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Zeitzeugen aus der Buchbranche

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Beiträge dieses Mediums

Gespräch mit der Kulturpolitikerin Dr. Hilde Hawlicek
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Hawlicek, Hilde [Interviewte/r]
Datum: 2025.04.22 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien, Literaturhaus [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Bildungspolitik ; Bildung und Schulwesen ; Kalter Krieg ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; Österreich
Typ: audio
Inhalt: Hilde Hawlicek, geboren 1942, ist eine österreichische Kulturpolitikerin, die als Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Sport (1987–1990) sowie als Abgeordnete zum Nationalrat und zum Europäischen Parlament tätig war. Im Zeitzeugeninterview schildert sie ihre kulturpolitische Arbeit mit besonderem Blick auf Literaturförderung und institutionelle Entwicklungen.

Ausgehend von ihrer frühen Lesebiografie und ihrer Tätigkeit als Lehrerin beschreibt Hawlicek, wie Literatur in ihrer Zeit als Ministerin zu einem zentralen Bestandteil ihrer politischen Arbeit wurde. Sie führte dabei Programme fort, die bereits unter Fred Sinowatz (SPÖ) etabliert worden waren. Ein zentrales Instrument war das Kulturservice, das Begegnungen zwischen Kulturschaffenden und Schulen organisierte und unter ihrer Amtszeit stark ausgebaut wurde. Parallel wurde die Literaturförderung erweitert, etwa durch die Einbindung zeitgenössischer Autorinnen und Autoren in Schulbücher sowie durch deren Honorierung.

Ein Schwerpunkt lag auf der internationalen Kulturpolitik der späten 1980er-Jahre. Hawlicek initiierte die Wiener Kulturministerkonferenz und etablierte mit dem Ostfonds Fördermaßnahmen für kulturelle Strukturen in den sich öffnenden Staaten Ost- und Mitteleuropas nach 1989. In diesem Zusammenhang betont sie die Bedeutung von Austausch und institutioneller Zusammenarbeit. Auch ihre Tätigkeit im Europäischen Parlament setzte diese Vernetzungsarbeit auf europäischer Ebene fort, etwa im Einsatz für die Aufrechterhaltung der grenzüberschreitenden Buchpreisbindung in Deutschland und Österreich.

In ihrer Ministerzeit pflegte Hawlicek enge Kontakte zur literarischen Szene. Sie beschreibt Gespräche mit Autorinnen und Autoren sowie Initiativen zur Förderung von Begegnungen durch Lesungen und Veranstaltungen. Dabei wird ein Verständnis von Kulturpolitik sichtbar, das auf persönlicher Kommunikation, breiter Förderung und der Einbeziehung weniger etablierter Kulturschaffender beruht. Zugleich betont sie die Bedeutung von Preisen und direkten Unterstützungsleistungen.

Institutionell prägend war ihre Mitwirkung am Kunstförderungsgesetz sowie an der Ausweitung von Förderinstrumenten für regionale Kulturinitiativen. Für den Literaturbetrieb hebt sie die Erhöhung der Verlagsförderung hervor, die insbesondere kleineren und mittleren Verlagen zugutekommen sollte. Ein zentrales Projekt war die Initiierung des Literaturhauses Wien als Ort der Vernetzung von Literaturschaffenden. Das Gespräch zeigt kulturpolitische Handlungsspielräume und verdeutlicht, wie sich Literaturförderung im Zusammenspiel von staatlichen Maßnahmen, institutionellen Strukturen und internationaler Öffnung entwickelte. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. , Oral History, Kulturpolitik, Literaturförderung, Buchbranche, Kunstförderungsgesetz, Literaturhaus Wien, Europäisches Parlament, Fred Sinowatz, Bruno Kreisky, Hertha Firnberg, Joseph Kirchberger, Gerhard Ruiss, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport, Österreichischer Nationalrat, Europäisches Parlament, Literaturhaus Wien, Österreichische Gesellschaft für Kulturpolitik, Frankfurter Buchmesse, Kulturförderung, Verlagsförderung, Buchpreisbindung, Literaturvermittlung, Kulturelle Infrastruktur, Europäische Kulturpolitik, Nachkriegszeit, Europäische Integration, Ostblocköffnung, Europäische Union.
Gespräch mit dem Buchwissenschafter und Leiter mehrerer Publikumsverlage Dr. Günther Fetzer
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Fetzer, Günther [Interviewte/r]
Datum: 2025.08.13 [Aufnahmedatum]
Ort: Grasbrunn [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 20. Jahrhundert - 50er Jahre ; Österreich ; Deutschland ; München ; Bern ; Erlangen
Typ: audio
Inhalt: Das Oral History-Interview mit Günther Fetzer, geboren 1946, dokumentiert die subjektive Erfahrung eines langjährig tätigen Akteurs des deutschsprachigen Verlagswesens und ordnet diese in die Entwicklung der Buch- und Medienbranche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Fetzer war in unterschiedlichen Funktionen in großen Publikums- und Literaturverlagen tätig und wirkte an programmatischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Entscheidungen mit, die für die Struktur und Ausrichtung des Verlagswesens prägend waren. Ergänzend war er auch im Bereich der Buchwissenschaft und der literaturwissenschaftlichen Forschung tätig, was seine berufliche Perspektive über die praktische Verlagstätigkeit hinaus erweiterte. Seine Laufbahn ist eng mit zentralen Institutionen der Buchbranche verbunden und spiegelt deren institutionelle Dynamiken und Handlungsspielräume wider.

