Am 30. Dezember 1916 fand in Budapest die Krönung Kaiser Karls I. zum König (Karl IV.) von Ungarn statt. Ein Ereignis, das in seiner imperialen Prachtentfaltung inmitten des Krieges anachronistisch wirkte.
Noch einmal wurden Bilder einer Monarchie heraufbeschworen, die der realen politischen und sozialen Lage nicht mehr entsprachen. Am Beginn der Zeremonie stand die Krönung in der Mathiaskirche und die Ablegung des Krönungseides auf dem Platz vor der Kirche. Ein Höhepunkt des öffentlichen Spektakels waren die Schwerthiebe des neu gekrönten Königs auf dem Krönungshügel - der mit Erde aus allen ungarischen Komitaten für diesen Anlass errichtet wurde -, die die Verteidigung des Landes gegen alle Feinde symbolisieren sollen.
Ungarn nahm im Gebilde des Vielvölkerstaates nach dem Ausgleich von 1867 eine besondere Rolle ein, die den slawischen Volksgruppen der Monarchie verwehrt blieb. Die rasche Krönung des neuen Kaisers zum König von Ungarn, nur sechs Wochen nach dem Tod von Franz Joseph, sollte - nicht nur symbolisch - den Status quo der kaiserlich und königlichen "Doppelmonarchie" Österreich - Ungarn bestätigen und festigen. Dies in einer Zeit, in der das Auseinanderbrechen des Staatsgebildes entlang nationaler Grenzen absehbar war.
Ungarn spielte in der weiteren Biografie des frisch gekrönten "IV. Károly" noch eine zentrale Rolle. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie und dem Rücktritt Kaiser Karls 1918 versuchte er 1921 in Ungarn eine erfolglose Restauration der Monarchie, die zu seiner Verbannung auf Madeira führte, wo er 1922 verstarb.