Seit 1900 intensiviert sich die Konkurrenz der europäischen Mächte. Aufrüstung, Kollisionen von Großmachtinteressen in und außerhalb von Europa und lokale Konflikte – etwa am Balkan – drängen Europa wiederholt an den Rand eines großen Krieges.
Konfliktstoffe
Das Deutsche Reich hat wirtschaftlich und militärisch gegenüber den älteren Industriemächten Großbritannien und Frankreich sehr an Stärke gewonnen. Werden politischen Verschiebungen – in den Kolonien, in Europa – daraus resultieren – und kann das ohne Krieg geschehen?
Das Russische Reich hat sich 1914 von der Niederlage gegen Japan und von den inneren Unruhen von 1905 wieder erholt und konkurriert mit Österreich-Ungarn um den notorisch unruhigen Balkan. Nach Vertreibung der Türkei ist hier ein unsicheres Gefüge neuer Nationalstaaten entstanden.
Für die österreichisch-ungarische Monarchie ist die Situation am Balkan und die eigene Machtstellung auf diesem vor allem wegen der eigenen inneren Nationalitätenkonflikte wichtig. Liegt die Zukunft der Südslawen innerhalb oder außerhalb der Monarchie?
Das Königreich Italien ringt um eine Neupositionierung. Nach einem Interessensausgleich mit Frankreich ist eigentlich sein alter Verbündeter Österreich-Ungarn, das immer noch italienischsprachige Territorien besitzt, Hauptkonkurrent. Welche Rolle soll Italien am Balkan spielen, welche Zukunft haben das Trentino und Triest?
Kriege außerhalb Europas und am Balkan
1899-1902 Burenkrieg Großbritanniens
1904-05 Russisch-Japanischer Krieg
1911 Italien besetzt das türkische Libyen
1912 Erster Balkankrieg
Von Russland gefördert, verbünden sich Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland gegen die Türkei und besiegen diese. Die Türkei verliert den Großteil ihres europäischen Besitzes.
1913 Zweiter Balkankrieg
Im Streit um die von der Türkei abgetretenen Balkanprovinzen greift Bulgarien im Juni 1913 Serbien an, das in der Folge von Griechenland, Rumänien und der Türkei unterstützt wird.
Nach der bulgarischen Niederlage werden die Provinzen neu verteilt. Der Staat Albanien wird – auf Druck Österreich-Ungarns – geschaffen.
Diplomatische Krisen
1905-06 Erste Marokkokrise
Vergeblicher Versuch des Deutschen Reiches, eigene Interessen gegenüber Frankreich in Marokko zu behaupten. In der Konferenz von Algeciras stellen sich England, Russland und Italien auf die Seite Frankreichs und anerkennen dieses als Vormacht in Marokko.
1908-09 Annexionskrise
Umwandlung der Besetzung Bosnien-Herzegowinas in die Aufnahme des Landes in den Reichsverband Österreich-Ungarns. Ursprünglich mit Russland akkordiert, wird die Annexion von Russland beeinsprucht, als dieses seine Interessen in den türkischen Meerengen nicht durchsetzen kann (englischer Widerstand). Nach deutscher diplomatischer Intervention zugunsten Österreich-Ungarns auch Verstimmung zwischen Russland und dem Deutschen Reich. Auf dem Balkan ist vor allem Serbien durch das Vorgehen Österreich-Ungarns brüskiert.
1911 Zweite Marokkokrise
Neuerliche vergebliche deutsche Intervention gegen die französische Stellung in Marokko.