Der Streit der Völker

Der schwelende Konflikt zwischen einzelnen Volksgruppen innerhalb des Reiches war das größte innenpolitische Problem der Doppelmonarchie.

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  Junger Tiroler Bauer  - Gemädle von Franz Defregger ©
Junger Tiroler Bauer
  Krönung 1867 in Buda  Die Krönung von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zum ungarischen Königspaar. ©
Krönung 1867 in Buda
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Beim Jubiläumsfestzug in Wien
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Georg von Schönerer
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Ungarische Rhapsodie Nr. 2, c-Moll
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Der Ausgleich von 1867 zwischen Deutsch-Österreichern und Ungarn blockierte sogar weitere Reformbemühungen für das ganze Reich. Die Ungarn, kaum dass sie in ihrer Reichshälfte die dominante Stellung innehatten, unterdrückten die anderen Nationalitäten Transleithaniens, also Slowaken, Ruthenen (Ukrainer), Rumänen, Kroaten, Serben und Deutsche im Banat und Siebenbürgen umso massiver. Die Magyarisierungspolitik und ein Zensuswahlrecht verhinderten hier jegliche echte Reform und Autonomie.
In Cisleithanien war die Lage nicht viel besser, die Tschechen kehrten enttäuscht dem Hause Habsburg zunehmend den Rücken, nachdem sie keinen Ausgleich, oder auch annähernd etwas Vergleichbares bekommen hatten. Ihre Gedanken wandten sich vermehrt dem Zaren als Schutzherr aller Slawen zu. Die Polen erreichten in Galizien eine weitgehende Autonomie, allerdings wurden hier die ukrainischen Bauern von der polnischen Elite unterdrückt. Noch waren die Verlockungen des Hauses Savoyen für die italienische Volksgruppe in Österreich-Ungarn zu nebulos, aber immer mehr junge Intellektuelle der Doppelmonarchie, mit Italienisch als Muttersprache, träumten vom Irredentismus, der Vereinigung mit Italien. Unter den Deutsch-Österreichern wurde die Bewegung der All-Deutschen, geführt von Schönerer, zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft. Ihr Ziel war die Vereinigung mit dem Deutschen Reich, aber unter der Führung Preußens. Damit standen sie im Gegensatz zu früheren großdeutschen politischen Strömungen, die die Führungsrolle beim Hause Österreich sahen. Die erklärten Feinde der All-Deutschen waren die katholische Kirche und die jüdische Bevölkerung. Antiklerikalismus und ein völkisch geprägter Antisemitismus standen im Zentrum der All-Deutschen Ideologie. Der Reichsrat war immer öfter durch die Obstruktionspolitik der einzelnen Interessens- und Völkervertreter blockiert und zunehmend handlungsunfähig. Daran änderte auch das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht für Cisleithanien im Jahr 1906 nichts mehr.

Karikatur die Parallelen zwischen der Affäre Dreyfus und dem Fall Hilsner zieht ©
Karikatur die Parallelen zwischen der Affäre Dreyfus und dem Fall Hilsner zieht
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Salzburger Nachtstudio - Die Prager Juden - Eine notwendige Erinnerung - 1. Teil
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 Bauerntrachten aus der Doppelmonarchie  ©
Bauerntrachten aus der Doppelmonarchie
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Markt in Sarajewo - Gemälde von Alois Schönn - Detail ©
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Bauerntypen aus der Bukowina ©
Bauerntypen aus der Bukowina

Die Doppelmonarchie - Österreich-Ungarn - war das Ergebnis des Ausgleiches von 1867. Anstelle einer dominanten Volksgruppe, der Deutsch-Österreicher, waren zwei getreten. Aber die Ungarn waren in der Volksgruppen-Politik in ihrer Hälfte des Reiches noch viel restriktiver als dies in der deutsch-österreichischen Hälfte der Fall war. Eine mögliche Lösung, die Sprengung diese Dualismus, wie sie Thronfolger Franz Ferdinand zumindest andachte, stieß aber sowohl im Inneren wie auch im Äußeren auf Widerstand.