Das Interview thematisiert zentrale Felder des Verlagsalltags wie Programmgestaltung, Lektorat, Taschenbuchentwicklung, Lizenzhandel und Marketing und verortet diese innerhalb eines sich wandelnden Markt- und Unternehmensumfelds. Fetzer reflektiert die zunehmende Arbeitsteilung, Professionalisierung und organisatorische Verdichtung von Verlagen sowie deren Auswirkungen auf redaktionelle Prozesse und Entscheidungsstrukturen. Wiederkehrend werden Fragen der Verlagskonzentration, der Zusammenarbeit zwischen Verlagseinheiten und der Anpassung an veränderte Produktions-, Vertriebs- und Rezeptionsbedingungen angesprochen, ohne diese in einer linearen Entwicklungsdarstellung zu bündeln. (Abstractteil -Buchmenschen erzählen) , Oral History, Kulturpolitik, Literaturförderung, Literaturvermittlung, Literarische Öffentlichkeit, Österreichische Gesellschaft für Literatur, Kulturabteilung der Stadt Wien, Wolfgang Kraus, Reinhard Urbach, Ernst Wolfram Marboe, Helmut Zilk, Alfred Kolleritsch, Alte Schmiede,ORF, Börsenblatt des deutschen Buchhandels, Zsolnay Verlag, Residenz Verlag, Lesungen, Verlagsförderung, Literaturpreise, Kulturverwaltung, Förderinstrumente, Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Ostblock, Europäische Integration.
Gespräch mit dem Hörfunk-Literaturjournalisten Konrad Holzer
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Holzer, Konrad [Interviewte/r]
Datum: 2025.05.21 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Radio ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre
Typ: audio
Inhalt: Konrad Holzer, geboren 1940, ist ein österreichischer Hörfunkjournalist und Literaturvermittler, der über mehrere Jahrzehnte die Literaturberichterstattung im ORF prägte. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen der Literaturvermittlung im Rundfunk.

Holzer begann seine Laufbahn in den 1960er-Jahren beim ORF und war zunächst im Regionalradio sowie in der Literaturredaktion tätig. Frühe Sendungsformate, in denen er Taschenbücher vorstellte, richteten sich an neue Leserschichten und standen im Zusammenhang mit veränderten Programmstrukturen. Diese Formate entstanden im Kontext neuer, offener Programmflächen im Hörfunk seit den frühen 1970er-Jahren und markierten einen niedrigschwelligen Zugang zu Literatur über populäre Sendeformate. In diesem Kontext entstanden regelmäßige Literaturformate sowie Kontakte zu Autorinnen, Autoren und Verlagen.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Rolle des Rundfunks als Vermittlungsinstanz im Literaturbetrieb. Holzer beschreibt den ORF als Medium, das Literatur durch Gespräche, Lesungen und Präsentationen einem breiten Publikum vermittelte. Dabei thematisiert er die Zusammenarbeit mit Verlagen sowie die Bedeutung des Funkhauses als zentraler Ort persönlicher Begegnungen und informeller Netzwerke innerhalb der literarischen Szene.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Entwicklung von Literaturformaten im Radio. Holzer beschreibt Veränderungen in der Gestaltung von Sendungen sowie eine zunehmende Präsenz zeitgenössischer Literatur im Programm. Zugleich geht er auf das Hörspiel als eigenständige Form ein, die im Rundfunk eine zentrale Rolle einnahm und technische sowie ästhetische Entwicklungen durchlief. Er verweist dabei auf die lange Tradition des Hörspiels im österreichischen Rundfunk, das bereits seit den Nachkriegsjahrzehnten ein zentrales Format war und wesentlich zur Verbindung von Literatur und Medium Radio beitrug. Zugleich betont er die hohe Qualität österreichischer Hörspielproduktionen, die auch im internationalen Rundfunkkontext Beachtung fanden.

