Das in traditionellen Formen vollzogene Leichenbegängnis für Kaiser Franz Joseph am 30. November 1916 erschien vielen als Abgesang auf eine ganze Epoche.
Angesichts der zentralen Funktion, die dem Monarchen in Politik, Verwaltung und Armee immer noch zukam und der Rolle Franz Josephs als Klammer des heterogenen Reiches, war sein Tod und der Wechsel an der Spitze von beträchtlicher Relevanz.
Niemand konnte sich an einen anderen Kaiser als Franz Joseph erinnern und angesichts zahlreicher sichtbarer Auflösungserscheinungen des Riesenreiches assoziierten viele seinen Bestand mit der Regierung Franz Josephs - konnte ein Österreich-Ungarn ohne ihn weiterexistieren?
Freilich war wohl der Eindruck des Hinscheidens des "ewigen Kaisers" nicht so groß, wie dies noch ein paar Jahre zuvor der Fall gewesen wäre: der Krieg bestimmte immer mehr den Alltag, stand so sehr im Vordergrund, dass auch der Tod des Kaisers davon überschattet wurde.
Zwischen Kritik und Mythos: Das Bild Franz Josephs in der Erinnerung
Die Beurteilung Kaiser Franz Josephs im neuen kleinen Österreich hat sich vor allem zwischen zwei Polen bewegt - einer nostalgischen Überhöhung und einer extrem kritischen Demontage, wobei Klischeevorstellungen meist überwogen haben. - Mit der Vergrößerung des Zeitabstandes dürfte sich die emotionale Seite der Bewertung reduzieren, ein differenziertes Franz-Joseph-Bild ist freilich immer noch schwierig, weil es vom Gesamtbild seiner Epoche - von der Revolution von 1848 bis zum Ersten Weltkrieg - kaum zu trennen ist, einer Epoche voller Widersprüche und schneller Veränderungen.
Nora Fürstin Fugger
“Was an mir vorübergezogen war, in düster-feierlichem Pomp, war nicht allein der Leichenzug des toten Kaisers gewesen: ich war mir bewußt, daß mit ihm die schöne alte Zeit zu Grabe getragen werde.”
Alice Herdan-Zuckmayer
"Luise ... schluchzte, rang die Hände und fragte: "Unser Kaiser is tot, is alles weg, is alles aus?". "Ja." antwortete meine Mutter. "Es ist alles aus! Nicht gleich, Luise, aber bald!""
Manès Sperber
"An diesem Abend sprach man zu Hause noch lange und mit Wehmut vom alten Kaiser, doch nicht von dem Leichenbegängnis. Man befürchtete von seinem Nachfolger nichts Böses, man erwartete auch nicht viel von ihm."
» Lesen sie das gesamte Zitat
Ernst Viktor Zenker
“Es war die letzte große zeremoniöse Schaustellung einer der ältesten und mächtigsten Dynasdtien, ... es war das Leichenbegängnis dieser Dynastie selbst, ja das Leichenbegängnis Alt-Österreichs.”
Josef Redlich
“Fritz und Irene, die den Leichenzug von einem Fenster der Kärntnerstraße aus sahen, waren tief ergriffen von dem düster-prachtvollen Schauspiel, das sich in absoluter Totenstille vollzog.”
Ernst Krenek
“Während jener frühen Augusttage verloren die Menschen in Wien genauso den Verstand wie überall sonst.”