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Klaus G. Saur, geboren 1941, ist ein international tätiger Wissenschaftsverleger, der vor allem im Bereich bibliografischer Referenzwerke und informationswissenschaftlicher Großprojekte tätig war. Im Zeitzeugeninterview schildert er seinen beruflichen Weg und zentrale Entwicklungen im wissenschaftlichen Verlagswesen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Saur begann seine Laufbahn im familiären Verlag und war früh in verlegerische Abläufe eingebunden. Ausgehend von wahrgenommenen Defiziten im Fachbuchmarkt für Bibliotheken entwickelte er ein Programm bibliografischer Nachschlagewerke. Projekte wie das „Internationale Verlagsadressbuch“ und das „Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums“ zielten darauf ab, Recherche- und Erschließungsprozesse in Bibliotheken systematisch zu unterstützen.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Planung und Umsetzung internationaler Großprojekte. Saur beschreibt die Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Institutionen, darunter auch internationale Partner wie die British Library, sowie den Aufbau langfristiger Kooperationen. Unter den Bedingungen der deutsch-deutschen Teilung entstanden Arbeitsbeziehungen über politische Grenzen hinweg, etwa mit der Deutschen Bücherei in Leipzig. In diesem Zusammenhang thematisiert er auch die Entwicklung des Verzeichnisses Lieferbarer Bücher (VLB) und die zunehmende Bedeutung umfassender bibliografischer Datenbestände.
Darüber hinaus geht Saur auf Veränderungen im Zuge der Digitalisierung ein. Seit den 1980er-Jahren gewannen elektronische Datenbanken an Bedeutung und beeinflussten Produktions- und Distributionsprozesse im Verlagswesen. Vor diesem Hintergrund beschreibt er strategische Entscheidungen, darunter auch den Verkauf seines Verlags. Ergänzend thematisiert er internationale Netzwerke sowie verlegerische Projekte zur historischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Zudem schildert er seine Tätigkeit in Branchen- und Fachgremien, insbesondere im Börsenverein sowie in nationalen und internationalen Bibliotheksverbänden, und verweist auf deren Bedeutung für fachlichen Austausch und Vernetzung.
Das Gespräch zeigt die Entwicklung bibliografischer Informationssysteme im Zusammenspiel von verlegerischer Praxis, internationalen Kooperationen und technischen Veränderungen und verdeutlicht den Übergang von analogen zu digitalen Arbeits- und Organisationsformen im wissenschaftlichen Verlagswesen.
Das Interview ist Teil des Oral History-Projekts „Buchmenschen erzählen", das Erinnerungen zentraler Akteurinnen und Akteure des deutschsprachigen Literatur- und Buchbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Ziel des Projekts ist es, Arbeitsweisen, Netzwerke und Entscheidungsprozesse aus erster Hand festzuhalten. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und in der Österreichischen Mediathek sowie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und öffentlich zugänglich gemacht. Initiiert wurde das Projekt von Michael Schnepf, Mitgründer und langjähriger Mitherausgeber des Magazins Buchkultur, der alle Gespräche selbst führt. (Buchmenschen erzählen)
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