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Universum History

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Beiträge dieses Mediums

Abgehört - Hitlers Telefon
Mitwirkende: Aßmann, Sabine [Gestaltung]
Datum: 2023.11.03 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Faschismus und Nationalsozialismus ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] April 1942. Mitten im Krieg kommt es im Keller eines unscheinbaren Hauses in einem Pariser Vorort zu einer waghalsigen Aktion:

Unter den Augen der deutschen Besatzer leitet eine Gruppe französischer Telefontechniker mit immensem technischen Aufwand eine Fernmeldeleitung um, die Paris mit Berlin verbindet. Der Lauschangriff gelingt und über mehrere Monate hinweg werden die Telefonverbindungen der Nationalsozialisten abgehört. Sogar Hitler selbst wird belauscht. Die neue „Universum History“-Dokumentation „Abgehört — Hitlers Telefon“ von Laurent Bergers und Marie Gatard (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) erzählt am Freitag, dem 3. November, um 22.35 Uhr in ORF 2 die packende Geschichte einer außergewöhnlichen Abhöraktion nach.

Abhöraktion der militärischen Kommunikation
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Geschichte der Widerstandsgruppe um den französischen Fernmeldetechniker Robert Keller bekannt: Gemeinsam mit Mitarbeitern des französischen Geheimdienstes und der Post- und Telegraphengesellschaft PTT setzt Keller eine unvorstellbare Abhöraktion um, in deren Fokus die militärische Kommunikation der deutschen Wehrmacht steht. Mit immensem technischen Aufwand gelingt es der Gruppe, die beiden Fernmeldeleitungen anzuzapfen, die die Telefone in Paris und Berlin verbinden. Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine und Gestapo tauschen auch auf diesem Weg sensible Informationen aus. Der französische Widerstand hört dank Keller und seinen Männern über Monate mit. Zunächst schöpfen die Nationalsozialisten keinen Verdacht. Kriegsrelevante Informationen werden über verschlungene Wege an die Engländer weitergeleitet. Schließlich wird Robert Keller in einem anonymen Schreiben denunziert. Die Gestapo nimmt zunächst ihn fest, dann weitere Mitarbeiter der Gruppe. Das wahre Ausmaß der Aktion bleibt den Deutschen doch bis zuletzt verborgen. Keller und seine Männer entgehen zwar der Todesstrafe, werden jedoch in Konzentrationslager der Nationalsozialisten deportiert. Keller stirbt am 14. April 1945 im KZ Bergen-Belsen, kurz vor der Befreiung durch britische Truppen. Nach dem Krieg wird Keller posthume Ehrung zuteil. Er gilt heute als ein Held der französischen Résistance.

Technische Meisterleistung
Der Historiker Georg Hoffmann vom Heeresgeschichtlichen Museum Wien ordnet die Geschehnisse in einen politischen und zeitgeschichtlichen Kontext ein und beschreibt etwa, wie der französische Geheimdienst in der unbesetzten Zone, in Vichy-Frankreich im Untergrund gegen die Deutschen gearbeitet hat. Gerhard Fürnweger vom Historischen Telekomarchiv erklärt für „Universum History“ die technischen Details der aufwendigen Abhöraktion und macht so die große Leistung der Männer um Robert Keller verständlich. „Das Unternehmen war eine mutige, anspruchsvolle, technische Meisterleistung“, lautet sein Urteil.

Einblick in die Arbeit des französischen Widerstands
Die „Universum History“-Doku erzählt mit Hilfe von spannenden Reenactments die Geschichte jener waghalsigen Abhöraktion nach – von der ersten Idee über die minutiöse Planung und die komplexe technische Umsetzung bis hin zum traurigen Ende. Historisches Bildmaterial macht die Zeit und die handelnden Personen lebendig. Der Film ermöglicht so einen seltenen Detailblick in eine Aktion des französischen Widerstands.
Andreas Hofer - Held wider Willen
Mitwirkende: Neumüller, Robert [Regie] , Windisch, Harald [Darsteller/in]
Datum: 2017.11.24 [Sendedatum] 2017 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Dokumentation ; Revolution ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Als Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts Europa unter seine Herrschaft bringen will, besiegt Andreas Hofer gemeinsam mit Tiroler Bauern und Handwerkern die Truppen des französischen Kaisers und seiner bayerischen Verbündeten. Dreimal gelingt ihm das.

Zehn Wochen sollte danach die Amtszeit des Rebellen dauern. Ein Friedensvertrag zwischen Frankreich und Österreich führt zum Umschwung. Andreas Hofer und seine Anhänger werden zu Bauernopfern der Großmächte.

In einer entscheidenden vierten Schlacht am Bergisel bei Innsbruck besiegt die hoch-gerüstete und zahlenmäßig überlegene französisch-bayerische Armee die Tiroler Freischärler vernichtend. Über tausend Menschen sterben und hunderte Bauernhöfe brennen.

Hofer flieht und wird gefasst. Auf ausdrücklichen Befehl von Kaiser Napoleon Bonaparte wird Andreas Hofer von einem Erschießungskommando hingerichtet.
Apokalypse 1618 – Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges
Mitwirkende: Jiráský, Zdeněk [Gestaltung]
Datum: 2024.02.02 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Mai 1618: Im Habsburgerreich schwelen religiöse Konflikte. Die Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten entladen sich an der Prager Burg.

Böhmische Aufständische werfen zwei königliche Statthalter und einen Schreiber aus dem Fenster des habsburgischen Amtshauses: Dieser zweite Prager Fenstersturz gilt als Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg – einen der verheerendsten Konflikte in der Geschichte Europas.Der Aufstand der böhmischen Stände gegen die katholischen Landesherren erfasste ganz Europa, die Protestantische Union kämpfte für Religionsfreiheit und Dezentralisierung, die Katholische Liga für die Monarchie und den Erhalt des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Ursprünglich ein Religionskonflikt, wird der Dreißigjährige Krieg zum europaweiten Flächenbrand – mit Millionen Todesopfern und katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

Hintergründe des Religionskonflikt
Das Doku-Drama „Apokalypse 1618 – Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges“ von Zdenek Jiráský – eine Koproduktion des ORF mit ARTE und dem Tschechischen Fernsehen – schildert die Hintergründe des Religionskonflikts, der ganz Europa in die Katastrophe stürzen sollte. Im sogenannten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation galt der Rechtsgrundsatz „Cuius regio, eius religio“ („Wes Gebiet, des Religion“). Demnach war der Herrscher eines Landes berechtigt, die Religion für seine Bewohner vorzugeben – ein Grundsatz, der von verschiedenen Seiten unterschiedlich ausgelegt wurde. Wer ist der Herrscher und darf über die Religion entscheiden? Der katholische Kaiser für das gesamte Reich oder jeder Adlige in seinem jeweiligen Herrschaftsgebiet?

Protestanten gegen Katholiken
1618 brachte der Aufstand der böhmischen Stände eine Bewegung in Gang, die ganz Europa erfasste. Protestantischen Landesherren unter der Führung mehrerer deutscher Fürsten standen katholischen Reichsständen gegenüber, geführt von den habsburgischen Mächten in Österreich und Spanien. Die Auseinandersetzung drehte sich anfangs um konfessionelle, später auch um politische Gegensätze. Während die Aufständischen für eine Dezentralisierung der Macht kämpften, strebten die katholischen Herrschenden eine absolute Monarchie an. Aus den regionalen Auseinandersetzungen entwickelte sich bald ein zerstörerischer Krieg. Im November 1620 unterlagen die böhmischen Stände den kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg. In den darauffolgenden Jahren breitete sich der Krieg in Europa immer weiter aus. Über Dänemark, Deutschland und die Niederlande, die für ihre Unabhängigkeit von Spanien kämpften, bis hin zu Schweden und zuletzt Frankreich traten sämtliche europäische Großmächte nach und nach in den Krieg ein.

Der zweite Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618, bei dem niemand ernsthaft verletzt wurde, führte zum offenen Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der eine Neuordnung Europas zur Folge hatte und dessen Geschichte nachhaltig prägen sollte. In diesem Gemeinschaftsprojekt von ORF, ARTE und Česká televize wirken namhafte tschechische Schauspieler wie Karel Dobry sowie Tereza Hofová mit, in der deutschen Synchronfassung sprechen Toni Slama, Pia Strauss, Florentin Groll, Alexandra Krismer, Aris Sas und Daniela Golpashin. Die aufwendigen Dreharbeiten fanden an den historischen Originalschauplätzen statt, unter anderem auf dem Weißen Berg, auf der Prager Burg und dem Altstädter Ring
Aufstand im Bordell - Frauenhandel um 1900
Mitwirkende: Ludwig, Stefan [Gestaltung]
Datum: 2024.03.05 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Ein Skandalprozess erschüttert die Wiener Gesellschaft und wird zum Stadtgespräch: Die brutale Behandlung von Frauen im Bordell.

November 1906: Die Bordellbesitzerin Regine Riehl wird vom k.k. Landesgericht Wien zu dreieinhalb Jahren Kerker verurteilt. Sie hat junge Prostituierte in ihrem Haus eingesperrt, ausgebeutet und misshandelt. Eine von ihnen, Marie König, hat den Aufstand gewagt und sich einem Journalisten anvertraut. Seine Veröffentlichungen lösen einen Skandal aus, der die Wiener Gesellschaft erschüttert und ihre Doppelmoral offenbart. Zugleich werfen Marie Königs Enthüllungen ein scharfes Licht auf die Abgründe des weltweiten Prostitutionsgeschäfts des Fin de Siècle. Die bewegende „Universum History“-Neuproduktion „Aufstand im Bordell – Frauenhandel um 1900“ von Stefan Ludwig spannt im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag am Dienstag, dem 5. März, um 21.05 Uhr in ORF 2 den Bogen von Wien über Hamburg bis Buenos Aires. Die mit Maria Hofstätter in der Rolle von Regine Riehl, Alice Prosser als Marie König und Markus Schleinzer als Richter Feigl hochkarätig besetzte österreichische Produktion entstand als Koproduktion von ORF, NDR-ARTE und Geyrhalter Film, gefördert vom Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien, mit Unterstützung von VAM und ORF-Enterprise.

Eine leistet Widerstand
Die 16-jährige Wiener Arbeitertochter Marie König läuft im Frühjahr 1902 ihrem prügelnden Vater davon. Kurz darauf wird sie in der Praterstraße von einer Kupplerin angesprochen, die sie gegen eine Vermittlungsprovision in das Bordell der Regine Riehl bringt. Statt des versprochenen „selbstbestimmten Lebens in Reichtum“ erlebt Marie dort Sklaverei: Die Türen sind verschlossen, Geld bekommt sie nicht, psychische und körperliche Gewalt sind an der Tagesordnung. Ihr Vater kassiert von Riehl eine monatliche Zahlung. Drei Jahre später vertraut sich Marie dem Journalisten Emil Bader an, der die Zustände im „Salon Riehl“ öffentlich macht und die Bordellbetreiberin vor Gericht bringt. Der Riehl-Prozess, über den auch Karl Kraus berichtet hat, wühlt die Öffentlichkeit auf, weit über Wien hinaus. Mit einer Mischung aus Voyeurismus, Empörung und Mitleid nimmt das Publikum detaillierten Einblick in die Lebensumstände der „Freudenmädchen“.

Marie König ist kein Einzelfall. Die boomende Metropole Wien ist damals Schauplatz einer riesigen Elends- und Gelegenheitsprostitution, von der die polizeilich tolerierten Bordelle nur die Spitze des Eisbergs ausmachen. Prostitution ist zwar illegal, aber toleriert: Die Mehrheit der Gesellschaft betrachtet sie als „notwendiges Übel“ für die sexuellen Bedürfnisse der Männer. Um den Schutz vor Geschlechtskrankheiten zu gewährleisten, überwacht die Polizei die Prostituierten und zwingt sie zu regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen. Feministinnen laufen Sturm gegen dieses System der Doppelmoral. Sie wollen die Prostitution abschaffen, anstatt sie staatlich zu regulieren. Die Debatte um Moral, Prostitution und Frauenrechte wird weltweit geführt. Die Parallelen zu heute – sowohl in der internationalen Debatte als auch in den Mechanismen, die zur Ausbeutung der Frauen führen – sind dabei nicht zu übersehen.

Mutig und selbstbestimmt für eine bessere Zukunft
In „Aufstand im Bordell“ weist Historikerin Nancy Wingfield darauf hin, dass manche Frauen in der Prostitution – trotz ausbeuterischer und gewalttätiger Strukturen – Handlungsoptionen besaßen und selbst an der Verbesserung ihrer Situation arbeiten konnten. Etwa, indem sie aufbegehrten – wie Marie König. Andere schafften innerhalb des Systems Prostitution den Aufstieg oder verließen irgendwann still und leise das Gewerbe, heirateten oder wechselten in andere Jobs. Das Ende des Wiener Riehl-Prozesses zeigt diese unterschiedlichen Lebenswege auf. Riehl wird verurteilt. Marie König lässt die Prostitution hinter sich. Andere bleiben, klagen aber in einem Zivilprozess vorenthaltene Verdienste ein. Eine der Frauen macht später selbst ein Vermögen als Bordellchefin. Der Riehl-Prozess war mehr als ein Skandal. Er war ein Schlüsselmoment, in dem Frauen in der Prostitution erstmals öffentlich aus ihrer Opferrolle heraustraten.

Hochkarätige Besetzung
In den Reenactments agiert Maria Hofstätter in der Hauptrolle der Regine Riehl. Markus Schleinzer, der 2023 im aufsehenerregenden TV-Film „Die Wannseekonferenz“ mitwirkte, spielt Richter Feigl. Mit Alice Prosser als Marie König ist eine aufsteigende Jungschauspielerin zu sehen, die zuletzt in Marie Kreutzers Film „Corsage“ brilliert hat. In weiteren Rollen sind Fanny Altenburger als Angeklagte Marie Winkler, Gina Christof als Angeklagte Marie Pokorny und Julia Wozek als Angeklagte Anna Christ zu sehen.

Regisseur Stefan Ludwig: „Die Riehl-Akten faszinieren mich immer wieder neu: Sie sind ein Stück ‚Geschichte von unten‘, ein Stück Frauengeschichte und ein ganz seltenes historisches Dokument: Hier treten ein Bordellbetrieb um 1900, der Alltag der Sexarbeiterinnen und die enorme Zivilcourage der Frauen detailreich und ungeschminkt zu Tage. Das Geschehen als Courtroom-Drama zu erzählen, fanden wir spannender und weniger voyeuristisch, als die eigentliche Bordellhandlung zu inszenieren. Wichtig war es uns, immer wieder die Balance zu finden: Die Ausbeutung zu thematisieren, aber die Frauen in ihrer Kraft und ihrem Aufbegehren zu zeichnen und nicht stereotyp als Opfer.“

„Universum History“-Chefin Caroline Haidacher: „Mit dieser außergewöhnlichen Produktion gibt ‚Universum History‘ jenen Akteurinnen eine Stimme, die zu den diskriminiertesten und unsichtbarsten Gruppen gehören: den Sexarbeiterinnen. Selbstverständlich haben auch sie in der österreichischen Geschichte eine Rolle gespielt und durch ihren Mut, vor Gericht auszusagen, eine europaweite Debatte ausgelöst. Die Geschichte dieser Frauen muss erzählt werden, ihnen – Frauen wie Marie König, Marie Pokorny, Marie Winkler, Anna Christ – gehört ein Denkmal gesetzt. Auch um zu zeigen, wie wenig sich in manchen Bereichen im gesellschaftlichen Umgang mit Frauen in den vergangenen 120 Jahren verändert hat.“
Der Aufstieg der Habsburger - Schlacht am Marchfeld
Datum: 2022.01.06 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Am 26. August 1278 standen einander am Marchfeld zwei Dynastien gegenüber.

Es war die Schlacht, die über die Zukunft Europas entschied: Am 26. August 1278 standen einander am Marchfeld zwei Dynastien gegenüber. Auf der einen Seite der römisch-deutsche König Rudolf I. aus dem Hause Habsburg, auf der anderen Ottokar II. aus der böhmischen Přemysliden-Dynastie. Der Sieg Rudolfs über Ottokar legte den Grundstein für den beispiellosen Aufstieg des Habsburgerreichs, das mehr als sechs Jahrhunderte eine maßgebende Rolle in Europa spielen sollte. Die neue „Universum History“-Dokumentation „Der Aufstieg der Habsburger – Schlacht am Marchfeld“ von Fritz Kalteis folgt am Donnerstag, dem 6. Jänner, um 22.20 Uhr in ORF 2 den Spuren der beiden Widersacher Ottokar und Rudolf (dargestellt von Max Moor) an Originalschauplätze und analysiert den Tag der Entscheidungsschlacht. Gleichzeitig sucht Archäologe Wolfgang Neubauer vom Ludwig-Boltzmann-Institut Wien nach verborgenen Zeugen der Schlacht im Erdreich des Marchfelds. Der Film entstand als Koproduktion von Interspot Film, ORF, CT, ZDF-ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria, Land Niederösterreich und VAM.

Eine unerforschte Schlacht
„Schlachtfeldarchäologie ist eine schwierige Sache“, sagt der renommierte Archäologe Wolfgang Neubauer vom Ludwig-Boltzmann-Institut. „Denn Schlachtfelder sind meist riesig. Nach einer Schlacht werden die Toten schnell geplündert und irgendwo verscharrt. Die Chance, irgendwas zu finden, ist sehr klein.“ Diese Einschätzung trifft auf das Schlachtfeld, auf dem sich Rudolf I. und Ottokar II. gegenüberstanden, in besonderem Maße zu. Auf jenes Schlachtfeld, das sich zwischen den Orten Dürnkrut und Jedenspeigen im Osten Niederösterreichs erstreckt. Nur ein einziger Gedenkstein erinnert heute an eine der wohl bedeutendsten Schlachten in der österreichischen Geschichte: die Schlacht am Marchfeld zwischen Rudolf von Habsburg und dem böhmischen König Ottokar II. Premysl. Obwohl eine der größten und blutigsten Ritterschlachten des Mittelalters, ist sie doch bis heute so gut wie unerforscht. Das will das Forscherteam rund um Wolfgang Neubauer nun ändern. Er möchte dem Boden des Marchfelds mit High-Tech-Messungen Antworten auf die vielen offenen Fragen rund um die Schlacht abringen. Allen voran: Wo liegen die 12.000 Toten, die bis heute unentdeckt sind?

„Jeder kennt Grillparzers Stück ‚König Ottokars Glück und Ende‘“, sagt Regisseur Fritz Kalteis. Wir wollten die wahre Geschichte dahinter erzählen“. Diese Geschichte zeigt der Film mittels hochwertiger Spielszenen – eine dramatische Geschichte vom epischen Ringen zweier Männer um die Macht in der Mitte Europas. Experten und Expertinnen wie die Historikerin Annette Kehnel (Universität Mannheim) erschüttern in Fritz Kalteis’ Film altbekannte Klischees: Etwa, dass der „arme Graf“ Rudolf von Habsburg als neuer Deutscher König kaum mehr als ein Kompromisskandidat war, gewählt nur, um einen übermächtigen König Ottokar zu verhindern. „Rudolf war klug, pragmatisch und strategisch geschickt. Auf der anderen Seite aber auch unglaublich skrupellos“, sagt Kehnel. Ottokar, der bei Grillparzer denkbar schlecht wegkommt, wird dagegen auch als Herrscher gewürdigt, der schon früh die Vision eines mitteleuropäischen Reiches hatte. Verwirklicht wurde diese Vision aber erst später durch die Nachkommen Rudolfs von Habsburg – in der Donaumonarchie.

„Ein Schweizer, der in Österreich durchstartet und in Deutschland Karriere macht – da habe ich mich gleich angesprochen gefühlt“, sagt Schauspieler Max Moor. Er, gebürtiger Schweizer wie Rudolf von Habsburg, ist in den 1980er Jahren – noch unter dem Namen Dieter Moor – zu einem der bekanntesten Moderatoren Österreichs („Kunststücke“) geworden, bevor er nach Deutschland ging und dort durchstartete („Titel, Thesen, Temperamente“). Jetzt kehrt er als Darsteller des Rudolf von Habsburg zu seinen Wurzeln zurück. An seiner Seite agieren u. a. Josefstadt-Schauspieler Johannes Seilern als alter Ritter Otto von Haslau und Schauspielerin Alice Prosser („Familiensache“) als Halbwaise Walpurgis. Gedreht wurden die aufwendigen Reenactments mit professionellen Schwertkämpfern und Reitern vor allem aus Tschechien, die üblicherweise für Netflix oder HBO vor der Kamera stehen.

Ein Ergebnis des Filmprojekts: Das Team um Archäologen Wolfgang Neubauer hat bei den High-Tech-Messungen nahe einer längst untergegangenen Kirche unweit des Schlachtfeldes zwei große Gruben gefunden, die wie Massengräber aussehen. „Würde man hier graben, könnte man vielleicht tatsächlich die Toten dieser Schlacht finden, die das Schicksal Europas verändert hat“, ist Wolfgang Neubauer für künftige Forschungen optimistisch.
Balkan in Flammen - Der Anfang vom Ende Jugoslawiens
Datum: 2021.06.25 [Sendedatum] 2021 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die 1990er Jahre waren ein Jahrzehnt der kriegerischen Auseinandersetzungen am Balkan und bedeuteten das Ende Jugoslawiens.

Die Dokumentation „Balkan in Flammen – Der Anfang vom Ende Jugoslawiens“ von Klaus Kastenholz und Veronika Mendler (ORF-Bearbeitung: Katharina Gruber und Josef Glanz), die „Universum History“ am Freitag, dem 25. Juni, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, fragt nach den Ursachen der Konflikte und analysiert den Untergang der politischen Vision eines geeinten Jugoslawiens.

Die Geschichte Jugoslawiens
Vor 30 Jahren, am 25. Juni 1991, erklären Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien. Daraufhin greifen die jugoslawischen Streitkräfte in Slowenien ein. Doch der Krieg dauert nur zehn Tage und endet mit der Unabhängigkeit Sloweniens.

Anders in der Teilrepublik Kroatien: Dort gibt es bereits seit Monaten Kampfhandlungen rund um oft mehrheitlich serbisch bewohnte Gebiete, etwa in der „Krajina“. Es sollte noch mehr als vier Jahre dauern, bis der Kroatienkrieg zu Ende ist. 1992 bricht der Krieg weiter südlich in Bosnien-Herzegowina aus, 1998 der Kosovokrieg. Jugoslawien ist Geschichte, im Jahr 2003 verschwindet der Name endgültig von den Landkarten.

Doch wie kam es dazu? Woran scheiterte die Idee eines panslawischen Staatenbundes letztlich? Wie entwickelten sich die kriegerischen Auseinandersetzungen, die bis zum Ende des Kosovokriegs 1999 andauerten?

Ethnische Konflikte und die Wirtschaftskrise
Die 90-minütige „Universum History“-Dokumentation beginnt die Spurensuche in der Vorgeschichte Jugoslawiens. Unter dem Einfluss wechselnder Herrscher und Reiche formt sich über Jahrhunderte im südöstlichen Europa eine Region, in der vier verschiedene Sprachen gesprochen und vier unterschiedliche Religionen gelebt werden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brechen erste ethnische Konflikte aus. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es dem kommunistischen Diktator Josip Broz Tito, ein friedliches Jugoslawien zu schaffen. Mehr als 40 Jahre lang hält der Frieden, doch nach Titos Tod 1980 entsteht ein Machtvakuum, das Nationalisten wie Slobodan Milošević in Belgrad und Franjo Tuđman in Zagreb für sich zu nutzen wissen. Dazu kommt die langanhaltende Wirtschaftskrise, die die Spannungen verschärft. Diese spitzen sich zu und gipfeln in den blutigsten Kriegen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis heute sind die Verbrechen der Kriege am Balkan präsent. Denn die Kämpfe haben tiefe Gräben aufgerissen, deren Überwindung vermutlich noch Generationen beschäftigen wird.

Mit Hilfe internationaler Expertinnen und Experten, unter anderen der Wiener Politikwissenschafterin Silvia Nadjivan, untersucht der Film die Entstehung Jugoslawiens, die Ära Tito, die Kriege in den letzten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf die Gegenwart. Dabei kommen auch viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort, die die Geschichte Jugoslawiens und seines Endes miterlebt haben.
Codename Madeleine
Eine Muslimin gegen Hitler
Mitwirkende: Gardner, Robert [Gestaltung] , Hollósi, Eszter [Sprecher/in] , Matzek, Tom [Redaktion]
Datum: 2017.03.10 [Sendedatum] 2017 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Dokumentation ; Zweiter Weltkrieg ; Islam ; Widerstand ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Sie war eine der ungewöhnlichsten Widerstandskämpferinnen der Geschichte des 2. Weltkriegs. Noor Inayat Khan, die Tochter einer adeligen indischen Familie in London, meldete sich freiwillig zum Einsatz gegen die Nazi-Besatzung in Frankreich.

Die Künstlerin und Pazifistin wurde als Funkerin einer englischen Spezialeinheit zur Unterstützung der Resistance eingesetzt und führte im besetzten Frankreich riskante Manöver hinter feindlichen Linien durch.

1943 wurde sie von der Gestapo gefasst und im Jahr darauf im KZ Dachau hingerichtet - eine unbekannte Heldin, die außergewöhnlichen Mut in einer schweren Zeit in Europa bewies.

Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum Internationalen Frauentag widmet "Universum-History? der furchtlosen und geheimnisvollen Noor Inayat Khan mit "Codename Madeleine ? Eine Muslimin gegen Hitler? eine Dokumentation, in der ihr mutiger Einsatz für eine friedliche Welt nachgezeichnet wird.
Countdown ’89 – Der Fall der Berliner Mauer
Datum: 2019.11.08 [Sendedatum] 2019 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt ; Berlin
Typ: video
Inhalt: Sie war ein Symbol des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands. Jahrzehntelang trennt sie Familien, eine Stadt, ein Land: die Berliner Mauer, ein abschreckendes Sinnbild des Ost-West-Konfliktes. Wer sie überwinden will, riskiert sein Leben. Dem Fall der Mauer im November 1989 geht ein regelrechter Countdown voraus.

Die Zeit des Umbruchs
Das Ereignis ist ein Meilenstein in der Geschichte Europas und der erste Schritt zur Wiedervereinigung Deutschlands – eine Zeit des Umbruchs und der Wende für die Menschen in der ehemaligen DDR. Hendrike Sandners „Universum History“-Dokumentation zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer zeichnet am Freitag, dem 8. November, um 22.35 Uhr in ORF 2 die dramatischen Ereignisse des Jahres 1989 anhand persönlicher Schicksale, Tagebucheintragungen und bedeutender Zeitzeugen und Zeuginnen nach.

Die Berliner Mauer rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Mindestens 137 Menschen starben beim Versuch, über die Mauer in den Westen zu fliehen. Das letzte Opfer – Chris Gueffroy – wurde am 2. Februar 1989 bei seinem Fluchtversuch erschossen. Die Doku zeichnet die dramatischen Ereignisse dieses Schicksalsjahres nach. Der damalige Bürgermeister Westberlins, Walter Momper, und der letzte Regierungschef der DDR, Hans Modrow, schildern ihre Sicht des historischen Ereignisses. Tagebücher und Briefe von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen vermitteln einen ganz persönlichen Blick auf das Geschehen.

Der Fall des DDR-Regimes
Einer der Ausreisewilligen ist der Fotograf Dietmar Riemann. Nach hartnäckigem Bemühen gibt er seine Existenz in der DDR auf und darf im September 1989 in die BRD ausreisen. Er erlebt den Mauerfall in Freiheit. Die Autorin Ingrid Ebert kämpft für sich und ihre Familie vergeblich um eine Ausreisegenehmigung – ihre Interviews, Briefe und Tagebücher machen die menschlichen Tragödien hinter dem offiziellen Ereignis erlebbar. Historiker/innen analysieren die Geschehnisse dieses Schlüsselmoments der deutschen und europäischen Geschichte.

Es war ein dramatisches Jahr: Die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, die Wiederzulassung der Solidarnosc als Gewerkschaft in Polen, die Grenzöffnung in Ungarn – die politischen Verhältnisse im Osten waren im Umbruch. Und auch das SED-Regime in der DDR geriet ins Wanken. Es kam zu den sogenannten friedlichen „Montagsdemonstrationen“. Hunderttausende Menschen gingen für die Öffnung der Grenzen auf die Straßen. Während der Feiern zum 40. Jahrestag der DDR kam es zu tumultartigen Protesten. Die Bilder der hart durchgreifenden Sicherheitskräfte gingen um die Welt. Die SED-Führung unter Erich Honecker musste abtreten.

Die Doku zeichnet die wesentlichen, dramatischen Entwicklungen des Jahres 1989 nach: aus der Perspektive der damals politisch Verantwortlichen sowie der Menschen in der DDR. Von den Massenprotesten bis zur endgültigen Resignation des DDR-Regimes – ein spannender Countdown bis zum endgültigen Fall der Mauer am 9. November 1989.
Duell der Kronprinzen - Rudolf von Österreich und Wilhelm von Preußen
Mitwirkende: Mayer-Moroni, Heinrich [Gestaltung]
Datum: 2025.09.12 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Zwei Kronprinzen, zwei Weltreiche – und zwei vollkommen unterschiedliche Dramen in schicksalhafter Verbindung zueinander.

Die Erfüllung der Rolle
Beide Prinzen Rudolf von Österreich und Wilhelm von Preußen leiden unter der ihnen von ihrer Familie zugedachten Rolle. Sie sind gewissermaßen verdammt, eine Welt aufrechtzuerhalten, die im Begriff ist unterzugehen. Beide müssen Traumata aus der Kindheit erdulden – das verbindet sie. Auf der anderen Seite trennend sind ihre politischen Ziele und Weltanschauungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit der Neuproduktion „Duell der Kronprinzen“ zeigt „Universum History“ ein opulentes Dokudrama über zwei nahezu gleichaltrige Erben europäischer Kaiserhäuser, die aber völlig unterschiedliche Wege gehen – für den einen mündet dieser in persönlichem Triumph, für den anderen in einer Tragödie.

Regie von Iris Fegerl und Reinhold Bilgeri
Unter der Regie von Iris Fegerl, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, und Reinhold Bilgeri (szenische Regie) agieren in den Hauptrollen Markus Freistätter („Vienna Blood“, „Soko Donau“) als Rudolf von Österreich, Ferry Öllinger („Soko Donau“) als Kaiser Franz Joseph und Raphael Nicholas als Wilhelm von Preußen. „Duell der Kronprinzen – Rudolf von Österreich und Wilhelm von Preußen“ entstand als Koproduktion von ORF, ZDF/ARTE, epo-film und Westend Film, gefördert von Filmfonds Wien, Filmförderung Niederösterreich, Fernsehfonds Austria mit Unterstützung von ORF-Enterprise.

Prinzen in zwei Welten
Rudolf von Österreich muss ertragen, dass sein unnahbarer Vater Kaiser Franz Joseph mit seinen intellektuellen Aktivitäten nicht viel anfangen kann. Bei Wilhelm von Preußen wiederum sind es die überhöhten Erwartungen seiner Mutter, Kronprinzessin Victoria, denen er trotz aller Bemühung nicht gerecht werden kann. Beide Prinzen wachsen mit dem Gefühl auf, dass man ihnen die Kaiserwürde nicht zutraut. Ihre Kindheit und Jugendjahre fallen in eine turbulente Zeit: In der Schlacht von Königgrätz 1866 besiegt Preußen Österreich und begründet später das Deutsche Kaiserreich. Wenige Jahre danach werden die beiden Reiche dennoch Bündnispartner. Als Symbol dafür sollen auch Wilhelm und Rudolf, die fast gleich alt sind, Freundschaft schließen. Später, als junge Männer, könnten ihre Ziele und Weltanschauungen unterschiedlicher nicht sein: Der liberale Rudolf hat die Vision eines vereinten Europas. Der konservative Wilhelm hingegen will vor allem sein eigenes Reich stärken und autoritär regieren.

