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Nils Jensen, geboren 1947, ist ein österreichischer Schriftsteller, Kulturvermittler und Vertreter von Autorinnen- und Autoreninteressen, der seit den 1970er-Jahren im Literaturbetrieb tätig ist. Im Zeitzeugeninterview schildert er seine Erfahrungen im Kontext literarischer Aufbruchbewegungen sowie sein Engagement in Zeitschriftenprojekten und kulturpolitischen Organisationen.
Jensen beschreibt die frühen 1970er-Jahre als Phase intensiver Aktivität innerhalb der österreichischen Literaturszene, die weniger durch feste Organisationen als durch lose Netzwerke geprägt war. Ausgangspunkt seines Engagements war das Schreiben, aus dem sich Kontakte zu anderen Autorinnen und Autoren entwickelten. In diesem Umfeld entstand 1971 die Literaturzeitschrift „Frischfleisch“, die als Plattform für eigene und fremde Texte diente und sich rasch zu einem wichtigen Medium einer jüngeren Szene entwickelte. Charakteristisch war die Verbindung literarischer Produktion mit politischen Fragestellungen. Jensen ordnet dies in den Kontext der sozialdemokratischen Reformpolitik ein.
Neben der Zeitschriftentätigkeit hebt Jensen die Bedeutung von Aufführungs- und Präsentationsorten hervor. Einrichtungen wie die Alte Schmiede boten neue Möglichkeiten für Lesungen und ergänzten bestehende literarische Institutionen wie die Österreichische Gesellschaft für Literatur. Zugleich entstanden informelle Veranstaltungsformate, die zur Sichtbarkeit junger Literatur beitrugen.
Für das Ende der 1970er- und die frühen 1980er-Jahre beschreibt Jensen einen Übergang zu stärker organisierten Strukturen. Ein zentraler Bezugspunkt ist der Erste Österreichische Schriftstellerkongress 1981, der Forderungen zur sozialen und rechtlichen Situation von Autorinnen und Autoren formulierte. Er thematisiert Maßnahmen wie Bibliothekstantiemen sowie den Aufbau neuer Formen der Interessenvertretung. Die IG Autorinnen Autoren entwickelte sich dabei zu einer zentralen Organisation.
Im Rückblick beschreibt Jensen die 1980er-Jahre als Phase der Konsolidierung, in der sich neue Verlage und Netzwerke etablierten. Literaturzeitschriften bleiben zwar ein relevanter Publikations- und Vernetzungsort, treten jedoch im Zuge der Professionalisierung gegenüber Verlagen und Institutionen zunehmend in den Hintergrund.
Das Gespräch zeigt die Entwicklung der österreichischen Literaturszene seit den 1970er-Jahren im Spannungsfeld von Selbstorganisation, institutioneller Verdichtung und kulturpolitischen Rahmenbedingungen und verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen individueller Praxis und strukturellen Veränderungen. (Buchmenschen erzählen)
Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt.
Oral History, österreichische Literaturszene, Literaturpolitik, Autoreninteressenvertretung, Literaturzeitschriften, IG Autorinnen Autoren, Frischfleisch, Buchkultur, Erster Österreichischer Schriftstellerkongress (1981), Waldheim-Affäre, Franz Schuh, Alfred Kollaritsch, Gerhard Ruiss, Reinhard Urbach, Reinhard Wegerth, IG Autorinnen Autoren, Manuskripte, Wespennest, Grazer Autorenversammlung, Pen-Club, literarische Öffentlichkeit, Literaturförderung, Autorenorganisationen, soziale Absicherung von Autorinnen und Autoren, Urheberrecht, Kulturpolitik, Medienpolitik, späte 1960er-Jahre, Reformära Kreisky