Das Gespräch zeigt die Bedeutung des Rundfunks für die Vermittlung von Literatur im Zusammenspiel von medialen Formaten, institutionellen Strukturen und persönlichen Netzwerken und verdeutlicht die Rolle des Radios als zentrale Instanz literarischer Öffentlichkeit seit den 1960er-Jahren. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. , Oral History, Literatur im Rundfunk, Hörspiel, Literaturvermittlung, Literaturkritik, Österreichischer Rundfunk, Ö1, Ö3, Rundfunkreform (1974), Rudi Bayr, Gerhard Bacher, Ernst Wolfram Marboe, Volkmar Parschalk, Ex Libris, Leuchtschrift, Radio Wien, Literatur im Radio, Hörspielproduktion, Autorenförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Medienpolitik, Programmentwicklung, Rundfunkorganisation
Gespräch mit dem Leiter mehrerer katholischer Verlagshäuser und Donauland-Chef Fritz Müller
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Müller, Fritz [Interviewte/r]
Datum: 2025.03.24 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Bildung und Schulwesen ; römisch - katholische Kirche ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; 21. Jahrhundert - 10er Jahre ; Wien ; Steiermark ; Oberösterreich ; Österreich
Typ: audio
Inhalt: Fritz Müller, geboren 1948, ist ein österreichischer Verlagsmanager und Leiter mehrerer katholischer Verlagshäuser sowie später Geschäftsführer der Buchgemeinschaft Donauland. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen Weg vom Journalismus in den Buch- und Medienbereich sowie seine Tätigkeit als Verlagsleiter und Branchenakteur.

Nach dem Studium der Publizistik und Theologie begann Müller seine Laufbahn bei der katholischen Nachrichtenagentur Kath-Press. 1973 wechselte er in den Wiener Dom-Verlag und trat damit in den Buchhandel ein. Dort lernte er die Strukturen eines kirchlich geprägten Buchunternehmens kennen. Mit der Übernahme des Herold-Verlags durch den katholischen Pressverein 1976 war Müller am Umbau eines größeren Medienunternehmens beteiligt. Er beschreibt die Integration von Buchhandel, Verlag und Druckerei sowie die Neuausrichtung mit kunsthistorischen Reihen und politischen Sachbüchern. Dabei wird die Rolle kirchlicher Medienstrukturen und Pressvereine deutlich.

In den frühen 1980er-Jahren übernahm Müller die Gesamtleitung des Unternehmens und war mit wirtschaftlicher Konsolidierung, technischer Modernisierung und strategischen Entscheidungen befasst, darunter Investitionen in Drucktechnik, Kooperationen mit Zeitungen wie „Die Presse“ und neue Produktionsprozesse. Parallel entwickelte er das Verlagsprogramm weiter und baute Kontakte zu Autorinnen und Autoren aus. Sichtbar werden dabei Spannungen zwischen wirtschaftlichen Anforderungen, kirchlichen Eigentümerstrukturen und programmatischen Entscheidungen, die schließlich zum Verkauf des Herold-Verbunds führten.

Nach seinem Ausscheiden wechselte Müller zum Oberösterreichischen Landesverlag, wo er den Buchverlag, Regionalprogramme und Zeitschriften weiterentwickelte und den Schulbuchbereich als wirtschaftliche Grundlage ausbaute. Kooperationen und regionale Themen prägten diese Phase, bis Eigentümerentscheidungen und Konzentrationsprozesse erneut zu Veränderungen führten. Anschließend leitete Müller bei der Styria Buchhandel, Verlagsprogramme und Vertrieb. Dabei wird ein Wandel von regional und kirchlich geprägten Strukturen hin zu stärker marktorientierten Organisationsformen sichtbar. In einer weiteren Phase übernahm Müller die Geschäftsführung der Buchgemeinschaft Donauland und war damit in einem Vertriebsmodell tätig, das durch Mitgliederbindung, Direktvertrieb und Programmgestaltung eine eigenständige Rolle einnahm.

