Lässt sich nach dem tiefen Einschnitt des Weltkrieges alles weiterführen wie gewohnt? Sollen die Kulturschaffenden nun, nach dem großen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umbruch, radikal neue Wege gehen?
Die Kultur der Zwanziger Jahre bewegt sich auf dem breiten Übergangsfeld zwischen radikalster Moderne und starrem Konservativismus, zwischen Aufbruch und Kontinuität, einer Kontinuität unter geänderten Verhältnissen freilich, die oft nostalgische Züge annimmt.
Literatur als Aufreger
Das literarische „Jung-Wien“, die Avantgarde der Jahrhundertwende, ist mittlerweile in die Jahre gekommen, aber immer noch skandalträchtig. Die Aufführung von Schnitzlers Stück "Reigen" im Februar 1921 löst mehr als einen Theaterskandal aus - öffentliche Unruhe, politische Interventionen, antisemitische Angriffe. - Ein Test für die Liberalität in der neuen Republik?
Rückschau auf eine große Ära der Literatur
Alexander Lernet-Holenia befragt von Friedrich Torberg, 1957
Ausschnitt: Leb wohl, mein Schatz
In der Radiosendung "Von Tag zu Tag"
Die „Neue Musik“ - fortgesetzt und ausgebaut: Die „Zwölftontechnik“ wird in den frühen Zwanziger Jahren entwickelt: Arnold Schönberg, Josef Mathias Hauer, Anton von Webern, Alban Berg
Die neuen Medien der Kultur - Durchbruch in den Zwanziger Jahren
Die Schallplatte, die „Schellacks“, setzen ihren Siegeszug fort und transportieren Ernste Musik und Unterhaltungsmusik in immer weitere Kreise.
Der Kinofilm wird nun zur gesellschaftlichen Kraft. Noch sind es Stummfilme, aber sie füllen die immer größeren Kinosäle. Film ist auch Filmkunst – in diesem Kontext am wichtigsten: „Die freudlose Gasse“, ein 1925 unter der Regie von G. W. Pabst gedrehter Film, der das verelendete Wien der frühen Zwanziger Jahre – besetzt mit großen Stars der Zeit wie Greta Garbo, Werner Krauß und Asta Nielsen - zeigt.
Das Radio beginnt ganz klein in den mittleren Zwanziger Jahren, gewinnt aber rasch an Publikum sowie an gesellschaftlicher und kultureller Bedeutung.
"Das ist ein Wein, mit dem bin ich per Du", aus "Schwalbennest", 1927
"Wien, sterbende Märchenstadt", 1922
Nostalgie - Wienerlied, Operettenseligkeit
"Das Wiener Lied", 1926
Musikalisches Kampffeld der Ideologien
Die "Renner-Kienzl-Hymne"
"Sei gesegnet ohne Ende", die sogenante "Kernstock-Hymne"
Politisches Lied
"Das Schoberlied" von Karl Kraus
"Die Arbeiter von Wien"
Oft eher außeruniversitär – die großen geistigen Anregungen, die noch immer, schon wieder – zwischen Kontinuität und Neuaufbruch - von Wien ausgehen: Wiener Psychoanalytiker wie Freud und Adler, der sich um den Philosophen Moritz Schlick formierende Wiener Kreis des logischen Empirismus, an seinem Rande der Solitär Ludwig Wittgenstein, die weiterhin wirkmächtige Wiener Schule der Nationalökonomie, nun geführt vor allem von Joseph Schumpeter und Ludwig von Mises.