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Oral-History-Interview mit Radiye Körpe

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Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Vielsprachiges Gedächtnis der Migration

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Radiye Körpe beginnt ihre Erzählung mit ihren Eltern: ihrem Vater, der ursprünglich aus dem Kosovo stammte und nach dem Zweiten Weltkrieg während seines Militärdienstes mit geringen Türkischkenntnissen in die Türkei flüchtete; sowie ihrer Mutter, die in eine türkische Familie in Bulgarien geboren wurde und sechsjährig in die Türkei kam. Die beiden heirateten 1950, und 1951 kam Radiye Körpe in Istanbul zur Welt. Sie selbst verlobte sich 17-jährig mit einem in Vorarlberg lebenden Mann, der in der Türkei Fußballprofi gewesen war und durch einen Zufall auf einer Reise 1964 in Hohenems blieb, dort in einer Textilfirma Arbeit fand und offenbar sehr gerne als Verstärkung der firmeneigenen Fußballmannschaft eingesetzt wurde. Nach zweijähriger Verlobung, während derer sie eher spärlichen Kontakt hatten, kam ihr Mann nach Istanbul, sie heirateten und er ging mit seiner Frau zu einer österreichischen Anwerbestelle, um sie nach Vorarlberg mitzunehmen. Das war damals sehr einfach und unbürokratisch, und Radiye Körper begann ein neues Leben in einer Einzimmerwohnung mit einem Mann, den sie kaum kannte, in einem Land, das ihr völlig fremd war und dessen Sprache sie nicht sprach.
Die Schilderung ihrer Ankunft ist besonders eindringlich. Ihre Fremdheit und Orientierungslosigkeit kommen in der Erzählung in isolierten und teils surreal anmutenden Details zum Ausdruck. Nach und nach findet sie sich aber zurecht in der Welt der „Gastarbeit“, und sie erzählt mit einem gewissen Stolz von der Qualität ihrer Arbeit als Näherin an verschiedenen Maschinen. Sie macht deutlich, dass sie den größeren Arbeitseifer hatte als ihr Mann, der erst Monate nach ihr (nach ihrer gemeinsamen Ankunft) wieder eine Stelle fand. Sie hatte Kolleginnen aus allen Teilen der Türkei, nicht aber aus Istanbul, sowie jugoslawische Kolleginnen, mit denen sie sich zwar deutsch unterhielt, aber nur versteckt und eilig. Auch wurden keine Deutschkurse angeboten und als sie Jahre später am AMS einen Deutschkurs machte, fiel ihr das Lernen aufgrund ihrer geringen schulischen Vorbildung schwer. Die Frage der Sprache und Verständigung bleibt ein wichtiges Thema im gesamten Interview. Nach einigen Jahren, als das Paar sich besser etabliert hatte, hatte sie drei Kinder. Nach der Geburt des dritten hörte sie zu arbeiten auf, um später, als die Kinder größer waren, abermals als Näherin zu arbeiten und genug Arbeitsjahre für eine eigene Pension zu erreichen.
Einen Aspekt der Diskriminierung hervorzuheben ist Radiye Körpe wichtig: nämlich dass, als sie ihr erstes Kind bekam, Mutterschutz und Karenz für Österreicherinnen gesetzlich geregelt waren, während die Migrantinnen nicht in Karenz gehen konnten. Sie seien hier nur als Arbeitskräfte gesehen worden und es war – neben der zeitlichen und wirtschaftlichen Anstrengung – eine emotionale Belastung, ihr Kind so frühzeitig einer Pflegemutter überlassen zu müssen. Außerdem erwähnt sie eine Episode der Ausgrenzung ihrer Tochter durch einen Lehrer in einer Musikhauptschule, die beinahe zu einem Schulwechsel geführt hätte, sich durch ihr Engagement jedoch positiv auflösen ließ.
Das Interview führte Zehra Kocabay, eine Studentin der PH Vorarlberg, in türkischer Sprache, in der Wohnung von Radiye Körpe in Hohenems; und zwar im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF). Die Interviewpartnerin wurde von deren Tochter Gülcin Körpe vermittelt, die für das Projekt die deutschen Untertitel aller türkischsprachigen Interviews besorgte.

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