Das Gespräch zeigt berufliche Wege im Spannungsfeld von Kirche, Medien und Buchwirtschaft und verdeutlicht, wie institutionelle Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Entwicklungen und programmatische Entscheidungen ineinandergreifen. , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. (Buchmenschen erzählen) , Oral History, österreichisches Buchwesen, Verlagswesen, Buchhandel, Medienwirtschaft, kirchliche Medienarbeit, kirchliche Öffentlichkeit, Schulbuchmarkt, Buchgemeinschaften, Veritas Verlag, Fritz Müller, Alfred Krejci, Helmut Zilk, Erhard Busek, Styria Mediengruppe, Österreichischer Bundesverlag, Buchgemeinschaft Donauland, Katholischer Presseverein, Verband Österreichischer Buchhändler, Verband Österreichischer Verleger, Verlagsmanagement, Medienökonomie, Konzentrationsprozesse, Buchdistribution, Programmpolitik, Drucktechnik, Literaturvermittlung, Nachkriegszeit.
Gespräch mit dem Münchner Buchhändler Erwin Schumacher
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Schumacher, Erwin [Interviewte/r]
Datum: 2025.08.14 [Aufnahmedatum]
Ort: München [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Familie ; Bildung und Schulwesen ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; 21. Jahrhundert - 10er Jahre
Typ: audio
Inhalt: Erwin Schumacher, geboren 1935, ist ein Münchner Buchhändler und langjähriger Leiter der Buchhandlung Lehmkuhl, die er 1965 übernahm. Das Interview mit ihm ist ein Zeitzeugenbericht aus dem Buchhandel, in dem er seine Tätigkeit als Sortimenter, Veranstalter und Branchenakteur schildert.

Schumacher wuchs im Umfeld der elterlichen Buchhandlung auf, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen neu aufgebaut wurde. Früh war er in den Betrieb eingebunden, zunächst als Bote, später nach Ausbildung und Stationen in Hamburg, Freiburg, Tübingen, Berlin und London als Mitarbeiter im Familienunternehmen. Mit der Übernahme der Buchhandlung Mitte der 1960er-Jahre entwickelte er das Sortiment weiter und baute vor allem die Veranstaltungsarbeit aus. Lesungen, die ab Ende der 1960er-Jahre intensiviert wurden, machten die Buchhandlung zu einem literarischen Treffpunkt. Kontakte zu Autorinnen und Autoren entstanden über Verlagsvertreter und wachsende persönliche Netzwerke.

Zugleich gibt das Gespräch Einblick in die Arbeitsweisen des Buchhandels vor der Digitalisierung. Bestell- und Dispositionsprozesse erfolgten manuell, gestützt auf Kataloge, persönliche Erfahrung und enge Beziehungen zu Grossisten und Verlagen. Schumacher beschreibt die Bedeutung von Vertreterbesuchen, die Rolle von Bestsellerauflagen sowie Veränderungen durch neue Vertriebsformen und technische Entwicklungen wie die Einführung der EDV. Sichtbar werden auch strukturelle Verschiebungen, etwa durch das Aufkommen großer Buchhandlungen, veränderte Kundenströme und zunehmenden Wettbewerbsdruck.

Neben der Sortimentsarbeit engagierte sich Schumacher im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und war in den frühen 1990er-Jahren Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands. Seine Tätigkeit umfasste vor allem repräsentative Aufgaben sowie die Mitwirkung an kulturpolitischen Initiativen wie dem Geschwister-Scholl-Preis. Innerhalb der Buchhandlung spielten ergänzende Angebote wie Zeitschriften, Schallplatten oder Kinderveranstaltungen eine Rolle, die jedoch teilweise wieder aufgegeben wurden. Schumacher beschreibt den Wandel von einer stark gesellschaftskritisch geprägten Literatur der 1970er-Jahre hin zu stärker unterhaltungsorientierten Angeboten in den folgenden Jahrzehnten.

Das Interview zeigt die Entwicklung einer unabhängigen Buchhandlung im Spannungsfeld von kulturellem Anspruch, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und strukturellem Wandel. Es macht sichtbar, wie individuelle Praxis, persönliche Netzwerke und institutionelle Veränderungen im Buchhandel ineinandergreifen und sich über mehrere Jahrzehnte hinweg verändern. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt.
Gespräch mit dem Weltliteratur-Verleger und Digitalpionier Lucien Leitess
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Leitess, Lucien [Interviewte/r]
Datum: 2025.07.14 [Aufnahmedatum]
Ort: Leiben [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Kalter Krieg ; Globalisierung und multinationale Konzerne ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; 21. Jahrhundert - 10er Jahre ; Zürich ; Ägypten ; Türkei
Typ: audio
Inhalt: Lucien Leitess, geboren 1950, ist ein Schweizer Verleger und Gründer des Unionsverlags, der seit den 1970er-Jahren internationale Literatur im deutschsprachigen Raum vermittelt. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen im Verlagswesen seit den 1970er-Jahren.

