Die Westfront

Zwei parallel verlaufende, über 750 km lange Stellungssysteme bildeten den Schauplatz des Krieges im Westen - die Westfront. Keine Flanke mehr für eine Umfassung, der einzige Weg "zum Sieg" führte mitten durch. 

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Der französische Oberbefehlshaber General Joffre ©
Frankreichs Generalstabschef Joseph Joffre
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Westfront 1915 – Der französische Frontabschnitt
Deutscher Schützengraben Flandern 1915 ©
Deutscher Schützengraben im Jahr 1915
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Ankunft von Kriegsgefangenen von Chop
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Deutsches Kriegsplakat Juni 1915 ©
Deutsches Ausstellungsplakat 1915

Die Suche nach der Entscheidung im Westen führte in immer größere und immer verlustreichere Materialschlachten, die für den Krieg an der Westfront so charakteristisch wurden. Der französische Oberkommandierende Joseph Joffre wollte die deutsche Front „anknabbern“. Eine ganze Reihe von Groß-Offensiven brachte hier und da die Front vielleicht ins Wanken, ein echter Durchbruch war aber nie wirklich in Aussicht. Das britische Expeditionskorps unterstützte die französischen Bemühungen durch eigene Offensiven, doch noch war die britische Armee der Junior-Partner und dementsprechend kleiner fielen die Angriffe aus. Auch wenn die Konzentration von Kräften im Angriff alles Bisherige übertraf, Stacheldraht, Maschinengewehr und Artillerie in der Verteidigung waren stärker. Auf deutscher Seite setzte man einmal mehr auf die beste und größte chemische Industrie der Welt. Die Haber-Bosch-Synthese, ein chemisches Verfahren zur Gewinnung von Salpeter, hatte es Deutschland, ja den Mittelmächten, überhaupt erst ermöglicht den Krieg über das Jahr 1914 hinaus weiter zu führen. Abgeschnitten vom Salpeter aus Chile, wäre die Herstellung von Sprengstoff zum Erliegen gekommen. Nun sollten abermals deutsche Wissenschaft und Industrie in die Bresche springen. Fritz Haber, der geniale Chemiker, entwickelte ein Verfahren zum großräumigen Einsatz von Chlorgas als chemischer Waffe. Der erste Giftgaseinsatz fand im April 1915, während der zweiten Ypern-Schlacht, statt. So schrecklich die Folgen für die noch völlig schutzlosen Truppen der Entente waren, der Durchbruch gelang auch hier nicht. Dafür war in einem weiteren Bereich der Kriegsführung abermals die Büchse der Pandora geöffnet worden. Im September 1915 setzten die Briten ihrerseits erstmals Chlorgas bei der Schlacht von Loos ein und auch die französische Seite griff zu dieser Waffe.

Deutsche Stellung in den Argonnen 1915 ©
Argonnen 1915
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Life in a trench in Belgium, No. 1
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Algerische Turppen in Frankreich ©
Französische Kolonialtruppen aus Algerien an der Westfront
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Life in a trench in Belgium, No. 2
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Französisches Kriegsplakat aus dem Jahr 1915 ©
Französisches Kriegsplakat 1915 Journée du Finistère 1915 - 10 october 1915

Die Westfront des Ersten Weltkrieges bot das Bild, welches sich für diesen Krieg ins allgemeine Bewusstsein gebrannt hat: Schützengräben, Stacheldraht, Trommelfeuer der Artillerie, Giftgas, Maschinengewehre im Dauerfeuer und dazwischen Infanteristen, als Kanonenfutter verheizt, in sinnlose Frontalangriffe getrieben.

Fritz Haber - Entwickler der Haber-Bosch-Synthese und des Einsatzes von Chlorgas als Waffe. ©
Fritz Haber
Gasangriff in Flandern - Blasverfahren ©
Gasangriff an der Westfront

