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Gespräch mit dem Münchner Buchhändler Erwin Schumacher

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Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Zeitzeugen aus der Buchbranche

Katalogzettel

Titel Gespräch mit dem Münchner Buchhändler Erwin Schumacher
Titelzusatz Buchmenschen erzählen
Urheber/innen und Mitwirkende Schnepf, Michael [Interviewer/in]
Schumacher, Erwin [Interviewte/r]
Datum 2025.08.14 [Aufnahmedatum]
Ort München [Aufnahmeort]
Schlagworte Literatur ; Medien und Kommunikation ; Interview ; Printmedien ; Arbeitsbedingungen ; Familie ; Bildung und Schulwesen ; Unveröffentlichte Aufnahme
20. Jahrhundert - 60er Jahre
20. Jahrhundert - 70er Jahre
20. Jahrhundert - 80er Jahre
20. Jahrhundert - 90er Jahre
21. Jahrhundert - Nullerjahre
21. Jahrhundert - 10er Jahre
Typ audio
Format DFMP3 [Dateiformat: MP3]
DFWAV [Dateiformat: Broadcast WAV]
Gesamtwerk/Reihe Zeitzeugen aus der Buchbranche

Information

Inhalt

Erwin Schumacher, geboren 1935, ist ein Münchner Buchhändler und langjähriger Leiter der Buchhandlung Lehmkuhl, die er 1965 übernahm. Das Interview mit ihm ist ein Zeitzeugenbericht aus dem Buchhandel, in dem er seine Tätigkeit als Sortimenter, Veranstalter und Branchenakteur schildert.

Schumacher wuchs im Umfeld der elterlichen Buchhandlung auf, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen neu aufgebaut wurde. Früh war er in den Betrieb eingebunden, zunächst als Bote, später nach Ausbildung und Stationen in Hamburg, Freiburg, Tübingen, Berlin und London als Mitarbeiter im Familienunternehmen. Mit der Übernahme der Buchhandlung Mitte der 1960er-Jahre entwickelte er das Sortiment weiter und baute vor allem die Veranstaltungsarbeit aus. Lesungen, die ab Ende der 1960er-Jahre intensiviert wurden, machten die Buchhandlung zu einem literarischen Treffpunkt. Kontakte zu Autorinnen und Autoren entstanden über Verlagsvertreter und wachsende persönliche Netzwerke.

Zugleich gibt das Gespräch Einblick in die Arbeitsweisen des Buchhandels vor der Digitalisierung. Bestell- und Dispositionsprozesse erfolgten manuell, gestützt auf Kataloge, persönliche Erfahrung und enge Beziehungen zu Grossisten und Verlagen. Schumacher beschreibt die Bedeutung von Vertreterbesuchen, die Rolle von Bestsellerauflagen sowie Veränderungen durch neue Vertriebsformen und technische Entwicklungen wie die Einführung der EDV. Sichtbar werden auch strukturelle Verschiebungen, etwa durch das Aufkommen großer Buchhandlungen, veränderte Kundenströme und zunehmenden Wettbewerbsdruck.

Neben der Sortimentsarbeit engagierte sich Schumacher im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und war in den frühen 1990er-Jahren Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands. Seine Tätigkeit umfasste vor allem repräsentative Aufgaben sowie die Mitwirkung an kulturpolitischen Initiativen wie dem Geschwister-Scholl-Preis. Innerhalb der Buchhandlung spielten ergänzende Angebote wie Zeitschriften, Schallplatten oder Kinderveranstaltungen eine Rolle, die jedoch teilweise wieder aufgegeben wurden. Schumacher beschreibt den Wandel von einer stark gesellschaftskritisch geprägten Literatur der 1970er-Jahre hin zu stärker unterhaltungsorientierten Angeboten in den folgenden Jahrzehnten.

Das Interview zeigt die Entwicklung einer unabhängigen Buchhandlung im Spannungsfeld von kulturellem Anspruch, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und strukturellem Wandel. Es macht sichtbar, wie individuelle Praxis, persönliche Netzwerke und institutionelle Veränderungen im Buchhandel ineinandergreifen und sich über mehrere Jahrzehnte hinweg verändern. (Buchmenschen erzählen)
Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt.

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