Leitess gründete den Unionsverlag 1975 und entwickelte ihn aus einem zunächst klein strukturierten Unternehmen zu einem Verlag mit international ausgerichtetem Programm. Ausgangspunkt seiner verlegerischen Tätigkeit war das Interesse an literarischen Stimmen, die im deutschsprachigen Buchmarkt bislang wenig präsent waren. Diese Programmatik stand im Kontext der politischen Umbrüche um 1968 und der Entstehung einer neuen, politisch geprägten Verlagsszene, in der Literatur als Teil gesellschaftlicher und internationaler Befreiungsbewegungen verstanden wurde. Die frühen Arbeitsbedingungen waren durch begrenzte Ressourcen und eine geringe institutionelle Absicherung geprägt.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Programmarbeit mit internationaler Literatur. Die Hinwendung entwickelte sich dabei direkt aus politischen Solidaritätsbewegungen, insbesondere im Kontext antikolonialer und antiimperialistischer Diskurse. Leitess beschreibt den Aufbau von Kontakten zu Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Weltregionen sowie die langfristige Entwicklung eines entsprechenden Verlagsprogramms. Dabei spielten persönliche Netzwerke, Übersetzungsarbeit und kontinuierliche Zusammenarbeit eine zentrale Rolle. Zugleich thematisiert er die wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich aus Übersetzungskosten und unsicheren Absatzmöglichkeiten ergaben.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die strukturellen Rahmenbedingungen kleiner Verlage. Leitess beschreibt Veränderungen im Buchhandel, zunehmende Konzentrationsprozesse sowie die Bedeutung von Vertrieb und Sichtbarkeit im Markt. Darüber hinaus geht es auf die Einführung digitaler Technologien ein, die seit den 1980er-Jahren Arbeitsabläufe im Verlag veränderten, etwa in der Organisation von Produktions- und Verwaltungsprozessen sowie später im Zuge der Umstellung auf die ISBN-13.

Das Gespräch zeigt die Entwicklung eines unabhängigen Verlags im Zusammenspiel von programmatischer Ausrichtung, internationalen Netzwerken und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und verdeutlicht die Arbeitsweisen kleiner und mittlerer Verlage im Kontext struktureller Veränderungen des Buchmarkts seit den 1970er-Jahren. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. , Verlagswesen, Weltliteratur, Literaturübersetzung, Digitalisierung, Kulturpolitik, Unionsverlag, Buchbranche, Nagib Machfus, Yasar Kemal, Tschingis Aitmatow, Assia Djebar, Mahmud Doulatabadi, Liesl Kruckmann, C.H.Beck, Suhrkamp Verlag, S. Fischer Verlag, Rowohlt Verlag, Limmat Verlag, Rotpunktverlag, Peter Hammer Verlag, Internationale Literatur
Unabhängige Verlage, Übersetzungsarbeit, Verlagsökonomie, Buchdistribution, Digitale Verlagssoftware, Literarische Öffentlichkeit, Verlagsförderung, 1968er-Bewegung, Nachkriegszeit, Digitale Revolution, Globalisierung
Gespräch mit dem Wiener Bibliothekar Stefan Horvath
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Horvath, Stefan [Interviewte/r]
Datum: 2025.10.31 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Bildung und Schulwesen ; Arbeitsbedingungen ; Bibliothek ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 50er Jahre ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre
Typ: audio
Inhalt: Stefan Horvath, geboren 1936, ist ein österreichischer Bibliothekar, der die Entwicklung der Wiener Städtischen Büchereien seit den 1960er-Jahren maßgeblich mitgestaltete. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen im öffentlichen Bibliothekswesen.

