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Konrad Holzer, geboren 1940, ist ein österreichischer Hörfunkjournalist und Literaturvermittler, der über mehrere Jahrzehnte die Literaturberichterstattung im ORF prägte. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen der Literaturvermittlung im Rundfunk.
Holzer begann seine Laufbahn in den 1960er-Jahren beim ORF und war zunächst im Regionalradio sowie in der Literaturredaktion tätig. Frühe Sendungsformate, in denen er Taschenbücher vorstellte, richteten sich an neue Leserschichten und standen im Zusammenhang mit veränderten Programmstrukturen. Diese Formate entstanden im Kontext neuer, offener Programmflächen im Hörfunk seit den frühen 1970er-Jahren und markierten einen niedrigschwelligen Zugang zu Literatur über populäre Sendeformate. In diesem Kontext entstanden regelmäßige Literaturformate sowie Kontakte zu Autorinnen, Autoren und Verlagen.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Rolle des Rundfunks als Vermittlungsinstanz im Literaturbetrieb. Holzer beschreibt den ORF als Medium, das Literatur durch Gespräche, Lesungen und Präsentationen einem breiten Publikum vermittelte. Dabei thematisiert er die Zusammenarbeit mit Verlagen sowie die Bedeutung des Funkhauses als zentraler Ort persönlicher Begegnungen und informeller Netzwerke innerhalb der literarischen Szene.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Entwicklung von Literaturformaten im Radio. Holzer beschreibt Veränderungen in der Gestaltung von Sendungen sowie eine zunehmende Präsenz zeitgenössischer Literatur im Programm. Zugleich geht er auf das Hörspiel als eigenständige Form ein, die im Rundfunk eine zentrale Rolle einnahm und technische sowie ästhetische Entwicklungen durchlief. Er verweist dabei auf die lange Tradition des Hörspiels im österreichischen Rundfunk, das bereits seit den Nachkriegsjahrzehnten ein zentrales Format war und wesentlich zur Verbindung von Literatur und Medium Radio beitrug. Zugleich betont er die hohe Qualität österreichischer Hörspielproduktionen, die auch im internationalen Rundfunkkontext Beachtung fanden.
Das Gespräch zeigt die Bedeutung des Rundfunks für die Vermittlung von Literatur im Zusammenspiel von medialen Formaten, institutionellen Strukturen und persönlichen Netzwerken und verdeutlicht die Rolle des Radios als zentrale Instanz literarischer Öffentlichkeit seit den 1960er-Jahren. (Buchmenschen erzählen)
Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt.
Oral History, Literatur im Rundfunk, Hörspiel, Literaturvermittlung, Literaturkritik, Österreichischer Rundfunk, Ö1, Ö3, Rundfunkreform (1974), Rudi Bayr, Gerhard Bacher, Ernst Wolfram Marboe, Volkmar Parschalk, Ex Libris, Leuchtschrift, Radio Wien, Literatur im Radio, Hörspielproduktion, Autorenförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Medienpolitik, Programmentwicklung, Rundfunkorganisation