Für das Drehbuch und die Gesamtregie zeichnet Iris Fegerl verantwortlich: „Der Film erzählt vom Schicksal zweier Thronerben, die nach außen hin glänzen und funktionieren müssen, innerlich aber durch die Erziehung der Eltern zerrüttet sind.“

Die hochwertigen Reenactments wurden von Reinhold Bilgeri realisiert: „Wir möchten die seelischen Labyrinthe dieser beiden Männer zeigen, von denen die große Welt da draußen nicht viel wusste.“

„Universum History“-Chefin Caroline Haidacher: „Das Team rund um Iris Fegerl, Reinhold Bilgeri und Heinrich Mayer-Moroni wagt einen neuen und besonders spannenden Blick auf einen der bekanntesten Habsburger – Kronprinz Rudolf. Die Beziehung zu seinem Rivalen Wilhelm von Preußen steht im Mittelpunkt dieser Dokumentation, die vor allem die Persönlichkeitsentwicklung der beiden Kronprinzen analysiert.“

epo-film-Producer Heinrich Mayer-Moroni: „Diese Dokumentation beschäftigt sich mit der Beziehungsgeschichte der Prinzen Rudolf von Österreich und Wilhelm von Preußen im Kontext der Bündnishistorie zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn.“
Duell im Reich der Mikroben - Robert Koch gegen Louis Pasteur
Datum: 2020.08.18 [Sendedatum]
Schlagworte: Wissenschaft und Forschung ; Dokumentation ; Gesundheitswesen und medizinische Versorgung ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Der Chemiker Louis Pasteur und der Arzt Robert Koch entdecken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dass Krankheiten durch kleine Organismen ausgelöst werden. Doch sie betreiben ihre Forschung unabhängig voneinander und vergönnen den Erfolg einander nicht. Dabei geht es nicht nur um wissenschaftlichen Ruhm: Wenige Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg ist die Rivalität zwischen dem Franzosen Pasteur und dem Deutschen Koch auch von nationalistischen Rachegedanken geprägt. Doch der Wettstreit um die Entdeckung der Krankheitserreger verändert die moderne Medizin für immer.
Eiskalte Leidenschaft - Leni Riefenstahl zwischen Hitler und Hollywood
Mitwirkende: Baumeister, Annette [Gestaltung]
Datum: 2024.02.23 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Eine gescheiterte Tänzerin ist auf der Suche nach einer neuen Perspektive und ein gefeierter Bergfilmregisseur auf der Suche nach perfekten Bildern.

1932 brechen Leni Riefenstahl und Arnold Fanck zu fünfmonatigen Dreharbeiten nach Grönland auf. Sie ist eine gescheiterte Tänzerin, die sich als Schauspielerin versucht, er ein avantgardistischer Bergfilmregisseur. „SOS-Eisberg“ ist die erste deutsch-amerikanische Filmproduktion und das bis dahin riskanteste und teuerste Spielfilmprojekt in der Geschichte. Die spektakulären Dreharbeiten und Naturaufnahmen sind der Hintergrund für die „Universum History“-Dokumentation „Eiskalte Leidenschaft – Leni Riefenstahl zwischen Hitler und Hollywood“ von Annette Baumeister (ORF-Bearbeitung: Judith Brandner), die dem beruflichen wie privaten Verhältnis von Fanck und Riefenstahl nachgeht. Und ferner die eiskalte Berechnung aufzeigt, mit der Riefenstahl ihre Karriere verfolgt. Während Fanck nach der Weigerung, in die NSDAP einzutreten, mangels Aufträgen in ökonomische Schwierigkeiten geriet, reüssiert Riefenstahl ab 1933 unter den Nationalsozialisten.

Annette Baumeister zeichnet in ihrer Doppelbiografie das unbekannte Bild zweier eng verzahnter Karrieren. Riefenstahl lobt Fancks Arbeit als künstlerisch und avantgardistisch und übernimmt später als Filmregisseurin die von ihm entwickelten Kamera-Techniken und Kamera-Einstellungen. „SOS-Eisberg“ führt die beiden zusammen, danach erfolgt ein harter Schnitt.

Der Pioner des Naturfilms
Arnold Fanck, geboren 1889 in Rheinpfalz. Der Geologe, Fotograf, Erfinder, Kameramann, Filmproduzent, Drehbuch- und Buchautor sowie Filmregisseur gilt als einer der Pioniere des Berg-, Sport-, und Naturfilms. Er studiert Kunstgeschichte und Philosophie in München und Berlin sowie Geologie und Chemie an der Universität Zürich. Nach dem Ersten Weltkrieg kauft er seine erste Filmkamera, eine Kurbelkamera in einem Holzgehäuse, mit der er – revolutionär für die damalige Zeit – in der freien Natur und in den Bergen dreht.

Die umstrittene Filmikone
Leni Riefenstahl, geboren 1902 in Berlin, ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte. Sie arbeitet als Filmregisseurin, -produzentin und -schauspielerin, Drehbuchautorin, Schnittmeisterin, Fotografin und Tänzerin und gründet mit 29 Jahren ihre eigene Filmfirma. 1932 hat sie mit „Das blaue Licht“ ihr vielbeachtetes Regiedebüt. Adolf Hitler gratuliert ihr persönlich. Als innovative Filmemacherin und eine der ersten und erfolgreichsten Frauen in der Filmbranche wird sie bewundert und gefeiert, wegen ihrer Verstrickung ins NS-Regime und ihrer propagandistischen Filme für die Nationalsozialisten heftig kritisiert. Nach 1945 wird sie kurzzeitig verhaftet und von den Alliierten zu ihrer Rolle im NS-Regime verhört, 1949 in einem Spruchkammerverfahren zur „Mitläuferin“ des Naziregimes erklärt und später entnazifiziert. Sie stirbt 2003 im Alter von 101 Jahren.

Die Dokumentation zeigt Ausschnitte aus den größten Filmen Arnold Fancks und Leni Riefenstahls, wie „SOS-Eisberg“, „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929) oder „Stürme über dem Mont Blanc“ (1930). Reinhold Messner, Willy Bogner und Fancks Enkel, Matthias Fanck, würdigen in der Doku die bahnbrechenden Innovationen des Fanckschen Bergfilms. Experten und Expertinnen schildern Leni Riefenstahl in neuem Licht. Die Dekonstruktion des Mythos Riefenstahl ist zugleich eine späte Würdigung des nahezu vergessenen Filmpioniers Arnold Fanck.
Elisabeth - Kaiserin auf der Flucht
Mitwirkende: Ludwig, Stefan [Regie]
Datum: 2019.04.23 [Sendedatum] 2019 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Kultur ; Portrait ; Frauen ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Süßes Mädchen, Emanzipationsheldin, Stilikone - jede Zeit hat sich ihre eigene "Sisi" erfunden. Kaiserin
Elisabeth von Österreich führt ein Leben voller Glanz und Luxus. Und doch ist sie ihr Leben lang auf der Flucht - zerrissen zwischen den traditionellen Zwängen des Wiener Hofes und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung.

Ihr märchenhaftes Leben am Hof macht sie zur Projektionsfläche für die Träume und Fantasien von Millionen
Menschen, als Person bleibt "Sisi" eine Figur voller Widersprüche.

In den Interviews der neuen "Universum History"-Spieldokumentation kommen Experten und Expertinnen aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien zu Wort, etwa die Wiener Historikerin Katrin Unterreiner oder
die französische Feministin und Autorin Catherine Clement.

Der Psychoanalytiker Walter Hoffmann analysiert Elisabeths komplexes Seelenleben und Elisabeths Ururenkel
Leopold Altenburg betrachtet das Wirken der Kaiserin aus der Perspektive eines Verwandten.
Entführt und ausgestellt - Das vergessene Erbe der Völkerschauen
Datum: 2020.09.04 [Sendedatum]
Schlagworte: Wissenschaft und Forschung ; Dokumentation ; Ethnologie ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Als wild, furchteinflößend und exotisch hat man Menschen einst in sogenannten Völkerschauen ausgestellt – wie Tiere in einem Zoo. Vom frühen 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhundert wurden etwa 35.000 Menschen unterschiedlicher Herkunft in Europa, den USA und Japan vorgeführt. Manche wurden dafür brutal entführt, andere wurden engagiert für einen versprochenen Lohn, den sie nie erhielten. Heute ist diese Praxis längst in Vergessenheit geraten.

Menschen in Käfigen
Die Dokumentation „Entführt und ausgestellt - das vergessene Erbe der Völkerschauen“ zeigt nun bisher unveröffentlichte Archivbilder und Interviews mit Nachfahren von Betroffenen.

Die Geschichte von Sylvette Kaloïe, einer Französin, die erst im hohen Alter erfährt, dass man ihren Vater 1931 von einer Südseeinsel geholt und im Zoologischen Garten von Paris ausgestellt hat, erzählt die Dokumentation ebenso wie die von Ota Benga aus dem Kongo, der 1904 von einem Sklavenhändler entführt und in den USA wie eine Sensation herumgereicht wurde. Diese Menschen wurden auf eine Stufe mit Tieren gestellt und in Käfigen neben Affen ausgestellt. Das Publikum war oft fasziniert und entzückt. Fast eineinhalb Milliarden Menschen weltweit besuchten Völkerschauen: in zoologischen Gärten, Zirkussen, Theatern und bei Weltausstellungen. Die zur Schau gestellten Menschen mussten erfundene Rituale vorführen oder Kannibalen spielen. Das Publikum konnte hautnah dabei sein und glaubte gerne, dass die Vorführungen authentisch waren. So konnten sich die Zuseher und Zuseherinnen den angeblichen „Wilden“ überlegen fühlen.

Verbreitung eines rassistischen Weltbilds
Völkerschauen haben zur Verbreitung rassistischer Vorstellungen beigetragen, zu Klischees von vermeintlich wilden, unzivilisierten, kurz anderen Menschen. Die europäischen Kolonialmächte nutzen die Shows auch, um ihre imperialistische Politik zu rechtfertigen und um die Idee unterschiedlicher menschlicher „Rassen“ – eine Erfindung des 18. Jahrhunderts – zu verbreiten.

Die meisten Geschichten der Männer, Frauen und Kinder, die aus Kolonien für Völkerschauen, Zoos und Zirkusse rekrutiert wurden, gingen undokumentiert im Laufe des 20. Jahrhunderts verloren. Nur einige wenige haben die europäische Verdrängung überdauert. Die Dokumentation „Entführt und ausgestellt - Das vergessene Erbe der Völkerschauen“ zeigt nun bisher unveröffentlichtes Bildmaterial und porträtiert Nachfahren der Betroffenen, die sich an die fast vergessenen Geschichten erinnern.
Eroberung der Lüfte - Die ersten Fliegerinnen
Datum: 2024.12.13 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Frauen ; Luftfahrt ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Mit Kreativität, Entschlossenheit und Todesverachtung haben sie die Frühzeit der Luftfahrt geprägt: Lilly Steinschneider aus Österreich-Ungarn, Melli Beese aus Deutschland und Marie Marvingt aus Frankreich zählen zu den erfolgreichsten Flugpionierinnen der Welt. Melli Beese ist die erste deutsche Pilotin und setzt sich als Konstrukteurin und Unternehmerin in einer reinen Männerwelt durch. Fast zeitgleich wird Lilly Steinschneider zum Star der ersten, lebensgefährlichen Flugsportveranstaltungen Österreich-Ungarns. Und die Französin Marie Marvingt hat bereits als erster Mensch überhaupt die Nordsee im Ballon überflogen, als sie 1910 den Flugschein macht. In diesen drei Frauen spiegelt sich das Schicksal Dutzender Fliegerinnen weltweit, die sich gegen Vorurteile und Schikanen erfolgreich durchzusetzen vermochten.
Europa 1945: Das Jahr nach dem Krieg
Datum: 2020.05.08 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik ; Dokumentation ; Zweiter Weltkrieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Mit Feuerwerken, Tanz und Musik feiern Millionen Europäerinnen und Europäer im Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Der Krieg ist aus, doch der Kontinent liegt in Trümmern. Chaos und Not prägen den Alltag und doch schöpfen die Menschen wieder Hoffnung. Der Sieg über Nazi-Deutschland gibt Anlass, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und von dauerhaftem Frieden zu träumen. In Wien wird Walzer getanzt, doch die Realität sieht alles andere als rosig aus.

Das Leben nach dem Krieg
Mit coloriertem, bislang unbekanntem Filmmaterial aus russischen, britischen, französischen, polnischen und US-amerikanischen Archiven zeigt die neue „Universum History“-Dokumentation „Europa 1945: Das Jahr nach dem Krieg“ von Olivier Wieviorka und David Korn-Brzoza (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner, Josef Peter Glanz) im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ (Details unter http://presse.ORF.at) am Freitag, dem 8. Mai, um 22.30 Uhr in ORF 2 das Alltagsleben in Europa nach dem Krieg.

Viele Städte, die Infrastruktur und die Wirtschaft sind zerstört, es herrscht Mangel an praktisch allem – an Lebensmitteln, Baumaterial, Maschinen. Und ein Mangel an Männern, die nicht vom Krieg heimgekehrt sind, nun aber die schwere Arbeit übernehmen könnten. Europa ist ein Kontinent der Flüchtlinge – Hunderttausende, die vertrieben oder zu Zwangsarbeit gezwungen worden waren, wollen in ihre Heimat zurück. Sie warten Wochen, Monate, mitunter vergeblich – und wenn sie es doch bis nach Hause schaffen, stehen sie nicht selten vor den Trümmern ihrer Existenz.

Politische Wendepunkte
Während die Menschen ihre toten Familienangehörigen suchen oder begraben und mit bloßen Händen den Wiederaufbau vorantreiben, prägen politische Wendepunkte die darauffolgenden Jahre: Die Gründung der Vereinten Nationen, der NATO, die sowjetische Blockade Berlins, die Teilung Deutschlands. Es vergehen fünf Jahre voller Optimismus, bevor sich die Menschen während des Kalten Krieges auf der einen oder anderen Seite des Eisernen Vorhangs wiederfinden.

Die Nachkriegsgeschehnisse in Österreich
Die beiden Historikerinnen Kerstin von Lingen, Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien und Heidemarie Uhl, Österreichischen Akademie der Wissenschaften analysieren die Nachkriegsgeschehnisse. Was die Alliierten für Österreich planten, wie der Mythos „Trümmerfrauen“ entstand und warum er historischer Überprüfung nicht standhält, und wie der Kalte Krieg die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen zum Stillstand brachte. Eindrückliche Bilder lassen die Vergangenheit lebendig werden und vermitteln dem Publikum neue, bislang unbekannte Aspekte der Nachkriegszeit.
Der ewige Kaiser - Die wahre Geschichte des Franz Joseph
Mitwirkende: Koddenberg, Martin [Gestaltung]
Datum: 2023.12.22 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Portrait ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Eine jahrzehntelange Herrschaft und die große Liebe Elisabeth: Beides kann er letztlich nicht halten. Wer war Franz Joseph - als Kaiser und als Mensch?

68 Jahre lang herrschte Kaiser Franz Joseph von Österreich-Ungarn über die Habsburg-Monarchie. Doch das Ende dieser langen Phase des Regierens ist tragisch. Seiner Herrschaft über die Donaumonarchie hatte er zwei Jahre vor seinem Tod selbst den Todesstoß versetzt – mit seiner Unterschrift unter die Kriegserklärung, die den Ersten Weltkrieg besiegelte. Und auch privat sieht sich Franz Joseph mit einer Reihe an Verlusten konfrontiert. Trotzdem überwiegt in der Rückschau oft das Positive. Großen Anteil daran hatte wohl die Frau an seiner Seite: Sisi, deren Geschichte auch 125 Jahre nach ihrem Tod mythenumwoben im Gedächtnis geblieben ist.

Die neue „Universum History“-Dokumentation „Der ewige Kaiser – Die wahre Geschichte des Franz Joseph“ von Martin Koddenberg – zu sehen am Freitag, dem 22. Dezember, um 22.35 Uhr in ORF 2 – ist eine filmische Annäherung an den privaten Franz Joseph, der von Kindesbeinen an auf seine große Rolle als Regent vorbereitet wurde – letztendlich aber scheitern musste. Der Film ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion von ORF, pre tv, ZDF und ARTE, die ein völlig neues Licht auf den altbekannten Kaiser wirft – einen Kaiser, dessen Kindheitstraumata sein ganzes Leben überschatten sollten. Sunnyi Melles zeigt danach im „Universum History“-Dokudrama „Elisabeth – Kaiserin auf der Flucht“ (23.20 Uhr) von Stefan Ludwig eine Elisabeth, wie man sie kaum kennt: eine in die Jahre gekommene, widersprüchliche und gleichzeitig faszinierend-moderne Frau, jenseits aller Sisi-Romantik.

Kaisermutter Sophie gilt als “der einzige Mann am Wiener Hof”
Geboren wird Franz Joseph 1830 in Schönbrunn. Seine Mutter Sophie fördert Ordentlichkeit, Disziplin und Fleiß. Mehr noch: Mit hartem Drill wird Franz Joseph zum angepassten Pflichterfüller erzogen. Als oberste Maxime gelten Katholizismus und militärische Ertüchtigung. Während der Revolution von 1848 – Franz Joseph ist damals 18 Jahre alt – treibt seine Mutter den Austausch der Führungsriege im Hause Habsburg voran. Sie überredet sowohl ihren Schwager zum Abdanken als auch ihren Mann zum Verzicht auf die Kaiserkrone. Franz Joseph wird zum Kaiser proklamiert. Mutter Sophie ist es auch, die ihrem Sohn nahelegt, eine seiner beiden bayerischen Cousinen zu heiraten. Doch nach der Hochzeit wird klar, dass „Sisi“ die ihr zugedachte Rolle als Kaiserin gänzlich ablehnt. Die Beziehung zwischen ihr und Franz Joseph wird denn auch ein Leben lang eine – über weite Strecken – unglückliche Verbindung sein.

Die k. u. k. Monarchie beginnt zu bröckeln
Politisch brodelt es in seinem Reich. Revolutionäre unterschiedlicher Nationen fordern mehr und mehr Autonomie, Franz Josephs Monarchie ist damit in ihrer Existenz bedroht. Der Kaiser antwortet stets mit militärischer Härte: Die Bewahrung des Alten wird zum entscheidenden Leitmotiv seines Lebens. Nur kann er den Lauf der Zeit am Ende nicht mehr aufhalten.

Ein kritischer Blick auf die Kaiserfamilie
„Aus der filmischen Auseinandersetzung mit der Biografie von Kaiser Franz Joseph wird deutlich, dass die ‚heile Welt‘ der Kaiserfamilie ein Mythos ist“, sagt Regisseur Martin Koddenberg. Er wollte mit seiner Doku der Frage nach dem Kern von Franz Josephs Wesen nachgehen. Franz Joseph war wohl über weite Strecken ein Herrscher, der stoisch und mit eiserner Hand regierte. Ein Kaiser, der, von seiner Mutter gelenkt, an der Spitze des Staates das Reich bewahren und seinen Untertanen kaum Eigenständigkeit zugestehen wollte. „Man stößt unweigerlich auf den langen Schatten von Franz Josephs Mutter Sophie, die seine zwanghafte Persönlichkeit geformt hat. Franz Joseph steht sich selbst im Weg, vergibt Chancen – politisch wie privat“, so Koddenberg.
Flucht durch die Puszta- Im Fadenkreuz der Roten Armee
Datum: 2022.11.25 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Dokumentation handelt von Solidarität, Mut und Hoffnung basierend auf Stellas Erzählung, die auf das Leid von Frauen aufmerksam macht.

Die Schwedin Stella Kuylenstierna wächst behütet im Stockholm der Jahrhundertwende auf. Die Liebe verschlägt die junge Frau nach Ungarn, wo sie in den Hochadel einheiratet. Der Zweite Weltkrieg wirft ihr Leben aus seinen wohlgeordneten Bahnen. Als die Rote Armee 1945 Ungarn in die sowjetische Einflusssphäre bringt, muss Stella fliehen. In der Emigration schreibt sie ein Buch über ihre Erlebnisse, das einen Skandal auslöst. Denn neben ihren Erfahrungen von Flucht und Vertreibung durch die Sowjets schildert sie auch die Massenvergewaltigungen durch die Soldaten der Roten Armee. Die „Universum History“-Dokumentation „Flucht durch die Puszta – Im Fadenkreuz der Roten Armee“ von Judit Benedek und Kajsa Stål (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) zeichnet am Freitag, dem 25. November, um 22.35 Uhr in ORF 2 die bemerkenswerte Geschichte einer Frau nach, deren eindringlicher Appell gegen Krieg und Gewalt bis heute berührt.

Der Dreimächtepakt
Die Geschichte der jungen Schwedin Stella Kuylenstierna ist außergewöhnlich: 1918 lernt die 16-Jährige in Stockholm einen jungen Mann kennen. Imre Andrássy gehört zu einer der bedeutendsten und einflussreichsten Familien des ungarischen Hochadels. Gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Familie heiraten die beiden, sie folgt ihm nach Ungarn. Das Paar lebt viele Jahre ein sorgenfreies, luxuriöses Leben. Doch der Zweite Weltkrieg verändert alles. Ungarn stellt sich zunächst auf die Seite Deutschlands und Italiens, tritt dem Dreimächtepakt bei. Aus dem immer verlustreicheren Krieg versucht das Horthy-Regime dann einen Rückzug. Im Frühjahr 1944 reagiert Hitler mit der Besetzung Ungarns. Ab September 1944 dringt die Rote Armee sukzessive in Ungarn ein und verkündet nach heftigen Kämpfen im Februar 1945 den Sieg. Die Belagerung von Budapest dauert 100 Tage. Die Befreier verüben auch zahlreiche Gräueltaten. Stella flieht mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und dem Enkel. Die Flucht gestaltet sich abenteuerlich und gefährlich. Ihre Erlebnisse schreibt Stella im Buch „Die Puszta brennt“ nieder, das 1948 in Schweden erscheint. Darin schildert sie ihr unbeschwertes Leben in Ungarn vor dem Krieg und beschreibt schonungslos das Leid des Krieges und der Flucht. Ihre Berichte von systematischen Massenvergewaltigungen ungarischer Frauen durch Soldaten der Sowjetarmee werden zum Skandal. Man glaubt ihr nicht und bezichtigt sie der Lüge.

Hoffnung für eine friedliche Welt
„Die Puszta brennt“ ist dabei kein Dokument einer Anklage, sondern ein eindringlicher Appell an die Welt, den Millionen Vertriebenen des Krieges zu helfen. „Ich habe dieses Buch in der Hoffnung geschrieben, dass die Welt jenen Verzweifelten helfen wird, bevor es zu spät ist“, lauten Stellas eigene Worte. Dafür pilgert sie sogar zum Papst nach Rom. „Ich habe versucht, ein objektives Bild von all dem zu geben, was mir widerfahren ist. Dabei wird mir klar, dass es nur ein schwaches Echo dessen ist, was geschehen ist und immer noch geschieht“, schreibt sie in ihren Erinnerungen. 1998 stirbt Stella 96-jährig in den USA. Ihre Hoffnung auf eine friedliche Welt hat sich nicht erfüllt. Sie muss miterleben, wie ihr Enkelsohn in Vietnam fällt.

Mit Hilfe detailreicher Reenactments zeichnet die „Universum History“-Dokumentation die wechselvolle Geschichte von Stella Kuylenstierna Andrássy nach. Zu Wort kommen Historiker/innen ebenso wie Familienangehörige. Archivaufnahmen und Fotografien aus Familienbesitz machen den Blick in die Vergangenheit lebendig. Stellas Lebenserinnerungen, die sie nach dem Krieg niedergeschrieben hat, bilden den Rahmen für diese eindringliche Erzählung einer erstaunlichen Lebensgeschichte.
Die Frauen von Ravensbrück - Verfolgt und vergessen
Datum: 2022.11.04 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentarfilm ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] 1938/39 errichtet das Naziregime im Norden der Provinz Brandenburg das größte Konzentrationslager für Frauen: Ravensbrück. Rund 120.000 Frauen und Kinder, 1.200 weibliche Jugendliche und 20.000 Männer werden bis Kriegsende hier registriert. Es sind vor allem politische Häftlinge, „Nicht-Arierinnen" wie Romnja und Sintizas oder Jüdinnen. Sie sind unmenschlicher Behandlung, Folter, grausamen medizinischen Versuchen, Hunger und Krankheiten ausgesetzt, müssen Zwangsarbeit leisten. 90.000 Menschen sterben. Die Überlebenden sind an Körper und Seele gezeichnet.

Die letzten Überlebenden
In einem ergreifenden Film erzählt „Universum History“ mit Hilfe von Zeugenaussagen der letzten Überlebenden, der Analyse von Expertinnen und Experten, 3D-Modellen und Rekonstruktionen am Freitag, dem 4. November, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Geschichte von Ravensbrück. In der Dokumentation „Die Frauen von Ravensbrück – Verfolgt und vergessen“ von Aurélie Chaigneau, Alice Boccara und Sophie Jeaneau (ORF-Bearbeitung: Andreas Maurer) erinnern sich Frauen aus Frankreich, Polen und den Niederlanden an ihre Inhaftierung im KZ Ravensbrück sowie an die Befreiung durch die russische Armee. Um 23.20 Uhr folgt Oliver Hirschbiegels auf wahren Begebenheiten beruhendes Widerstands-Drama „Elser – Er hätte die Welt verändert“: Im Alleingang plant der einfache deutsche Handwerker Georg Elser einen Bombenangriff auf den NS-Diktator Adolf Hitler und dessen Regierungsanhänger. Doch schlussendlich fehlen dem jungen Mann 13 Minuten, die das gesamte vergangene Jahrhundert hätten verändern können.

Ravensbrück - Terror und Folter
Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs starten die Nazis eine riesige Geheimoperation. In Zügen und auf Lastwagen lässt die SS rund 900 politische Gegnerinnen und „Nicht-Arierinnen" in die kleine Gemeinde Ravensbrück bringen, etwa 90 Kilometer nördlich von Berlin. Diese Frauen sind die ersten Häftlinge im zunächst einzigen Konzentrationslager, in das ausschließlich Frauen und Kinder deportiert werden. Später, 1941, wird auch ein kleines Männerlager hier errichtet. Das KZ Ravensbrück ist Teil eines Lagerkomplexes, gemeinsam mit dem Männerlager in der Nachbarschaft, Industriebetrieben, dem KZ Uckermark für Mädchen und junge Frauen sowie dem Siemenslager Ravensbrück.

Ende Juni 1939 werden Romnja und Sintizas aus dem Burgenland hierher deportiert. Später kommen Frauen aus Polen und anderen von Nazi-Deutschland besetzten Ländern hinzu. Die ersten weiblichen Häftlinge müssen beim Ausbau des Lagers und beim Bau der Wohnsiedlung für die SS-Wachleute mitarbeiten. Später werden sie auch als Zwangsarbeiterinnen eingesetzt. Weshalb die Frauen hierhergebracht werden, wird ihnen nicht gesagt. Nummern lösen ihre Namen ab, als einzigen Besitz bekommen sie eine Suppenschüssel aus Blech. Ihr Verlust bedeutet, zu verhungern.

Missbrauch für grauenhafte Experimente
Auch das Personal der Wärter:innen und Aufseher:innen ist überwiegend weiblich. Zwischen 1939 und 1945 werden mehr als 3.500 Aufseherinnen im KZ ausgebildet. Sie stehen ihren männlichen Kollegen an Grausamkeit um nichts nach, foltern und töten Gefangene. Obwohl Ravensbrück nicht als Vernichtungslager angelegt ist, werden Zehntausende Frauen hier ermordet. Viele Frauen werden in Ravensbrück auch für medizinische Experimente missbraucht: Um die Wirkung von Wundbrand nach Kriegsverletzungen zu simulieren, werden den Frauen Knochen, Nervenbahnen oder Muskeln chirurgisch entfernt, anschließend schieben ihnen die Nazi-Mediziner Glasscherben oder Holzsplitter in die offenen Wunden und injizieren ihnen Krankheiten wie Typhus oder Gasbrand.

Im sogenannten „Kinderzimmer“ werden die vielen im Lager geborenen Kinder ihrem Schicksal überlassen und dem Hungertod preisgegeben.

Ab 1941 dient Ravensbrück als Hinrichtungsstätte: Zahllose Frauen werden mit Schusswaffen exekutiert. Anfang 1945 richtet die SS im Frauen-KZ Ravensbrück in einer Baracke neben dem Krematorium eine provisorische Gaskammer ein. Hier werden zwischen Ende Jänner und April 1945 5.000 bis 6.000 Häftlinge vergast. Heute erinnern in Ravensbrück ein Mahnmal, Stacheldrahtverhaue, alte Zellentrakte, Krematorien und ein düsterer Appellhof an die Gräueltaten der Nazis.
Freiheit für die Ukraine - Der Traum des Wilhelm von Habsburg
Datum: 2023.02.14 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt ; Ukraine
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Erzherzog Wilhelm von Habsburg-Lothringen wollte bereits im ersten Weltkrieg die Ukraine in die Unabhängigkeit führen.

August 1947: Ein hochgewachsener Mann wird am Wiener Südbahnhof von Sowjetsoldaten in ein Auto gezerrt. Kurz darauf besteigen sie mit ihm ein Flugzeug Richtung Kiew. Er wird verhört, wochen- und monatelang. Genau ein Jahr später ist er tot. Sein Name: Wilhelm Franz Joseph Karl von Habsburg-Lothringen.

„Wilhelm der Bestickte“
Wer war dieser Wilhelm von Habsburg, der König der Ukraine werden wollte und dort heute noch immer “Vasyl Vyshyvanyi” – „Wilhelm der Bestickte“ - genannt wird, da er unter seiner Uniform immer ein ukrainisches Hemd trug?

In den dramatisch-turbulenten Ereignissen des 20. Jahrhunderts ist dieser Habsburger fast völlig in Vergessenheit geraten. Dabei ist seine Geschichte auch die Geschichte vom Werden einer Nation, es ist die Geschichte von der Suche eines Volkes nach seinem Platz im habsburgischen Vielvölkerreich, nach seiner politischen Bestimmung, die Geschichte vom Kampf eines Landes um Einheit und Unabhängigkeit.

Vom Leben und Traum des Erzherzogs
Die Spieldokumentation folgt den Spuren Erzherzogs Wilhelm von Österreich von seinen Kindheitstagen an der Adria bis in die heutige Westukraine, wo er als Offizier der k.u.k. Armee ein eigenes Regiment befehligte. Zu dieser Zeit entwickelte Wilhelm seine romantische Zuneigung für das Volk der Ruthenen, wie die Ukrainer in der Habsburgermonarchie bezeichnet wurden. Zu Wort kommen Historiker aus Österreich, der Ukraine und den USA, die Wilhelms politische Aktivitäten im Kontext der wechselvollen und blutigen Geschichte des 20. Jahrhunderts bewerten. Historisches Archivmaterial und Bilder der verschiedenen Handlungsorte sollen dem Zuschauer helfen, sich geographisch und historisch zu orientieren. Die erstmals zugänglichen Verhörprotokolle des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB bilden die Grundlage für Spielszenen, die uns den Menschen Wilhelm von Habsburg näherbringen. Eine Koproduktion von ORF, 3sat und GS-Film.
Furchtlos – Frauen gegen Hitler
Mitwirkende: Necek, Barbara [Gestaltung]
Datum: 2021.05.07 [Sendedatum] 2021 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Sie ließen sich nicht von der NS-Propaganda vereinnahmen, widersetzten sich Hitlers Unterdrückungsmaschinerie und riskierten dafür ihr Leben – die Studentin Sophie Scholl, deren Geburtstag sich am 9. Mai zum 100. Mal jährt, Mitglied der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“, verbreitete Flugblätter gegen das Nazi-Regime in ganz Deutschland, Libertas Schulze-Boysen von der „Roten Kapelle“ gab vertrauliche Informationen aus dem Propagandaministerium weiter und die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich rettete Jüdinnen und Juden vor der Deportation.

Die „Universum History“-Dokumentation „Furchtlos – Frauen gegen Hitler“ von Barbara Necek (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) porträtiert am Freitag, dem 7. Mai, um 22.35 Uhr in ORF 2 Widerstandskämpferinnen, die während des Zweiten Weltkriegs den Mut hatten, sich gegen das Regime zu stellen und vom System verfolgten Menschen zu helfen. Um 23.20 Uhr folgt der Historienfilm „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ mit Julia Jentsch in der Titelrolle.

Das Schicksal von Regimegegnerinnen
Wegen ihrer Zivilcourage, ihrer Entschlossenheit und ihrer Einsatzbereitschaft wurden sie eingesperrt, gefoltert und ermordet, gehängt oder enthauptet. Der Widerstand gegen die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten wäre ohne den aktiven Beitrag der Frauen nicht möglich gewesen. Und doch hat sich jahrzehntelang niemand für ihre Geschichte interessiert. Während Männer im Widerstand für ihre tapferen Leistungen in die Geschichtsbücher eingingen, wurde das Schicksal tausender Regimegegnerinnen nicht einmal erforscht. Sie kämpften nicht mit Waffen, sondern meist unbemerkt im Hintergrund, doch mit ihren Netzwerken und großflächigen Aktivitäten versetzten sie die NS-Führung in Panik, die auf diese mit immer drakonischeren Strafen reagierte. Für die Verurteilung von Sophie Scholl und zwei weiteren Mitgliedern der „Weißen Rose“ reiste eigens der berüchtigte „Blutrichter“ Roland Freisler von Berlin nach München. Libertas Schulze-Boysen erhielt auf persönliches Verlangen Hitlers die Todesstrafe, obwohl sie ursprünglich nur zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Dass sich Frauen politisch betätigen, war für Hitler und seine Vollstrecker vollkommen undenkbar. Kurz nachdem Frauen nach dem Ersten Weltkrieg das Wahlrecht bekommen hatten, propagierten die aufkommenden Nationalsozialisten ein antiquiertes Rollenklischee, das Frauen als politische Handelnde ausschalten sollte. Bei Verurteilungen machten sie aber keinen Unterschied – wer sich gegen die Nazis stellte, wurde mit äußerster Brutalität bestraft.