Horvath begann seine Tätigkeit 1965 in einer Zweigstelle der Wiener Büchereien und war zunächst mit praktischen Aufgaben wie Katalogisierung, Bestandskontrolle und Buchpflege befasst. Er beschreibt die Arbeitsbedingungen als überwiegend manuell organisiert sowie die Bedeutung persönlicher Beratung im direkten Kontakt mit den Nutzerinnen und Nutzern. In diesem Zusammenhang thematisiert er die Unterschiede zwischen Theken- und Freihandbüchereien sowie den schrittweisen Übergang zu offenen Bestandsstrukturen.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf den Modernisierungsprozessen seit den 1970er-Jahren. Mit seinem Wechsel 1970 in die Hauptbücherei im Haus des Buches in der Skodagasse war Horvath an der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung beteiligt, die zu veränderten Arbeitsabläufen und erweiterten Nutzungsmöglichkeiten führte. Zugleich beschreibt er die Entwicklung zentral organisierter Erwerbungsprozesse sowie die Zusammenarbeit mit Buchhandel und Verlagen. Auch internationale Kontakte, insbesondere nach Deutschland, spielten eine wichtige Rolle, etwa beim Austausch über bibliothekarische Systeme und bei der Orientierung an Modellen wie der EKZ.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Funktion öffentlicher Bibliotheken im urbanen Raum. Horvath beschreibt steigende Nutzerzahlen, die Erweiterung des Medienangebots um audiovisuelle Formate sowie die Rolle der Bibliothek als sozialer Treffpunkt. Dabei geht er auch auf die Bedeutung der Bücherbusse ein, die seit den 1950er-Jahren eingesetzt wurden, um periphere Stadtteile zu erreichen, jedoch mit praktischen und technischen Problemen verbunden waren. Darüber hinaus thematisiert er strukturelle Rahmenbedingungen wie begrenzte Ressourcen, Personalfragen und die Einbindung in kommunale Bildungspolitik. Der Neubau der Wiener Hauptbücherei, der in den 1990er-Jahren beschlossen und 2003 am Urban-Loritz-Platz eröffnet wurde, markiert eine Phase institutioneller Neuorganisation und gestiegener Sichtbarkeit.

Das Gespräch zeigt die Entwicklung des öffentlichen Bibliothekswesens im Zusammenspiel von organisatorischen Veränderungen, technischen Innovationen und gesellschaftlichen Funktionen und verdeutlicht den Wandel von manuell geprägten Arbeitsweisen hin zu digital unterstützten und stärker öffentlich orientierten Bibliotheksstrukturen. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt.
Gespräch mit dem Wiener Kulturarbeiter Raoul Blahacek
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Blahacek, Raoul [Interviewte/r]
Datum: 2025.04.29 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien, Schwarzenbergpark [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Kulturpolitik ; Kalter Krieg ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre
Typ: audio
Inhalt: Raoul Blahacek, geboren 1948, bezeichnet sich selbst als Kulturarbeiter. Er war zunächst bei der Österreichischen Gesellschaft für Literatur tätig und leitete später das Literaturreferat der Stadt Wien. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen im literarischen Leben Wiens seit den 1970er-Jahren.

Blahacek begann seine Laufbahn nach dem Germanistikstudium 1975 bei der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, wo er bis Mitte der 1980er-Jahre tätig war. Er beschreibt diese Institution als einen zentralen Veranstaltungsort des literarischen Lebens, dessen Programme durch etablierte Strukturen und ein spezifisches bürgerliches Publikum bestimmt waren. Gleichzeitig entstanden neue Orte und Formate, die zur Öffnung der Literaturszene beitrugen.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf seiner Tätigkeit in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur. Blahacek beschreibt organisatorische Abläufe, internationale Kontakte sowie die Rolle persönlicher Netzwerke in der Programmarbeit. Dabei thematisiert er auch Spannungen zwischen etablierten Positionen und neuen Entwicklungen innerhalb der literarischen Öffentlichkeit, insbesondere zwischen einem bürgerlich-traditionellen Literaturverständnis und einer neuen, „wilden“, avantgardistisch geprägten Szene, die sich teilweise eigene Räume und Strukturen schuf.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft seine Tätigkeit im Literaturreferat der Stadt Wien, das er ab Mitte der 1980er-Jahre leitete. Blahacek beschreibt Förderpraxis, Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren sowie institutionelle Rahmenbedingungen. Er geht auf begrenzte finanzielle Spielräume ein und hebt die Bedeutung öffentlicher Förderung sowie die zunehmende Formalisierung von Entscheidungsprozessen hervor. Zudem betont er die zentrale Rolle von Preisen und Stipendien. Darüber hinaus thematisiert er strukturelle Bedingungen des Literaturbetriebs, darunter geringe Auflagen, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Rolle von Netzwerken.