Die Front und der Krieg im Westen erstarrten schon vor 1915. Bereits bei der großen, aber eigentlich vollkommen inoffiziellen Waffenruhe, zu Weihnachten 1914, trafen sich die gegnerischen Soldaten, aus Gräben und Stellungen kommend, im Niemandsland. Eine durchgehende Front vom englischen Kanal bis an die Grenze der Schweiz war entstanden. Es gab nun keine Flanke mehr zum Umfassen und jeder Angriff war ein Frontalangriff. 1915 waren die Stellungssysteme noch nicht so ausgeklügelt und weitläufig, wie in den folgenden Jahren. Die Schützengräben waren noch nicht so gut ausgebaut, die Stollen und Unterstände noch nicht so tief in der Erde angelegt, die Zahl der Maschinengewehre und Geschütze pro Kilometer der Front noch nicht so groß, die Stacheldrahtverhaue noch nicht so breit und mächtig, aber schon 1915 war der Stellungskrieg Realität. Stellungskrieg war aber nur ein anderer Name für die militärische Pattsituation. Die Befehlshaber auf beiden Seiten der Front weigerten sich, den Krieg als einen reinen Abnützungskampf zu akzeptieren, wenn die Front durchbrochen werden konnte, dann wäre auch wieder Raum für Manöver, die Rückkehr zum Bewegungskrieg möglich. Aber erst musste die Front durchbrochen werden. Die Entente versuchte es einerseits mit immer größeren Offensiven an der Westfront selbst, andererseits mit Offensiven, weit vom Kriegsschauplatz im Westen entfernt. Zwei Meinungen trafen hier aufeinander: Die Meinung, dass die Entscheidung nur an der Westfront fallen könne, gegen die Ansicht, dass Deutschland über die Türkei oder den Balkan bezwungen werden könnte. Das Deutsche Reich war der Hauptgegner, seine Armee musste besiegt werden, diese war aber mehrheitlich an der Westfront versammelt und ipso facto dort zu besiegen, dann und nur dann könnte der Krieg gewonnen werden. So lautete die Meinung der Verfechter einer Entscheidung an der Westfront. Die Vertreter der Idee über Nebenkriegsschauplätze zum Sieg zu kommen, wollten den Bullen nicht bei den Hörnern packen. Sie wollten vielmehr zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Indem durch den Gallipolifeldzug der Weg vom Mittelmeer ins Schwarze Meer geöffnet würde, müsste die Türkei aus dem Krieg ausscheiden und Russland könnte so endlich mit Nachschub versorgt werden, sodass die russische Dampfwalze tatsächlich bis Berlin alles niederwalzen würde.

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1914 –1915 - Eine Kriegschronik - 1. Teil
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1914 –1915 - Eine Kriegschronik - 2. Teil
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Schottische Kriegsgefangene - Deutsche Propagandapostkarte ©
Kriegsgefangene Schotten
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Preußens Gloria
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Die Kensingtons at Laventie - Gemädle von Eric Henri Kennignton ©
The Kensingtons at Laventie
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Westfront 1915 – Der britische Frontabschnitt
Britische Artillerie-Munitionsproduktion ©
Munitionsproduktion in Großbritannien

Ein Wettlauf um immer tödlichere Kampfstoffe, immer effektivere Wege der Anwendung gegen den Feind begann. Aber es war nicht der einzige Rüstungswettstreit, auch die Luftfahrt wurde immer mehr in den direkten Dienst des Krieges gestellt. Nach dem Aufklärungsflugzeug entstanden der Bomber und das Jagdflugzeug. Deutsche Zeppeline flogen Angriffe gegen London und andere Ziele tief im feindlichen Territorium. Im Juli und Dezember 1915 einigten sich die Ententemächte in Chantilly auf das weitere Vorgehen im Krieg. Für 1916 waren Offensiven an allen Fronten vorgesehen, die Mittelmächte sollten den Vorteil der „Inneren-Linie“, die Möglichkeit der schnellen Verlegung von Truppen an gefährdete Frontabschnitte durch die Eisenbahn verlieren, indem alle Fronten bedroht werden sollten. Durch die großen Verluste Russlands und den noch nicht abgeschlossenen Aufbau der britischen Armee war der große Generalangriff aber nicht vor Sommerbeginn 1916 zu erwarten. Falkenhayn hatte aber seine große Offensive, die Operation Gericht, für das Frühjahr im Frontabschnitt von Verdun geplant. Es war dieser Abschnitt der Front, an dem der deutsche General Mudra mit kleinen, lokal begrenzten, aber bestens geplanten Angriffen ständig erfolgreich gewesen war. Die Überlegenheit der Angreifer auf dem Gebiet der schweren Artillerie hatte immer den Ausschlag gegeben, dieses Konzept sollte nun auf einer viel größeren Basis wiederholt werden.

Britisches Kriegsplakat - Women of Britain say GO! ©
Women of Britain say - GO!

Chronologie der Ereignisse