Mutige Frauen im Widerstand
Nach dem Krieg wurden Widerstandskämpferinnen oft als Verräterinnen des Deutschen Reichs verunglimpft, die Überlebenden gesellschaftlich geächtet. „Universum History“ zeigt am Beispiel von drei mutigen Frauen, auf welch vielfältige Weise sie im Widerstand tätig waren – Sophie Scholl als Mitglied der Studentenverbindung „Die Weiße Rose“, Libertas Schulze-Boysen im Netzwerk der „Roten Kapelle“ und Ruth Andreas-Friedrich als Initiatorin der Widerstandsgruppe „Onkel Emil“. Sie alle stammten aus gebildeten Familien und befanden sich unter ständiger Beobachtung. Dennoch bekämpften sie das System mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.
Gaudiopolis – Republik der Kinder
Zum Holocaust-Gedenktag am 29. Jänner
Datum: 2021.01.29 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Sie wählten eine eigene Regierung, druckten Zeitungen und sorgten selbstständig für ihren Lebensunterhalt: Hunderte Kinder, die unter der Führung des lutherischen Pastors Gábor Sztehlo 1945 Gaudiopolis – die Stadt der Freude – gründeten.

Die „Stadt der Freude"
Viele von ihnen waren jüdischer Abstammung und zum Schutz vor den Nationalsozialisten ab 1944 in christlichen Kinderheimen versteckt worden. Schon bald jedoch strömten weitere Waisen- und Kriegskinder unterschiedlichster Herkunft in die von Gábor Sztehlo „besetzten“ Villen in Budapest. 1945, nach dem Ende des Krieges, entwickelte Gábor Sztehlo gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern das reformpädagogische Konzept der Kinderrepublik Gaudiopolis. In der „Stadt der Freude“ sollten die Kinder, unabhängig von ihren sozialen und religiösen Wurzeln, eine friedliche Gemeinschaft aufbauen und lernen, Entscheidungen auf Basis von Toleranz und gegenseitigem Verständnis zu treffen. Im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner zeichnet „Universum History“ mit Frédéric Tonollis Dokumentation „Gaudiopolis – Republik der Kinder“ (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) am Freitag, dem 29. Jänner 2021, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Entstehung und das Ende dieses außergewöhnlichen Projekts in aufwendigen Reenactments nach.

Die Kinder von Gaudiopolis
In bewegenden Interviews erzählen ehemalige Gaudiopolis-Kinder die unglaubliche Geschichte ihrer „gelebten Utopie“ und erinnern sich an die Hoffnung, die Freude, die Selbstbestimmung sowie die unglaubliche Kraft, die sie für ihr Leben danach daraus geschöpft haben.

Mit großem Enthusiasmus engagierten sich die Kinder für ihre Demokratie, wählten einen Ministerpräsidenten, erstellten eine Verfassung und druckten ihr eigenes Geld, den „Gapo-Dollar“. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie aus dem Erlös von Produkten aus ihren Werkstätten und von dem, was die Obstbäume im Garten abwarfen. Hilfsangebote, die an unzumutbare Bedingungen geknüpft waren, lehnte Gábor Sztehlo ab. So wollten zum Beispiel jüdische Organisationen nur jüdische Kinder unterstützen. Und die lutherische Kirche verlangte die alleinige Kontrolle über Gaudiopolis. Nur das Rote Kreuz war bereit, Lebensmittel zu liefern, ohne Forderungen zu stellen.

Sechs Jahre lang lebten die Kinder ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit. Im kommunistischen Ungarn wurden demokratische Strukturen wie die von Gaudiopolis zunehmend unterdrückt. 1951 verordnete der ungarische Diktator Mátyás Rákosi das Ende der Kinderrepublik. Sämtliche Versuche Gábor Sztehlos, den Kindern weiterhin ein Überleben in geordneten Strukturen zu ermöglichen, scheiterten.
Geld und Leben - 200 Jahre Österreichische Nationalbank
Mitwirkende: Wimmer, Helmut [Regie] , Kalteis, Fritz [Drehbuch] , Puluj, Christian [Drehbuch]
Datum: 2016.06.03 [Sendedatum] 2016 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Wirtschaft ; Finanzpolitik ; Finanzwesen und Kreditwesen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Krieg, Spionage und Geldfälschung in großem Stil durch napoleonische Truppen führten Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Staatsbankrott Österreichs. Anlass genug für Kaiser Franz I, eine neue Währungspolitik einzuführen, die seit 1816 von der dafür neu gegründeten Österreichischen Nationalbank bestimmt wird. 200 Jahre später erzählt die TV-Dokumentation "Geld und Leben" die Geschichte und die aktuellen Herausforderungen für die nationale Währungspolitik. Im Verlauf einer "nur" zweihundertjährigen Geschichte werden alle Meilensteine, Sternstunden und Katastrophen der österreichischen Geschichte am Beispiel "unseres" Geldes verständlich. Geld bedeutet Leben: Der Verfall einer Währung, die Ausgabe neuer Scheine, Staatsbankrott und Börsenkrise wirken unmittelbar auf das Leben von Millionen. Ein Film von Helmut Wimmer
Hallstatt und das weiße Gold – Die Salz-Saga
Mitwirkende: Heigl, Katharina [Regie] , Glanz, Josef [Sprecher/in] , Hollósi, Eszter [Sprecher/in]
Datum: 2020.10.27 [Sendedatum] 2020 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Kultur ; Dokumentation ; Nahrung ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Es ist eine der ältesten und besterforschten Industrieregionen der Welt: Hallstatt. Seit rund 7.000 Jahren wird hier Salz in großem Ausmaß abgebaut. Das „weiße Gold“ bringt Reichtum und Wohlstand, technische Innovationen, Migration, kulturellen Austausch und frühe Globalisierung. Die neue „Universum History“-Dokumentation „Hallstatt und das weiße Gold – Die Salz-Saga“ lässt am Dienstag, dem 27. Oktober, um 21.05 Uhr in ORF 2 mit aufwendigen Reenactments und Animationen das Leben der prähistorischen Menschen wiederauferstehen.

All das basierend auf den aktuellen Ergebnissen interdisziplinärer Forschungsprojekte unter Leitung der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums. Die übrigens Schluss machen mit vielen überlieferten Klischees und Stereotypen bezüglich der Geschlechterrollen.

Die Dreharbeiten der Spielszenen fanden in den Salzwelten Hallstatt und im Keltendorf Mitterkirchen statt. Unter der Regie von Katharina Heigl standen u. a. Maria Hofstätter als Salzfürstin, Fanny Krausz („Die Toten von Salzburg“) als Protagonistin Soi und Matthias Franz Stein („Tatort – Verschwörung“) als ihr Ehemann vor der Kamera von Carmen Treichl.

In der Eisenzeit (zwischen 800 und 400 v.Chr.) gehört Hallstatt zu den bedeutendsten Siedlungen Europas. Die Spuren dieser prähistorischen Bergleute finden sich konserviert im Salz im Innern des Berges. Heute zählt Hallstatt zu den besterforschten Kulturlandschaften der Welt. Anspruch der Dokumentation ist es, alle Spielszenen und die Ergebnisse österreichischer und internationaler Forschung eng miteinander zu verknüpfen. Der Film erzählt die fiktive Geschichte der jungen Soi – dargestellt von Fanny Krausz –, die aus dem Gebiet der Oberen Adria nach Hallstatt emigriert, ihre beschwerliche Arbeit unter Tag, die Heirat mit einem Hallstätter, wie sie sich Reichtum und Wohlstand erarbeitet und erhandelt. Der Bergsturz, bei dem ihr Mann ums Leben kommt, beendet die Erfolgsgeschichte jäh. Doch Soi gibt nicht auf. Ihr Lebensweg ist fragmentarisch, wie ein Puzzle, aus den Resultaten der jahrzehntelangen Forschungen zusammengesetzt und dokumentiert gleichzeitig auch die weltweit einzigartige multidisziplinäre Erforschung des prähistorischen Salzabbaus und der prähistorischen Gesellschaft Hallstatts. Bewusst steht eine weibliche Figur im Zentrum, denn die Forschung in Hallstatt hat in den vergangenen Jahren ein ganz neues Bild der Arbeit unter Tage gezeichnet, das die Bedeutung von Frauen und Kindern im Bergbau in ein völlig neues Licht rückt. Die „Universum History“-Dokumentation zeigt nicht nur, dass prähistorische Bergfrauen hohe soziale Stellungen innehatten, sondern auch, dass Migration und Globalisierung schon in der Eisenzeit ein Thema waren.

Degn-Film-Produzentin Mucky Degn: „Die Mischung aus Fiction und Wissenschaft lässt die Zeit des historischen Salzabbaus in Hallstatt wieder lebendig werden. Drohnenflüge über die faszinierenden Hochtäler und den Hallstättersee, eindrucksvolle Spielszenen vom Arbeiten ‚unter Tag‘ – experimentalarchäologische Experimente. Das Dokudrama verbindet auf einzigartige Weise ein Stück prähistorischer Geschichte unseres Landes mit Spitzenforschung aus Österreich.“

Die Dokumentation ist für „Universum History“-Chefin Caroline Haidacher auch aus anderen Gründen bemerkenswert: „Alle kreativen Schlüsselfunktionen sind weiblich besetzt: Produziert wird die Dokumentation von der Salzburger Produzentin Mucky Degn, das Drehbuch stammt aus der Feder von Autorin Susanne Utzt, Regie führt Katharina Heigl, hinter der Kamera steht Carmen Treichl, den Schnitt macht Lisa Mörtelmayr – die Produktion ist fest in kreativen, erfahrenen Frauenhänden.“

Seitens des Naturhistorischen Museums betont Hans Reschreiter, Leiter der Ausgrabung und Forschung im prähistorischen Salzbergwerk Hallstatt: „Vieles von dem, was wir in Hallstatt finden, ist weltweit einmalig, es hat sich nur hier im Salz erhalten. Deshalb arbeiten wir seit vielen Jahren mit Vermittlungsarbeit mit Lebensbildern, mit Rekonstruktionen, um diese faszinierende unsichtbare unterirdische Welt zu transportieren. Aus den ersten Rekonstruktionen, aus den ersten Lebensbildern sind dann die ersten animierten Lebensbilder entstanden. Mit diesem Film haben wir jetzt endlich die Chance, diese Welt vor 2.500 Jahren lebendig zu machen und einem breiten Publikum zu präsentieren. So können wir zeigen, wie Forschung 100 Meter unter der Oberfläche funktionieren kann und welche Ergebnisse wir haben.“

Für die in Gramastetten in Oberösterreich aufgewachsene Regisseurin und studierte Archäologin Katharina Heigl „ist der Hallstätter Salzberg eine Zeitkapsel, ein archäologischer Fundort, der einzigartig ist auf dieser Welt. Dieser Ort hat einen Zauber, der mich seit meiner Kindheit berührt. Unser Anspruch ist es, die Welt der prähistorischen Bergleute so abzubilden, dass dieser Zauber spürbar wird – gleich wichtig ist aber auch, dass die archäologischen Details stimmen“.

Als „spannende neue Erfahrung“ beschrieb Maria Hofstätter ihr Doku-Debüt: „Das Faszinierende an dieser Produktion sind die Location, das Setting und diese Zeit, in die man wie in eine Geschichtslektion eintaucht. Der Clou ist, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in einer fiktiven Geschichte eine Zeitspanne erzählen zu können. Das, was wir zeigen, kann nur eine Annäherung des damaligen Lebens sein. Dabei ist es einerseits wichtig, wissenschaftlich korrekt zu agieren – etwa, wie man damals gegessen oder Knoten geknüpft hat. Aber Menschsein war glaub ich schon immer Menschsein und wird so bleiben, gewisse Dinge bleiben gleich.“

Fanny Krausz über ihre Rolle der Soi und Schwiegertochter der Salzfürstin: „Soi war vorher noch nie in einem Bergwerk, sie kommt aus einer Glasmacherfamilie in eine für sie völlig fremde Welt, zu einer fremden Familie, und muss sich komplett neu orientieren. Sie fängt quasi von null an und hat Erfolg. Sie ist eine starke Frau, die im Laufe der Geschichte, die wir erzählen, immer stärker wird.“
Hindenburg - Tragödie am Himmel
Mitwirkende: Wolfinger, Kirk [Gestaltung]
Datum: 2025.09.05 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Luftfahrt ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] 1936 erobert die „Hindenburg“ den Himmel. Sie ist bis heute das größte, jemals gebaute Luftfahrzeug. Doch am 6. Mai 1937 kommt es zur Katastrophe.

Wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg gelten die riesigen Zeppeline der deutschen Luftschifffahrt als Symbole des technischen Fortschritts. Die „Hindenburg“ befördert regelmäßig vermögende Passagiere über den Atlantik. Doch am 6. Mai 1937 kommt es zur Katastrophe: Das Luftschiff gerät bei der Landung in Brand und verglüht innerhalb kürzester Zeit, 36 Menschen sterben. Die genaue Ursache für das Unglück wird nie eindeutig geklärt. Wiederentdecktes Filmmaterial lässt nun zwei Luftfahrtexperten auf eine akribische Spurensuche gehen - in der neuen „Universum History“ Dokumentation „Hindenburg - Tragödie am Himmel“ von Kirk Wolfinger (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) versuchen sie das Rätsel um den dramatischen Absturz des legendären Luftschiffs endgültig zu lösen.

Das größte Luftfahrzeug der Welt
Das Luftschiff Hindenburg ist bis heute das größte jemals gebaute Luftfahrtzeug der Welt. Als es 1936 erstmals die Fertigungshalle in Friedrichshafen am Bodensee verlässt, soll es eine neue Ära des Luftverkehrs einläuten. Mit den enormen Ausmaßen will man noch mehr Passagiere und Fracht noch schneller und komfortabler über den Atlantik transportieren. Das nationalsozialistische Deutschland erkennt bald das Potenzial der riesigen Zeppeline für seine Imagewerbung: Die Hindenburg sei von der deutschen Regierung als Propagandasymbol genutzt worden, erzählt Luftfahrthistoriker und Autor Dan Grossman in der „Universum History“-Dokumentation.

Auch das führt nach dem dramatischen Absturz über dem Flughafen im amerikanischen Lakehurst zu Verschwörungstheorien. Doch Experten, die die Unfallursache feststellen sollen, finden bei zwei Untersuchungen keine Hinweise auf Sabotage oder gar einen Bombenanschlag. Das Luftschiff war mit hochentzündlichem Wasserstoff befüllt - einmal in Brand geraten, verglühte die Hindenburg in kaum einer Minute. Woher aber kam der Funke, der das Feuer auslöste?

Die Spurensuche führt die beiden Luftfahrexperten Dan Grossman und Jason Harris auch nach Deutschland. Im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen suchen sie nach Informationen, um experimentell das Unglück nachvollziehen zu können.

Neue Hinweise auf die Unglücksursache
Warum es zur „Tragödie von Lakehurst“ gekommen ist, können damals weder die deutschen noch die amerikanischen Fachleute erklären. Jahrzehnte nach dem Unfall stößt Dan Grossman zufällig auf altes Amateurfilmmaterial. Es liefert neue Hinweise auf den genauen Verlauf des Unglücks. Gemeinsam mit dem Piloten und Luftfahrtexperten Jason Harris versucht er, das Rätsel um den Absturz endgültig aufzuklären.

Die Recherche von Dan Grossman und Jason Harris rollt den Fall „Hindenburg“ neu auf. Die Echtheit des wiederentdeckten Materials wird dabei ebenso akribisch untersucht wie der genaue Ablauf der Ereignisse vom Mai 1937. Die Spurensuche führt auch nach Deutschland - ins Zeppelin-Museum in Friedrichshafen mit seinem weltweit größten Archiv zu Geschichte und Bau der monumentalen Luftschiffe. Alle Informationen fließen schließlich in eine eigens entwickelte Testanordnung ein: In den Labors des renommierten California Institute of Technology sollen die letzten Geheimnisse der Hindenburg wissenschaftlich geklärt werden.

Hindenburg - Tragödie am Himmel: Im Labor wird das Szenario nachebaut: Rahmen, Außenhaut, elektrostatische Ladung und Regenwasser gehen eine unheilvolle Verbindung ein.

„Universum History“ zeichnet mit großer Detailgenauigkeit den Ablauf des Hindenburg-Unglücks nach. Die eindringlichen Archivbilder in Schwarz-Weiß machen die Dramatik jenes Ereignisses spürbar, das zu den berühmtesten Bilderzeugnissen des 20. Jahrhunderts zählt. Mit dem Absturz der Hindenburg ist die Verkehrsluftschifffahrt am Ende. Wenig später lösen Flugzeuge die riesigen gasgefüllten Konstruktionen ab. Doch als erstes großes Technikunglück, das auf Film gebannt und weltweit in den Wochenschauen der Kinos gezeigt wurde, hat sich das dramatische Ende der Hindenburg ins kollektive Gedächtnis eingeprägt.
Hitlers Wehrmacht – Eine Bilanz: die Verbrechen
Universum History
Mitwirkende: Helm, Ingo [Regie]
Datum: 2015.04.24 [Sendedatum] 2015 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik ; Gesellschaft ; Zweiter Weltkrieg ; Dokumentation ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Militär ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Die Wehrmacht – Hitlers williger Helfer? Jüngst entdeckte Dokumente gewähren einen unverstellten Einblick, wie die deutsche Generalität Adolf Hitler und seinen Krieg sah. Zahlreiche hohe Militärs waren im Offiziers-Gefangenenlager Trent Park bei London interniert; dort hörte der britische Geheimdienst ihre vertraulichen Gespräche ab. Bis vor wenigen Jahren waren die Abhörprotokolle streng geheim, nun erlauben sie eine Neubewertung der Verstrickung der Wehrmacht in die Verbrechen des NS-Regimes, vor allem beim Russland-Feldzug und am Balkan. Wesentliche Passagen mit aufschlussreichen, bisweilen bestürzenden Aussagen und Selbsterkenntnissen der deutsche Militärs werden szenisch rekonstruiert. Sie illustrieren, wie sich die Wehrmacht zum Werkzeug der Diktatur in einem beispiellosen Vernichtungsfeldzug machen ließ – und wie wenig Widerstand es dagegen gab. Vor allem die Generäle waren keineswegs nur Befehlsempfänger, viele führten diesen Krieg aus Überzeugung. Ein Film von Ingo Helm Bearbeitung: Andrea Lehner
Kinder des Chaos - Die Ausgestoßenen der Nachkriegszeit
Mitwirkende: Brandner, Judith [Gestaltung]
Datum: 2022.09.23 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Kinder und Jugend ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren zwölf Millionen Kinder in Europa auf sich allein gestellt – entführt, elternlos, zurückgelassen, verlorengegangen. Viele erhielten zwangsweise eine neue Identität und Staatsbürgerschaft. Viele kamen in Waisen- oder Kinderheime, erfuhren Gewalt, Missbrauch und Hoffnungslosigkeit. Viele wurden zur Umerziehung Adoptiveltern überantwortet. Fast 80 Jahre später stellen sich einige überlebende Betroffene ihren Traumata.

Das traurige Schicksal
In der berührenden „Universum History“-Dokumentation „Kinder des Chaos – Die Ausgestoßenen der Nachkriegszeit“ von Agnès Pizzini und Julien Johan (ORF-Bearbeitung: Judith Brandner) erzählen am Freitag, dem 23. September, um 22.35 Uhr in ORF 2 Kinder aus Deutschland, Frankreich und Österreich ihre Lebensgeschichten. Ein Mosaik aus Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Erinnerungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Helferinnen und Helfern, aus Archivmaterial und aufwendig gedrehten Spielszenen lässt das traurige Schicksal dieser Kinder des Krieges lebendig werden. Vor dem Hintergrund des heutigen Krieges in Europa bekommen die Geschichten eine schreckliche aktuelle Relevanz.

Wenn Kinder zur Kriegsbeute von Staaten werden
1945, nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands, lagen weite Teile Europas in Schutt und Asche. Der Krieg hatte Millionen Menschen das Leben gekostet, Familien zerstört. Die Deportationen, ethnischen Säuberungen, die Zwangsarbeit, das Morden und die Bombardierungen waren der Hintergrund, weshalb so viele Kinder wie nie zuvor von ihren Eltern getrennt wurden. Es gab Hunderttausende Waisenkinder, verlorene Kinder, Kinder, die zurückgelassen worden waren und die sich selbst irgendwie durchschlagen mussten. Übriggeblieben waren auch Kinder aus den „Lebensborn“-Heimen, einer Einrichtung der Nationalsozialisten, deren Ziel es war, auf der Basis der nationalsozialistischen Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die Geburtenziffer „arischer“ Kinder zu erhöhen. Viele Kinder wurden zur Kriegsbeute von Staaten, die nach dem hohen Blutzoll des Krieges mit ihnen ihre Bevölkerungszahlen sanieren wollten.

Wer waren Ihre Eltern?
Auch nach dem Ende des Krieges hielt der Kriegszustand für diese verlassenen Kinder noch Jahre lang an. Eine Selektion setzte ein: Manche wurden herausgepickt, Adoptiveltern überantwortet, in Heime gesteckt. Die Ungewollten waren einem Überlebenskampf ausgesetzt, der für sie erneut die Hölle auf Erden bedeutete. In jahrelanger mühsamer Sisyphusarbeit recherchierten viele ihre wahre Herkunft. Viele wissen heute noch immer nicht, wer ihre Eltern waren und was mit ihnen passiert ist. Die Rückkehr zu Frieden und Stabilität in Europa hat die Geschichte der ausgebeuteten und gestohlenen Kinder lange Zeit verschleiert.
Kontinent der Vielfalt - Amerika vor 1492 (1)
Datum: 2020.10.23 [Sendedatum] 2020 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik ; Dokumentation ; Wahlen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Eine spannende Zeitreise mit der Leiterin des ORF-Korrespondentenbüros in Washington, Hannelore Veit, Tausende Jahre zurück in der Geschichte Nord-, Mittel- und Südamerikas – zu den Ursprüngen Amerikas, zu den Azteken, Maya, Inka und Irokesen – erwartet das TV-Publikum auch im zweiten Teil des „Universum History“-Zweiteilers „Kontinent der Vielfalt – Amerika vor 1492“, der anlässlich der US-Präsidentschaftswahl zurück ins Amerika vor Kolumbus führt und die „First Nations“ des Doppelkontinents porträtiert.
Kontinent der Vielfalt - Amerika vor 1492 (2)
Datum: 2020.10.30 [Sendedatum] 2020 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik ; Dokumentation ; Wahlen ; TV-Mitschnitt ; Vereinigte Staaten von Amerika
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Eine spannende Zeitreise mit der Leiterin des ORF-Korrespondentenbüros in Washington, Hannelore Veit, Tausende Jahre zurück in der Geschichte Nord-, Mittel- und Südamerikas – zu den Ursprüngen Amerikas, zu den Azteken, Maya, Inka und Irokesen – erwartet das TV-Publikum auch im zweiten Teil des „Universum History“-Zweiteilers „Kontinent der Vielfalt – Amerika vor 1492“, der anlässlich der US-Präsidentschaftswahl zurück ins Amerika vor Kolumbus führt und die First Nations des Doppelkontinents porträtiert.

Der Film von Barbara Hager und Lisa Jackson (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) widmet sich am Freitag, dem 30. Oktober 2020, um 22.35 Uhr in ORF 2 in Kinofilmlänge den zahlreichen technologischen und politischen Errungenschaften der indigenen Völker Amerikas und zeigt ihre vielfältigen Strategien, die vor Ankunft der Europäer ihr Überleben gewährleisteten. Eindrucksvolle Spielszenen und Interviews mit Wissenschafter/innen indigener Herkunft geben einen Einblick in faszinierende Details der Herkunft und Lebensweise der amerikanischen Bevölkerung vor Christoph Kolumbus.

Archäologische Funde bezeugen, dass die frühesten Bewohner Amerikas Seefahrer waren. Sie kamen vor mehr als 15.000 Jahren über die Landbrücke Beringia oder den offenen Ozean. Diese Urpopulationen schufen komplexe Gesellschaftssysteme mit eigenen Schriftsystemen und Sprachen. Sie brachten Medizin, Chirurgie oder Landwirtschaft zur Hochblüte, schon vor 7.000 Jahren führten sie komplizierte Schädeloperationen durch. Doch mit dem Eintreffen von Kolumbus und den europäischen Konquistadoren änderte sich das Leben der 90 Millionen Menschen vom Hohen Norden Alaskas bis zur Südspitze dramatisch. Für die Kolonialisten waren sie nicht mehr als „Wilde“ – ihre Kulturen waren dem Untergang geweiht. Hannelore Veit „Es war für mich eine faszinierende Reise in die Vergangenheit der USA und des gesamten Kontinents. Sie hat mich wieder und neu entdecken lassen, wie hochstehend die Kulturen in Nord- und Südamerika waren.“

Archäologische Funde in Nord- und Südamerika belegen Schädeloperationen vor 7.000 Jahren. Die Präzision dieser Eingriffe und ihre hohe Erfolgsrate zeugen von der chirurgischen Fertigkeit der damaligen Menschen. Gebrochene Arme und Beine wurden mit Hilfe von Nägeln aus Knochen oder Holz stabilisiert. Schon vor 2.000 Jahren wurden im westlichen Südamerika Metalle verarbeitet. In der Nähe des Titicacasees gefundene Goldperlen sind etwa 4.000 Jahre alt. Das in Amerika angewandte Verfahren der Metallurgie war damals das fortschrittlichste der Welt. Händler transportierten Kunst- und Alltagsgegenstände über Tausende Kilometer in die Handelszentren.

Im Bild: Totempfähle werden an bedeutsamen Stellen, wie dem Eingang in ein Langhaus oder entlang der Küste in Richtung eines Dorfes aufgestellt. Federschmuck und eingeritzte übernatürliche Wesen illustrieren die Geschichte der jeweiligen Familie.

In Südamerika erstreckte sich das Inka-Reich über mehrere heutige Staaten. 1.500 Jahre zuvor hatten sich die Azteken in Mittelamerika zu einer der größten Gesellschaften Amerikas entwickelt. Die Bevölkerung Mesoamerikas entwickelte ein komplexes Schriftsystem und verschiedene Kalender. Die Maya hielten Sonnen- und Mondfinsternisse und die Bewegungen der Venus in Büchern aus Baumrinde fest, sie konnten den Stand mancher Himmelskörper über Jahrhunderte im Voraus berechnen. In Nordamerika entstand ein Bündnis indigener Ethnien, das die Gründungsväter der Vereinigten Staaten in mancherlei Hinsicht inspirierte: Verfeindete Irokesenverbände schufen lange vor der Ankunft der Europäer eine der ältesten repräsentativen Demokratien der Welt – die Irokesen-Konföderation. Sie sollte zum Vorbild für die Konföderation der Vereinten Staaten von Amerika werden. Die Gleichstellung der irokesischen Frau inspirierte die europäische Frauenbewegung, die Irokesenfrisur wurde im 20. Jahrhundert zum Symbol der Punkbewegung.

Hannelore Veit über die „Universum History“-Reise in die amerikanische Vergangenheit: „Es war auch für mich eine faszinierende Reise in die Vergangenheit der USA und des gesamten Kontinents. Sie hat mich wieder und neu entdecken lassen, wie hochstehend die Kulturen in Nord- und Südamerika waren. Sie verdienen viel mehr Aufmerksamkeit als ihnen im heutigen Amerika zuteil wird. Diese Reise war für mich nicht nur spannend und lehrreich, sondern auch eine willkommene Abwechslung von der hektischen politischen Berichterstattung der Gegenwart.“
Krieg der Träume (1) - Gewinner und Verlierer
Datum: 2024.07.26 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Erster Weltkrieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Serie "Krieg der Träume" erzählt die realen Geschichten von Männern, Frauen und Kindern, die 1918 das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt haben und voller Hoffnung in die Zukunft blicken.

Nach mehr als vier Jahren Krieg muss Deutschland im Herbst 1918 kapitulieren. Am 11. November ruhen die Waffen. Im Januar 1919 kommen die Sieger in Paris zusammen, um auf der Friedenskonferenz die Zukunft Europas zu verhandeln. Die Deutschen werden gezwungen, einen Friedensvertrag zu unterschreiben, der in weiten Teilen der Bevölkerung für Empörung sorgt.
Krieg der Träume (2) - Tanz auf dem Vulkan
Datum: 2024.07.30 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Erster Weltkrieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Serie "Krieg der Träume" erzählt die realen Geschichten von Männern, Frauen und Kindern, die 1918 das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt haben und voller Hoffnung in die Zukunft blicken.

Reichtum für alle verspricht der Konsumentenkredit, eine amerikanische Erfindung, die ab 1927 Europa erreicht. Doch der Zusammenbruch der Börsen am Schwarzen Freitag 1929 beendet diesen Traum. Infolge der Weltwirtschaftskrise kommt es in vielen Ländern zu Massenarbeitslosigkeit. In Deutschland kämpft die Weimarer Republik ums Überleben. Am 30. Jänner 1933 wird Adolf Hitler Reichskanzler.
Krieg der Träume (3) - Auf Leben und Tod
Datum: 2024.08.02 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Erster Weltkrieg ; Zweiter Weltkrieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Serie "Krieg der Träume" erzählt die realen Geschichten von Männern, Frauen und Kindern, die 1918 das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt haben und voller Hoffnung in die Zukunft blicken. In Spanien putschen 1936 rechte Generäle gegen die linke Regierung. Ein Bürgerkrieg entbrennt. Im März 1938 marschieren deutsche Truppen in Österreich ein, nur ein Jahr später besetzen sie die Tschechoslowakei. Polen sichert sich die Unterstützung Englands und Frankreichs, Deutschland schließt einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion. Am 1. September 1939 überfällt die Wehrmacht Polen. Der Zweite Weltkrieg beginnt.
Kriegskinder – Leben in Trümmern
Datum: 2020.12.04 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Kinder und Jugend ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Wie reagiert ein Kind, wenn plötzlich die eigene Existenz, das eigene Land bedroht ist? Die neue „Universum History“-Dokumentation „Kriegskinder – Leben in Trümmern“ von Michèle Durren und Julien Johan (ORF-Bearbeitung: Margarita Pribyl) erzählt am Freitag, dem 4. Dezember, um 22.35 Uhr in ORF 2 von den Erlebnissen einer ganzen Generation von Französinnen und Franzosen, die zum Zeitpunkt des Zweiten Weltkriegs noch im Kindesalter waren.

Erinnerungen an die Kriegszeit
Der Krieg forderte viele Opfer: allein in Frankreich etwa 650.000 Waisen, rund 90.000 Kinder auf der Flucht und nicht zuletzt etwa 11.500 Deportationen jüdischer Kinder. Doch Emotionen lassen sich durch nackte Zahlen nicht ausdrücken – sondern durch die Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Die Filmemacher Michèle Durren und Julien Johan richten mit ihrem berührenden Film einen Appell an die Öffentlichkeit: Es ist schlicht ungerecht, Kindern einen Krieg zuzumuten.

Es ist eine andere Perspektive auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs – und damit ein Blick auf alle Kriege: die Perspektive von Kindern. Wie sehr solch markerschütternde Ereignisse ein ganzes Menschenleben prägen – egal in welchem Land – wird durch die berührenden Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen deutlich. Mit einer Mischung aus kolorierten Archivaufnahmen und Amateurfilmen sowie nachgestellten Szenen werden die Kinder von damals zu Hauptdarstellern dieser grausamen Epoche. Nicht nur Traumata wie Bombardierungen, persönliche Einschränkungen oder die jahrelange Abwesenheit der Eltern sind Thema. Die Okkupation Frankreichs von 1940 bis 1944 und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung wird noch deutlicher, wenn man sieht, wie Kinder zu Opfern werden. Ihre Briefe und Tagebücher geben ein ungeschöntes Bild dieser Zeit.

