Oral-History-Interview mit Altaan Ahmad
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Vielsprachiges Gedächtnis der Migration
Katalogzettel
| Titel | Oral-History-Interview mit Altaan Ahmad |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Ahmad, Altaan [Interviewte/r]
Abado, Ranad [Übersetzer/in/Dolmetscher/in] Traska, Georg [Kamera] [GND ] Traska, Georg [Tontechniker/in] [GND ] A.J. [Interviewer/in] Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften [Veranstalter] Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung [Fördergeber] |
| Datum |
2024.02.15 [Aufnahmedatum] |
| Ort |
Wien [Aufnahmeort]
|
| Schlagworte | Gesellschaft ; Kultur ; Politik ; Migration ; Interview ; Geschichtswissenschaft ; Bildung und Schulwesen ; Militär ; Familie ; Islam ; Krieg ; Asyl ; Unveröffentlichte Aufnahme |
| Typ | video |
| Format |
DOV [Digitales Original Video] |
| Sprache |
Arabisch Deutsch |
| Gesamtwerk/Reihe | Vielsprachiges Gedächtnis der Migration |
Information
Inhalt
Ahmad Altaan (geb. 1982) wuchs in Syrien auf und arbeitete ab dem Jahr 2000 regelmäßig für mehrere Monate in angrenzenden Ländern, auch einmal drei Jahre in Griechenland. Nach Abschluss seines Militärdienstes im Jahr 2011 begann die syrische Revolution und im Zuge der Niederschlagung versank das Land in Chaos und Gewalt. Vorerst verdingte sich Ahmad Altaan in unterschiedlichen syrischen Städten, 2013 ging er mit seiner Familie nach Jordanien, von wo er 2016 nach Syrien ausgewiesen wurde. Sein Dorf war inzwischen unter Kontrolle des Islamischen Staates und er floh schließlich mit seiner Familie in die Türkei. Angesichts der großen Unsicherheit und schlechten Lebensverhältnisse dortselbst floh er 2019 weiter bis nach Österreich, wo seit 2015 sein Vater mit Familie lebte.
Aley Jad, ein Schüler des ORG Antonkriegergasse in Wien, führte 2024 das Interview in arabischer Sprache – im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF). Ahmad Altaan ist ein Onkel seiner Mitschülerin Batool. Zu dem Interviewteam gehörten zwei weitere Schülerinnen, Ghufran und Shahad – alle vier mit Arabisch-Erstsprachkenntnissen und alle drei Mädchen mit eigenen Erfahrungen der Flucht aus Syrien bzw. dem Irak.
Einen zentralen Teil des lebensgeschichtlichen Interviews nimmt die lange und außerordentlich beschwerliche Fluchtgeschichte ein, die erst 2021 mit der Ankunft der Familie in Österreich endete. Über ein Jahr brauchte Ahmad Altaan, um von der Türkei nach Österreich zu gelangen – über Griechenland, Albanien, Kosovo, Serbien, Rumänien, Ungarn. Er berichtet von unzähligen misslungenen Versuchen einzelner Etappen, der Lebensgefahr der Bootspassagen; vom absurden Spiel mit dem Zufall, ständigen Planänderungen und zermürbenden Rückschlägen; von der völligen Ausgesetztheit gegenüber Betrügern und hilfsbereiten Menschen; vom großen finanziellen Aufwand der Flucht; von den Gruppen, mit denen er unterwegs war; von den körperlichen Strapazen und von völliger Verzweiflung. Auf Fragen Aley Jads ging Ahmad Altaan näher auf die widrigen Lebensbedingungen in Jordanien und der Türkei ein sowie auf die Unmöglichkeit, sich dort irgendwie zu etablieren.
Nach so vielen Jahren des chaotischen Hin und Her, extremen Unsicherheit und politisch-behördlich Willkür erscheint Österreich in der Perspektive der Erzählung als fast unglaublicher Hafen von Sicherheit und Ordnung – ein Ort, den Ahmad Altaan sich vor allem für seine Kinder erhofft hatte und wo sie nun, nachdem die Familie Asyl erhalten hatte, einer geregelten Ausbildung nachgehen und mit Zukunftsperspektive leben können.
Das Interview beeindruckt durch die zeitliche Nähe der Ereignisse, von denen Ahmad Altaan erzählt. Die Ausgesetztheit und die Desorientiertheit in den langen Jahren der Flucht überträgt sich auf die Perspektive der Erzählung, in der sich auch der Zuhörer oft nicht leicht orientieren kann. Im österreichischen Ankunftsszenario wird aber umso deutlicher, wie sehr der Erzähler rückblickend immer nach der hier gefundenen Ordnung und Lebensperspektive strebte.
Aley Jad, ein Schüler des ORG Antonkriegergasse in Wien, führte 2024 das Interview in arabischer Sprache – im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF). Ahmad Altaan ist ein Onkel seiner Mitschülerin Batool. Zu dem Interviewteam gehörten zwei weitere Schülerinnen, Ghufran und Shahad – alle vier mit Arabisch-Erstsprachkenntnissen und alle drei Mädchen mit eigenen Erfahrungen der Flucht aus Syrien bzw. dem Irak.
Einen zentralen Teil des lebensgeschichtlichen Interviews nimmt die lange und außerordentlich beschwerliche Fluchtgeschichte ein, die erst 2021 mit der Ankunft der Familie in Österreich endete. Über ein Jahr brauchte Ahmad Altaan, um von der Türkei nach Österreich zu gelangen – über Griechenland, Albanien, Kosovo, Serbien, Rumänien, Ungarn. Er berichtet von unzähligen misslungenen Versuchen einzelner Etappen, der Lebensgefahr der Bootspassagen; vom absurden Spiel mit dem Zufall, ständigen Planänderungen und zermürbenden Rückschlägen; von der völligen Ausgesetztheit gegenüber Betrügern und hilfsbereiten Menschen; vom großen finanziellen Aufwand der Flucht; von den Gruppen, mit denen er unterwegs war; von den körperlichen Strapazen und von völliger Verzweiflung. Auf Fragen Aley Jads ging Ahmad Altaan näher auf die widrigen Lebensbedingungen in Jordanien und der Türkei ein sowie auf die Unmöglichkeit, sich dort irgendwie zu etablieren.
Nach so vielen Jahren des chaotischen Hin und Her, extremen Unsicherheit und politisch-behördlich Willkür erscheint Österreich in der Perspektive der Erzählung als fast unglaublicher Hafen von Sicherheit und Ordnung – ein Ort, den Ahmad Altaan sich vor allem für seine Kinder erhofft hatte und wo sie nun, nachdem die Familie Asyl erhalten hatte, einer geregelten Ausbildung nachgehen und mit Zukunftsperspektive leben können.
Das Interview beeindruckt durch die zeitliche Nähe der Ereignisse, von denen Ahmad Altaan erzählt. Die Ausgesetztheit und die Desorientiertheit in den langen Jahren der Flucht überträgt sich auf die Perspektive der Erzählung, in der sich auch der Zuhörer oft nicht leicht orientieren kann. Im österreichischen Ankunftsszenario wird aber umso deutlicher, wie sehr der Erzähler rückblickend immer nach der hier gefundenen Ordnung und Lebensperspektive strebte.