Das Gespräch zeigt die Entwicklung des literarischen Lebens in Wien im Zusammenspiel von institutionellen Strukturen, Fördermechanismen und persönlichen Netzwerken und verdeutlicht den Wandel von stärker etablierten zu differenzierten und pluralen Organisationsformen im Literaturbetrieb seit den 1970er-Jahren. , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. (Buchmenschen erzählen) , Schlagworte: Oral History, Kulturpolitik, Literaturförderung, Literaturvermittlung, Literarische Öffentlichkeit, Österreichische Gesellschaft für Literatur, Kulturabteilung der Stadt Wien, Wolfgang Kraus, Reinhard Urbach, Ernst Wolfram Marboe, Helmut Zilk, Alfred Kolleritsch, Alte Schmiede,ORF, Börsenblatt des deutschen Buchhandels, Zsolnay Verlag, Residenz Verlag, Lesungen, Verlagsförderung, Literaturpreise, Kulturverwaltung, Förderinstrumente, Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Ostblock, Europäische Integration
Gespräch mit der Kinderbuch-Verlegerin Silke Weitendorf
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Weitendorf, Silke [Interviewte/r]
Datum: 2025.06.26 [Aufnahmedatum]
Ort: Hamburg, Duvenstedt [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Kinder und Jugend ; Familie ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 50er Jahre ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; Schweiz ; Schweden ; Hamburg ; Deutschland
Typ: audio
Inhalt: Silke Weitendorf, geboren 1941, ist eine deutsche Kinderbuchverlegerin, die über Jahrzehnte den Verlag Friedrich Oetinger prägte. Im Zeitzeugeninterview schildert sie ihren Weg in den Verlag sowie ihre Erfahrungen im Kinder- und Jugendbuchbereich seit der Nachkriegszeit.

Weitendorf wuchs im Umfeld des Verlags auf, den ihr Stiefvater Friedrich Oetinger nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hatte. Ihre Kindheit war von intensiver Lektüre geprägt; früh wurde sie in verlegerische Abläufe einbezogen, etwa durch das Lesen von Manuskripten. Sie hebt dabei die Bedeutung von Büchern in ihrer eigenen Entwicklung hervor.

Die wirtschaftlichen Bedingungen der frühen Verlagsjahre beschreibt Weitendorf als prekär. Der Verlag wurde zunächst aus der Privatwohnung geführt, Vertrieb und Auslieferung erfolgten unter improvisierten Bedingungen. Zusätzliche Einnahmen – etwa durch den Vertrieb deutschsprachiger Bücher in Skandinavien – waren notwendig. Entscheidend für die Stabilisierung des Verlags war der Erfolg von Astrid Lindgren, deren Bücher sich zunehmend durchsetzten und langfristig die wirtschaftliche Grundlage des Verlags bildeten. Weitendorf betont, dass ohne Lindgren ein Überleben des Verlags kaum möglich gewesen wäre.

Weitendorf schildert die Arbeitsorganisation eines kleineren Verlags in der Nachkriegszeit. Dazu gehörten die enge Verzahnung von Familie und Betrieb, handwerklich geprägte Produktionsprozesse sowie intensive persönliche Kontakte zu Autorinnen, Illustratoren und Druckereien. Gleichzeitig beschreibt sie die Rollenverteilung innerhalb des Verlags, insbesondere die wirtschaftliche Verantwortung ihrer Mutter und die programmatische Ausrichtung durch den Verlagsgründer.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Vertriebs- und Marktstrukturen. Weitendorf beschreibt die Entwicklung des Vertreterwesens, die Bedeutung von Buchmessen als Verkaufs- und Kommunikationsorte sowie die zentrale Rolle von Bibliotheken und Einkaufseinrichtungen für den Absatz. Daneben betont sie den Wandel der Kinder- und Jugendliteratur hin zu höherer literarischer Qualität und größerer thematischer Vielfalt. Sie beschreibt Auseinandersetzungen um Sprache, pädagogische Anforderungen und gesellschaftliche Einflüsse auf Literatur. Veränderungen in Vertragsstrukturen, insbesondere die stärkere Beteiligung von Übersetzern und Illustratoren an Erlösen, stellt sie als Teil einer Professionalisierung des Verlagswesens dar.

Das Gespräch zeigt die Entwicklung eines Kinderbuchverlags von improvisierten Nachkriegsstrukturen hin zu einem etablierten Unternehmen und verdeutlicht zentrale Veränderungen im Kinder- und Jugendbuchmarkt sowie im Literaturbetrieb seit den 1950er-Jahren. , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. (Buchmenschen erzählen) , Oral History, Kinderbuchverlag, Kinder- und Jugendliteratur, Verlagsarbeit, Literaturvermittlung, Verlagsgruppe Friedrich Oetinger, Astrid Lindgren, Frankfurter Buchmesse, Friedrich Oetinger, Heidi Oetinger,
Christine Nöstlinger, Cecilie Dressler Verlag, Deutsche Grammophon, Bertelsmann Buchclub, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Einkaufszentrale für Bibliotheken, Übersetzungsarbeit, Lizenzvergabe, Buchhandel,
Buchclubs, Medienadaptionen, Verlagsökonomie, Digitalisierung, Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder, 1968er-Bewegung, Deutsche Wiedervereinigung, Digitales Zeitalter.
Gespräch mit dem Schriftsteller, Kulturvermittler und Autoren-Interessenvertreter Nils Jensen
Buchmenschen erzählen
Mitwirkende: Schnepf, Michael [Interviewer/in] , Jensen, Nils [Interviewte/r]
Datum: 2025.09.26 [Aufnahmedatum]
Ort: Aigen-Schlägl [Aufnahmeort]
Schlagworte: Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Unveröffentlichte Aufnahme ; 20. Jahrhundert - 60er Jahre ; 20. Jahrhundert - 70er Jahre ; 20. Jahrhundert - 80er Jahre ; 20. Jahrhundert - 90er Jahre ; 21. Jahrhundert - Nullerjahre ; Wien ; Österreich
Typ: audio
Inhalt: Nils Jensen, geboren 1947, ist ein österreichischer Schriftsteller, Kulturvermittler und Vertreter von Autorinnen- und Autoreninteressen, der seit den 1970er-Jahren im Literaturbetrieb tätig ist. Im Zeitzeugeninterview schildert er seine Erfahrungen im Kontext literarischer Aufbruchbewegungen sowie sein Engagement in Zeitschriftenprojekten und kulturpolitischen Organisationen.