Im Interview zu sehen sind mehrere Menschen, die damals noch Kinder waren, quer durch verschiedene Bevölkerungsschichten und Regionen Frankreichs. Einer von ihnen ist der Illustrator und Schriftsteller Tomi Ungerer, damals ein Kind mit mehrsprachiger Identität. Zu Hause spricht man Französisch, auf der Straße Elsässisch, in der Schule Deutsch. Raymonde Nowodworski wiederum wird als Jüdin deportiert. Sie erzählt, wie sie sich ganz auf sich allein gestellt um ihre jüngeren Geschwister kümmern muss – ein Kampf auf Leben und Tod. Der damals 15-jährige Loic Bouvard schließt sich mit Herzblut der Résistance an. Auch ein Mittelschüler aus Chartres, der kürzlich verstorbene Grafikdesigner Robert Massin, kommt zu Wort. Ihm blieb besonders ein Satz seines Vaters im Ohr, der eines Tages im Juni 1940 sagte: „Morgen brechen wir auf“. Damit änderte sich das Leben des Kindes grundlegend.

Heute, mehr als 75 Jahre nach Kriegsende, sind die Zeuginnen und Zeugen in die Jahre gekommen. Vergessen konnten sie trotzdem nie. „Kriegskinder – Leben in Trümmern“ ist ein zu Herzen gehender Film, der aufrütteln soll und darüber hinaus klar macht: Kinder haben im Krieg nichts verloren.
Ein Leben als Hebamme - Geburtshilfe im 17. Jahrhundert
Datum: 2023.02.24 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Der Beruf der Hebamme bedeutet im 17. Jahrhundert ein Leben auf Messers Schneide: Glückt die Geburt, genießt die Hebamme hohes Ansehen.

Doch geht etwas schief, gerät sie rasch in Verdacht, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Ein kleiner Fehler kann zu einer Anklage und damit zum Tod auf dem Scheiterhaufen führen. Es ist die Zeit des Hexenwahns, in der die Hebamme Anna Stein tagtäglich neues Leben auf die Welt und ihr eigenes mitunter in Gefahr bringt. „Universum History“ zeichnet den Arbeitsalltag von Hebammen – am Beispiel der fiktiven Anna Stein – am Freitag, dem 24. Februar, um 23.20 Uhr in ORF 2 in einem aufwendig inszenierten Doku-Drama von Sigrun Laste, Jochen Ruderer, Jens Afflerbach und Arne Peisker (ORF-Bearbeitung: Ronja Scherzinger) nach. „Ein Leben als Hebamme – Geburtshilfe im 17. Jahrhundert“ ist das Porträt eines aufregenden und zugleich gefährlichen Berufs: inmitten einer Gesellschaft, die zwischen demütigem Glauben, blindem Aberglauben und der Faszination für die Wunder der Medizin ins Wanken gerät.

Das Wissen der Hebammen
Im Jahr 1629 besteht das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ aus mehr als 300 Territorien. Während ganze Landstriche verwüstet und entvölkert werden, bleibt die Stadt Köln weitgehend von den Kriegshandlungen verschont. Dennoch suchen Krankheiten und Ernteausfälle die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner heim. Mangelernährung und Infektionen durch Bakterien treiben die Kindersterblichkeit in die Höhe. Männern, auch Ärzten, ist es damals untersagt, bei Geburten anwesend zu sein. Hebammen wie Anna Stein sind daher rund um die Uhr für die Frauen und ihre Neugeborenen im Einsatz. Ihr Alltag steckt voller Herausforderungen. Als Hebamme hat sich Anna Stein ein beachtliches Wissen über Heilkräuter und ihre Mixturen angeeignet. Bei einer schwierigen Geburt hat sie kleinere chirurgische Eingriffe durchzuführen.

Hexenwahn: Der Pakt mit dem Teufel
Aberglaube ist in der Bevölkerung tief verankert, er bildet den Nährboden für die Angst vor Dämonen oder Hexen. Schrecken und Sensationen werden auf Flugblättern, den Vorläufern moderner Zeitungen, unters Volk gebracht, unglaubliche Geschichten von Wunderwesen und Hexen treiben die Auflagenzahl in die Höhe. Allein in Deutschland werden rund 25.000 Menschen bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Hebammen stehen – etwa bei Totgeburten – schnell im Verdacht, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. Oft fallen auch sie dem Hexenwahn der Frühen Neuzeit zum Opfer. Damit wird auch Anna Stein konfrontiert. Denn eine ihrer Kolleginnen soll noch am selben Tag auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Der Hexenwahn macht somit auch vor dem bis dahin ruhigen Köln nicht Halt.

Die „Universum History“-Dokumentation „Ein Leben als Hebamme – Geburtshilfe im 17. Jahrhundert“ begleitet Anna Stein einen ganzen Tag lang bei ihrer Arbeit. Eine Hebamme namens Anna Stein hat es nie gegeben. Doch ihre Geschichte ist dennoch wahr – recherchiert und verdichtet aus historisch-verbrieften Biografien und neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Gedreht wurde in Deutschland und Österreich, unter anderem in der Rauchstube des Volkskundemuseums Graz.
Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - Der Jahrhundertspion
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Gestaltung] , Jelinek, Gerhard [Gestaltung]
Datum: 2014.07.25 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Politik Österreich ; Geschichtswissenschaft ; Militär ; Geheimdienste ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-01815_K01, E52-01815
Inhalt: Der eine war der Meister der Reportage, der andere ein sogenannter Meisterspion. Ihre Geschichten sind eng miteinander verbunden. Der eine, Egon Erwin Kisch, der berühmte "rasende Reporter" aus Prag, machte den Fall des anderen, des Oberst Alfred Redl, der jahrelang für die Russen spionierte, erst bekannt. Kisch konnte in seiner journalistischen Arbeit die Vertuschungsversuche der k. u. k.-Armeeführung geschickt unterwandern, indem er alle Vorwürfe gegen Redl in Form eines Dementi in der Prager Tageszeitung "Bohemia" veröffentlichte. So kam der Fall mit all seinen pikanten Details im Mai 1913 an die Öffentlichkeit. Dieser Film begibt sich auf eine Spurensuche nach den wahren Details des Falls Redl und gestattet einen Blick in die Persönlichkeit des k. u. k.-Geheimdienstchefs.
Leopoldina Habsburg - Die Geburt des modernen Brasilien
Mitwirkende: Heigl, Katharina [Regie]
Datum: 2022.11.01 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentarfilm ; Österreichisch-Ungarische Monarchie ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] September 1822: Prinz Pedro I. und seine Gemahlin Leopoldina rufen das brasilianische Kaiserreich aus.

Das Land sagt sich los von der Kolonialmacht Portugal, setzt der Ausbeutung und Fremdbestimmung ein Ende. Ein wagemutiger Schritt, der die Granden der europäischen Politik überrascht und verärgert. Hätte ihn das Herrscherpaar nicht gesetzt, würde es Brasilien in seiner jetzigen Form nicht geben – die Region wäre in Teilrepubliken zerfallen, zerrissen von einem Zweifrontenkrieg gegen Feinde in der Nachbarschaft und auf dem europäischen Kontinent. Visionärin und Schlüsselfigur in der Geschichte Brasiliens ist Leopoldine von Habsburg, die bis heute als „Mutter der Nation“ verehrt wird. Die neue „Universum History“-Dokumentation „Leopoldina Habsburg – Die Geburt des modernen Brasilien“ beleuchtet am Dienstag, dem 1. November, um 21.50 Uhr in ORF 2 eine weitgehend unbekannte Episode in der Geschichte der Habsburger, in deren Zentrum die tragische Frauenfigur Leopoldina steht, deren Streben nach Wissen und Unabhängigkeit sie nicht vor Einsamkeit, Schmerz und den Zwängen des Patriarchats bewahren konnte.

Das Dokudrama porträtiert anlässlich des 200. Jahrestages der brasilianischen Unabhängigkeit diese außergewöhnliche Frau und legt gleichzeitig die Zusammenhänge zwischen europäischer und südamerikanischer Geschichte offen. Der Film von Katharina Heigl entstand als Koproduktion von SATEL Film, ORF und ZDF Arte, gefördert von Creative Europe – MEDIA Programme of the European Union, Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien, Land Niederösterreich und VAM.

Die Kaisertochter aus Wien – eine Großnichte Marie-Antoinettes – wird aus politischem Kalkül mit dem portugiesischen Kronprinzen Pedro I. verheiratet. Sein Vater, der König von Portugal, hat sich auf der Flucht vor Napoleon mit seinem Hof in die Kolonie Brasilien zurückgezogen. So wird die „verkaufte“ junge Habsburgerin im frühen 19. Jahrhundert zur ersten europäischen Prinzessin auf südamerikanischem Boden. Hoch gebildet und interessiert an Botanik, Mineralogie und politischen Entwicklungen, übt sie von Beginn ihrer anfangs glücklichen Ehe an großen Einfluss auf die Entscheidungen ihres Gemahls Dom Pedro aus. Sie ist es, die ihn schließlich dazu drängt, die brasilianische Bevölkerung bei ihrem Kampf um Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal zu unterstützen und dadurch den Fortbestand der Monarchie in Brasilien zu sichern.

Mit den legendären Worten „Der Apfel ist reif. Pflücke ihn“ gibt sie ihm den entscheidenden Anstoß, Brasilien vom Joch Portugals zu befreien und das Kaiserreich Brasilien auszurufen. Doch vor den Gewaltattacken ihres cholerischen Mannes schützt sie ihr Einfluss nicht. Zeit ihres kurzen Lebens ist sie seinen Misshandlungen ausgesetzt. Er nimmt sich eine Geliebte, demütigt Leopoldina in aller Öffentlichkeit, ist gewalttätig und rabiat. Schließlich bringt Leopoldina den lang ersehnten Thronfolger auf die Welt – die dynastische Pflicht ist erfüllt und es gibt nun keinen Grund mehr für den Kaiser, sich mit seiner Gemahlin zu arrangieren. Leopoldina stellt ein Ultimatum – was den Konflikt vollends eskalieren lässt. Dom Pedro reagiert mit Gewalt. Wenig später stirbt Leopoldina nach einer Fehlgeburt. Das brasilianische Volk gibt dem Kaiser die Schuld am Tod der „Landesmutter“ – er muss den Thron an seinen Sohn Pedro II. abgeben und das Land verlassen.

Dramaturgisch bildet die Spurensuche Kaiser Pedros II. von Brasilien in Wien den Rahmen für die Erzählung der Lebensgeschichte seiner Mutter, Maria Leopoldine Josepha Caroline von Habsburg-Lothringen. High-End-Reenactments mit historisch abgestimmter Ausstattung, dokumentarische Aufnahmen von und an den Originalschauplätzen Rio de Janeiro, Sao Paolo und Wien werden verbunden mit Statements von Historikerinnen und Vertretern von indigenen Gruppen. Vielschichtig animierte Gemälde der Hofmaler Jean Baptiste Debret und Thomas Ender lassen das Publikum eintauchen in die exotische brasilianische Welt des 19. Jahrhunderts. Ausgewählte Zitate aus Briefen und dem Vademecum, dem „Lebensleitfaden“ Leopoldinas, führen durch ihre Geschichte, in ihre Welt, detailreich illustriert mit Spielszenen. Die Geschichte Leopoldinas wird durch die personalisierte Erzählstruktur eng verknüpft mit der Geschichte der Unabhängigkeit ihrer zweiten Heimat Brasilien.

Fanny Altenburger (Leopoldina Habsburg): „Das Schicksal einer solchen Frau, die unter den damaligen patriarchalen unterdrückenden Strukturen leiden musste und es trotz aller Fantasie und ihrer Liebe und Leidenschaft zur Wissenschaft; die mir oft wie eine Flucht in eine Parallelwelt vorkam; nicht geschafft hat, sich zu emanzipieren, hat mich beim Lesen des Drehbuchs berührt und tut es hoffentlich im Endergebnis auch.“

Erwin Steinhauer (Dom Pedro II.): „Dom Pedro II., Kaiser von Brasilien, auf den Spuren seiner Mutter in Wien. Er war unter anderem einer der Mitbegründer des Instituts Louis Pasteur in Paris und unterstützte den Bau des Bayreuther Festspielhauses. Seine Regierungsjahre gelten als die stabilsten in der brasilianischen Geschichte!“

Regisseurin Katharina Heigl: „Leopoldina Habsburg hat eine innere Stärke besessen, die wohl oft unterschätzt wird und die mich fasziniert. Aus ihren Briefen spricht ein sensibler, wacher Geist, der viel Sinn für Schönheit hat. Sie ist mir im Laufe der Arbeit an dem Projekt ziemlich ans Herz gewachsen. Was mich beim Lesen der Korrespondenz besonders berührt hat, war, dass man durch ihre offene Art zu formulieren fast glaubt zu spüren, wie sie als Mensch war.“

Produzentin Bettina Kuhn: „Von einem Ende der Welt zum anderen – eine europäische Prinzessin wird zur Kaiserin eines lateinamerikanischen Landes – unser Dokudrama überrascht mit den aufgeschlossenen und modernen Ambitionen unserer Heldin. Wussten Sie, dass die Farbe Gelb in der aktuellen Flagge der brasilianischen Republik auf das kaiserliche Gelb des berühmten Wiener Schlosses Schönbrunn zurückgeht? Leopoldina schuf mit ihrem österreichischen Gedächtnis und Wissen die CI, die Corporate Identity, ihrer neuen Heimat. Das ist nur ein kleines Beispiel für den immer noch anhaltenden Einfluss, den ein junges Mädchen aus höchstem europäischen Adel auf das heute fünftgrößte Land der Welt hatte.“

Caroline Haidacher, Sendungsverantwortliche „Universum History“: „Was hat das 200-jährige Jubiläum der brasilianischen Unabhängigkeit mit Österreich zu tun? Viel, denn es war eine österreichische Erzherzogin, die die Geschichte Brasiliens maßgeblich mitgestaltet und dafür ihr persönliches Glück geopfert hat. ‚Universum History‘ erweckt diese Habsburgerin, die beinahe in Vergessenheit geraten ist, wieder zum Leben.“
Madame Tussaud – Legenden aus Wachs
Datum: 2021.05.21 [Sendedatum] 2021 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Sie gilt als Pionierin der Unterhaltungsindustrie, ihre Wachsfigurenkabinette sind weltberühmt: Madame Tussaud ist eine Institution. Doch wer war Marie Tussaud, die Frau hinter dem Mythos, die diese Form des Museums zum Leben erweckt hatte?

Eine einfallsreiche Unternehmerin
„Universum History“ wirft mit dem Porträt „Madame Tussaud – Legenden aus Wachs“ von Nina Barbier (ORF-Bearbeitung: Margarita Pribyl) am Freitag, dem 21. Mai, um 22.55 Uhr in ORF 2 einen Blick auf die Lebensgeschichte einer legendären Unternehmerin, die es verstand, sich mit Einfallsreichtum und Durchsetzungsvermögen zu Zeiten der Französischen Revolution einen ungewöhnlichen Betrieb aufzubauen. In den Anfängen der industriellen Revolution tingelte Marie Tussaud 30 Jahre lang durch Großbritannien, bevor sie in London ihren ersten fixen Standort gründete.

Die Entstehung des Wachsfigurenkabinetts
Eigentlich wäre ihr Lebensweg ganz anders vorgezeichnet gewesen. Marie Großholtz, so ihr bürgerlicher Name, wurde angeblich in Bern geboren, berichtet sie selbst in ihren Memoiren. Doch das stimmt nicht. Überhaupt ist auch die Wahrheit in ihren Händen weich wie Wachs. Doch um im Leben voranzukommen, hat sie kaum eine andere Wahl. Sie schmückt ihren sozialen Status und ihren familiären Hintergrund stark aus, denn mit ihrer Abstammung kann man kaum Karriere machen. In Wahrheit ist die Begründerin der berühmten Wachsfigurenkabinette in Straßburg geboren. Marie Großholtz ist die Tochter eines Henkers – und als solche durfte sie wiederum nur den Sohn eines Henkers heiraten. Doch ihr Lebensweg verläuft anders als vorgesehen, sie entkommt diesem Leben: Ihr Vater stirbt schon vor ihrer Geburt, und so wird die Mutter Haushälterin bei Philippe Curtius in Bern. Dieser Arzt ist auf die Anfertigung von anatomischen Wachsmodellen spezialisiert. Als er Maries Talent erkennt, lehrt er sie seine Fähigkeiten. Das ist die Initialzündung für das außergewöhnliche Leben der späteren Madame Tussaud. Als sich Philippe Curtius in Paris niederlässt, gehen Marie und ihre Mutter mit ihm. Später, in den Wirren der Französischen Revolution, zieht Marie nach Großbritannien. Dort tingelt sie mit ihren Wachsfiguren von einem Ort zum nächsten. Doch sie ist keine einfache Schaustellerin. Marie legt Wert auf Qualität und präsentiert ihre Figuren in gediegenem Rahmen. Auch auf Marketing versteht sich die junge Frau bereits: Sie erstellt Ausstellungskataloge, die etwa 80 Seiten umfassen. Eines ihrer Markenzeichen ist das „Chamber of Horrors“, wo etwa die guillotinierten Revolutionäre der Französischen Revolution gezeigt werden, aber auch Mörder und andere Verbrecher.

Berühmte Persönlichkeiten ihrer Zeit sind von den penibel gestalteten Wachsfiguren begeistert. Selbst Queen Victoria stimmt zu, sich von Madame Tussaud als Wachsfigur präsentieren zu lassen. Und welche Werbung könnte besser sein für einen aufstrebenden Betrieb als eine Königin? Madame Tussaud, Unternehmerin der ersten Stunde, wird 88 Jahre alt. Ihre persönlichen Memoiren sind zwar geschönt, doch das Leben der klugen, begabten Frau ist nichtsdestotrotz faszinierend. „Universum History“ beleuchtet das Leben von Madame Tussaud, dem Mädchen aus Straßburg, das zur Institution geworden ist.
Margarethe Ottillinger - Die Frau, die zu viel wusste
Mitwirkende: Steindl, Klaus T. [Regie] , Strauss, Ursula [Darsteller/in] , Schleinzer, Markus [Darsteller/in] , Echerer, Mercedes [Sprecher/in] , Faerber, Peter [Darsteller/in] , Matzek, Tom [Redaktion]
Datum: 2018.02.23 [Sendedatum] 2016 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Dokumentation ; Beamte ; Frauen ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Jahrzehntelang lag der Fall Margarethe Ottillinger im Dunkel der Geschichte.

Der Fall der jungen Wirtschaftsexpertin und Sektionschefin, die am 5. November 1948 an der Enns-Brücke bei Linz verhaftet und in die Sowjetunion verschleppt wurde, erregte im Nachkriegsösterreich zwar großes
Aufsehen, aber die wahren Hintergründe ihrer Verhaftung blieben bis heute unbekannt.

Margarethe Ottillinger selbst erfuhr bis zu ihrem Tod 1992 nicht, warum sie sieben Jahre lang in sowjetischen
Gulags und Gefängnissen verschwand und wem sie das zu verdanken hatte.

Die Dokumentation kann anhand von neuen Erkenntnissen aus russischen Aktenbeständen endlich diese offenen Fragen klären.
Maria Theresia – Majestät und Mutter
Mitwirkende: Czernin, Monika [Gestaltung] , Drassl, Gerti [Darsteller/in] , Gossner, Ernst [Regie]
Datum: 2017.05.02 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Portrait ; TV-Mitschnitt ; 18. Jahrhundert
Typ: video
Signatur: 12-13002_03
Inhalt: Maria Theresia lenkte als erste und einzige Frau die Geschicke des Habsburger-Reiches und wurde mit ihrer 40-jährigen Regentschaft (1740–1780) zu einer die Geschichte Österreichs über Jahrhunderte prägenden Persönlichkeit. Mit ihrer geschickten Heiratspolitik schaffte es die Mutter von 16 Kindern, halb Europa an sich und ihre Dynastie zu binden. Am 13. Mai 2017 jährt sich Maria Theresias Geburtstag zum 300. Mal. Diesen Anlass würdigt der ORF ab Anfang Mai mit einem umfassenden Programmschwerpunkt in all seinen Medien.
Maria Theresias dunkle Seite - Die Vertreibung der Juden aus Prag
Mitwirkende: Czernin, Monika [Gestaltung]
Datum: 2023.10.31 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Antisemitismus ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Wien: Im Zentrum der Macht des Habsburgerreichs beginnt kurz vor Weihnachten 1744 ein unheilvolles Drama mit Auswirkungen auf ganz Europa. Gegen den Geist der Aufklärung und Toleranz befiehlt die junge Maria Theresia die Vertreibung der angeblich illoyalen Juden aus Prag. Ein Countdown beginnt, denn die Juden Prags haben eine europaweite Kampagne gestartet, um die Monarchin zum Einlenken zu bringen. Die „Universum History“-Dokumentation „Maria Theresias dunkle Seite – Die Vertreibung der Juden aus Prag“ von Monika Czernin und Fritz Kalteis (Reenactments) fragt, wie sich der Judenhass der zur „Mutter ihrer Völker“ hochstilisierten Habsburgerin erklären lässt, die in den Juden „die ärgste Pest“ vermutet. Und warum diese „dunkle Seite“ Maria Theresias so lange unbekannt war. Der Film erzählt am Dienstag, dem 31. Oktober 2023, um 21.05 Uhr in ORF 2 die letzte große Vertreibung der Juden im alten Europa vor dem Holocaust als ein Drama, das angesichts von Fremdenfeindlichkeit und wiedererstarktem Antisemitismus hoch aktuell ist.

Die Auswirkungen der Vertreibung der Juden aus Prag auf Europa
Wien, 18. Dezember 1744. Kurz vor der Geburt ihres siebenten Kindes erlässt Maria Theresia einen Befehl, der wie ein Blitz im Habsburgerreich einschlägt und Auswirkungen auf ganz Europa hat: Sie befiehlt die Vertreibung der Juden aus Prag und stellt sich damit gegen den Geist der Aufklärung und Toleranz. Ein Countdown beginnt, ein Kampf, in dem sich halb Europa für die jüdische Bevölkerung von Prag einsetzt. Doch die zur „Mutter ihrer Völker“ hochstilisierte Habsburgerin bleibt gnadenlos. Was treibt die angeblich so aufgeklärte Monarchin zu diesem mittelalterlichen Akt, der rund zwei Jahrhunderte später im Holocaust seine grausame Fortsetzung finden sollte?

Der Film entstand als Koproduktion von EPO-Film, ORF, BR und Česká televize in Zusammenarbeit mit ARTE und ORF-Enterprise, gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien.

Die Antijüdische Verfolgung: Maria Theresias dunkle Seite
Nach Jahrhunderten der antijüdischen Verfolgung im christlichen Europa ist Maria Theresias Befehl der letzte von einer Herrscherin bzw. einem Herrscher verordnete Terrorakt gegen Juden im Alten Europa vor dem Holocaust. Es ist der politische Amoklauf einer absolutistisch regierenden Monarchin, die beratungsresistent ist und gegen den Geist der Aufklärung tiefes Leid über Menschen in ihrer Machtsphäre bringt. „Das ist Maria Theresias dunkle Seite“, so Historikerin und Maria-Theresia-Biografin Barbara Stollberg-Rilinger, „in der populären Geschichtsvermittlung ist das bisher nicht vorgekommen.“ Die Juden von Prag starten eine europaweite Kampagne, um die Regentin – Königin von Ungarn und Böhmen – zum Einlenken zu bringen. Zwei Hofjuden – Männer aus jüdischen Familien, die die Herrscher:innen damals mit Kapital und Luxusgütern versorgten – werden zu prominenten Fürsprechern der jüdischen Bevölkerung: Wolf Wertheimer und Diego d’Aguilar. Zahlreiche Schreiben treffen in Wien ein, die Gesandten Englands und Hollands werden bei Maria Theresia vorstellig und sogar der Papst bittet die fromme Katholikin um Menschlichkeit. Wird Maria Theresia einlenken? Die Dokumentation versucht zu erkunden, wie sich der Judenhass der zur „Mutter ihrer Völker“ hochstilisierten Habsburgerin erklären lässt, die in den Juden „die ärgste Pest“ sah. Ist es der Einfluss ihres jesuitischen Beichtvaters oder die Tradition ihres Großvaters Leopold I., der bereits 1670 alle Juden aus Wien vertreiben ließ? Nach dem Erlass zur Vertreibung steht das Schicksal der jüdischen Gemeinde von Prag auf dem Spiel. „Das war ja nicht irgendeine Gemeinde. Prag war DIE jüdische Gemeinde in Europa, die größte, die wichtigste und die bedeutendste“, sagt Historikerin Rotraud Ries.

Historische Handschriften aus dem Prager Nationalarchiv
Musikalische Klammer der „Universum History“-Produktion ist das El Male Rachamim, das jüdische Totengedenken. Es durchzieht den Film als Leitmotiv, taucht als „Realmusik“ gleich am Anfang bei den Toten des Pogroms auf und führt am Ende bis in die Gegenwart. Es ist einer der Höhepunkte der Dokumentation, wenn Rabbi Michael Dushinsky in der ältesten erhaltenen Synagoge Europas, der Altneu-Synagoge in Prag, das Totengedenken für die Opfer von Pogrom, Vertreibung und Holocaust singt.

Ein besonderes Augenmerk legt die Produktion auf historische Dokumente, die zum Teil in hebräischer Schrift sind. Es sind Handschriften aus dem Prager Nationalarchiv, die den Fall detailliert belegen und vom besten Spezialisten für die Vertreibung der Juden aus Prag, dem Historiker Alexandr Putik, dechiffriert werden. Ein weiteres Highlight ist die Identifizierung von bisher unbekannten Grabsteinen der Opfer von Pogrom und Vertreibung am jüdischen Friedhof in Prag. Für die Suche nach jüdischen Spuren in der Stadt wurde eine eigene Kamerasprache gefunden.

Die Diskriminierung der Juden
„Um Europa besser zu verstehen, muss man diese Geschichte kennen“, sagt die international renommierte und preisgekrönte Filmemacherin Monika Czernin über die große Bedeutung des Themas. „Ohne die lange christliche, antijudaistische Haltung hätte es die Passivität in der Bevölkerung nicht gegeben, sich gegen den Nationalsozialismus nicht zu wehren“, zieht der christliche Theologe, Judaist und Berater von Papst Franziskus im christlich-jüdischen Dialog, Christian Rutishauser, ein nachdenklich stimmendes Fazit. „Zusammenleben und Diskriminierung der Juden gibt es in Europa seit 1000 Jahren. Die Prager Vertreibung ist auch noch die letzte große Vertreibung der Juden im alten Europa vor dem Holocaust. Christlicher Antijudaismus ist eine Wurzel des Antisemitismus. Diese wichtige Geschichte musste ich für ein breites Publikum erzählen. Vertreibung, Flucht und unsinnige Befehle sind bis heute hochaktuelle Themen, die nur Leid über Menschen bringen!“, so Monika Czernin, Trägerin des Friedrich-Schiedel-Literaturpreises 2023.

Universum History Präsentation im Jüdischen Museum Wien
Das Jüdische Museum Wien, der ORF und EPO-Film luden gestern, am Dienstag, dem 24. Oktober, zur Präsentation des Films ins Jüdische Museum Wien. In Anwesenheit von Museumsdirektorin Barbara Staudinger, Tom Matzek, ORF-TV-Hauptabteilungsleiter Bildung, Wissenschaft und Zeitgeschehen, und der EPO-Film-Produzenten Dieter und Jakob Pochlatko erläuterten Regisseurin Monika Czernin, Historiker Michael Silber von der Hebrew University, der für die Filmpräsentation aus Jerusalem anreiste, und EPO-Film-Producer Heinrich Mayer-Moroni im Gespräch mit „Universum History“-Redakteurin Judith Brandner die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Dokumentation. An der Veranstaltung nahmen weiters Psychoanalytikerin Erika Freeman, Fritz Kalteis, Regisseur der Spielszenen, sowie zahlreiche Darsteller:innen – u. a. Fanny Krausz (Maria Theresia), Julian Loidl (Franz Stephan) und Michael Masula (Wolf Wertheimer) – teil.

„Maria Theresias dunkle Seite – Die Vertreibung der Juden aus Prag“ entstand als Koproduktion von EPO-Film, ORF, BR und Česká televize in Zusammenarbeit mit ARTE und ORF-Enterprise, gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien.

Barbara Staudinger, Direktorin Jüdisches Museum Wien: „Ich freue mich sehr, dass dieser Film zum Teil auch in unserem Haus gedreht wurde und wir Austragungsort dieser Premiere sein können. Die Habsburger galten gemeinhin als die Beschützer der jüdischen Bevölkerung in ihren Territorien. Doch waren es vor allem fiskalische Überlegungen, die sie trotz Jahrhunderte alter Judenfeindschaft dazu bewogen, Jüdinnen und Juden anzusiedeln. Sobald der politische Druck größer wurde oder sich ein finanzieller Vorteil versprach, waren jedoch auch die habsburgischen Herrscher bereit, die jüdischen Gemeinden zu vertreiben. Dies ist die Tradition, in der auch Maria Theresia stand.“

Tom Matzek, ORF-TV-Hauptabteilungsleiter Bildung, Wissenschaft und Zeitgeschehen: „Maria Theresia gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte. Das zeigen die Erfolge der fiktionalen Serien der vergangenen Jahre ebenso wie die zahlreichen Dokumentationen, die im ORF seit den 1960er Jahren entstanden sind. Doch ein Ereignis in ihrer Regierungszeit blieb dabei meist ausgespart. Die umfassende Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Prag, die sie selbst gegen den Protest des Papstes durchführen ließ. Dieses Dunkel in der Geschichte Maria Theresias auszuleuchten, ist erstmals mit dieser penibel recherchierten und aufwendig umgesetzten ‚Universum History'-Dokumentation gelungen. Damit zeigt die nun zehn Jahre bestehende ORF-Leiste eindrucksvoll, wie wichtig die ständige Auseinandersetzung mit scheinbar bereits bekannten Epochen der Geschichte ist.“

Monika Czernin, international renommierte und preisgekrönte Filmemacherin, über die große Bedeutung des Themas: „Um Europa besser zu verstehen, muss man diese Geschichte kennen. Zusammenleben und Diskriminierung der Juden gibt es in Europa seit 2000 Jahren. Diese wichtige Geschichte musste ich für ein breites Publikum erzählen, denn die Wurzeln des Holocaust, aber auch das jahrhundertealte Zusammenleben von Juden und Christen in Europa, die engen Verflechtungen in Handel und Wirtschaft und die wechselnden Allianzen für und gegen die Juden sind zu wenig bekannt. Und noch viel allgemeiner gesprochen sind unsinnige Befehle, Vertreibung und Flucht bis heute hochaktuelle Themen, die nur Leid über Menschen bringen!“

Michael Silber, Historiker, Hebrew University, Jerusalem, zur dunklen Seite Maria Theresias: „Maria Theresia sagte sich, das ist unsere Familientradition. Ihr Großvater hat die Juden aus Wien vertrieben. Und im 16. Jahrhundert hat ein anderer Vorfahre die Juden aus Prag verbannt. Außerdem war sie eine Nachfahrin von Isabella und Ferdinand, die schon die Juden aus Spanien vertrieben hatten.“

Heinrich Mayer-Moroni, Producer EPO-Film: „Ich habe das Potenzial dieses Themas für eine große internationale Koproduktion sofort erkannt, als Monika Czernin mir diesen Stoff angeboten hat. Nach zwei Jahren Entwicklung und Realisierung bin ich stolz auf das großartige Team, das mit Engagement und Begeisterung diesen Film möglich gemacht hat.“
Marie Antoinette - Die letzten Tage einer Königin
Datum: 2024.05.31 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Es war ein historischer Schauprozess: Er dauerte keine drei Tage und sein Ausgang stand von Beginn an fest.

Marie Antoinette, die letzte Königin von Frankreich, sollte zum Tode verurteilt werden. Neun Monate zuvor war ihr Mann, König Ludwig XVI., hingerichtet worden. Nun forderten die Revolutionäre ihren Kopf: In einer manipulierten Anklage warfen sie ihr Hochverrat und Unzucht vor und überzeugten mit Verleumdungen die Geschworenen von ihrer Schuld. Am 16. Oktober 1793 wurde Marie Antoinette in Paris enthauptet. Bislang kaum bekannte Prozessprotokolle werfen nun ein völlig neues Licht auf die junge Königin. „Universum History“ zeigt mit der Dokumentation „Marie Antoinette – Die letzten Tage einer Königin“ von Alain Brunard (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) den ganzen Mut der Herrscherin beim Prozess gegen sie.

Luxusleben einer Habsburgerin
Zwei Jahrzehnte vor ihrem Tod war die jüngste Tochter von Maria Theresia jubelnd in Paris empfangen worden. Mit ihrem Verhalten am Hof und ihrem luxuriösen Lebensstil verspielte sie aber schon bald ihre Sympathie bei dem von Hunger geplagten Volk. Neider und Feinde innerhalb der königlichen Familie brachten sie zusätzlich in Misskredit. Auch ihre Herkunft wurde ihr von vielen vorgeworfen – für patriotische und nationalistische Franzosen galten die österreichischen Habsburger als Feinde. Mit dem Beginn der Französischen Revolution war das Schicksal des französischen Herrscherpaares besiegelt. Zum Bürger Louis Capet degradiert, starb König Ludwig XVI. im Jänner 1793 am Schafott. Ein halbes Jahr danach wurden Marie Antoinette zuerst ihre Kinder weggenommen, sie selbst kam ins Gefängnis. Zweieinhalb Monate lang wartete sie im Verlies auf ihren Prozess, doch dann ging alles sehr schnell: Als Königin von Frankreich habe die „Witwe Capet“ das Vermögen von Frankreich vergeudet und Kontakt mit dem Feind, vor allem ihrem Heimatland Österreich, gepflegt.