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Vortrag von Arnold Suppan - Regierungspolitik und öffentliche Meinung zur Annexions-Krise
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Französische Karikatur zur Annexion-Krise 1908 ©
Französische Karikatur zur Annexion-Krise 1908

Anders als in Russland, das ebenso ein Vielvölkerreich war, in dem allerdings die slawische Bevölkerungsgruppe deutlich die Bevölkerungsmehrheit bildete, war in der Donaumonarchie keine Volksgruppe auch nur annähernd so groß. Mit den Deutsch-Österreichern und den Ungarn gab es zwei Volksgruppen, jede um die 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, die das Reich nach dem Ausgleich von 1867 dominierten. Tschechen, Slowaken, Polen, Ruthenen (Ukrainer), Kroaten, Serben, Slowenen, Rumänen, Italiener und Bosnier stellten die restlichen knapp unter 60 Prozent der Bevölkerung. Diese Völker begannen nun in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend von eigenen Nationen, vor allem von eigenen Nationalstaaten, zu träumen. Vom übernationalen Reichsgedanken wandten sie sich immer stärker ab.

Huzulen der Bukowina ©
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Stoansteirischer Ländler Nr. 2
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Junge steirische Bäuerin aus Judenburg
Landkartze zur Bevölkerungsverteilung in Österreich-Ungarn ©
Bevölkerungsverteilung in Österreich-Ungarn
Ungarische Trachten ©
Ungarische Tracht
Theodor Herzl ©
Theodor Herzl

Eine Ausnahme im Spannungsfeld Nation – Religion stellte die jüdische Bevölkerung (rund 4,4 Prozent der Gesamtbevölkerung) dar. Vor allem in der cisleithanischen Reichshälfte verstanden sich viele der deutschen Kultur zugehörig und oft dem Kaiser besonders verbunden. Von zunehmender Bedeutung und teilweise als Reaktion auf den herrschenden Antisemitismus war auf der anderen Seite der von Theodor Herzl begründete Zionismus.

Die Südslawen, also Slowenen, Kroaten, Serben und Bosnier bildeten schließlich einen Sonderfall. Serben, Kroaten und Bosnier lebten sowohl in Cis- als auch Transleithanien und im 1878 okkupierten und 1908 annektierten Bosnien-Herzegowina. Bosnien-Herzegowina unterstand ab 1878 dem Finanzministerium und war ab 1908 ein dem Kaiser unmittelbar unterstelltes Kronland. Ungarn wehrte sich mit allen Mitteln gegen eine Erhöhung des südslawischen Bevölkerungsanteiles, egal ob in Cis- oder Transleithanien. Der Thronfolger Franz Ferdinand und der Generalstabschef Conrad von Hötzendorf hofften durch einen weiteren Ausgleich, diesmal mit den Südslawen, den innenpolitisch lähmenden Dualismus aufsprengen zu können. Conrad von Hötzendorf mochte gleich gewaltsam ganz Serbien und Montenegro in die Monarchie einverleiben. Noch waren die Verheißungen eines südslawischen Königreiches nur für einen Teil der Serben verlockend. Slowenen und Kroaten sahen sich vor allem als Katholiken, nicht als Teil eines orthodoxen Großserbischen-Reiches. Die Muslime in Bosnien-Herzegowina erwiesen sich als treue, neue Untertanen des Kaisers. Nicht grundlos hatten die bosnischen Regimenter, die Bosniaken, den wohlverdienten Ruf einer Elitetruppe.
Die Pläne des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand zur Reform des Dualismus zu einem Trialismus, durch einen Ausgleich mit den Südslawen, vielleicht gar zu den Vereinigten Staaten von Österreich, wären innenpolitisch nur unter größten Schwierigkeiten umsetzbar gewesen. Aber eben diese Reformgedanken rückten ihn ins Zentrum der Attentatspläne von Seiten der serbischen Extremisten.

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Chronologie der Ereignisse