Jensen beschreibt die frühen 1970er-Jahre als Phase intensiver Aktivität innerhalb der österreichischen Literaturszene, die weniger durch feste Organisationen als durch lose Netzwerke geprägt war. Ausgangspunkt seines Engagements war das Schreiben, aus dem sich Kontakte zu anderen Autorinnen und Autoren entwickelten. In diesem Umfeld entstand 1971 die Literaturzeitschrift „Frischfleisch“, die als Plattform für eigene und fremde Texte diente und sich rasch zu einem wichtigen Medium einer jüngeren Szene entwickelte. Charakteristisch war die Verbindung literarischer Produktion mit politischen Fragestellungen. Jensen ordnet dies in den Kontext der sozialdemokratischen Reformpolitik ein.

Neben der Zeitschriftentätigkeit hebt Jensen die Bedeutung von Aufführungs- und Präsentationsorten hervor. Einrichtungen wie die Alte Schmiede boten neue Möglichkeiten für Lesungen und ergänzten bestehende literarische Institutionen wie die Österreichische Gesellschaft für Literatur. Zugleich entstanden informelle Veranstaltungsformate, die zur Sichtbarkeit junger Literatur beitrugen.

Für das Ende der 1970er- und die frühen 1980er-Jahre beschreibt Jensen einen Übergang zu stärker organisierten Strukturen. Ein zentraler Bezugspunkt ist der Erste Österreichische Schriftstellerkongress 1981, der Forderungen zur sozialen und rechtlichen Situation von Autorinnen und Autoren formulierte. Er thematisiert Maßnahmen wie Bibliothekstantiemen sowie den Aufbau neuer Formen der Interessenvertretung. Die IG Autorinnen Autoren entwickelte sich dabei zu einer zentralen Organisation.

Im Rückblick beschreibt Jensen die 1980er-Jahre als Phase der Konsolidierung, in der sich neue Verlage und Netzwerke etablierten. Literaturzeitschriften bleiben zwar ein relevanter Publikations- und Vernetzungsort, treten jedoch im Zuge der Professionalisierung gegenüber Verlagen und Institutionen zunehmend in den Hintergrund.

Das Gespräch zeigt die Entwicklung der österreichischen Literaturszene seit den 1970er-Jahren im Spannungsfeld von Selbstorganisation, institutioneller Verdichtung und kulturpolitischen Rahmenbedingungen und verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen individueller Praxis und strukturellen Veränderungen. (Buchmenschen erzählen) , Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. , Oral History, österreichische Literaturszene, Literaturpolitik, Autoreninteressenvertretung, Literaturzeitschriften, IG Autorinnen Autoren, Frischfleisch, Buchkultur, Erster Österreichischer Schriftstellerkongress (1981), Waldheim-Affäre, Franz Schuh, Alfred Kollaritsch, Gerhard Ruiss, Reinhard Urbach, Reinhard Wegerth, IG Autorinnen Autoren, Manuskripte, Wespennest, Grazer Autorenversammlung, Pen-Club, literarische Öffentlichkeit, Literaturförderung, Autorenorganisationen, soziale Absicherung von Autorinnen und Autoren, Urheberrecht, Kulturpolitik, Medienpolitik, späte 1960er-Jahre, Reformära Kreisky

Katalogzettel

Titel Zeitzeugen aus der Buchbranche
Titelzusatz Buchmenschen erzählen
Oral History-Projekt
Schlagworte Literatur ; Medien und Kommunikation ; Unveröffentlichte Aufnahme
Typ audio
Sprache Deutsch

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