Spielball der Politik
Wie geschickt und mutig sie sich verteidigt hat, enthüllen nun neue Dokumente aus bislang verschollenen geglaubten Archiven. Diese zeigen auch, dass der gesamte Prozess von politischen Abmachungen und Machtkämpfen dominiert wurde. Ihre Familie in Österreich trug nichts zur Rettung der einstigen Erzherzogin Maria Antonia, die im Alter von nur 14 Jahren den französischen Thronfolger heiraten musste, bei. Während Frankreich seine Grenzen durch eine Allianz europäischer Monarchen bedroht sah, kam es im Landesinneren zu royalistischen Aufständen. Marie Antoinette wurde zum Spielball der Politik – ihr Urteil war bereits gefällt, bevor der Prozess überhaupt begonnen hatte.

Die Königin Frankreichs auf der Anklagebank
In einem aufwendig gestalteten Doku-Drama zeichnet „Universum History“ die letzten zweieinhalb Monate im Leben der wohl berühmtesten Königin Frankreichs nach und zeigt spannende Facetten ihrer Persönlichkeit. Historisch bislang weitgehend unbekannte Dokumente und Interviews ermöglichen die Rekonstruktion des Prozesses und zeigen die Radikalisierung des Revolutionstribunals. Da der Ankläger nicht genügend Beweise beschaffen konnte, erhöhte er die Anzahl der Belastungszeugen und sorgte für eine entsprechende Auswahl der Geschworenen. Marie Antoinettes achtjähriger Sohn wurde zu Falschaussagen gegenüber seiner Mutter gezwungen. Er starb zwei Jahre später im Gefängnis, völlig auf sich alleine gestellt.
Der Mensch und das Bier - 10.000 Jahre Kulturgeschichte
Mitwirkende: Schotter, Robert [Regie] , Hollósi, Eszter [Sprecher/in]
Datum: 2020.04.17 [Sendedatum]
Schlagworte: Wissenschaft und Forschung ; Dokumentation ; Ernährung ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Ob Zwickl, Märzen, Pils oder Lager -Bier zählt zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit und ist seit jeher mit Kultur und Fortschritt verbunden. Seit die Menschen sesshaft wurden, trinken sie Bier.
Metternich und Napoleon: Duell auf Augenhöhe
Datum: 2021.10.08 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] 1813 stehen sich der Diplomat Klemens Graf von Metternich und Kaiser Napoleon I. gegenüber. Ein Schlüsselmoment europäischer Geschichte.

Der 26. Juni des Jahres 1813: ein Schicksalstag, für ganz Europa. In Dresden treffen die Herrscher Napoleon und Metternich aufeinander. Ein Gespräch, in dem es um Krieg oder Frieden geht. Fast neun Stunden dauert der Besuch des österreichischen Außenministers im prächtigen Marcolini-Palais. Das verbale Gefecht zwischen Metternich, dem damals „starken Mann“ aus Wien, und seinem Kontrahenten Napoleon Bonaparte, dem „Jahrhundertherrscher“ aus Frankreich, bestimmt das weitere Schicksal ganz Europas. Das Duell geht als eines der denkwürdigsten Gespräche hochrangiger Politiker in die Geschichte ein.

Eine zukunftsweisende Verhandlung
Fast ganz Europa hat Napoleon unterworfen und sich selbst zum Kaiser der Franzosen gekrönt – schon zu Lebzeiten ist der Korse eine Legende. Als Soldat und „Kind der Revolution“, als das er sich selbst bezeichnet, will er von Metternichs „diplomatischem Kauderwelsch“ nichts wissen. Über die Zukunft können nur Schlachten entscheiden, davon ist er überzeugt. Sein Gesprächspartner Metternich widerspricht ihm vehement. Als ein Meister der Diplomatie und engster Vertrauter des österreichischen Kaisers Franz I. vertritt er das alte System der Fürstenherrschaft und möchte Österreich wieder zu seinem früheren Ruhm verhelfen. Seine Forderung, Napoleon möge einen Teil seines Reichs und damit auch einen wesentlichen Teil seiner Macht abgeben, stößt demzufolge auf empörte Ablehnung.

Achteinhalb Stunden lang debattieren die beiden hinter verschlossenen Türen über die mögliche Neuordnung Europas. Im verbalen Zweikampf fallen die Masken. Schonungslos deckt Metternich die Fehler auf, die Napoleon begangen hat. Und Napoleon, der nur das Gesetz des Stärkeren kennt, muss einsehen, dass er nicht fähig ist, Frieden zu schließen. Dass er sich in einer heiklen Lage befindet, will er nicht wahrhaben. Und dass die Wahl, vor die ihn Metternichs Österreich, sein ehemaliger Verbündeter, stellt, Auswirkungen auf das Machtgefüge haben könnte, hält er für unmöglich. Metternichs Forderung, sich hinter die Alpen zurückzuziehen, lehnt er kategorisch ab, vom angebotenen Friedensplan will er nichts wissen. Als Metternich geht, wendet sich das Schicksal Europas. Für Napoleon ist es der Anfang vom Ende. Wenige Monate später, im April 1814, dankt er ab – eine von Österreich, Preußen und Russland gebildete Allianz lässt ihm keine andere Wahl. Und seine ehemaligen Verbündeten im Rheinbund haben die Seiten gewechselt.

Im 90-minütigen Dokudrama „Metternich – Napoleon: Duell auf Augenhöhe“ von Mathieu Schwartz und Christian Twente erzählt „Universum History“ am Freitag, dem 8. Oktober, um 22.35 Uhr in ORF 2 das geschichtsträchtige Zusammentreffen von Metternich (Pierre Kiwitt) und Napoleon – rekonstruiert anhand historischer Aufzeichnungen und wissenschaftlich begleitet von internationalen Historikerinnen und Napoleon-Experten. Rückblicke in die spannende Vorgeschichte und ein Ausblick, wie die Geschichte weiterging, vermitteln, warum Napoleon seine größte Chance verpasste und damit sein Kaiserreich zerstörte.
Mutterkreuz und Rassenwahn - Frauen im Dritten Reich
Mitwirkende: Necek, Barbara [Gestaltung]
Datum: 2023.01.27 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Frauen ; Faschismus und Nationalsozialismus ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Deutsche Frauen im Dritten Reich wurden lange Zeit als passive Zeuginnen der Verbrechen des Nazi-Regimes gesehen.

Tatsächlich waren sie jedoch wesentlicher Bestandteil der propagandistischen Ideologie des Systems. Viele waren Mitläufer und Opfer, viele aber auch indoktrinierte, fanatische Anhängerinnen des Regimes. Barbara Neceks „Universum History“-Dokumentation „Mutterkreuz und Rassenwahn – Frauen im Dritten Reich“ analysiert zum Holocaust-Gedenktag am Freitag, dem 27. Jänner, um 23.05 Uhr in ORF 2 die Gründe für die Radikalisierung vor allem der Frauen und bringt so manches Vorurteil zum Wanken. Als Mütter des Volkes verehrt, war für die Frauen in der patriarchalen Ordnung des Nationalsozialismus nur eine dienende Rolle vorgesehen.

Hitlers Familienpolitik
Trotz Adolf Hitlers patriarchalem Verständnis von Familienpolitik gelang es ihm, Frauen eine tragende Rolle in der nationalsozialistischen Gesellschaft zu vermitteln – nämlich die der Mutter. Mit der Verleihung der Mutterkreuze sahen sich viele Frauen als Garantinnen der „arischen Rasse“ und der im Aufbau befindlichen Nazi-Gesellschaft. Mit Ehekrediten und Geschenkgutscheinen kurbelte das Regime Eheschließungen und Geburten an. Auf der richtigen – guten – Seite zu stehen und nicht zu einer „minderwertigen Rasse“ zu gehören, wurde für viele Frauen zum Lebensinhalt.

Weiblicher Nachwuchs für die Kriegsmaschinerie
Doch die Beteiligung von Frauen an Hitlers System ging weit über den privaten Lebensbereich hinaus: Millionen Frauen waren in nationalsozialistischen Verbänden wie dem Bund Deutscher Mädchen und der Nationalsozialistischen Frauenschaft organisiert. Bereits 1939 waren mehr als ein Viertel aller Frauen des Deutschen Reichs Mitglieder der NSDAP. Als „Quellen der Zukunft“ sorgten sie für „stählernen Nachwuchs“ der deutschen Kriegsmaschinerie, arbeiteten in Waffenfabriken oder meldeten sich freiwillig zum Dienst in Krankenanstalten und Konzentrationslagern. Eine halbe Million Frauen schloss sich der Wehrmacht als Helferinnen an, weitere 500.000 dienten in den okkupierten Gebieten als vermeintliche „Siedlungshelferinnen“; SS-Frauen fühlten sich dafür zuständig, ihren Männern den Rücken freizuhalten.

Mit der Dokumentation „Mutterkreuz und Rassenwahn – Frauen im Dritten Reich“ zeigt „Universum History“, wie es dem Hitler-Regime gelang, Frauen eine tragende Rolle in der mörderischen Verfolgungs- und Kriegspolitik der Nationalsozialisten zu geben. Neben zum Teil unbekannten Archivaufnahmen sowie aktuellen Forschungsergebnissen dokumentieren Historikerinnen und Zeitzeuginnen, wie ein Großteil der Bevölkerung des „Tausendjährigen Reichs“ bei Sport-, Gesangs- und Wohltätigkeitsveranstaltungen auf die Nazi-Prinzipien eingeschworen wurde.
Nancy Wake - Gejagt von der Gestapo
Datum: 2014.03.07 [Sendedatum]
Schlagworte: Widerstand ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Dokumentation ; Zweiter Weltkrieg ; Portrait ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-00990_K01, E52-00990 e52-00990
Inhalt: Unter dem Codenamen "Weiße Maus" fahndete die Gestapo nach der umtriebigen neuseeländischen Reporterin Nancy Wake - vergebens. Nachdem sie 1938 in Wien Zeugin der Brutalität des Hitler-Regimes geworden war, begann sie sich in Frankreich als Fluchthelferin zu engagieren. Sie wollte ihre Wahlheimat von den Nazis befreien: Dafür ließ sie sich in England zur Agentin ausbilden und kämpfte schließlich in der Französischen Resistance. Nancy Wake wurde die meistdekorierte weibliche Militärangehörige der Alliierten. Deutsche Bearbeitung: Caroline Haidacher
Napoleon – Der Feldzug nach Russland: Teil 2 – Das Scheitern eines Genies
Datum: 2014.09.26 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik ; Krieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-02257_K01, E52-02257 e52-02257
Inhalt: Das Scheitern eines Genies Napoleon will eine schnelle Entscheidungsschlacht herbeiführen. Doch die russischen Truppen von Zar Alexander weichen betont langsam in die Weiten des Landes zurück und hinterlassen verbrannte Erde. Deshalb können die Eroberer sich nicht aus dem Land versorgen, eine Taktik, die Napoleon bisher erfolgreich praktiziert hatte. Als die Grande Armee nach nicht einmal zwei Monaten am 17. August 1812 Smolensk erreicht, zählt sie nur noch 160.000 Mann. Es ist der Anfang vom Ende Napoleons. Die katastrophale Niederlage seiner Armee in Russland führte zu seinem Sturz und zur Neuordnung Europas am Wiener Kongress. Ein Film von Fabrice Hourlier. Deutsche Bearbeitung: Caroline Haidacher
Niederösterreich - Leben am Eisernen Vorhang
Mitwirkende: Lackenberger, Anita [Regie] , Hollósi, Eszter [Sprecher/in] , Sprenger, Kristina [Darsteller/in] , Walde-Berger, Michael [Darsteller/in] , Matzek, Tom [Redaktion]
Datum: 2016.12.20 [Sendedatum] 2016 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Dokumentation ; Krieg ; Werbung ; TV-Mitschnitt ; Niederösterreich
Typ: video
Inhalt: Mit dem Frieden von St. Germain wurde 1919 eine prosperierende Wirtschaftsregion zerschnitten und zerstört, Südböhmen und nördliches Waldviertel. Die Grenze teilte sogar die Stadt Gmünd in einen tschechischen und einen österreichischen Teil.

Während in der ersten Republik die Grenze nicht richtig ernst genommen wurde und die alte Nachbarschaft weiter bestand, erschuf die NS-Rassenpolitik eine Kluft zwischen Herrenmenschen und Untermenschen, Deutschen und Slawen.

Die Revanche mit der Vertreibung der Sudetendeutschen sollte folgen. Die Grenze wurde manifest - bis zum
Eisernen Vorhang. Eine tödliche Grenze.

Wie Familie Fürnsinn, deren Haus an der Demarkationslinie stand, über Jahrzehnte erlebte. Erst 1989, dann
das Schengener Abkommen und der Beitritt der Tschechoslowakei zur EU sorgten für die Wiederbelebung von
Beziehungen und Wirtschaft.
Oberösterreich - Im Bann von Krieg und Besatzung
Mitwirkende: Derflinger, Sabine [Regie] , Echerer, Mercedes [Sprecher/in] , Trefny, Christina [Sprecher/in]
Datum: 2017.10.31 [Sendedatum] 2017 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Erster Weltkrieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Frieden von St. Germain wurden vor knapp 100 Jahren am
grünen Tisch die Grenzen des heutigen Österreichs gezogen.
Diese Grenzziehung durchschnitt plötzlich auch über Jahrhunderte gewachsene Kultur-, Natur- und Wirtschaftsräume.
Die Folgen der Friedensordnung waren weitreichend: sie initiierten neue Konflikte und neue Grenzziehungen.
Sie beschäftigen die Menschen bis heute - die Fragen von Eigenständigkeit und Zugehörigkeit, Herkunft und Identität sind auch im Europa der Regionen präsent.
Olympia 1936 - Der verratene Traum
Mitwirkende: Weber, Christoph [Regie] , Echerer, Mercedes [Sprecher/in]
Datum: 2016.08.06 [Sendedatum] 2016 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Sport ; Dokumentation ; Propaganda ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Die Olympischen Spiele von Berlin – das internationale Sportfest vor 80 Jahren – wurde zur einzigartigen Demonstration des NS-Regimes. Eine pompöse Inszenierung, die der Welt die Überlegenheit der „deutschen Herrenrasse“ klarmachen sollte.

Die Olympischen Spiele des Diktators
Neueste Forschungen zeigen ganz deutlich, wie sehr das IOC mit dem Hitler-Regime paktierte, um der Weltöffentlichkeit eine Show zu bieten, die alle bisherigen Dimensionen sprengt. Nürnberger Rassengesetze und staatlicher Terror gegen Juden, Roma und Sinti wurden verschwiegen, der Erfolg der Spiele sollte nicht durch Protest und Boykott getrübt werden.

Drei junge Schwimmerinnen vom Wiener Sportclub Hakoah aber machen nicht mit. Angeführt von Judith Deutsch – dargestellt von Antonia Moretti –, die als Sportlerin des Jahres 1935 große Medaillenchancen hat, beschließen sie trotz Drohungen des Schwimmverbands, nicht nach Berlin zu fahren und setzen damit ein Zeichen. Die Dokumentation „Olympia 1936 – Der verratene Traum“ von Christoph Weber (szenische Regie: Heinz Leger) erzählt die Geschichte von Judith Deutsch und wirft basierend auf neuen Recherchen in Archiven auf der ganzen Welt eine brisante Frage auf: Warum durfte ausgerechnet ein Diktator wie Hitler die Olympischen Spiele 1936 ausrichten?

Das Weltereignis in Berlin
Minutiös enthüllt die Dokumentation – eine Koproduktion von pre tv, ORF, täglich media, ZDF und PBS, gefördert von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien und VAM und unterstützt vom Creative Europe Programme – MEDIA der Europäischen Union, wie das IOC und die Nationalsozialisten kooperierten, um die Olympischen Spiele zu dem zu machen, was sie heute sind: Ein spektakuläres Weltereignis, dessen Bilder in alle Welt übertragen werden und das die Massen in Begeisterung versetzt. Der Film räumt dabei mit der Legende auf, dass das IOC von Hitler getäuscht wurde und nicht wusste, was die Nationalsozialisten vorhatten. Wie sie die Spiele kultisch inszenierten und zu einem Ersatzkrieg der Nationen um Medaillen machten – das war dem IOC ebenso bewusst wie die eklatanten Verstöße gegen die Amateurregeln und die Diskriminierung von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in der NS-Diktatur. Das IOC nahm all dies in Kauf, weil es von „den größten Spielen aller Zeiten“ träumte. Und genau die lieferte Hitler.

Neben dem „teuflischen Deal“, auf den sich das IOC mit den Nationalsozialisten einließ, bildet die Geschichte der jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch einen zweiten Erzählstrang der Dokumentation. Anders als das IOC war sie mit drei weiteren Schwimmerinnen des jüdischen Sportvereines Hakoah in Wien dazu bereit, die Olympischen Spiele von Berlin zu boykottieren – aus Protest gegen Hitlers Rassenhass und die Ausgrenzung der Juden. Judith Deutsch musste mit ihren damals 17 Jahren einen hohen Preis zahlen. Sie wurde lebenslang gesperrt und der Österreichische Schwimmverband annullierte alle ihre Rekorde.

Antonia Moretti über ihre Rolle als Judith Deutsch
Antonia Moretti zu ihrer Rolle der Judith Deutsch: „In „Olympia 1936 – der verratene Traum“ habe ich das erste Mal richtige Filmluft schnuppern dürfen. Das Team war sehr nett und verständnisvoll zu mir als Anfängerin, und ich habe versucht, mich schnell auf die Figur und die filmischen wie sportlichen Herausforderungen einzustellen. Was mich an Judith Deutsch, der jungen jüdischen Schwimmerin, am meisten beeindruckt hat, sind ihre trotzige Intelligenz und ihr Mut. Für ihr Weigern, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, wurde sie lebenslang gesperrt, und der Österreichische Schwimmverband annullierte alle ihre Rekorde. Nur knapp konnte sie ihr Leben retten. Für mich ist das schon etwas Besonderes, nicht nur darüber nachzudenken, sondern so eine Figur, also den Menschen, wie er gelebt hat, selbst zu spielen. Das habe ich bei der gesamten Produktion gespürt, und das hat mir auch geholfen. Wir haben ja in der Schule viele solcher Schicksale besprochen, aber das selbst nachzuerleben, ist etwas ganz anderes.“

Brisante Dokumente, hochwertige Spielszenen und die Aussagen weltweit führender Fachleute machen „Olympia 1936 – Der verratene Traum“ zu einem Film, der nicht nur die dunkle Geschichte des IOC enthüllt, sondern auch zeigt, wie die Spiele von Berlin zu einer Blaupause für alle folgenden Olympischen Spiele wurden.
Prager Frühling - Der letzte Coup des Sowjet-Imperiums
Mitwirkende: Christ, Manfred , Kreihsl, Michael
Datum: 2013.06.28 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-02157_K01, E52-02157 e52-02157
Richard Löwenherz – Ein König in der Falle
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Regie] , Ronzoni, Michaela [Idee] , Corrine, Manfred R. [Idee] , Echerer, Mercedes [Sprecher/in] , Hochmair, Philipp [Darsteller/in] , Stadler, Krista [Darsteller/in] , Cubic, Dennis [Darsteller/in] , Bargen, Raphael von [Darsteller/in]
Datum: 2019.10.22 [Sendedatum] 2019 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Portrait ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: König, Kreuzritter, Gefangener: Kaum eine historische Figur des Mittelalters vereint so viele Mythen wie Richard Löwenherz. Ende des 12. Jahrhunderts wird der englische König und Kreuzritter auf der Heimreise aus dem Heiligen Land vom Babenberger-Herzog Leopold V. gefangengenommen und zunächst auf der Burg Dürnstein bei Krems eingesperrt. Diese Geiselnahme ist das wohl spektakulärste Kidnapping der Historie.

Der Mythos Richard Löwenherz
Philipp Hochmair („Vorstadtweiber“) macht in einer neuen „Universum History“-Dokumentation am Dienstag, dem 22. Oktober, um 21.05 Uhr in ORF 2 den Mythos Löwenherz und die Geschehnisse rund um dessen Gefangennahme wieder lebendig. Neben den Spielszenen sorgt eine hochkarätige Riege an Wissenschafter/innen für ein differenziertes Bild von Richard Löwenherz. Davor steht um 20.15 Uhr die vielfach ausgezeichnete „Universum“-Produktion „Donau – Lebensader Europas“ von Rita und Michael Schlamberger auf dem Programm von ORF 2.

„Löwenherz ist ein österreichischer Mythos, auch das Drumherum, mit Dürnstein und dem Sänger Blondel. Dass ich Löwenherz jetzt als Erwachsener spielen darf, ist natürlich eine große Freude“, sagt Philipp Hochmair. Doch wer war dieser Richard Löwenherz tatsächlich? Wer versteckt sich hinter dem Mythos?

„Richard Löwenherz – ein König in der Falle“ zeichnet ein auf historischen Fakten basiertes, ganzheitliches Bild des Königs, das auch die weniger gewinnenden Seiten miteinschließt. „Richard hat sich durch seine durchaus arrogante Art mächtige Feinde geschaffen. Das fällt ihm später auf den Kopf“, sagt Regisseur Fritz Kalteis. Wendepunkt der Erzählung ist ein Vorfall, der bis heute fixer Bestandteil des Geschichtsunterrichts ist: Nachdem Richard im Kreuzzug die Hafenstadt Akkon erobert hat, meldet auch der österreichische Babenberger-Herzog Leopold V. seine Ansprüche an der Beute an. Richard lässt daraufhin dessen rot-weiß-rote Fahne in den Schmutz treten. Wenig später rächt sich der in seiner Ehre tief beleidigte Herzog. Er nimmt Richard auf dessen Rückreise am Stadtrand von Wien in Haft.

ORF-TV-Wissenschaftschef Tom Matzek: „Mit der Gefangenschaft von Löwenherz auf Burg Dürnstein wurde ein Stück österreichischer Geschichte zur Weltgeschichte. Denn ,Ein König in der Falle‘ ist nicht nur das Abenteuer einer populären Heldenfigur, es ist auch ein Paradebeispiel für Machtkämpfe in Europa.“

Tatsächlich wurde Richard Löwenherz im Winter 1192 Opfer eines internationalen Komplotts, in dem neben Herzog Leopold auch Richards Todfeind, der französische König Philipp II. Augustus, der römisch-deutsche Kaiser Heinrich VI. und Richards Bruder Johann Ohneland verwickelt sind.

In Gefangenschaft zeigen sich auch unerwartete Charakterzüge des Kriegers Richard Löwenherz: So schreibt er – offenbar in tiefer Depression – ein Lied. Darin beklagt er aber nicht nur sein Schicksal, sondern nutzt es auch zu seinem Vorteil. Mit Hilfe des schnellsten Medienkanals seiner Zeit, den Troubadouren, geht Richards Aufruf, zum Lösegeld beizutragen, binnen kürzester Zeit viral.

Das Lösegeld, das Richard für seine Freilassung aufbringen muss – nach heutigem Wert rund drei Milliarden Euro – hat in Österreich bis heute Spuren hinterlassen: So wurden die Städte Wiener Neustadt und Friedberg gegründet, Wien und Enns befestigt und in Hainburg an der Donau eine gewaltige Festungsanlage gebaut.

Just diese „Heimenburg“ war – neben der Burg Hardegg im Waldviertel – einer der Haupt-Drehorte für die aufwendigen Spielszenen dieser „Universum History“-Produktion. Die Festung diente u. a. als Kulisse für Akkon sowie für die Kaiserstädte Speyer und Mainz, wo Richard im Februar 1194 schlussendlich nach 13 Monaten Gefangenschaft wieder freigelassen wurde. Die höchst unwegsamen, aber spektakulären Drehorte verlangten dem etwa 40-köpfigen Film-Tross alles ab, begeisterten aber das gesamte Ensemble.

Schauspielerin Krista Stadler verkörpert in den Spielszenen Richards Mutter, Eleonore von Aquitanien – eine Rolle, die ihr zum Herzensanliegen wurde: „Eleonore entspricht den Klischees der duldsamen und passiven mittelalterlichen Frau absolut nicht. Sie war die wohl einflussreichste Herrscherin des Mittelalters und hat in Richards Abwesenheit die Fäden in der Hand gehalten. Sie war mutig, sie war eitel, sie war machtbewusst“. Die Rolle des engsten Vertrauten Richards, Baldwin von Bethune, übernimmt Raphael von Bargen („Die Toten vom Bodensee“).

ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner: „Wenn ein Mythos durch eine vielschichtige Dokumentation wieder zu einer begreifbaren Persönlichkeit wird, wenn ein Top-Schauspiel-Ensemble mit ‚Jedermann‘-Einspringer und ‚Vorstadt‘-Mann Philipp Hochmair, der Grande Dame Krista Stadler und dem ‚Woyzeck‘ Raphael von Bargen eine ‚österreichisch-europäische‘ Heldengeschichte zum Leben erweckt, dann wird sich unser Publikum auf die Reise ins 12. Jahrhundert begeben und darauf vertrauen: DAS ist lebendige Geschichte – so macht ‚Universum History‘ Lust auf eine Auseinandersetzung mit Tiefgang. Ich danke allen an der Seite von Regisseur Fritz Kalteis, die diesem Löwenherz mit Akribie, Mut, wachem Blick und Lust aufs ,Geschichte Erzählen‘ begegnen!“

Regisseur Fritz Kalteis: „Richard Löwenherz ist für mich als Niederösterreicher der große Mythos, dem ich schon in der Volksschule begegnet bin: Die Gefangenschaft auf der Ruine Dürnstein, das Verlies, der treue Sänger Blondel, der Bau von Wiener Neustadt mit dem Silberschatz, der für seine Freilassung bezahlt werden musste. Ich wusste also, es gibt allein in Österreich Millionen von Löwenherz-Experten. Die Herausforderung war daher, den Kern der Wahrheit aus der Legende herauszuschälen. Und die angenehme Überraschung: Die Realität der größten Erpressungsaffäre des Mittelalters übertrifft die Vorstellung noch bei Weitem. Ich empfinde es als besondere Auszeichnung, dass mittlerweile die größten Schauspieler/innen des deutschsprachigen Raumes Interesse daran zeigen, an unseren historischen Dokumentationen mitzuwirken. Bei Philipp Hochmair ist es seine einzigartige Fähigkeit, die extremen Höhen und Tiefen eines Charakters auszuloten, die ihn zu meinem ‚Traum-Löwenherz‘ macht. Krista Stadler ist für mich die Verkörperung der Grande Dame, die sie spielt. Richards Mutter Eleonore von Aquitanien war eine der ungewöhnlichsten und stärksten Frauen der Geschichte.“

„Aufgrund der Gefangenschaft von Richard Löwenherz in Österreich und seiner gesamteuropäischen Bedeutung ist diese Produktion sicher eines unserer Highlights für ‚Universum History‘“, sagt Interspot-Film-Produzent Nikolaus Klingohr: „Besonders wertvoll ist diese Produktion durch die Buch- und Regiearbeit und die hochkarätige Besetzung. Mein Dank gilt dem gesamten Team und dem Vertrauen von ORF und den beteiligten Förderstellen.“

Zu Wort kommen internationale Fachleute wie John Gillingham, Robert-Tarek Fischer, Annette Kehnel, Knut Görich oder Fanny Madeline. Gedreht wurde in Niederösterreich in Hainburg an der Donau, in der Marienkirche Bad Deutsch Altenburg, auf Burg Hardegg sowie an Originalschauplätzen in Österreich, Deutschland und England.

„Richard Löwenherz – Ein König in der Falle“ ist eine Koproduktion von Interspot Film in Zusammenarbeit mit ORF, ZDF sowie ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria, dem Land Niederösterreich (Abteilung Kunst und Kultur), dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Verwertungsgesellschaft für Audiovisuelle Medien.
Die Rothschild-Saga - Aufstieg, Glanz, Verfolgung
Mitwirkende: Steindl, Klaus T. [Gestaltung]
Datum: 2021.12.21 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentarfilm ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Reichtum, Prunk und Antisemitismus.

Der klingende Name Rothschild steht für eine der mächtigsten Bankiersfamilien des 19. Jahrhunderts. Aufstieg, Erfolg und Tragödie der einflussreichen Dynastie stehen repräsentativ für das Schicksal vieler wohlhabender jüdischer Familien in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. „Sie sind eine Familie, die es geschafft hat“, formuliert der Kulturwissenschafter und Judaist Klaus Davidowicz. Kaum bekannt sind die wahren Umstände, die zum Reichtum der Rothschilds führten, wie sich die Familie aus dem Frankfurter Ghetto emporarbeitete und nach London, Paris, Wien und Neapel expandierte. Das Bankgeschäft blieb zwar exklusiv den Männern vorbehalten, trotzdem waren auch weibliche Familienmitglieder erfolgreich, einflussreich und mächtig. Dementsprechend entfaltet das neue „Universum History“-Dokudrama die Saga der Dynastie aus der historischen Perspektive einer Frau: Miriam Rothschild. Sie war eine bekannte Wissenschafterin des 20. Jahrhunderts. Regisseur Klaus T. Steindl hat die historische Figur fiktionalisiert (verkörpert von Alina Fritsch). In „Die Rothschild-Saga – Aufstieg, Glanz, Verfolgung“ geht Miriam vor dem Hintergrund der Verfolgung durch den Nationalsozialismus am Dienstag, dem 21. Dezember, um 21.05 Uhr in ORF 2 den Ursprüngen der Familiengeschichte auf den Grund. „Die Rothschild-Saga“ – eine Koproduktion von ORF und Metafilm, ZDF-ARTE, FFW, Fernsehfonds Austria, Land Niederösterreich, Cine Art und VAM – ist die Geschichte von Aufstieg, Emanzipation und Glanz, aber auch von Diskriminierung, Isolation und Ausbeutung.

Kaum ein Name wird so sehr mit Reichtum in Verbindung gebracht wie „Rothschild“. Er steht als Synonym für Erfolg und Luxus. Gleichzeitig stellt er eine Zielscheibe für Hetzkampagnen dar, ist Anlass für Verschwörungstheorien und antisemitische Stereotype – bis heute. Klaus Davidowicz bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Weil sie Juden sind, sind sie verdächtig.“

Alles begann mit antiken Münzen

Die Geschichte der Rothschilds beginnt im Frankfurter Ghetto. Hier wächst Mayer Amschel Rothschild auf – Mitte des 18. Jahrhunderts drängen sich dort fast 3.000 Menschen unter schlimmsten hygienischen Bedingungen, umgeben von einer Mauer. Wer kann, der geht – doch ein Entkommen ist fast unmöglich. 1756 bekommt der zwölfjährige Mayer Amschel seine große Chance. Bei jüdischen Bekannten der Familie soll er einen der wenigen Berufe erlernen, die Juden erlaubt sind: der Handel mit antiken Münzen. Er arbeitet sich zum Fürstlichen Hoffaktor des wohlhabenden Fürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel empor. Als er genug Kapital erwirtschaftet hat, beginnt er mit Bankgeschäften. 1770 heiratet er Gutle Schnapper, Tochter einer vermögenden jüdischen Familie. Mit dieser Verbindung startet vor rund 250 Jahren der Aufstieg der Dynastie. Von den 19 Kindern, die Gutle zur Welt bringt, überleben fünf Mädchen und fünf Buben. Diese Familie wird in Zukunft eisern zusammenhalten, auch wenn die Mitglieder über ganz Europa verstreut leben werden. 1811 überweist Mayer Amschel Rothschild eine erhebliche Summe an das Großherzogtum Frankfurt – im Gegenzug erhält die jüdische Gemeinde ein „Emanzipationsedikt“. Es gewährt Juden und Jüdinnen die Bürgerrechte. Mayer Amschel Rothschild hat seinen Lebenstraum erfüllt: Jüdische Menschen sind nun frei und dürfen das Ghetto verlassen. Seine Erfolgsgeschichte setzen seine fünf Söhne nach seinem Tod fort: in Wien, London, Paris, Neapel und Frankfurt. Ihr Geschäftsmodell ist die Finanzierung von Staaten. Die fünf Töchter werden in die Bankgeschäfte nicht eingebunden – wie von Mayer Amschel verfügt – und gründen eigene Familien. Das Bankhaus bleibt eine Einheit, die Filialen sind auf dem gesamten Kontinent verteilt – die Grundlage für viele Verschwörungstheorien, die bis heute befeuert werden. Im März 1938 ist die Rothschild-Dynastie immer noch über ganz Europa verteilt.

