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Wiens alte Märkte - Spuren in der Innenstadt

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Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Erbe Österreich

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Titel Wiens alte Märkte - Spuren in der Innenstadt
Urheber/innen und Mitwirkende Fuchs, Patrice [Gestaltung]
ORF 3 [Sendeanstalt]
Datum 2021.03.16 [Sendedatum]
2021 [Jahr des Copyright]
Schlagworte Kultur ; Dokumentation ; Bauen ; TV-Mitschnitt
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-23513
Gesamtwerk/Reihe Erbe Österreich

Information

Inhalt

[Senderinformation] Viele Plätze der Wiener Innenstadt heißen heute noch „Markt“. Doch am Fleischmarkt, dem Hohen Markt oder dem Heumarkt wird schon lange keine landwirtschaftliche Ware mehr verkauft. Die Namen zeugen vom einstigen Wirtschaftstreiben in der Kaiserstadt.

Die Milchfrauen trugen die Milch in Bottichen am Rücken in die Stadt und verkauften sie auch abseits der Märkte.

Die „Innere Stadt“ war früher die ganze Stadt. Und ganz Wien war früher ein Markt. Hinter jeder Ecke befanden sich Verkaufsstände oder Marktfrauen, die ihre Ware auf einem Stück Tuch auf der Straße feilboten. Am Heumarkt gab es Heu, am Fleischmarkt Rinder und Schweine, am Kohlmarkt Kohlgemüse und auf der Tuchlauben feine Stoffe. Warum die Tuchlauben Tuchlauben heißt? Weil die Gasse schon so eng bebaut war, dass man nur ab dem 1. Stock in die Gasse hinein ausbauen konnte. Diese Stockwerke wurden im Erdgeschoss von Säulen gehalten, die Lauben bildeten, durch die man durchlaufen konnte.

Der Hohe Markt war der größte Markt von Wien und dort befand sich auch der Pranger. Am Pranger landeten Betrüger und wurden angespuckt, beschimpft und auch mit Steinen beworfen. Nach einer Prangerstrafe war die Karriere vorbei und die meisten verließen die Stadt. Wer Geld hatte, konnte sich von der Strafe frei kaufen.

Der Naschmarkt wurde während des Ersten Weltkrieges zum modernsten Markt der Stadt.

Täglich kamen die Milchfrauen in die Stadt. Sie trugen die Milch in Bottichen auf dem Rücken aus dem Umland in die Stadt. Wenn es heiß war, wurde die Milch am Weg schlecht. Und um mehr an der Milch zu verdienen, mischten die Milchfrauen Wasser und Asche in die Milch. Ärzte machten schon damals die schlechte Qualität der Milch für die miserable Gesundheit der Kinder verantwortlich. Man versuchte mit Strafen und Kontrollen dem Problem Herr zu werden, aber die Milchfrauen waren bitterarm. Bevor sie verhungern mussten, verkauften sie weiterhin ihre gestreckte Milch in Toreinfahrten. Die Obrigkeit war allgemein streng bei der Kontrolle der Preisgestaltung. Die Ware musste frisch sein und das Gewicht stimmen. Denn konnte sich die Bevölkerung nicht auf die Markthändler verlassen drohten Aufstände und Unruhen.

Bald war ganz Wien so eng bebaut, dass die Märkte langsam zu viel wurden. Nur der Graben und die Kärntnerstraße waren noch so breit, dass Marktstände, Kutschen und Menschen Platz hatten. Der Grund dafür, war der Transport von Kanonen von einer Bastei zur anderen. Wien wurde immer wieder belagert und dann wurden die Lebensmittel knapp. Bei den napoleonischen Belagerungen, verließen Adel und der Kaiser schnell die Stadt um sich am Land in Sicherheit zu bringen. Damit verloren die Händler die gut betuchten Kunden und ein Gutteil ihres Umsatzes und bald versiegte auch der Nachschub an Lebensmittel aus dem Umland. Das zwang die Fleischhauer dazu mit Würstel zu experimentieren. Denn die italienische Salami war bald ausverkauft und konnte nicht nachgeliefert werden. So erfand ein Fleischhauer eine Wiener Version der Frankfurter: Das Wiener Würstchen. Eine feine Mischung von Rind und Schweinefleisch. Sehr bekömmlich und mild. Ein Streetfood, das Kultstatus erreicht hat.

Obsthändlerinnen, die sich keinen eigenen Marktstand leisten konnten, wurden als Fratschlerinnen bezeichnet.

Seit dem 19. Jahrhundert gehören Maroni-Öfen zum winterlichen Stadtbild rund um die Märkte Wiens.

Im 19. Jahrhundert wurde es der Stadtregierung langsam zu viel. Alle Händler, die mit Wägen in die Stadt wollten wurden am Kärntner Tor abgefangen und mussten ihr Lager am Naschmarkt aufschlagen. Dieser befand sich am Karlsplatz Nähe der Wiedner Hauptstraße. Der Nordsee lag schon damals nah an der Inneren Stadt, den Fisch leisteten sich nur die Reichen Leute und die wollten keine weite Wege gehen. So gemütlich und bunt der alte Naschmarkt war, wollten die Ingenieure der Zeit einen sauberen Markt mit abschließbaren Buden und elektrischem Licht. Mitten im 1. Weltkrieg wurde der neue Naschmarkt an der Wienzeile eröffnet. Er war der modernste Markt von Wien. Die Standeln waren beheizt, es gab fließendes Wasser etc.

Nach dem zweiten Weltkrieg galt der neue Naschmarkt als unattraktiv und unkomfortabel. Man begann Standeln abzureißen. Der ganze Großmarkt bei der Kettenbrückengasse und die gesamte Naschmarkt-Reihe am Theater an der Wien wurden abgerissen. In der letztgenannten Reihe, standen die Blumenfrauen, die den Herren eine Blume vor der Vorstellung verkauften, die er seiner Partnerin im Theater übergeben sollte.

Eine erste Protestgruppe formierte sich überraschend, die gegen den Ersatz des Naschmarkts durch eine Autobahn protestierten. Diese sollte bis in die Innere Stadt hinein fließen. Nachdem dieser Kampf gewonnen war, zog die Protestbewegung weiter zur Arena-Besetzung.

Patrice Fuchs taucht in dieser Erbe Österreich-Neuproduktion ein in die Geschichte der alten Wiener Märkte und zeigt anhand alter Ansichten, wie sich diese Orte im Lauf der Zeit verändert haben: von einst sehr bodenständigen Foren der Grundernährung zu Top-Locations der Wiener Innenstadt. Auch die Märkte der Außenbezirke waren Pfeiler der Stadtversorgung. Das rote Wien ließ dann in St. Marx die großen Schlachthöfe errichten, um die Nahrungsversorgung in der Metropole zu gewährleisten.

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