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Oral-History-Interview mit Samiha Oyoun-Alnabulsi

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Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Vielsprachiges Gedächtnis der Migration

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Das Interview mit Samiha Oyoun Al Nabulsi wurde 2023 in arabischer Sprache im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF) geführt. Es ging unmittelbar dem Interview mit ihrem Mann Mohamed Jouma Almouslly voran. Beide wurden von Ghaid interviewt, die damals am Ende ihrer Schullaufbahn stand. Sie ist die Tochter einer syrischen Familie, mit der der Projektleiter Georg Traska gut bekannt ist und die 2013 aus dem Land floh – zuerst der Vater und die übrige Familie ein Jahr später folgend. Das heißt, Ghaid erfuhr selbst die Flucht aus dem von Gewalt zerrissenen Land, die vorübergehende Trennung von ihrem Vater und den Neuanfang in Österreich. Doch erlebte sie das in einem Alter und aus einer Perspektive, die ungefähr jenen von Frau Al Nabulsis Tochter entsprechen, die als Schülerin des Abendgymnasiums das Interview mit ihren Eltern vermittelte.
Frau Al Nabulsi beginnt ihre Erzählung mit dem Zeitabschnitt, als „die Lage“ in Syrien immer schlechter wurde. Das betrifft die Zeit ab 2011, als das Regime von Baschar Al-Assad mit Gewalt auf den Arabischen Frühling reagierte und einen Bürgerkrieg auslöste, in dem das Land und seine Bevölkerung in vielfältigen Fraktionskämpfen zermürbt wurden und während dessen der Islamische Staat (IS) vorübergehend weite Teile Syriens und des angrenzenden Iraks beherrschte.
Damals ging die Familie in den Irak, wo sie jedoch bald vom IS eingeholte wurde, und als die zivile und wirtschaftliche Situation immer schwieriger wurde, floh der Herr Almouslly Richtung Europa, um, sofern die Flucht gelang, so bald wie möglich die Familie nachzuholen. Allein gelassen mit drei minderjährigen Mädchen und ohne Einkunft, musste Frau Al Nabulsi im irakischen Kurdistan aus einer Wohnung in ein Flüchtlingslager in Sulaimaniyya umsiedeln. Eine erwachsene Tochter blieb mit ihrer Familie in Mosul zurück und eine weitere schaffte es unabhängig von ihr nach Deutschland. Unter den physisch und vor allem auch psychischen belastenden Lebensbedingungen des Lagers erlitt Frau Al Nabulsi einen ersten Schlaganfall/Herzinfarkt. Als Herr Almouslly tatsächlich Österreich erreichte, schlug sich die Familie mithilfe von Schleppern in die Türkei durch, von wo die Familienzusammenführung im Kontakt mit einer österreichischen Botschaft bewerkstelligt werden sollte. Auch hier waren die Zustände in den Flüchtlingscamps äußerst widrig, sodass sich die Familie Richtung Istanbul weiterbewegte. Dort arbeiteten die Töchter in einer Textilfabrik, um für das Überleben der Familie zu sorgen.
Auf Nachfrage Ghaids stellte sich heraus, dass Frau Al Nabulsi die Arbeit ihrer Töchter den in Syrien zurückgebliebenen oder verstreut lebenden Familienmitgliedern verschwieg, um diese nicht durch beunruhigende Nachrichten zusätzlich zu belasten und weil die unklaren, prekären Arbeitsverhältnisse, denen die Töchter ausgesetzt waren, nicht den Vorstellungen sorgsamer Erziehung von Mädchen entsprachen. Ghaid fragt aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und ihrer eigenen Position gleichermaßen eindringlich nach den Belastungen der Flucht wie nach handlungsleitenden Rollenbildern von Frauen und Mädchen. Auch will sie genau wissen, ob und wie die vielfältigen Leiden der Fluchtjahre psychisch unter den geordneten Lebensverhältnissen in Österreich weiterwirken.
Insgesamt verbrachten Frau Al Nabulsi und ihre Töchter fünf Jahre auf der Flucht, also außerhalb der ursprünglichen Heimat in Syrien, an verschiedenen Orten ohne Bleibeperspektive und unter prekären Lebensverhältnissen – etwa die halbe Zeit ohne den Mann bzw. Vater, ohne den das wirtschaftliche Überleben weiter erschwert wurde. Das Leben von Frau Al Nabulsi in Österreich ist auf das Zuhause fokussiert und bedacht auf das Wohl ihrer Familie. Ihre Hauptsorge und wichtigste Perspektive gilt der Zukunft der Töchter, insbesondere ihrer Ausbildung als Garant für eine sichere Zukunft.

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