Miriam Rothschild vom englischen Zweig der Familie ist die zentrale Figur in Klaus T. Steindls Dokudrama über „Aufstieg, Glanz und Verfolgung“. In Ashton Wold, einem luxuriösen Anwesen nahe London, hat die junge Biologin eine Insektenforschungsstation eingerichtet. In den Tagen zuvor sind deutsche Truppen in Österreich einmarschiert, nun als „Ostmark“ Teil des Deutschen Reichs. Damit gelten auch hier die rassistischen und antisemitischen Nürnberger Gesetze. Wie allen Menschen jüdischer Herkunft drohen auch den Wiener Rothschilds Verfolgung, Vertreibung, Verhaftung, Tod.

Die Vertreibung des letzten Wiener Rothschilds

Louis Nathaniel Rothschild schafft es nicht rechtzeitig, Österreich zu verlassen. Über ein Jahr lang sitzt er in Einzelhaft in der Gestapo-Zentrale am Wiener Morzinplatz. Die Nazis halten ihn so lange fest, bis sie ihm sein gesamtes Vermögen abgepresst haben. Offiziell musste die Familie 21 Millionen Reichsmark überweisen. Das gesamte restliche Vermögen wird unter dem Stichwort „Arisierung“ beschlagnahmt. Es ist das Ende der Wiener Linie der Rothschilds.

Regisseur Klaus T. Steindl lässt Miriam Rothschild die Geschichte ihrer Familie recherchieren und rekonstruieren – von den Anfängen im Frankfurter Ghetto bis zur Vertreibung des letzten Wiener Rothschilds Louis Nathaniel durch die Nazis –, ins Bild gesetzt durch eine spannende Verwebung von dokumentarischem Material, Interviews mit Experten und Expertinnen wie dem Kulturwissenschafter Klaus Davidowicz oder der Philosophin Lisz Hirn sowie stimmig umgesetzten Spielszenen.
Seefelder Geschichten - Heimat zwischen Tirol und Bayern
Mitwirkende: Puluj, Christian [Regie] , Puluj, Christian [Drehbuch] , Echerer, Mercedes [Sprecher/in]
Datum: 2019.02.12 [Sendedatum] 2018 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Politik Österreich ; Wirtschaft ; Natur ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Mitten im Herz der Alpen liegt das Seefelder Plateau – eine raue Hochebene abgeschirmt von schroffen Bergen und zwei mächtigen Flüssen – dem Inn in Tirol und der Isar in Bayern. Es ist eine Grenzregion, deren Geschichte über Jahrhunderte vom Ringen um Vormacht geprägt ist – zwischen bayerischen und Tiroler Einflüssen und der Konkurrenz zweier großer europäischer Herrscherhäuser, der Habsburger und der Wittelsbacher.

Das Seefelder Plateau
Im Vorfeld der Nordischen Ski-WM in Seefeld zeigt die „Universum History“-Dokumentation „Seefelder Geschichten – Heimat zwischen Tirol und Bayern“ von Christian Puluj am Dienstag, dem 12. Februar, um 21.10 Uhr in ORF 2 diese einzigartige Geschichte des Seefelder Plateaus. Davor steht um 20.15 Uhr Manfred Corrines „Universum“-Film „Naturparadies Seefeld – Im Reich des Wanderfalken“ auf dem Programm von ORF 2.

Verbindung zwischen Nord und Süd
Seit jeher führt über das Seefelder Plateau eine strategisch wichtige Nord-Süd-Verbindung, in der Bronzezeit verlief hier eine der Bernsteinstraßen. Die Römer bauten diesen Handelsweg zur richtigen Straße aus. Sie verband das ebenfalls wichtige Inntal mit dem Voralpenland im Norden, das jenseits der topografisch markanten Scharnitzer Klause beginnt – der Grenze zum heutigen Bayern. So wurde der Grundstein dafür gelegt, dass dieser Region im Lauf der Jahrhunderte stets große Bedeutung zukam. Gerade 20 Kilometer von Seefeld entfernt liegt mit Mittenwald bereits ein wichtiger Außenposten Bayerns. So verwundert es nicht, dass die Einflüsse aus dem Norden stets spürbar waren – im Guten wie im Schlechten.

Historisches Trauma
1809 stellt ein markantes Datum in dieser weißblauen-rotweißen Beziehungsgeschichte dar. In den Napoleonischen Kriegen besetzen die Bayern als französische Verbündete Tirol und damit auch das Seefelder Plateau. Die Okkupation wird zum historischen Trauma – trotz des legendären Widerstands von Andreas Hofer und seiner Volksarmee und trotz der Tatsache, dass durch die Verhandlungen am grünen Tisch die Bayern wieder abziehen müssen und Tirol bei den Habsburgern bleibt.

Mekka des Wintersports
Ein Kräftemessen zwischen Bayern und Tirolern findet heute im friedlichen Wettstreit statt – sei es beim Erklimmen der Gipfel des grenzüberschreitenden Karwendelgebirges, sei es bei den nordischen Sportbewerben, die in den 1930er Jahren begannen und ihre Höhepunkte bei Ereignissen wie den Olympischen Spielen 1964 und 1976 in Innsbruck fanden.

Geschichte eines Ortes
Anhand von Protagonisten aus Tirol und Bayern zeigt Regisseur Christian Puluj die wechselvolle historische Entwicklung des Ortes im Spannungsfeld einer Nachbarschaft. Neben Historikern, einheimischen Expertinnen und einem bayerisch-tirolerischen Hüttenwirte-Ehepaar ist eine Legende des nordischen Skisports, der in Seefeld seine zweite Heimat gefunden hat, prominentester Protagonist: Toni Innauer zeigt, wie sehr auch Sport Teil von Geschichte geworden ist.
Stauffenberg - Die wahre Geschichte
Datum: 2014.07.18 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Portrait ; Zweiter Weltkrieg ; Dokumentarfilm ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-01766_K01, E52-01766 e52-01766
Inhalt: Er war die Symbolfigur und der Hoffnungsträger der deutschen Widerstandsbewegung. Mit seinem Bombenattentat auf Hitler hätte er dem Krieg und dem Genozid ein Ende bereiten können. Doch wie die meisten deutschen Wehrmachtsoffiziere hatte Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Aufstieg und die frühen militärischen Erfolge Hitlers zunächst mit einer gewissen Faszination verfolgt. Diese Dokumentation ist ein Begleitwerk zum Kinofilm "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat". Sie beantwortet all diese Fragen auf der Grundlage der neuesten Untersuchungen zum deutschen Widerstand. Ein Film von Oliver Halmburger
Steiermark - Verbunden über alle Grenzen
Die fünfte Folge der „Universum History“ Zeitgeschichteserie „Unser Österreich“
Mitwirkende: Lercher, Gernot [Gestaltung]
Datum: 2017.10.17 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Steiermark
Typ: video
Inhalt: "Steiermark - Verbunden über alle Grenzen", die fünfte Folge der "Universum History"-Zeitgeschichteserie "Unser Österreich", richtet den Fokus auf das Grenzland zwischen der Südsteiermark und der (ehemaligen) Untersteiermark, der sogenannten "Štajerska".

Es ist ein besonderer Lebensraum, der seine "steirische" Identität grenzüberschreitend bewahrt hat.

Und das, obwohl dramatische Ereignisse der Geschichte das Gegenteil forciert haben und sich die Region fast ein Jahrhundert lang in einem Zustand gefährlicher Spannung befunden hat.

Nirgendwo lässt sich das besser sehen und spüren als auf dem Serschenhof der Familie Tertinjek. Ihre außergewöhnliche Geschichte erzählt Gernot Lercher in seiner Dokumentation.
Das Tschernobyl-Vermächtnis
Datum: 2021.04.23 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Atomenergie ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Vor 35 Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich die bis heute größte Nuklearkatastrophe der Geschichte: Der Super-GAU im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Das Unglück verseuchte ganze Landstriche, Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser für immer verlassen.

Das Krisenmanagement der Sowjets
Waleri Legassow, der Chef der von Moskau eingesetzten Tschernobyl-Untersuchungskommission, nahm sich zwei Jahre nach der Katastrophe das Leben. Doch unmittelbar davor hat er mehrere Tonbänder mit sensiblen Details zum Umgang mit der Katastrophe aufgenommen. Die „Universum History“ Spieldokumentation „Das Tschernobyl-Vermächtnis“ von Tetyana und Alexander Detig beleuchtet am Freitag, dem 23. April, um 22.35 Uhr in ORF 2 diese brisanten Tonbandaufnahmen und gewährt einen seltenen Blick in den innersten Kreis des sowjetischen Krisenmanagements.

Rückblende: Am 26. April 1986 zerreißt eine schwere Explosion das riesige Kraftwerksgebäude des vierten Blocks von Tschernobyl. Die Folgen sind verheerend – und bis nach Österreich zu spüren. Wien ist mehr als 1.000 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt, aber auch die Alpenrepublik ist von der ausgetretenen Strahlung bedroht. Informationen aus der Sowjetunion über das wahre Ausmaß der Katastrophe sickern nur langsam durch. Erst zwei Tage nach dem Super-GAU kann der damalige ORF-Korrespondent in Moskau, Franz Kössler, über den Hergang berichten. Die Nachrichten sind spärlich, Kössler liegt bei seinem ersten TV-Auftritt zu Tschernobyl nur ein kurzes offizielles Kommuniqué vor, das er vorlesen kann. Die ORF-Fernsehbilder der Tage rund um den 1. Mai 1986 bleiben bis heute im kollektiven Gedächtnis: Zollbeamte mit Geigerzählern, Gesundheitsminister Franz Kreuzer vor den Mikrofonen der Presse, leere Schulhöfe, Salatberge, die entsorgt werden müssen, Sandkisten, die von Baggern geleert werden.

Die ganze Wahrheit
In der Sowjetunion ist nach der Katastrophe eine Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung des Unfalls betraut. Hochrangige Wissenschafter arbeiten mehrere Monate lang an einem umfassenden Bericht. An der Spitze dieser Forschergruppe steht Waleri Legassow, ein renommierter Chemiker, seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ende August 1986 kommt Legassow nach Wien, bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) stellt er die Untersuchungsergebnisse der Kommission vor. Es geht um die Ursachen, den Hergang und die Folgen der Katastrophe. Die IAEO selbst wird den Bericht später als wahrheitsgetreu würdigen.

Doch die ganze Wahrheit kommt erst später ans Licht: Erst das Tonbandvermächtnis Legassows ermöglicht eine Aufklärung der für ihn wahren Schuldigen. „Das Tschernobyl-Vermächtnis“ rückt die Aussagen Lagassows in den Fokus. Zudem zeigt „Universum History“ die Schilderungen von Aleksey Breus, einem Augenzeugen, der 1986 als Ingenieur im Unglücksblock 4 beschäftigt war, oder des deutschen Physikers und Bürgerrechtlers Sebastian Pflugbeil.
Der Überfall - Hitlers Angriff auf Polen
Datum: 2014.08.29 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik ; Zweiter Weltkrieg ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Luftfahrt ; Militär ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-01961_K01, E52-01961 e52-01961
Inhalt: Es begann mit einer Lüge, als Hitler am 1. September 1939 den deutschen Überfall auf das Nachbarland Polen mit der Behauptung bemäntelte: "Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen." Weder war der Angriff, der die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzte, ein Akt der Gegenwehr - den Vorwand hatte der deutsche Geheimdienst selbst inszeniert -, noch stimmte die Zeitangabe. Bereits um 4:40 Uhr, noch bevor das deutsche Schulschiff "Schleswig Holstein" in Danzig die Westerplatte beschoss, hatte die deutsche Luftwaffe ein Flächenbombardement auf die polnische Kleinstadt Wielu? eröffnet und in drei Angriffswellen 1200 Zivilisten getötet. Beispielhaft für die Kriegserfahrung einer Generation berichten ausgesuchte deutsche und polnische Soldaten, Zivilisten und Zivilistinnen, u.a. der Regisseur Roman Polanski, wie das abrupte Ende des trügerischen Sommerfriedens 1939 ihr ganzes Leben umwarf und wie diese Vergangenheit für sie bis heute nachwirkt. Ein Film von Christian Frey und Gordian Maugg
Die Unbeugsamen - Drei Frauen und ihr Weg zum Wahlrecht
Mitwirkende: Thalberg, Beate [Regie]
Datum: 2019.02.21 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik Österreich ; Wirtschaft ; Wahlen ; Frauen ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] 1910: Eine Gruppe Frauen riskiert alles, um für Selbstbestimmung, fairen Lohn und ihr Wahlrecht zu kämpfen. Sie werden ausgelacht, verstoßen, verhaftet. Doch das wirft sie nicht zurück. Bald werden sie von anderen Frauen und auch einigen Männern unterstützt. 1919 haben sie in zwei Ländern das Wahlrecht durchgesetzt: in Österreich und in Deutschland. Pionierhaft. In den meisten anderen europäischen Ländern wird es erst später eingeführt. Es ist auch ein Erfolg der Zusammenarbeit und der Diskussionen zwischen deutscher und österreichischer Frauenbewegung. Sie haben gemeinsame Ideale, doch unterschiedliche Strategien - Prinzipientreue und Pragmatismus führen letztendlich beide zum Ziel - die Neuordnung der Geschlechterverhältnisse.

Dieser Film zeigt den steinigen Weg zum Frauen-Wahlrecht in Deutschland und Österreich anhand dreier mutiger Frauen, die aus ihren Lebensverhältnissen mit der Vision einer neuen und gerechten Gesellschaft ausbrechen. Die Deutsche Clara Zetkin und die Österreicherin Adelheid Popp - sie werden zu den bekanntesten Protagonistinnen aus der Arbeiterbewegung. Die Pionierin des bürgerlichen Lagers: Hildegard Burjan - in Deutschland geboren, in Österreich aktiv.
Unser Österreich ; Teil 1
1918 - Die Geburt der Republik
Datum: 2018.10.23 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Österreich
Typ: video
Inhalt: Unser Österreich

Mit der neunteiligen Reihe „Unser Österreich“ startete „Universum History“ am 29. Dezember 2015 um 21.05 Uhr in ORF 2 eine aufwendige Dokumentationsreihe im Hauptabend, die erstmals die facettenreiche Geschichte von Österreichs Bundesländern in den Mittelpunkt rückt. Die Geschichte der Bundesländer wird anhand von neun Familien erzählt, deren Geschichte mit der ihrer Heimat verbunden ist. Mit diesen Protagonisten werden historische Wendepunkte, persönliche Schlüsselerlebnisse, aber auch die Auseinandersetzung mit Tradition und Veränderung thematisiert.

In der achten Folge zeichnet Regisseur Fritz Kalteis die wechselvolle Geschichte des Burgenlands und die Identitätssuche seiner Menschen nach. Wie viele Burgenländer mussten auch die Mitglieder der Familie Träger aus Pinkafeld ihren Platz im jüngsten österreichischen Bundesland – im Spannungsfeld zwischen Österreich und Ungarn – erst finden. Der Erste Weltkrieg entzweit die Familie: Während der ehrgeizige junge Beamte Ernst „Ernö“ Träger für einen Verbleib bei Ungarn kämpft, setzen seine Eltern auf eine Zukunft im neuen österreichischen Burgenland. Als Mitglied der interalliierten Grenzkommission muss Ernö Träger den Grenzverlauf zwischen Österreich und Ungarn mitbestimmen, muss eine Grenze ziehen, die er selbst nicht will – und bleibt danach auf der ungarischen Seite. Jahrzehnte später, nach dem Volksaufstand von 1956, will er schließlich aus Ungarn fliehen – und scheitert. Erst der Fall des Eisernen Vorhangs wird die Trägers aus Österreich und Ungarn wieder zusammenführen.

Ausgestrahlt wird die Dokumentation „Das Burgenland – Ein Grenzfall“ im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts anlässlich des 100-jährigen Republiksjubiläums am Dienstag, dem 23. Oktober, um 21.05 Uhr in ORF 2. Am 30. Oktober folgt „Wien – Geschichte aus der Vorstadt“ und ab 1. November stehen die sieben weiteren „Unser Österreich“-Folgen auf dem Programm von ORF 2. , „Unser Österreich: Das Burgenland – Ein Grenzfall“

Seit 1921 gehört das Burgenland zu Österreich. Für die Österreicher/innen heute selbstverständlich – doch als jüngstes Bundesland musste das Burgenland lange um seine Identität ringen. „Universum History“ zeigt mit der neuesten Folge der Reihe „Unser Österreich“ am Beispiel der Familie Träger aus Pinkafeld, wie im Lauf der Geschichte aus Ungarinnen und Ungarn überzeugte Burgenländer/innen wurden. „Das wollte er nicht, dass das Burgenland zu Österreich kommt. Das hat er als Raub gesehen“. Nora Fleckl wird emotional, wenn sie über ihren Vorfahren Ernest „Ernö“ Träger spricht. Mit ihm teilt sie die Leidenschaft für die ungarische Kultur und Sprache – und ist doch froh, auf der für sie „richtigen“ Seite der Grenze gelandet zu sein.

Der ehrgeizige Beamte Ernö Träger – dargestellt von Thomas Mraz – ist die Hauptfigur der neuesten Folge der Reihe „Unser Österreich“, die sich mit dem Werden des Burgenlandes auseinandersetzt. Ernö, Sohn einer Bäckerdynastie aus Pinkafeld – ungarisch Pinkafö –, wurde, ohne es selbst zu wollen, zu einem der Väter des Burgenlandes. Die Trägers stehen im Mittelpunkt des Films von Regisseur Fritz Kalteis – und mit ihnen die Bäckerei und Konditorei, die seit 1780 besteht. „Wenn die Mauern erzählen könnten, dann gäbe es da sehr, sehr viel Geschichte“, sagt Juniorchefin Veronika Träger.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sollte der deutschsprachige Teil Westungarns zu Österreich kommen. Doch Ernö Träger, der sich immer als ungarischer Staatsangehöriger verstanden hatte, will den „Anschluss“ an Österreich nicht akzeptieren – und zieht als ungarischer Kommissär jene Grenze, die das Burgenland bis heute von Ungarn trennt.

1921 wird aus Deutsch-Westungarn Österreichs jüngstes Bundesland. 285.000 Einwohner/innen hat das Burgenland nun. Doch darüber hinaus verbindet die Menschen der pannonischen Weite im Norden noch wenig mit jenen des waldigen Hügellandes im Süden – auch in Pinkafeld. „Wir sind mentalitätsmäßig eher der Steiermark angegliedert“, sagt Seniorchef Reinhard Träger. „Und rund um den Neusiedler See sind sie mehr nach Niederösterreich orientiert.“ Der Historiker Herbert Brettl bringt die Problematik des jungen Landes auf den Punkt: „Zunächst einmal gibt es keinen Burgenländer und keine Burgenländerin. Hier war seit 1.000 Jahren Westungarn, in dem Menschen verschiedenster Sprachen und Religionen leben. Es gibt keine Einheit.“

Tatsächlich wird es noch Jahrzehnte dauern, bis aus der bunten Mischung aus Deutschen, Kroaten, Ungarn, Juden und Roma ein gemeinsames Ganzes erwächst. Kurioserweise ist es gerade die Grenzlage am Eisernen Vorhang, die die Burgenländer/innen langsam zusammenrücken lässt, ohne dabei die Vielfalt der Volksgruppen im Burgenland zu gefährden. „Es gibt eine Pluralität“, sagt die Historikerin Ursula Mindler-Steiner, „und mit der wächst man hier ganz einfach auf.“

Aus dem Armenhaus Österreichs, das das Burgenland lange Zeit war, ist in den vergangenen Jahrzehnten ein pulsierender Lebensraum, aus dem „Grenzfall“ Burgenland ein Erfolgsprojekt geworden. Reinhard Träger ist heute stolz auf sein Heimatland: „Ich habe immer gesagt, dass ich aus dem Burgenland bin. Die längste Zeit hat der Westen von Österreich ja geglaubt, im Burgenland, da gehen sie noch barfuß. Aber die merken jetzt auch: Da ist es super zum Leben.“

Ernö Träger, Hauptfigur der Dokumentation von Fritz Kalteis, hat seine Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr wiedersehen können. Er macht im Ungarn der Zwischenkriegszeit Karriere, verliert unter den Kommunisten alles und versucht nach dem Volksaufstand in Ungarn 1956 zurück ins Burgenland zu kommen – vergeblich. Für Regisseur Kalteis macht diese Ambivalenz den Reiz der Geschichte aus: „Ernö Träger zeigt uns das Burgenland von der anderen Seite. Er hat es immer nur als Teil Ungarns gesehen. Als er es schließlich doch als Teil Österreich akzeptiert, ist es für ihn zu spät.“

Die Grenzen, die Ernö Träger einst gezogen hat, bestehen bis heute. Und doch sind das Burgenland und Ungarn in der Europäischen Union so eng zusammengerückt wie seit 100 Jahren nicht mehr. Würden nun wieder Zäune entstehen, wäre das ein herber Rückschlag, auch für die Trägers.

Selbstverständlich ist das Burgenland auch Kulisse für die zahlreichen Spielszenen, die diese Dokumentation lebendig und spannend machen. So bot das Dorfmuseum von Mönchhof die perfekten Schauplätze für das Pinkafeld vor 100 Jahren. Neben Thomas Mraz, bekannt aus der ORF-Serie „Vorstadtweiber“, verleihen einige burgenländische Schauspieler/innen dem Film die nötige Authentizität: Neben Eva Maria Marold als Ernö Trägers Mutter drücken vor allem Reinhold G. Moritz als Arwed Träger und Christoph Krutzler als Pinkafelder Kaufmann dem Film ihren Stempel auf. Historiker Herbert Brettl und Historikerin Ursula Mindler-Steiner verleihen dem Film ihre Expertise.

„Der größte Glücksfall für den Film ist aber zweifelsohne die Familie Träger“, betont Regisseur Fritz Kalteis. „Sie hat uns erlaubt, tief in ihre eigene Geschichte einzutauchen, in der sich alle großen Ideologien des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Somit gewinnen wir einen Einblick, der absolut einzigartig ist.“

„Das Burgenland – Ein Grenzfall“ ist eine Koproduktion von Metafilm, ORF und dem Bildungsministerium (BMBF), gefördert von Burgenland Kultur, Land Burgenland, Burgenland Tourismus und dem Zukunftsfonds Austria.
Unser Österreich: Das Burgenland - Ein Grenzfall
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Gestaltung]
Datum: 2021.10.15 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt ; Burgenland
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sollte der deutschsprachige Teil Westungarns zu Österreich kommen.

Seit 1921 gehört das Burgenland zu Österreich. Für die Österreicher/innen heute selbstverständlich – doch als jüngstes Bundesland musste das Burgenland lange um seine Identität ringen. „Universum History“ zeigt am Beispiel der Familie Träger aus Pinkafeld, wie im Lauf der Geschichte aus Ungarinnen und Ungarn überzeugte Burgenländer/innen wurden. „Das wollte er nicht, dass das Burgenland zu Österreich kommt. Das hat er als Raub gesehen“. Nora Fleckl wird emotional, wenn sie über ihren Vorfahren Ernst „Ernö“ Träger spricht. Mit ihm teilt sie die Leidenschaft für die ungarische Kultur und Sprache – und ist doch froh, auf der für sie „richtigen“ Seite der Grenze gelandet zu sein. Der ehrgeizige Beamte Ernö Träger – dargestellt von Thomas Mraz – ist die Hauptfigur der neuesten Folge der Reihe „Unser Österreich“, die sich mit dem Werden des Burgenlandes auseinandersetzt. Ernö, Sohn einer Bäckerdynastie aus Pinkafeld – ungarisch Pinkafö –, wurde, ohne es selbst zu wollen, zu einem der Väter des Burgenlandes. Die Trägers stehen im Mittelpunkt des Films – und mit ihnen die Bäckerei und Konditorei, die seit 1780 besteht. „Wenn die Mauern erzählen könnten, dann gäbe es da sehr, sehr viel Geschichte“, sagt Juniorchefin Veronika Träger. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sollte der deutschsprachige Teil Westungarns zu Österreich kommen. Doch Ernö Träger, der sich immer als ungarischer Staatsangehöriger verstanden hatte, will den „Anschluss“ an Österreich nicht akzeptieren – und zieht als ungarischer Kommissär jene Grenze, die das Burgenland bis heute von Ungarn trennt.
Unser Österreich: Kärnten – Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel
1918 - Die Geburt der Republik
Datum: 2018.11.01 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Kärnten
Typ: video
Inhalt: Menschen im Bann des Nationalismus – die Geschichte Kärntens im 20. Jahrhundert ist davon dramatisch geprägt.

Inmitten eines Kulturraums, der italienische, slowenische und deutsche Einflüsse hat, die hier über Jahrhunderte zusammenkamen, sorgte der Nationalismus für Narben, die erst mit dem Verständnis für ein vielsprachiges Europa langsam verheilen. Im 7. Jahrhundert als Karantanien von den Slawen gegründet, war es bis zum Ende der Donaumonarchie ein Kronland, das auch Gebiete des heutigen Italien und des heutigen Slowenien umfasst. Mit der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg sorgte der Nationalismus des 20. Jahrhunderts für eine gespaltene Gesellschaft.

Mittendrin im Geschehen eines Jahrhunderts: der Hof der Familie Ressmann im Rosental am Fuß des Mittagskogels, eines Karawanken-Gipfels an der Grenze zu Slowenien und nahe Italien – eine Region, die im Lauf der Zeit gleich mehrfach militärisch umstritten war. Im Ersten Weltkrieg entstand unweit von hier die Front gegen Italien. Mit dem Ende der Monarchie lag ihr Hof in einem Gebiet, das vom neu gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen beansprucht wurde und erst nach der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 bei Österreich blieb.

Der Film begleitet ein außergewöhnliches Familienschicksal vom Ersten Weltkrieg bis heute. Der Lauf des 20. Jahrhunderts wird über vier Generationen die Geschichte der kärntnerisch-slowenischen Familie aus Ledenitzen/Ledince erzählt: Die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg von Franc Ressmann senior wurden von seinem Sohn Franc junior als Buch unter dem Titel „Rod pod Jepo“ (deutsch: „Eine slowenische Chronik aus Kärnten 1914-1945“) herausgegeben. Franc junior und seine Brüder Joško und Hajnžek berichten von ihrer Kindheit und Jugend im aufkeimenden Nationalsozialismus. 1942 wird die Familie Ressmann, wie Hunderte andere kärntnerisch-slowenische Familien auch, in ein Zwangsarbeitslager des NS-Regimes deportiert.

Ihr Zuhause, der Tratnikhof im Rosental, wird von sogenannten „Optanten“ aus Camporosso im Kanaltal übernommen. Diesen deutsch- und slowenischsprachigen Altösterreichern wurde angeboten, Italien zu verlassen und „heim ins Reich“ auf die frei gewordenen Höfe der deportierten Kärntner Sloweninnen und Slowenen zu siedeln. Nach Kriegsende kehren alle Mitglieder der Familie Ressmann heim auf ihren Hof. Die Kanaltaler Optanten gehen zurück nach Italien. Die Ressmanns, traumatisiert von Aussiedlung und Lagerhaft, müssen sich im Europa der Nachkriegszeit neu orientieren. Der Konflikt um die slowenische Minderheit in Kärnten schwelt lange und bricht im „Ortstafelsturm” 1972 wieder mit Gewalt an die Oberfläche, ein verstörendes Erlebnis auch für Stefan Ressmann, heute Bauer am Tratnikhof. Es dauert Jahrzehnte, bis das Europa ohne Grenzen und das Dreiländereck Kärnten/Slowenien/Friaul als bereichernder, offener Kulturraum erlebt wird, was Stefan und seine Tochter Theresia, zweisprachige Volksschullehrerin, heute mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft Südkärntens blicken lässt.

„Kärnten – Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel / Koroška – Stoletje pod Jepo“ – eine packende Mischung aus berührenden Interviews, seltenem Archivmaterial, hochwertigen Dokumentaraufnahmen und aufwendigen Spielszenen, die von der Haneke-Schülerin Mračnikar umgesetzt wurden. Gedreht wurde u. a. in Klagenfurt, Ledenitzen, Petschnitzen, Finkenstein, Camporosso, Malborghetto, Pischeldorf und Maria Saal.
Unser Österreich: Niederösterreich - Leben am Eisernen Vorhang
1918 - Die Geburt der Republik
Datum: 2018.11.01 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Niederösterreich
Typ: video
Inhalt: „Leben am Eisernen Vorhang“

Jahrzehntelang war es eine tödliche Grenze. In der Zeit des Kalten Krieges und besonders nach dem Prager Frühling 1968 war die Region um Gmünd lebensgefährlich – sie verkörperte das Ende der westlichen Welt. Auf der anderen Seite des Stacheldrahts, der Gmünd wie Berlin trennte, der Ostblock. Vier Generationen der Familie Fürnsinn haben den Riss in ihrer Heimatstadt vom Ersten Weltkrieg bis zum Vereinten Europa erlebt. Deren außergewöhnliche Geschichte erzählt Anita Lackenberger in ihrer Dokumentation „Niederösterreich – Leben am Eisernen Vorhang“ Die mit Kristina Sprenger, Michael Walde-Berger und Harald Windisch prominent besetzte Folge der „Universum History“-Zeitgeschichteserie „Unser Österreich“ ist eine Produktion der Kreativlösung Filmproduktion GmbH für den ORF, gefördert von BMB, Land Niederösterreich und Zukunftsfonds der Republik Österreich.

Die Geschichte der Stadt Gmünd im Waldviertel spiegelt das politische Weltgeschehen des 20. Jahrhunderts wider. Die Konsequenzen des Zusammenbruchs der Monarchie sind in Gmünd nach Ende des Ersten Weltkriegs unübersehbar. Und schon während des Ersten Weltkriegs wird in der Stadt ein Flüchtlingslager errichtet, das sich später zu einem eigenen Stadtteil entwickelt – Baumeister von Lager und späterem Stadtteil: der Pionier der porträtierten Familie, Hans Fürnsinn.

Mit dem Frieden von Saint-Germain wurde 1919 eine prosperierende Wirtschaftsregion geteilt: Südböhmen und das nördliche Waldviertel. Die neue Grenze, die nach dem Ersten Weltkrieg entstand, teilte sogar die Stadt Gmünd – in einen tschechischen Teil, die Viertel Wielands und Böhmzeil, die zu Česke Velenicé wurden – und einen österreichischen Teil – Altstadt und Neustadt. Der strategisch und wirtschaftlich wichtige Bahnhof, einst auf der Hälfte der Strecke Wien-Prag gebaut, kommt zur Tschechoslowakei – ein herber Schlag für die Republik Österreich. Während der Ersten Republik wurde die Grenze nicht richtig ernst genommen und die alte Nachbarschaft bestand weiter. Baumeister Hans Fürnsinn heiratete eine Frau aus dem tschechischen Nové Hrady, dem vormaligen Gratzen. Solche Hochzeiten waren damals weit verbreitet, Grenzformalitäten nicht nötig.

Erst die NS-Rassenpolitik schuf eine Kluft zwischen Deutschen und Slawen. 1938 wurde es den Nationalsozialisten durch das international abgeschlossene Münchner Abkommen möglich, die deutschsprachigen Sudetengebiete zu besetzen und einzugliedern. Damit wurde zwar die verhasste Grenzziehung von St. Germain aufgehoben, aber nicht ohne Konsequenzen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgte die Revanche der Tschechoslowakei mit den Beneš-Dekreten und der Vertreibung der Sudetendeutschen. Auch Verwandte der Familie Fürnsinn wurden vertrieben. Dann die nächste Zäsur: der Eiserne Vorhang, die nahezu unüberwindbare Systemgrenze zwischen Ost und West – sie verläuft nur wenige Meter von den Häusern Gmünds entfernt. Den Kalten Krieg erleben die Fürnsinns, die mittlerweile zwei Töchter haben, hautnah. Tote sind keine Seltenheit, besonders in der Periode, die auf den Prager Frühling 1968 folgt – eine diplomatische Eiszeit zwischen Österreich und der Tschechoslowakei. Die tschechischen Grenzposten schießen Flüchtenden sogar auf österreichisches Gebiet nach. Erst der Fall des Eisernen Vorhangs 1989, dann das Schengener Abkommen und der Beitritt der Tschechoslowakei zur EU sorgen für ein Ende der tödlichen Grenze. Für die Wiederbelebung der einstigen Wirtschaftsregion und eine langsame Normalisierung in den Beziehungen der Menschen.
Unser Österreich: Salzburg - Ein Land für sich
Mitwirkende: Baum, Thomas [Drehbuch] , Hollósi, Eszter [Sprecher/in]
Datum: 2018.11.02 [Sendedatum] 2016 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Bildung ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt ; Salzburg
Typ: video
Inhalt: Salzburg hat seit jeher eine besondere Stellung im Herzen Europas. 1816 kam es zu Österreich. Diese Folge der „Universum History“-Reihe „Unser Österreich“ widmet sich der ereignisreichen Geschichte dieses Bundeslands vom Trauma des Ersten Weltkriegs bis zum Beitritt Österreichs in die Europäische Union.

