Oral-History-Interview mit Georg Daverda
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Vielsprachiges Gedächtnis der Migration
Katalogzettel
| Titel | Oral-History-Interview mit Georg Daverda |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Daverda, Georg [Interviewte/r]
Traska, Georg [Tontechniker/in] [GND ] Traska, Georg [Kamera] [GND ] Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften [Veranstalter] Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung [Fördergeber] |
| Datum |
2025.03.02 [Aufnahmedatum] |
| Ort |
Wien [Aufnahmeort]
|
| Schlagworte | Gesellschaft ; Kultur ; Migration ; Interview ; Geschichtswissenschaft ; Bildung und Schulwesen ; Sprache ; Familie ; Unveröffentlichte Aufnahme |
| Typ | video |
| Format |
DOV [Digitales Original Video] |
| Sprache |
Deutsch |
| Gesamtwerk/Reihe | Vielsprachiges Gedächtnis der Migration |
Information
Inhalt
Georg Daverda – der Name weist auf die ladinische Herkunft seines Vaters – wuchs in Südtirol auf, ab dem 14. Lebensjahr in einem Internat in Bozen, um dort eine technisch ausgerichtete Schule zu besuchen. In dieser Zeit entdeckte er auch seine Leidenschaft für das Bergsteigen und Klettern. Nach dem einjährigen Militärdienst in Italien musste er sich, um technische Physik studieren zu können, zwischen einer italienischen oder österreichischen Universitätsstadt entscheiden, und seine Wahl fiel damals, 1984, auf Wien, nicht zuletzt weil da schon Freunde studierten. Südtiroler*innen haben in Österreich einen Sonderstatus. Sie sind als Studierende den Österreicher*innen gleichgestellt und können auch dieselben Stipendien beziehen. In Wien fiel es ihm nicht schwer sich einzuleben, nur das graue Winterwetter blieb betrüblich.
Als er nach dem Studium erst einmal für eine Verbraucherorganisation zu arbeiten begann, bemerkte er, dass sein Dialekt nicht immer gut verstanden wurde, und er trainierte bewusst ein klares Hochdeutsch. Nach einigen Jahren machte er noch einen Master für internationales Recht und europäische Integration und arbeitete schließlich für Siemens, um 50-jährig nochmals umzusatteln: mit einem Masterstudium mit Schwerpunt Waldorf-Pädagogik und schließlich als Lehrer an einer Schule für Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen.
Obwohl sehr zufrieden mit seinem Leben in Wien – eingebunden in Familie und Berufsleben, mit einer schönen Wohnung am Waldesrand – fühlt er sich, wenn er nachspürt, doch nicht hier verwurzelt, sondern immer noch in Südtirol: „im Tal zwischen den hohen Bergen“. Den Schneeberg liebt er auch, doch kann er nicht die Berge vor der Haustür ersetzten. Dieses Spannungsverhältnis drückte Georg Daverda aber nicht als eine Unzufriedenheit aus, sondern als so etwas wie ein inneres ‚Residuum‘, das noch Möglichkeiten offenlässt.
Das Interview wurde 2025 von Francesca, die eher auf ein Gespräch in italienischer Sprache vorbereitet war (ihrerseits mit familiären Wurzeln in Süditalien) in der Wohnung der Daverdas in Wien geführt – im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF).
Als er nach dem Studium erst einmal für eine Verbraucherorganisation zu arbeiten begann, bemerkte er, dass sein Dialekt nicht immer gut verstanden wurde, und er trainierte bewusst ein klares Hochdeutsch. Nach einigen Jahren machte er noch einen Master für internationales Recht und europäische Integration und arbeitete schließlich für Siemens, um 50-jährig nochmals umzusatteln: mit einem Masterstudium mit Schwerpunt Waldorf-Pädagogik und schließlich als Lehrer an einer Schule für Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen.
Obwohl sehr zufrieden mit seinem Leben in Wien – eingebunden in Familie und Berufsleben, mit einer schönen Wohnung am Waldesrand – fühlt er sich, wenn er nachspürt, doch nicht hier verwurzelt, sondern immer noch in Südtirol: „im Tal zwischen den hohen Bergen“. Den Schneeberg liebt er auch, doch kann er nicht die Berge vor der Haustür ersetzten. Dieses Spannungsverhältnis drückte Georg Daverda aber nicht als eine Unzufriedenheit aus, sondern als so etwas wie ein inneres ‚Residuum‘, das noch Möglichkeiten offenlässt.
Das Interview wurde 2025 von Francesca, die eher auf ein Gespräch in italienischer Sprache vorbereitet war (ihrerseits mit familiären Wurzeln in Süditalien) in der Wohnung der Daverdas in Wien geführt – im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF).