„Die letzten Tage der Menschheit“ - Bemerkungen zur frühen Aufführungsgeschichte
Karl Kraus selbst betrachtete sein Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ als unspielbar und bezeichnete es auch so. Einem „Marstheater“ hatte er es zugedacht, denn nach irdischem Zeitmaß würde eine Aufführung zirka 10 Abende dauern. „Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten“ schrieb Kraus im Vorwort des Werkes. Aber was nicht im Ganzen stattfinden kann, das findet vielleicht in Teilen statt, so auch beim wohl größten und wichtigsten Drama und gleichzeitig bedeutendsten Werk der Satire zum Ersten Weltkrieg.
Schon 1923 wurde der Epilog unter Mitwirkung von Kraus selbst in Wien mehrmals aufgeführt. Der Autor erstellte in den kommenden Jahren eine Bühnenfassung, die sich durch eine radikale Kürzung der Nörgler-Optimist-Szenen kennzeichnete. Kraus selbst verwendete diese „Bühnenfassung“ für seine Vorlesungen.
Den Inszenierungswünschen von so bekannten Regisseuren wie Max Reinhardt oder Edwin Piscator, blieb Kraus reserviert gegenüber. Vielleicht befürchtete er eine Überbetonung des Effekts, des Humors und damit der Unterhaltung. Eine Lach-Nummern-Revue war aber sicherlich nicht die Intention des Autors, als er das Werk verfasste.
Am 16. Jänner 1930 erfolgte eine Aufführung des Epiloges im Berliner Theater am Schiffbauerdamm, unter der Leitung von Heinrich Fischer mit Musik von Hanns Eisler. Doch weitere Aufführungen in Teilen, geschweige denn zur Gänze fanden nicht statt.
Es kam der 30. Jänner 1933 und das Wort entschlief, als jene Welt erwachte. Nach der Machtergreifung Hitlers kamen die Werke von Karl Kraus sofort auf die Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums. Sehr zum Missfallen von Kraus wurden seine Schriften aber bei den Bücherverbrennungen verschont. Er selbst bezeichnete dies als eine Ungerechtigkeit, wo er doch sein Leben lang zersetzend gewirkt habe. Durch die Hinwendung zum österreichischen Abklatsch des Führers, zu Engelbert Dollfuß, vermeinte Kraus vielleicht einen Beitrag zu leisten, um Schlimmeres zu vermeiden. Er hoffte wohl, der diktatorisch regierende Kanzler würde einen Anschluss ans Dritte Reich verhindern können. Das führte zu einer Entfremdung zwischen Kraus und Teilen seines Publikums. Doch sollte dieses totalitäre Österreich Karl Kraus, er starb am 12. Juni 1936, um weniger als zwei Jahre überleben. Mit dem Anschluss Österreichs ans Reich gab es nur mehr das Exil, als Platz für Lesungen aus dieser Chronik eines Weltunterganges, auf den nun ein noch apokalyptischerer Höllensturz folgen sollte.