Salzburg blickt auf mehr als 1.000 Jahre Geschichte als kirchliches Fürstentum zurück –ein mächtiges heiliges Land. Mehr als 500 Jahre war es zudem Teil Bayerns und gehörte damit länger zu unserem Nachbarland als zu Österreich. Salzburg hat eine ganz besondere Geschichte –es ist „ein Land für sich“, das stets versucht hat, seine Eigenständigkeit aus einer glanzvollen Vergangenheit in die Gegenwart zu transferieren. Kultur –mit dem Bezug auf Mozart –und Bauten –im Stil des 17.Jahrhunderts – sind ein wesentlicher Teil bei der Bewahrung dieser Identität.

Erst nach dem Wiener Kongress kam es zu Österreich, war jüngstes Kronland der Habsburgermonarchie. Bis auf den Verlust des fruchtbaren Rupertiwinkels nördlich des Walserbergs blieb die über 1.000 Jahre gewachsene Einheit erhalten. Sogar nach dem Ersten Weltkrieg, als Österreich an sämtlichen Grenzen Gebietsverluste hinnehmen musste, wurde das Territorium Salzburgs nicht angetastet. Dafür prägte im 20. Jahrhundert die Frage nach der eigenen Position das Land: Nach dem Ende der Monarchie, in den Krisenjahren der Ersten Republik, im Nationalsozialismus oder in den Aufbaujahren der Zweiten Republik galt es für die Salzburger vor allem ihren Platz zu finden –gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich.

Im Mittelpunkt dieses „Universum History“-Doku-Dramas steht die Geschichte der Baumeisterfamilie Wagner –über fünf Generationen (Franz, Franz jr., Peter, Thomas und Lukas Wagner). Ursprünglich aus Oberösterreich, siedelte sie wegen eines Auftrags der Kirche nach Salzburg und arbeitete dort seit 1902 an zahlreichen Bauten und Renovierungen der Altstadt mit. Die Baumeisterfamilie Wagner hat das Gesicht der Bischofs-und Festspielstadt Salzburg über mehrere Generationen mitgestaltet und ihre Veränderungen erlebt –von einer scheinbar abgeschlossen Welt bis zu einem mondänen Zentrum Europas.

Seit jeher liegt Salzburg im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bewahrung und Erneuerung, zwischen Stadt und Land, sei es in der Politik, der gesellschaftlichen Entwicklung, in der Kultur oder im Tourismus. Vor allem die markante Architektur, die an die Größe vergangener Jahrhunderte gemahnt, spielt eine wesentliche Rolle. Die Geschicke der Wagners, die rund die Hälfte der Altstadthäuser im Lauf des Jahrhunderts bauten oder renovierten, waren von Beginn an mit der katholischen Kirche und den politischen Entscheidungsträgern verknüpft. So erlebten sie hautnah die Versuche des legendären Langzeit-Landeshauptmanns Franz Rehrl, Salzburg nach dem Ersten Weltkrieg und den Jahren der Not neu aufzustellen – durch große Wirtschaftsprojekte, durch Investitionen in den Tourismus, aber auch durch die Etablierung der Salzburger Festspiele. Als gläubige Katholiken waren sie besonders betroffen durch den Nationalsozialismus, der versuchte, die kirchliche Tradition Salzburgs mit allen Mitteln umzukrempeln – auch durch eine neue Architektur und militärische Monsterbauten. Franz Wagner jr. war wegen seiner Haltung sogar in Gestapo -Haft und in einem 19.12.2019 Nebenlager des KZ Mauthausen interniert. Mit dem Wiederaufbau der Republik nach 1945 erlebten sie den kulturellen Einfluss der amerikanischen Besatzung ebenso wie deren Bedeutung als Wirtschaftsfaktor. Und mit dem Schengener Abkommen waren sie als Bauunternehmer, die auch in Bayern operierten, damit konfrontiert, dass es auch in einem Europa der Regionen nicht ohne Nachbarschaftskonflikte geht

Nach dem Treatment von Thomas Baum („Die Rosenheim-Cops“) stellen die Regisseure Chris Weisz (Dokumentation) und Ernst Gossner (Spielszenen) die bewegte Geschichte Salzburgs von 1918 bis in die Gegenwart anhand der Erlebnisse und Eindrücke der Baumeisterfamilie Wagner dar.

Prägende Episoden in der Familiengeschichte der Wagners wurden mit Spielszenen umgesetzt. Der Cast setzt sich aus bekannten Schauspielern wie Karl Merkatz (als Abt Hauthaler), Fritz Egger (als Franz Wagner) und Charly Rabanser (als Hausbesitzer) zusammen. Einen besonderen Schatz hob die produzierende Degn-Film mit den Amateurfilmen aus dem Besitz der Familie Wagner. Diese 16-mm-Materialien geben einen sehr persönlichen Einblick sowohl in das Familienleben als 6auchdas Bauschaffen der Wagners in den verschiedenen Jahrzehnten –für Zeitgeschichte-Dokumentaristen ein Fund, von dem man sonst nur träumen kann.

Zu Spielszenen, Amateur-und Archivfilmen sowie aufwendigen Flugaufnahmen von Stadt und Land Salzburg führen die Historiker Dr. Ingrid Holzschuh und Dr. Robert Kriechbaumer als Experten durch den Film. Die ORF-Auftragsproduktion wurde von der Degn-Film in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium durchgeführt und wird von Land Salzburg und dem Zukunftsfonds der Republik Österreichgefördert.
Unser Österreich: Steiermark - Verbunden über alle Grenzen
1918 - Die Geburt der Republik
Datum: 2018.11.01 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Steiermark
Typ: video
Inhalt: Diese Folge der „Universum History“ Zeitgeschichteserie „Unser Österreich“, richtet den Fokus auf das Grenzland zwischen der Südsteiermark und der (ehemaligen) Untersteiermark, der sogenannten „Štajerska“. Es ist ein besonderer Lebensraum, der seine „steirische“ Identität grenzüberschreitend bewahrt hat. Und das, obwohl dramatische Ereignisse der Geschichte das Gegenteil forciert haben und sich die Region fast ein Jahrhundert lang in einem Zustand gefährlicher Spannung befunden hat. Nirgendwo lässt sich das besser sehen und spüren als auf dem Serschenhof der Familie Tertinjek. Ihre außergewöhnliche Geschichte erzählt Gernot Lercher in seiner Dokumentation.

Eine Familie zwischen den Fronten
Die Familie Tertinjek lebt seit Generationen auf einem besonderen Flecken Erde. Genau genommen seit 1911, als die Untersteiermark noch Teil der k. u. k. Monarchie war. Die Grenze zwischen Österreich und Slowenien verläuft seit mehr als hundert Jahren direkt hinter ihrem Haus und durchschneidet die Grundfläche in zwei gleiche Teile. Der grenzübergreifende Doppelbesitz verbindet die Südsteiermark mit der ehemaligen Untersteiermark. Die Menschen am Serschenhof hoch oben über dem kleinen Leutschach in den Hügeln des Remschnigg standen immer wieder zwischen den Fronten. In den zwei Weltkriegen ebenso wie danach, an der scharfen Trennlinie zwischen dem demokratischen Österreich und dem totalitären, kommunistischen Jugoslawien oder schließlich während Sloweniens Kampf um Unabhängigkeit.

Berührende Schicksale
Richtungsweisende Erlebnisse der Familie werden in dieser Produktion deshalb auch durch emotionale, historische Spielszenen (Reenactments) lebendig gemacht. Die Grenzziehung am Hof im Jahr 1920, die Angst der Familie vor Überfällen zum Ende des Zweiten Weltkriegs, das Leben und die Liebe während des Kalten Krieges und die grenzüberschreitende Nachbarschaftshilfe im Slowenienkrieg 1991 – es sind Szenen, die berühren und immer wieder zeigen, wie schnell Weltgeschichte und Familiengeschichte miteinander verschmelzen können.

Steirer und Steiererinnen
„Die Tertinjeks sind ein wahrer Glücksfall für unsere Produktion. Sie gewähren uns nicht nur tiefe und persönliche Einblicke in ein ebenso ereignisreiches wie dramatisches Leben, sondern beweisen uns, dass trotz aller Bedrohungen und Hindernisse Familiengeschichte tatsächlich völkerverbindend sein kann“, schildert Regisseur Gernot Lercher seine Dreharbeiten am Serschenhof.

„Ich bin eine doppelte Steirerin“, sagt deshalb auch Biserka Tertinjek, die in Ožbalt an der Drau im früheren Jugoslawien aufgewachsen ist, bevor sie ihren südsteirischen Hans vom Serschenhof bei der Erntehilfe kennen- und lieben gelernt hat. Kaum jemand kann die turbulente Geschichte der Region besser schildern als die beiden, ihre Kinder und die 87-jährige Großmutter. Hier bündeln sich unterschiedliche Blickrichtungen zu einer gemeinsamen Sichtweise, wonach sich die Menschen zu beiden Seiten der Grenze bis heute als „Steirer und Steirerinnen“ fühlen, ganz gleich welchen Reisepass sie haben.

Steiermark - Štajerska
Darüber hinaus gibt der Film anhand der „Štajerska“, der slowenischen Steiermark, einen spannenden Einblick in die Geschichte Jugoslawiens. Eines Landes, das die Österreicher über Jahrzehnte als ebenso romantische wie günstige und nicht nur deshalb beliebte Urlaubsdestination wahrgenommen haben, ohne wirklich hinter die Kulissen blicken zu wollen und zu müssen. Bisher unveröffentlichtes historisches Filmmaterial aus slowenischen Archiven lässt die spannungsgeladene Zeitgeschichte entlang der Grenze ebenso aufleben wie die Spurensuche im Heute – z. B. in einer verfallenen Grenzkaserne der jugoslawischen Volksarmee oder einem ehemaligen Partisanenlazarett.
Unser Österreich: Tirol - Geteilte Heimat
Mitwirkende: Baum, Thomas [Drehbuch] , Laich, Georg [Regie] , Gossner, Ernst [Regie] , König, Michael [Sprecher/in]
Datum: 2018.11.03 [Sendedatum] 2015 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Bildung ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt ; Tirol
Typ: video
Inhalt: In diesem Teil von "Unser Österreich" stehen die Grenzziehung am Brenner, der Verlust Südtirols und die Abtrennung Osttirols vom verbliebenen Landesteil im Fokus.

Die „Schandgrenze“ sorgte für innenpolitischen und außenpolitischen „Zündstoff“ – in den 1960er Jahren sogar wortwörtlich. Die Auseinandersetzung mit der Einheit Tirols führte aber auch zu neuen Impulsen. Wirtschaftlich wurden die Grenzen – pionierhaft durch die Landeshauptleute Eduard Wallnöfer und Silvius Magnago – überwunden. Erzählt wird diese Geschichte anhand der Erlebnisse der Familie Molling, heute in Innsbruck lebend, mit Wurzeln in Südtirol: Der Urgroßvater Alois war als ehemaliger Offizier der k. u. k. Armee Mitglied der österreichisch-italienischen Grenzziehungskommission 1919 und engagierte sich bei der Heimwehr gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Die Großmutter Herlinde Molling – und ihr Mann Klaudius – unterstützte seit den späten 1950er Jahren den „Befreiungsausschuss Südtirol“ bei Sprengstoffanschlägen. Sogar als Schwangere schmuggelte sie Sprengstoff über die Grenze – eine Tatsache, mit der ihre Tochter Dominika, mittlerweile selbst Mutter, bis heute hadert und sich die Frage stellt, ob eine Landesteilung die Gefährdung des eigenen Lebens und das seines ungeborenen Kindes wert ist. Für die junge Generation der heute 20-jährigen Sven und Eric, die in einem Europa ohne Grenzbalken aufgewachsen sind, stellt sich die Frage, ob hinter dem Brenner ein anderer Staat beginnt, gar nicht.

Mit „Tirol – Geteilte Heimat“, einer Produktion der Interspot Film für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Cine Tirol und Land Tirol, hat „Universum History“ neue Wege eingeschlagen. Um die regionale Expertise zu nutzen, kommt das Regie-Team zur Gänze aus Tirol. Mit dem ORF-Dokumentaristen Georg Laich wurde ein erfahrener Journalist und Landeskenner beauftragt, die Regie der Spielszenen übernahm Ernst Gossner. Auch das Drehbuch entstand in einer außergewöhnlichen Konstellation: Mit der wissenschaftlichen Beratung durch Landeshistoriker Dr. Michael Forcher schrieb „Rosenheim Cops“-Autor Thomas Baum die Filmvorlage nach den Erzählungen der Zeitzeugen.
Unser Österreich: Vorarlberg - Tor zum Westen
Mitwirkende: Bilgeri, Reinhold [Regie] , Barnay, Markus [Drehbuch] , König, Michael [Sprecher/in]
Datum: 2018.11.03 [Sendedatum] 2017 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Bildung ; Dokumentarfilm ; TV-Mitschnitt ; Vorarlberg
Typ: video
Inhalt: Im Mittelpunkt dieser Folge der „Universum History“-Zeitgeschichteserie „Unser Österreich“ über die Geschichte der österreichischen Bundesländer im 20. Jahrhundert steht die Gebirgsregion des Montafon mit seiner „grünen“ Grenze zur Schweiz.

Das Dokudrama „Vorarlberg – Tor zum Westen“ von Reinhold Bilgeri und Markus Barnay erzählt die Geschichte Vorarlbergs anhand der Erlebnisse der Montafoner Familie Juen, die von den dramatischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts unmittelbar betroffen war. Der Film entstand als Produktion der Bilgeri Film Productions GmbH für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich und Land Vorarlberg.

Regisseur Reinhold Bilgeri („Der Atem des Himmels“) und ORF-Redakteur Markus Barnay begleiten in ihrem Film eine Familie, die das harte Leben in den alpinen Gebirgsregionen gleichermaßen repräsentiert wie den Wandel der Lebensumstände entlang der Grenze. Die Brüder Meinrad und Wilhelm Juen und ihre Schwester Ludwina wuchsen auf einem Bergbauernhof im Montafon auf – und benötigten, so wie die meisten ihrer Landsleute, neben der eigenen Landwirtschaft zusätzliche Einnahmequellen zum Überleben. Bevor der Tourismus im Lauf des 20. Jahrhunderts auch das Montafon erreichte, waren viele Menschen gezwungen, saisonweise auszuwandern und in der Fremde zu arbeiten, andere verlegten sich – so wie die Juen-Brüder – auf Tätigkeiten, die zwar illegal, aber doch weit verbreitet waren: Schmuggeln, Schwarzschlachten oder Wildern.

Zwischen Anpassung und Widerstand
Spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch das nationalsozialistische Regime wurde die Grenze zur Schweiz zum „Tor zur Freiheit“. Die erfahrenen Schmuggler betätigten sich nun auch als Fluchthelfer, die vielen Menschen das Leben retteten. Weil sie sich dafür bezahlen ließen, wurde ihnen auch nach dem Krieg lange die Anerkennung verweigert. Auch die Nachkommen der Brüder Juen mussten im Spannungsfeld zwischen lebensrettender Fluchthilfe und bezahlten Schlepperdiensten eine Position finden: Magdalena Burtscher, die Enkelin von Meinrad Juen, bewundert den Mut und die Zivilcourage ihres Großvaters. Friedrich Juen, der Enkel von Wilhelm, selbst begeisterter Heimatforscher, schlüpfte in einer Theaterproduktion sogar in die Rolle seines Großonkels Meinrad. Und Christina Juen, seine Tochter, möchte als angehende Geschichtslehrerin junge Menschen darauf aufmerksam machen, dass man auch unter den schwierigen Umständen die Wahl zwischen Anpassung und Widerstand hatte. Meinrad Juen ging jedenfalls ein hohes Risiko ein: 1943 wurde er sogar verhaftet, konnte aber fliehen und versteckte sich bis zum Kriegsende vor den Behörden.

Die Grenze zur Schweiz war in Vorarlberg nicht nur während der NS-Zeit von besonderer Bedeutung: Jahrhundertelang war hier einerseits eine Konfliktlinie zwischen dem katholischen Habsburgerreich und den mehrheitlich reformierten Kantonen der Eidgenossenschaft, andererseits gab es traditionelle Wirtschaftsbeziehungen zwischen den benachbarten Regionen am Rhein. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie wurde die Schweiz für viele Vorarlberger sogar zu einem Hoffnungsland: 80 Prozent der Abstimmenden sprachen sich 1919 in einer Volksabstimmung für Verhandlungen über einen Beitritt Vorarlbergs zur Schweiz aus. Das Anliegen blieb allerdings bei den Friedensverhandlungen von Saint-Germain ungehört.

Nach 1945 erwies sich die Schweiz als wichtige Geldquelle für das Wirtschaftswachstum und damit für den Aufstieg Vorarlbergs zu einer der führenden Industrieregionen: Mit Hilfe einer eigenen Verrechnungsstelle für die Geschäfte mit der Schweiz und mit Schweizer Frankenkrediten wurde die Wirtschaft in Vorarlberg wieder angekurbelt – die Grenze zur Schweiz wurde so zu einem der wesentlichen Standortvorteile Vorarlbergs im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern. Über diese Aspekte der Geschichte berichtet in „Vorarlberg – Tor zum Westen“ der Historiker Meinrad Pichler, während sich die Kulturwissenschafterin Edith Hessenberger den Fluchtgeschichten im Montafon widmet, denen sie in zahlreichen Zeitzeugeninterviews nachgespürt hat.

In den Gebirgsregionen wie dem Montafon verlor dagegen die Schweizer Grenze ihre Brisanz: Hier wird mittlerweile auch das Schmuggeln von Waren nostalgisch verklärt – und von den touristischen Einrichtungen vermarktet. Für Friedrich Juen, den Nachkommen der Schmuggler und Fluchthelfer, sind die Berge rund um Gargellen aber bis heute das alltägliche Einsatzgebiet: Er arbeitet bei den örtlichen Bergbahnen und sorgt unter anderem durch Lawinensprengeinsätze für die Sicherheit der Skifahrer.
Unser Österreich: Wien – Geschichte aus der Vorstadt
1918 - Die Geburt der Republik
Datum: 2018.10.30 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Kultur ; Dokumentarfilm ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt ; Wien
Typ: video
Inhalt: Ein Jahrhundert, eine Familie, ein Wohnhaus in der Vorstadt – im neunten und letzten Teil der Reihe „Unser Österreich“ widmet sich „Universum History“ der wechselvollen Geschichte Wiens, erzählt anhand der dramatischen Erlebnisse der Familie Erdheim.

Im Mittelpunkt der hochkarätig besetzten und aufwendigen Spieldokumentation „Wien – Geschichte aus der Vorstadt“ steht eine „echte“ Wiener Familie, die einst aus einem der Kronländer der Habsburgermonarchie in die Hauptstadt gezogen ist. Verkörpert werden die Familienmitglieder u. a. von Daniela Golpashin, Erwin Steinhauer und Hary Prinz. Ausgestrahlt wird die Dokumentation von Regisseurin Katharina Heigl im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts anlässlich des 100-jährigen Republiksjubiläums am Dienstag, dem 30. Oktober, um 21.05 Uhr in ORF 2. Nach „Das Burgenland – Ein Grenzfall“ (23. Oktober) gibt es ab 1. November ein Wiedersehen mit den sieben weiteren „Unser Österreich“-Folgen in ORF 2. „Wien – Geschichte aus der Vorstadt“ entstand als Koproduktion von ORF, Satel Film und BMBWF, gefördert von Filmfonds Wien und Zukunftsfonds der Republik Österreich, unterstützt von Stadt Wien und Wien Tourismus.

Ein Jahrhundert, eine Familie, ein Wohnhaus. Gersthof im 18. Wiener Gemeindebezirk ist seit 1907 eng mit dem Schicksal der jüdischen Familie Erdheim verbunden. Ihre Wurzeln liegen in Galizien, der heutigen Ukraine. Hier bringen sie es durch den Erdölboom Mitte des 19. Jahrhunderts zu Wohlstand und erfüllen sich einen Traum – die Übersiedelung nach Wien, der glanzvollen Metropole des Fin de Siècle. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Habsburgerreichs finden sie sich in einer Stadt im Ausnahmezustand wieder. Hunger, Arbeitslosigkeit, dazu Tausende Menschen aus den Kronländern, die versuchen, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Die Erdheims, die bekannte Ärzte hervorgebracht haben, sind von den prägenden Ereignissen Anfang des 20. Jahrhunderts direkt betroffen – weil sie die Opfer der politischen Auseinandersetzungen und später des NS-Terrors im Spital behandeln. Aber auch durch die ständige Gefahr, selbst Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns zu werden – obwohl mittlerweile Teil einer großbürgerlichen, weltlichen Gesellschaftsschicht, die sich vom orthodoxen Judentum ihrer Vorfahren vollkommen entfernt hat. Diese Erfahrungen werden zu zentralen Themen ihrer Familiengeschichte – die Claudia Erdheim, Schriftstellerin und Hauptfigur des Films, bis heute nicht loslassen.

Das 1907 von Oskar Erdheim erworbene Wohnhaus in Gersthof im 18. Wiener Gemeindebezirk ist Schauplatz für eine berührende Familiensaga. Ihre Wurzeln liegen in Galizien, der heutigen Ukraine. Hier hat es die jüdische Unternehmerfamilie zu Wohlstand gebracht, mit dem sie sich einen Traum erfüllt – die Übersiedelung nach Wien, die glanzvolle Metropole des Fin de Siècle. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Habsburgerreiches findet sie sich in einer Stadt im Ausnahmezustand wieder. Hunger, Arbeitslosigkeit, dazu Tausende Menschen aus den Kronländern, die versuchen, sich hier eine neue Existenz aufzubauen.

In Wien sind die Erdheims Teil einer großbürgerlichen, weltlichen Gesellschaftsschicht, die sich vom orthodoxen Judentum ihrer Vorfahren vollkommen entfernt hat. Einige Familienmitglieder sind bekannte Ärzte und erleben gerade deshalb hautnah die Konflikte der 1930er Jahre mit – weil sie die Opfer politischer Gewalt im Spital medizinisch behandeln. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus geraten sie nun aber selbst zunehmend in Gefahr, Opfer der Politik zu werden – und des Rassenwahns.

Claudia Erdheim, Oskars Enkelin, taucht für diesen Film in die Geschichten derer ein, die ihr Familienwohnhaus im Laufe eines Jahrhunderts mit Leben erfüllt haben. Sie geht zurück an den Anfang, reist nach Boryslaw in Galizien, das heute in der Ukraine liegt. Dort sucht sie nach Spuren ihres Urgroßvaters Moses Hersh Erdheim, der es während des galizischen Ölbooms vom Tischlersohn zum Grubenbesitzer bringt. Dieser Reichtum erst ermöglicht es seinem Sohn Oskar, in die Hauptstadt Wien zu gehen.

Oskars Tochter Tea, Claudia Erdheims Mutter, ist die zentrale Figur des Films. In den Spielszenen wird sie von Daniela Golpashin verkörpert. Tea Erdheim ist noch ein Kind, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Im Zweiten Weltkrieg erlebt sie von den Nazis als sogenannter „jüdischer Mischling“ stigmatisiert hautnah Verfolgung und Terror – und durch den Holocaust den Verlust vieler geliebter Menschen. Als Ärztin und Psychoanalytikerin in der Nachfolge Freuds beschäftigt sie sich ihr Berufsleben lang mit den seelischen Wunden anderer – während sie selbst von tiefen Traumata gezeichnet ist. Aus Angst vor dem Ausbruch eines dritten Weltkriegs hortet sie bis zu ihrem Tod manisch Zucker. Der kann nicht verderben, und verkaufen kann man ihn im Notfall auch – wie sie ihrer Tochter Claudia immer wieder sagt.

Ihre Ängste wurzeln aus der Verfolgung – nicht nur des jüdischen Teils ihrer Familie wie ihres Vaters Oskar, sondern ihres Ehemanns, dem sozialistischen Widerstandskämpfer und Politiker Laurenz Genner. Er wird bereits kurz nach dem sogenannten „Anschluss“ von der Gestapo verschleppt und verbringt eineinhalb Jahre im Gefängnis. Um einer weiteren Verhaftung zu entgehen, schließen Tea Erdheim und Laurenz Genner einen Pakt zum gemeinsamen Selbstmord.

In den dramatischen Spielszenen, die Schlüsselmomente dieser Familiensaga rekonstruieren, verkörpern Erwin Steinhauer und sein Sohn Matthias Franz Stein Teas Vater Oskar Erdheim in fortgeschrittenem Alter und in jungen Jahren. Hary Prinz spielt den Widerstandskämpfer Laurenz Genner.

Durch ihre sehr persönlichen Zeugnisse und Eindrücke vermitteln Claudia Erdheim, ihr Halbbruder Michael Genner und ihre Nichte Diana Rosdolsky im dokumentarischen Teil des Films die Tragik generationsübergreifender Traumatisierung.

Interviews mit den Historikern Johanna Gehmacher (Universität Wien) und Doron Rabinovici liefern den historischen Kontext zu den persönlichen Erzählungen und zeigen das Ringen einer Stadt mit ihrer Geschichte – Wien im 20. Jahrhundert.
Der Untergang der Szent István. Das letzte Schlachtschiff des Kaisers
Mitwirkende: Koller, Maria Magdalena
Datum: 2014.06.27 [Sendedatum] 1918.06.10 [Bezugsdatum]
Ort: Österreich-Ungarn Italien
Schlagworte: Gesellschaft ; Technik ; Politik Österreich ; Politik ; Erster Weltkrieg ; Schifffahrt ; Dokumentarfilm ; Portrait ; Krieg ; Militär ; Österreichisch-Ungarische Monarchie ; TV-Mitschnitt ; 20. Jahrhundert - 10er Jahre
Typ: video
Signatur: E52-01485_K01, E52-01485 e52-01485
Inhalt: 10. Juni 1918: Die "Szent István" versinkt im Meer. Das modernste Schlachtschiff der k.u.k Flotte ist auf seiner ersten Ausfahrt, als es von zwei Torpedos getroffen wird. Die SMS Szent István ist ein Kriegsschiff der "Dreadnought"-Klasse - eine Riesenwaffe, ausgestattet mit Drillingstürmen, errichtet im ungarischen Kriegshafen Fiume mit einer Bausumme von einer halben Milliarde Kronen. Der erfolgreiche Schütze heißt Luigi Rizzo und gilt seither in Italien als Nationalheld. Auf dem sinkenden Schiff wird ein anderer Mann zum Helden: Franz Dueller. Dem Unteroffizier und seiner Maschinenmannschaft im Kesselraum gelingt es, das Schiff fast drei Stunden über Wasser zu halten, sodass sich der Großteil der Besatzung retten kann. 90 Jahre danach dokumentiert dieser Film minutiös den Untergang der "Szent István", den Höhepunkt und gleichzeitig dramatischen Schlusspunkt im Kampf zwischen den einstigen Verbündeten Italien und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg.
Venus von Willendorf - Die nackte Wahrheit
Datum: 2022.04.19 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Venus von Willendorf zählt zu den wohl bekanntesten archäologischen Funden Österreichs - doch sie war keineswegs nur Fruchtbarkeitssymbol.

Mit ihren knapp elf Zentimetern Größe und fast 30.000 Jahren am Buckel ist die Venus von Willendorf ein gefeierter Star – erst recht, seit sie wegen ihrer Nacktheit von Facebook verbannt wurde. Aufbewahrt und beforscht im Naturhistorischen Museum in Wien gehört sie zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheit und überrascht die Wissenschaft bis heute mit neuen Erkenntnissen. Und vor allem ist sie nicht allein: 130 Frauenstatuetten wurden bisher zwischen Frankreich und Russland gefunden. Was erzählen uns die über Jahrtausende erhaltenen Steinfigurinen über das Leben der prähistorischen Menschen? Was sagen ihre üppig geformten Körper, ihr Kopfschmuck und ihre Nacktheit über die Rolle der Frauen in den steinzeitlichen Gesellschaften aus? Die „Universum History“-Dokumentation „Venus von Willendorf – Die nackte Wahrheit“ lädt zu einer packenden Reise ins Paläolithikum und in die Welt der Forschung ein, die versucht, Stück für Stück das Geheimnis der Venus von Willendorf zu lüften. Regie führte Klaus T. Steindl, das Drehbuch stammt von Klaus T. Steindl und Heinrich Mayer-Moroni. Der Film entstand in enger Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum. So wurde in Zusammenhang mit den Filmarbeiten ein 3D-Modell der Venus generiert, das nun online verfügbar ist.
Verbotenes Begehren - Meilensteine queerer Geschichte
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Gestaltung]
Datum: 2023.12.05 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Sexualität ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Sigmund Freud und eine junge lesbische Wienerin, die sich nicht verbiegen lassen will, stehen im Mittelpunkt der Universum-History-Dokumentation zur queeren Geschichte.

Wien 1919
Die junge Bürgerstochter Margarethe Csonka ist lesbisch und wird von ihren Eltern zu Sigmund Freud geschickt. Er soll sie von ihrem „verbotenen Begehren“ einer skandalumwitterten Gräfin und Prostituierten „heilen“. Doch Gretl kämpft um ihre Liebe und führt den Psychiater an der Nase herum. Freud kommt zum Schluss, dass Homosexualität weder geheilt werden kann - noch geheilt werden muss.

100 Jahre queere Geschichte
Im Spannungsfeld von Repression und Aufbruchsstimmung kämpfen Aktivist:innen wie Magnus Hirschfeld Anfang des 20. Jahrhunderts um Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt und gegen Verbote gleichgeschlechtlicher Sexualität. Doch mit der Machtübernahme Adolf Hitlers endet die Illusion der Freiheit. Der NS-Staat verfolgt vor allem schwule Männer, aber auch lesbische Frauen, steckt sie ins KZ, kastriert oder ermordet sie. Gretl Csonka gelingt die Flucht – in ein Leben, in dem sie sich nie wieder die Freiheit nehmen, lassen wird, zu lieben, wen sie will.

Die erste queere Hymne – neu interpretiert
Eine außergewöhnliche Spieldoku mit Karl Markovics als Sigmund Freud und Christina Cservenka als junge Gretl, die zeigt, wie sich im Wien und Berlin der Zwischenkriegszeit erstmals queeres Selbstbewusstsein entfaltet – nur um bald darauf von den Nazis brutal zerstört zu werden. Die österreichisch-bayrische Künstlerin Ankathie Koi schlägt eine musikalische Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit und hat exklusiv für die Dokumentation das 100 Jahre alte „Lila Lied“ neu vertont.

„Verbotenes Begehren – Meilensteine queerer Geschichte“ entstand als Koproduktion von Vienna Set und Feature Film mit ORF und ZDF/ARTE in Zusammenarbeit mit ORF Enterprise, gefördert von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien und Kultur Niederösterreich.
Verfolgt, verschleppt, vernichtet
Universum History
Mitwirkende: Matzek, Tom [Gestaltung]
Datum: 2014.09.05 [Sendedatum]
Schlagworte: Politik ; Gesellschaft ; Zweiter Weltkrieg ; Dokumentarfilm ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Signatur: E52-02024_K01, E52-02024 e52-02024
Inhalt: Die Dokumentation beschäftigt sich mit den vielen Facetten nationalsozialistischer Verbrechen im Namen von Rassenkampf, Pflichterfüllung und "Führereid", mit Opfern und Tätern. Detailliert setzt sich der Film auch mit den verschiedensten medizinischen Experimenten auseinander, die in den Konzentrationslagern und NS-"Forschungsstellen" meist an Polen und Russen durchgeführt wurden, um das Überleben der Frontsoldaten unter extremen klimatischen Bedingungen zu gewährleisten.
Verfolgte Liebe - Die Männer mit dem Rosa Winkel
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Gestaltung]
Datum: 2024.05.21 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Sexualität ; Konzentrationslager ; Völkermord und Holocaust ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] In den 1920 erlebt die Lesben- und Schwulenszene in Berlin eine erste Blüte. Es gibt Travestieshows, Hosen- und Tuntenbälle, offen schwul-lesbische Clubs und Cafés. Doch mit der Machtübernahme der Nazis ist alles vorüber. Ab 1933 verfolgen die Nazis vor allem schwule Männer (aber auch Frauen), stecken sie ins Konzentrationslager, sterilisieren oder ermorden sie. Es ist das Ende jeder fortschrittlichen Entwicklung. Der Österreicher Josef Kohut war als Verurteilter Homosexueller fünf Jahre lang in den KZs Sachsenhausen und Flossenbürg interniert. Dort muss Kohout den berüchtigten Rosa Winkel tragen. Sein Buch "Die Männer unterm Rosa Winkel" wird zur Initialzündung der zweiten Schwulenbewegung. Kohuts Abzeichen ist bis heute erhalten - und bildet die Brücke in eine Gegenwart, in der etwa Russland, Polen und Ungarn die Rechte queerer Personen wieder massiv einschränken.
Die vergessene Heldin - Emilie Schindler
Datum: 2025.01.24 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Frauen ; Widerstand ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Im Film „Schindlers Liste“ wird Emilie Schindler kaum erwähnt, doch ihr Mut und ihre Entschlossenheit spielen eine bedeutende Rolle bei der Rettung von rund 1200 jüdischen Menschen.

