisation gemeinsam mit ihren Tieren in den Höhlen lebten. Der damalige Ministerpräsident Alcide de Gaspari sprach von der "Schande Italiens" und verordnete die vollständige Zwangsräumung der Sassi. Dadurch wurde eine Kultur zerrissen, die Jahrtausende lang nur deshalb überleben konnte, weil sie von Nachbarschaftshilfe und Nachhaltigkeit getragen war.
Mit der erfolgreichen Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2019 ist ein Ruck durch die Stadt gegangen. Intendant Paolo Verri setzt bei seinem Programmkonzept vor allem darauf, die Bevölkerung einzubinden: Partizipation und Transparenz stehen im Mittelpunkt. Dem Kulturhauptstadt-Team ist es gelungen, die Stadtverwaltung für ein umfassendes Open-Data-Projekt zu gewinnen. Damit will man auch der Korruption einen Riegel vorschieben.
Internet und Digitalisierung bieten Orten an der Peripherie wieder neue Perspektiven. "Open Future" lautet das Motto von Matera 2019: Das Kulturhauptstadtjahr ist ein soziales Experiment. Es zeigt auf, dass die Impulse für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft an den Rändern Europas gefunden werden können.