zurück

Wiener Milieus - Armut in der Kaiserstadt

Mediathek

Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Erbe Österreich

Katalogzettel

Titel Wiener Milieus - Armut in der Kaiserstadt
Urheber/innen und Mitwirkende Riener, Bernhard [Gestaltung]
Lang, Angelika [Sprecher/in] [GND ]
ORF 3 [Sendeanstalt]
Datum 2021.04.27 [Sendedatum]
2021 [Jahr des Copyright]
Schlagworte Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Örtliche Einordnung Wien
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-24041
Gesamtwerk/Reihe Erbe Österreich

Information

Inhalt

[Senderinformation] Für die neue ORF III-Dokumentation haben Bernhard Riener und Jonathan Vaughan seltenes Bildmaterial gehoben, das die Menschen an den Rändern der Gesellschaft sichtbar macht und unser Bild von der aufgeputzten Kaiserstadt ein Stück weit korrigieren.

Wien um 1900 ist längst zu einer Tourismusmarke geworden, mit der man ikonische Jugendstilbauten und modebewusste Frauen und Männer assoziiert, die am Ring flanieren. Doch die Pracht der Gründerzeit hatte auch eine Kehrseite: Armut in großen Teilen der Bevölkerung. Von dem Vorhaben Kaiser Franz Josefs Wien zur Weltstadt zu machen, versprachen sich viele Vollbeschäftigung und ein gutes Leben. So erlebte Wien im 19. Jahrhundert einen regen Bevölkerungsstrom aus den benachbarten Teilen der Monarchie. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte Wien rund zwei Millionen Einwohner – die höchste Einwohnerzahl in der Geschichte der Stadt.

Der Modernisierungsschub der Kaiserstadt war aber nicht für alle ein lukratives Geschäft. Gelegenheitsarbeiter schufteten tagsüber an Baustellen und mieteten sich zum Nächtigen gegen ein geringes Entgelt stundenweise in Zimmer ein. Hygienischer Missstand und Hunger waren tägliche Begleiter.

Während der Stadtkern der kaiserlichen Residenzstadt allmählich Form annahm, kämpften die Bewohner der nach wie vor dörflich strukturierten Vorstädte jeden Tag aufs Neue ums Überleben. Die Ärmsten waren obdachlos und bewohnten Gänge, Kammern und Luftschächte in der Kanalisation. Einige von ihnen sahen so gut wie nie das Tageslicht, denn für sie war der Untergrund nicht nur Schlafstätte, sondern auch Arbeitsplatz. Die sogenannten Kanalstrotter etwa versuchten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Gegenständen zu bestreiten, die sie aus den Abwässern mit Sieben herausfischten. So wurden gefundene Tierknochen und Fleischreste getrocknet und anschließend an Seifenfabrikanten verkauft.

Zu den ersten, die von diesen prekären Wohn- und Arbeitsverhältnissen in Wien berichteten, zählten die Journalisten Max Winter und Emil Kläger. Bekanntheit erlangten sie mit ihren Sozialreportagen über das „Wien von unten“ in Lichtbildvorträgen, die in der Urania vor Publikum präsentiert wurden.

Für die ORF III-Neuproduktion haben die Gestalter Bernhard Riener und Jonathan Vaughan einen Schatz an selten gezeigten Fotografien, unter anderem von Hermann Drawe, gehoben, die die unsichtbaren Menschen an den Rändern der Gesellschaft beleuchten und unser Bild von der aufgeputzten Kaiserstadt ein Stück weit korrigieren.

Download


Metadaten
Mediathek Logo