Die Story ist weltberühmt: Oskar Schindler bewahrt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 1.200 Jüdinnen und Juden vor Deportation und Ermordung. Durch Steven Spielbergs Oscar-prämierten Film „Schindlers Liste“ ist der Fabrikant zum Synonym für Menschlichkeit im Nationalsozialismus geworden. Doch welche Rolle hat seine Frau Emilie dabei gespielt? Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Jänner holt sie die „Universum History“-Neuproduktion „Die vergessene Heldin – Emilie Schindler“ von Annette Baumeister (ORF-Bearbeitung: Corinna Glaser, Hans Wu) am Freitag, dem 24. Jänner, um 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON aus dem Schatten ihres Mannes und porträtiert eine Frau, die ohne großes Aufsehen und furchtlos um das Leben von Jüdinnen und Juden kämpft.

An der Seite eines Herzensbrechers
Emilie Pelzl wird 1907 in Mähren im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Ihr Vater ist ein wohlhabender Gutsbesitzer. Emilie arbeitet schon als kleines Kind auf dem elterlichen Anwesen mit. Mit 20 Jahren verliebt sie sich in den charmanten Oskar Schindler. Obwohl dieser als Herzensbrecher gilt, heiratet sie ihn – gegen den Willen ihrer Eltern. Oskar hat zahlreiche Affären, uneheliche Kinder und verjubelt die Mitgift, aber Emilie bleibt bei ihm.

Der Krieg macht Oskar Schindler reich
In der Hoffnung, in Polen profitable Geschäfte zu machen, geht Oskar Schindler – der aus opportunistischen Gründen bereits 1939 der NSDAP beitritt – nach dem deutschen Überfall auf Polen nach Krakau. Im Rahmen des Programms der Besatzer zur „Arisierung“ und „Germanisierung“ von jüdischen und polnischen Unternehmen im Generalgouvernement erwirbt Schindler im November 1939 eine jüdische Emailwarenfabrik. Er macht daraus die Deutsche Emailwarenfabrik, auch „Emalia“ genannt. Mit der Produktion von Küchengeschirr und Munitionshülsen – produziert vor allem von jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern – für die deutsche Wehrmacht erwirtschaftet er ein großes Vermögen.

Mutiger Einsatz inmitten des NS-Regimes
Gleichzeitig ist das Ehepaar Schindler, inzwischen in NS-Kreisen hoch angesehen, entsetzt über die Behandlung der jüdischen Bevölkerung. Es nutzt seine Beziehungen in hochrangige Nazikreise und verwendet Privatvermögen, um die jüdischen Zwangsarbeiter:innen der Fabrik zu retten. Wenige Monate vor Kriegsende werden diese ins KZ-Außenlager Brünnlitz übersiedelt. So entgehen sie der Deportation in die Vernichtungslager.

Emilie, eine stille Retterin und ihr einsames Leben nach dem Krieg
Oskar Schindler hält sich kaum in Krakau auf. Es ist seine Frau Emilie Schindler, die in Brünnlitz – unter den Augen der SS – alles daransetzt, damit die jüdischen Arbeiter:innen den Krieg überleben. Sie kümmert sich persönlich um die Menschen, pflegt sie und besorgt, teilweise heimlich, Medikamente und Lebensmittel. Nach dem Krieg wandert das Ehepaar nach Argentinien aus und versucht dort einen wirtschaftlichen Neuanfang. Doch nach einer Reise nach Deutschland kehrt Oskar Schindler nie wieder zu Emilie zurück. Sie gerät in Vergessenheit.

Einfühlsam rekonstruiert Regisseurin Annette Baumeister in der „Universum History“-Dokumentation das Leben von Emilie Schindler. Michou Friesz liest aus deren Lebenserinnerungen und vermittelt das Bild einer Frau, die sich aus der Rolle der passiven Ehefrau löst und aktiv Menschen hilft. Historiker:innen, Emilie Schindlers argentinischer Pfleger Leandro Coseforti und ihre Nichte Traude Ferrari beschreiben im Film eine mutige, empathische Persönlichkeit.
Der Verrat des Kaisers
Mitwirkende: Kalteis, Fritz [Gestaltung]
Datum: 2024.01.08 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Im April des Jahres 1918 wurde die heikelste diplomatische Mission des Ersten Weltkriegs zum europaweiten Skandal: die sogenannte „Sixtus-Affäre“.

Geheime Verhandlungen des österreichischen Kaiserhauses mit Frankreich sollten den Frieden für die Donaumonarchie bringen – und sorgten durch ihr Scheitern für eine Eskalation des Krieges und den Untergang der Habsburger. Die aufwendige „Universum History“-Eigenproduktion „Der Verrat des Kaisers“ von Fritz Kalteis rekonstruiert diese brisante Operation am Montag, dem 12. Juni 2023, um 11.55 Uhr in ORF 2 anhand von Dokumenten lückenlos. In den Hauptrollen sind Kaiser-Franz-Joseph-Ururenkel Leopold Altenburg als Kaiser Karl und Daniela Golpashin als Zita zu sehen. Gedreht wurde der Film – eine Koproduktion von Metafilm, ORF und BMB in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien und Land Niederösterreich – an Originalschauplätzen wie der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, dem Kaiserhaus in Baden oder dem Schloss Eckartsau.

In der Nacht vom 23. März 1917 verhandeln die Brüder Xavier (Alexander Knaipp) und Sixtus von Bourbon-Parma (Stanislaus Dick) mit Kaiser Karl I (Leopold Altenburg) und Außenminister Graf Ottokar Czernin (Thomas Eichhorn) auf Schloss Laxenburg über mögliche Friedensbedingungen.

Der Versuch das Reich und die Dynastie zu retten
Am Höhepunkt des Ersten Weltkriegs steht die Habsburgermonarchie vor dem Kollaps: verlorene Schlachten, Meutereien bei den Truppen, Hunger im Hinterland. Der junge Kaiser Karl, der im November 1916 nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph auf den Thron der Habsburger-Monarchie gelangt, muss sein Reich und seine Dynastie retten, koste es, was es wolle. Er wagt ein Spiel mit hohem Einsatz: Friedensverhandlungen mit dem Feind – hinter dem Rücken der deutschen Verbündeten. Lange war völlig unklar, was dabei genau geschehen ist.

In Neuchatel trifft Tamas Erdödy (Raphael van Bargen) die Schwager des Kaisers, die Prinzen Sixtus (Stanislaus Dick) und Xavier (Alexander Knaipp) Bourbon-Parma. Sie sollen im Frieden mit Frankreich vermitteln.

Tagebücher helfen bei Rekonstruktion
Im Februar 2017 waren in einem Nachlass in Wien die Tagebücher von Tamás Graf Erdödy aufgetaucht – dem Adjutanten und Jugendfreund von Kaiser Karl I. Darin zeichnet Erdödy aus nächster Nähe zum Kaiser den Verlauf jener Friedensinitiative nach, die die Welt der Habsburger retten und den Ersten Weltkrieg beenden sollte. Sie wird als „Sixtus-Affäre“ in die Geschichte eingehen. Für den Historiker Manfried Rauchensteiner sind Tamás Erdödys Aufzeichnungen ein Glücksfall: „Sie ermöglichen eine Chronologie der Geschehnisse, wie wir sie bisher nicht gehabt haben.“ Regisseur Fritz Kalteis hat diesen „Krimi“ als Hochglanz-Spieldokumentation für „Universum History“ inszeniert: „Ein hochspannendes Ränkespiel der Mächte – mit einem jungen Mann im Mittelpunkt, der den wohl schwierigsten Job der Welt geerbt hat“, beschreibt Kalteis die Ausgangslage. Tamás Erdödy (gespielt von Raphael von Bargen) muss im Auftrag des Kaisers die Friedensverhandlungen mit Frankreich arrangieren – unter strengster Geheimhaltung.

Die Rolle der Kaiserin
Die Verwandtschaft soll den Weg zum Frieden ebnen: Sixtus und Xavier von Bourbon-Parma verfügen als Mitglieder des ehemaligen französischen Königshauses über beste Kontakte. Und sie sind die Brüder von Karls Frau Zita (Daniela Golpashin). Die Kaiserin gilt bis heute als eigentliche Hauptfigur, wie die Historikerin Katrin Unterreiner bestätigt: „Sie war die klügere, die ehrgeizigere und die politisch engagiertere Person. Und sie hat, was vielen missfiel, ganz offen den Ton angegeben.“

Die Folgen der Sixtus-Affäre
Im April 1918 fliegen die geheimen Verhandlungen auf. Es kommt zum internationalen Skandal – und Karls Hoffnung auf Frieden verkehrt sich ins Gegenteil. „Für die Deutschen war das nichts als blanker Verrat“, sagt der Historiker Michael Epkenhans aus Potsdam. Österreich muss sich als Konsequenz vollends dem deutschen Diktat unterwerfen und den Krieg bis zum bitteren Ende ausfechten. Er endet im November 1918 mit Millionen von Toten, dem Zerfall der Donaumonarchie und dem Ende der Habsburger als Herrscherdynastie nach fast 650 Jahren.

Eindrücke der Darstellenden
Leopold Altenburg, Darsteller von Kaiser Karl, Ururenkel von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth: „Es ist für mich besonders spannend, dass ich mich als Schauspieler mit meiner eigenen Familiengeschichte, mit meinen Ahnen, auseinandersetzen kann. Zita war auf jeden Fall eine sehr starke Frau, die für die damalige Zeit ungewöhnlich viel Mitsprache in politischen Fragen hatte. Mit Karl ist es so ein bisschen wie mit einem Herrscher, den man auf ein wildes Pferd setzt und der dann sagt: ‚bitte ich will die Zügel nicht halten, das muss jemand anderer machen‘.“

Daniela Golpashin, Darstellerin von Kaiserin Zita: „Was mir an meiner Rolle gefallen hat, ist, dass ich mich mit dieser historischen Frauenfigur auseinandersetzen kann, mit der Frage, was ist das eigentlich, eine moderne, historische Frauenfigur. Karl und Zita waren ein so junges Paar, das vor einer großen Herausforderung stand. Und ein Paar, das zusammenwächst und sich gegenseitig unterstützt. Ich glaube, Karl und Zita waren ein modernes Paar im Vergleich zu anderen Kaiserpaaren.“
Die Wannseekonferenz - Die Dokumentation
Mitwirkende: Müllner, Jörg [Gestaltung]
Datum: 2022.01.24 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Völkermord und Holocaust ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Die Planung der Deportation und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden am Großen Wannsee.

20. Jänner 1942: In einer Villa am Großen Wannsee in Berlin treffen sich 15 Männer, hochrangige Mitglieder NS-Verwaltung. Sie planen die Deportation und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden aus Europa. Es geht bei diesem Geheimtreffen um die Umsetzung einer Entscheidung, die von politischen Vertretern des NS-Regimes bereits zuvor getroffen wurde: die euphemistisch betitelte „Endlösung der Judenfrage“, den millionenfachen Mord. Im Rahmen des Themenabends „80 Jahre Wannseekonferenz“ steht am Montag, dem 24. Jänner, nach der ORF-Premiere von Matti Geschonnecks hochkarätig besetztem Fernsehfilm „Die Wannseekonferenz“ (20.15 Uhr) mit u. a. Philipp Hochmair und Simon Schwarz um 22.35 Uhr die neue gleichnamige „Universum History“-Dokumentation von Jörg Müllner auf dem Programm von ORF 2.

Das hochgeheime Protokoll
Von dem Geheimtreffen am Wannsee gab es ursprünglich 30 Exemplare des Protokolls – nur eines hat den Krieg überstanden. Es ist von zentraler Bedeutung, denn es offenbart, wie offen und deutlich über den geplanten Mord an Millionen in der Teilnehmerrunde gesprochen wurde. Das historisch einmalige Dokument wird heute – gut gesichert – in Berlin verwahrt und gehört zu einer Akte mit der Überschrift „Endlösung der Judenfrage“. Sie enthält rund 300 Dokumente zur sogenannten „Juden-Politik“ zwischen 1939 und 1943. Das Protokoll galt als „Geheime Reichssache“ – die höchste Geheimhaltungsstufe im NS-Staat. Die Einladung zur Besprechung am Wannsee kam von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin, der zentralen Verfolgungs- und Vernichtungsbehörde des NS-Regimes. Die Teilnehmer der Sitzung am Wannsee gehörten verschiedenen Ämtern und Ministerien an, auch wichtige Vertreter der SS und Polizei waren geladen. Ein hochrangiges Gremium zwar, aber eine so weitreichende Entscheidung wie die millionenfache Ermordung der europäischen Juden hätten diese 15 Männer nicht treffen können. Der Beschluss war längst an höherer Stelle gefasst worden: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“, hatte Hitler schon in einer Rede am 30. Januar 1939 gesagt. Der systematische Mord an den Juden begann mit dem Einmarsch der NS-Truppen in die Sowjetunion im Juni 1941. Im Rücken der Wehrmacht folgten Spezialeinheiten der SS und der Polizei, mobile Einsatzkräfte – die sogenannten „Einsatzgruppen“. Sie begannen damit, systematisch Juden zu erschießen. Im Herbst 1941 begannen die großen Deportationen aus dem Deutschen Reich, vor allem in Ghettos und Konzentrationslager „im Osten“. Für Juden und Jüdinnen verschärfte sich die Lage.

Die Heldinnen und Helden des Widerstands
In Deutschland waren Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung – seit der Machtübernahme der Nazis 1933 – bereits leidvoller Alltag. Auch für die 1921 geborene Berlinerin Margot Friedländer. Ihre Mutter versuchte 1938, Papiere für eine Auswanderung zu bekommen, doch ohne Erfolg.

In Wien leisteten die Wiener Sozialdemokratin (1908–2002) Ella Lingens und ihr Mann Kurt Widerstand gegen das NS-Regime, indem sie jüdische Freunde und Freundinnen in der Wohnung versteckten: „Die Idee war, wir versprechen einander, wann immer sich ein Verfolgter an uns wendet, so werden wir versuchen, Hilfe zu leisten. Das waren in erster Linie die jüdischen Freunde, soweit sie nicht sofort beim Einmarsch Hitlers geflüchtet waren“, sagte Lingens dem ORF in einem Interview im Jahr 2001. Doch die Lingens werden verraten – und Ella Lingens nach Auschwitz deportiert.

Das erste Experiment
Seit September 1941 fanden in Auschwitz erste Experimente mit dem hochgiftigen Desinfektionsmittel Zyklon B zur Ermordung der Häftlinge statt. Gaswagen waren seit Dezember 1941 in Chelmno, 70 Kilometer westlich von Lodz (Polen), im Einsatz; dort wurden mindestens 152.000 Menschen, vor allem Juden sowie Sinti und Roma, mit Motorabgasen vergiftet. Bereits Mitte September 1941 traf Hitler die Entscheidung, alle Jüdinnen und Juden aus Deutschland in Richtung Osten zu deportieren. Zwar hatte es zuvor bereits Transporte gegeben, doch stellte Hitlers Befehl eine weitere Eskalationsstufe im mörderischen Entscheidungsprozess dar. Es ist kein schriftlicher Befehl Hitlers zum Mord an Europas Juden überliefert. Er gab seine Anweisungen mündlich und allzu viele waren bereit, nicht nur zu folgen, sondern auch mit eigener Initiative zu handeln.

Die Anerkennung nach dem Widerstand
Margot Friedländer, die unweit der Villa am Wannsee seit 1940 Zwangsarbeit leisten musste, überlebte als einziges Familienmitglied den Holocaust. 1943 versuchten sie und ihr Bruder Ralph zu fliehen. Doch Ralph wurde verhaftet. Die Mutter stellte sich freiwillig der Gestapo und wurde mit ihrem Sohn nach Auschwitz deportiert. Beide wurden dort ermordet. Ella Lingens überlebte KZ und Krieg. Anerkennung für ihr Engagement erfuhr sie erst spät: In Israel wurde sie 1980 als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Erst 2006 wurde in Wien eine Schule nach ihr benannt, 2012 eine Straße.

Die Villa am Wannsee ist heute eine Gedenk- und Bildungsstätte. Dort erinnert man an die Sitzung vom 20. Januar 1942, bei der der Mord an elf Millionen Menschen besprochen wurde. In der Dokumentation „Die Wannseekonferenz“ kommen renommierte Historikerinnen und Historiker wie Barbara Schieb, Peter Klein oder Götz Aly zu Wort, die den Rassenwahn in NS-Deutschland und den Holocaust untersucht und in zahlreichen Publikationen dargestellt und analysiert haben.
Der Wettlauf um die Atombombe
Datum: 2025.08.08 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Atomenergie ; Krieg ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Sechs junge Ungarn werden in den 1930er Jahren als Juden aus Europa vertrieben. Sie gehen in die USA und erklären dem Totalitarismus den Krieg.

Die Angst vor einer Kernwaffe in den Händen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland wird 1939 zum Ausgangspunkt eines beispiellosen Forschungsprojekts: Tausende Menschen aus den Bereichen Physik, Chemie, Ingenieurswesen, Technik, aber auch Militärs und Verwaltungspersonal arbeiten in den USA gemeinsam am Bau einer Bombe, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Mit dabei sind vier brillante ungarisch-jüdische Wissenschafter. Sie prägen die Entwicklung der ersten Atombombe entscheidend mit. Die „Universum History“-Dokumentation „Der Wettlauf um die Atombombe“ von Thomas Ammann und Judith Lentze (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) zeichnet im Rahmen der neuen Reihe „Bilder, die Geschichte schrieben“ anhand ihrer Lebensgeschichten den folgenschweren Beginn des nuklearen Zeitalters nach.

Jüdische Migranten aus Ungarn prägen die Geschichte des 20. Jahrhunderts
Anfang des 20. Jahrhunderts ist Budapest nicht nur die zweitgrößte Metropole des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaats. Die Stadt ist auch ein geistiges und kulturelles Zentrum der Habsburger-Monarchie. Hier beginnt die Geschichte von insgesamt sechs jungen Ungarn: Mihály Kertész macht später als Michael Curtiz in Hollywood Karriere. Endre Ernő Friedmann wird als Robert Capa ein weltberühmter Kriegsfotograf. Der Mathematiker John von Neumann, geboren als János Neumann, erfindet die Struktur des modernen Computers. Der Physiker Leó Szilárd entwickelt die Theorie der nuklearen Kettenreaktion und bahnt damit den Weg ins Atomzeitalter. Eugene Wigner, geboren als Jenő Pál Wigner, erhält 1963 für seine Beiträge zur Kernphysik den Nobelpreis. Und schließlich Ede Teller – als Edward Teller baut er nicht nur die Atombombe mit, sondern arbeitet danach mit absoluter Überzeugung an der Entwicklung der Wasserstoffbombe.

Sie alle flüchten vor den Nationalsozialisten in die USA. Dort setzen sich die vier Forscher aus Ungarn vehement für ein Forschungsprogramm zur Entwicklung der Atombombe ein, angetrieben von der Angst vor einer Atombombe in den Händen der Nationalsozialisten. Schließlich sind ihre Bemühungen erfolgreich: Mit dem Manhattan-Project läuft ein beispielloses Projekt an, um eine Waffe zu entwickeln, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat – mit einer nie dagewesenen Zerstörungskraft.

Die Wissenschaft als Entscheidungsträgerin im Zweiten Weltkrieg
„Universum History“ erzählt die Geschichte der sechs Männer und damit auch die Geschichte der Entwicklung der Atombombe. Bis heute prägen die Folgen jener Forschungen unsere Welt. Expertinnen und Experten erklären die Hintergründe und beschreiben detailreich die Situation dieser jüdischen Migranten, die auf ihre Weise den Totalitarismus zu bekämpfen versuchen. Auszüge aus deren Briefen, Memoiren und anderen Aufzeichnungen geben einen lebendigen Einblick in die Gedankenwelt der sechs Protagonisten.

Im Fokus stehen vor allem jene vier Wissenschafter, die am Manhattan-Projekt mitarbeiten. Ihre brillanten Ideen verändern den Lauf der Geschichte, sie alle aber ringen auch in unterschiedlichem Ausmaß mit den ethischen Konsequenzen ihres Tuns. Leó Szilárd etwa kämpft später in der Friedensbewegung gegen die atomare Aufrüstung. Eine bildgewaltige Reise durch das 20. Jahrhundert.
Widerstand im KZ - Der Fotograf von Mauthausen
Mitwirkende: Necek, Barbara [Gestaltung]
Datum: 2024.01.26 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; Konzentrationslager ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Eine erschütternde Geschichte von Widerstand und Mut.

Tausende Fotos, die zutiefst verstören. Fotos, auf denen die SS ihre grauenvollen Verbrechen im KZ Mauthausen festgehalten hat. Einer Gruppe mutiger spanischer Häftlinge, allen voran Francisco Boix, und einer Bürgerin von Mauthausen ist es zu verdanken, dass die Bilder als Zeitdokumente und Beweismaterial erhalten geblieben sind. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zeigt „Universum History“ die Dokumentation „Widerstand im KZ – Der Fotograf von Mauthausen“ von Barbara Necek (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner).

Der ehemalige Spanienkämpfer Francisco Boix ist erst 20 Jahre alt, als er 1941 nach Mauthausen verschleppt wird. Der in Barcelona geborene Katalane ist gelernter Fotograf. Die SS weist ihn deshalb ihrem Erkennungsdienst zu. Dort bleibt er von schwerer körperlicher Arbeit im Steinbruch verschont und erfährt vieles über das Martyrium seiner Mithäftlinge und das zynische und barbarische System der Nationalsozialisten. Damit die Täter nicht ungestraft davonkommen, fasst er einen lebensgefährlichen Plan: so viele Negative wie möglich hinauszuschmuggeln und in Sicherheit zu bringen. Um eines Tages, wie er hofft, der Welt damit die abscheulichen Verbrechen der Nazis beweisen zu können. In kleinen Päckchen tragen die Widerstandskämpfer die Negative am Körper, verstecken sie in den Baracken, schleusen sie aus dem Lager – insgesamt mehr als 20.000. Dass es den spanischen Häftlingen gelungen ist, so viele Negativstreifen in Sicherheit zu bringen, ist auch dem außerordentlichen Mut einer Bürgerin von Mauthausen zu verdanken – Anna Pointner, die das Regime verabscheut. Unter widrigsten Umständen, in einer Umgebung glühender Nationalsozialisten und der SS gelingt es ihr, den Kontakt zu einer Gruppe junger spanischer Zwangsarbeiter herzustellen, die an ihrem Haus vorbeigehen. Sie vertrauen ihr Filmstreifen an, die sie in einer Mauer hinter ihrem Wohnhaus versteckt. Damit bringt auch sie sich und ihre Familie in Lebensgefahr. Francisco Boix wird im Jänner 1946 als Zeuge zu den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen geladen. Dank seiner Beweisfotos werden 58 der 61 Angeklagten verurteilt.

Von keinem anderen Konzentrationslager sind so viele Fotos erhalten geblieben wie von Mauthausen. Unter der Leitung von SS-Hauptscharführer Paul Ricken machte die SS viele Aufnahmen, die das Lagerleben dokumentieren sollten. Sie geben einen Eindruck von den schrecklichen Lebensbedingungen und der Schwerstarbeit, die die Häftlinge im Steinbruch verrichten mussten. Zwei Bilder zeigen Häftlinge, die in den Selbstmord getrieben wurden. Andere Bilder beweisen, dass bekannte Nazi-Führer wie Albert Speer oder Ernst Kaltenbrunner Mauthausen besucht hatten. Von den Zigtausenden Negativen, die Francisco Boix und seine Landsleute gerettet haben, ist bisher nur ein Bruchteil gefunden worden. Sie befinden sich in Archiven in Barcelona, Paris und Wien. Fotos, die beweisen, wie die SS ihre Morde als sogenannte „unnatürliche Todesfälle“ tarnte, Fotos von Gaskammern, Hinrichtungszeremonien und erzwungenen Selbstmorden – aber auch Porträts der Täter, offizielle Besuche hochrangiger Nationalsozialisten und private Aufnahmen der SS-Schergen beim Sonnenbad oder bei Feierlichkeiten. Die Fotos verstören nicht nur wegen der Gräueltaten, die abgebildet sind, sondern auch wegen der von Boix darauf notierten Details: Datum der Aufnahme, Namen der Täter, Informationen zu Opfern, Zweck der Aufnahme. Als die SS kurz vor der Befreiung in der Nacht auf den 3. Mai 1945 fluchtartig das KZ verlässt, greift Francisco Boix zur Leica des Erkennungsdienstes und fotografiert das Geschehen – das Chaos im Lager, in dem sich die Häftlinge plötzlich frei bewegen können, seine spanischen Kameraden, die mit ihren Häftlingsnummern vor der Kamera posieren, und die Ankunft der US-amerikanischen Armee. Auf Basis von Boix‘ Aufnahmen stellen die US-Fotografen zwei Tage später die Befreiungsszenerie für ihre eigenen Fotos nach. Die Bilder gehen um die Welt, entsprechen aber nicht der Realität. Denn die spanischen Häftlinge haben eigens dafür ein Banner angefertigt, auf dem sie die amerikanischen Soldaten begrüßen.

Das gefährdete Leben für die Wahrheit
Es ist eine erschütternde Geschichte von Widerstand und Mut, die „Universum History“ anhand von bisher kaum bekannten Originalaufnahmen des Mauthausen Prozesses, Archivfotos und Interviews mit internationalen Historiker/innen und KZ-Überlebenden erzählt. Die Tatsache, dass Menschen das eigene Leben riskiert haben, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, hat dazu beigetragen, dass die Täter einer gerechten Strafe zugeführt werden konnten und die Opfer niemals vergessen werden.
Wir, Geiseln der SS
Mitwirkende: Frey, Christian [Regie] , Gutschmidt, Carsten [Drehbuch] , Frey, Christian [Drehbuch]
Datum: 2015.04.10 [Sendedatum] 2015 [Jahr des Copyright]
Schlagworte: Gesellschaft ; Portrait ; Zweiter Weltkrieg ; Dokumentarfilm ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Widerstand ; Terror ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: Sie waren Geiseln der SS: Politiker wie der letzte österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg oder der französische Ministerpräsident Leon Blum, Familienmitglieder aus dem Verschwörerkreis von Claus Stauffenberg, ganze Familien, Frauen auch Kinder. Faustpfand für ein Regime im Untergang. Die SS will damit bei den Verhandlungen mit den Alliierten bessere Bedingungen herausschinden, zumindest Straffreiheit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, als die US-Armee bereits am Vormarsch auf Bayern ist, werden die Geiseln zu einer Odyssee durch die Alpen gezwungen. Vom KZ Dachau werden sie zunächst nach Innsbruck gebracht, dann ins Hotel Pragser Wildsee im Pustertal. Die Fahrt wird zu einem Kräftemessen zwischen SS-Bewachern und den Geiseln, deren prominente Köpfe, u.a. Kurt Schuschnigg, ihr diplomatisches Geschick und die nahende Präsenz der Alliierten nutzen, um ihre Befreiung zu erreichen. Ein hochkarätiges Doku-Drama aus den letzten Kriegstagen. Ein Film von Christian Frey
Wo die Sonne niemals unterging – Das Weltreich des Karl V.
Mitwirkende: Hauke, Wilfried [Regie]
Datum: 2020.12.29 [Sendedatum]
Schlagworte: Gesellschaft ; Dokumentation ; Geschichtswissenschaft ; TV-Mitschnitt
Typ: video
Inhalt: [Senderinformation] Ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht – der Habsburger Kaiser Karl V. (1500–1558) träumt im 16. Jahrhundert vom größten Imperium aller Zeiten. Der ehrgeizige Herrscher scheut keinen Krieg, um seine humanistischen Ideale und religiöse Überzeugung durchzusetzen – finanziert mit geraubtem Gold aus den Kolonien. Doch die Kirche in Europa spaltet sich. Das Weltreich zerfällt, denn Karl V. wirft am Ende resigniert Krone und Zepter weg und zieht sich zurück. Ein Schock für die Menschen, viele sehen sogar den nahenden Weltuntergang.

Der Kampf um den Kaiserthron
Mit Wilfried Haukes neuer Dokumentation „Wo die Sonne niemals unterging – Das Weltreich des Karl V.“ zeigt „Universum History“ am Dienstag, dem 29. Dezember, um 21.05 Uhr in ORF 2 einen Film über den ersten „Weltherrscher“ der Neuzeit vor 500 Jahren, seine visionäre Anmaßung und sein – sowohl politisches als auch menschliches – Fiasko, das auch ein Spiegelbild der globalen Welt und „Mächtigen“ unserer Tage sein könnte.

Einst träumt Karl V. vom größten Imperium aller Zeiten – unter dem Motto: „Ein Reich, eine Religion“. Mit allen Mitteln kämpft er um den Kaiserthron, den er sich nur mit dem Geld der Fugger kaufen kann. Der aus Burgund stammende Enkel Maximilians I. ist durch plötzliche Todesfälle und dynastische Politik bereits als sehr junger Mann zu gleich drei Kronen gekommen. Tiefgläubig und humanistisch erzogen will Karl für Frieden in Europa sorgen und ein christliches Universalreich errichten, ausgerechnet in einer Zeit der Glaubenskrisen und der Reformation. Er spürt bald, dass sein Traum zerplatzen könnte. Karl muss gegen immer neue Gegner von Schlachtfeld zu Schlachtfeld ziehen. Raubzüge in den amerikanischen Kolonien hinterlassen eine blutige Spur und finanzieren seine Kriege. Dennoch ist er der erste Kaiser, der später abdanken wird – und damit zerfällt das große Reich der Habsburger in zwei Teile.

Der Mann hinter der Rüstung
„Universum History“ erzählt die Geschichte vom Scheitern eines Herrschers, dessen wahres Gesicht nur seiner engsten Familie bekannt ist, seiner Tante Margarete, seinem Bruder Ferdinand und seiner Schwester Maria. Und auch ohne seine Gemahlin, der schönen und gläubigen Isabella von Portugal, könnte er das Riesenreich, das Spanien, Deutschland, Österreich, Teile der Niederlande und Italiens sowie Kolonien in Lateinamerika, Afrika und das damalige Westindien umfasst, gar nicht regieren. Am Ende zerbricht die Welt, für die Karl V. gebetet und gekämpft hatte. Neben den packenden Spielfilmteilen, die aus einer spanischen Fernsehserie („Carlos, rey emperador“) stammen und erstmals gezeigten Dokumenten und Objekten aus Karls Regierungszeit sorgen international renommierte Historiker und Historikerinnen für ein spannendes und differenziertes Bild eines Kaisers, der sich gern schweigsam hinter seiner schwarzgoldenen Rüstung verbarg.

Cuius Regio, Eius Religio
Nur wenige Jahre nach der gewonnenen Schlacht von Mühlberg 1548, als Karl V. seinen größten Triumph gegen das protestantische Lager feiern kann, wendet sich das Blatt. Bruder Ferdinand handelt in Deutschland 1554 mit den Fürsten im Augsburger Frieden den berühmten Vertrag zur freien Religionsausübung aus – cuius regio, eius religio –, um weitere Kriege zu verhindern. Damit ist Karls Traum von einem Universalreich der Christenheit für immer geplatzt. Krank und resigniert bleibt ihm nur noch der Rücktritt und Rückzug ins spanische Kloster San Jerónimo de Yuste. Die insgesamt 36 Jahre seiner Regierung haben in ganz Europa, auf der politischen Landkarte des Kontinents, tiefe Spuren hinterlassen.

„Wo die Sonne niemals unterging – Das Weltreich des Karl V.“ ist eine Koproduktion von Interspot Film mit ORF, ZDF sowie ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria und der Verwertungsgesellschaft für Audiovisuelle Medien. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Flandern, Spanien und Deutschland sowie in Wiener Museen und Bibliotheken.

Katalogzettel

Titel Universum History
Urheber/innen und Mitwirkende ORF 2 [Sendeanstalt]
Schlagworte Gesellschaft ; Kultur ; Politik ; Politik Österreich ; Wissenschaft und Forschung ; TV-Mitschnitt
Typ video
Sprache Deutsch

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