Kulturelle Strömungen - Der lange Schatten des 19. Jahrhunderts

Im Bereich der Kultur spiegeln sich die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche nach 1918 nur zum Teil – viel größer ist die Kontinuität, die sich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zieht.

Navigation

Suchen

In der 1. Republik wirkten kulturelle Traditionen nach, die noch in der Zeit der Monarchie ihren Ursprung haben. Viele Vertreter der Wiener Moderne prägten auch nach 1918 die wichtigsten kulturellen Diskurse und schlossen an ihre Erfolge vor 1918 an. In Form und Inhalt orientierte man sich oft noch am 19. Jahrhundert: Im Bereich der Musik erlebte die Operette eine letzte größere Schaffensperiode und brachte Werke hervor, die noch heute zu Klassikern zählen. In diesem – aber nicht nur in diesem Bereich – mischen sich Tradition und Massenmedien zur Verbreitung wie (Schellack-)Platten, Radioprogramme und der Tonfilm.
Auch die „Moderne Musik“ der 2. Wiener Schule (mit ihren bekanntesten Vertretern Schönberg, Berg und Webern), über die Arnold Schönberg spricht, führte Traditionen weiter, die schon in der Zeit der Jahrhundertwende wurzeln. Im Konzertleben hatte diese Musikrichtung in den frühen 1930er Jahren vor allem in den Arbeitersymphoniekonzerten unter Anton von Webern, die bis 1934 stattfanden, einen fixen Platz.

In der Literatur lebte das 19. Jahrhundert etwa in Robert Musils Kakanien im „Mann ohne Eigenschaften“ oder in den Erzählungen von Stefan Zweig weiter. Ein überwiegender Teil des literarischen Schaffens war unpolitisch in dem Sinn, dass tagespolitische Geschehnisse keinen Eingang in die Werke fanden. Aktuelle politische Strömungen manifestierten sich eher durch ihren Einfluss auf die persönliche Biografie wie etwa bei Stefan Zweig: 1934 – in Österreich war die Demokratie durch den autoritären „Ständestaat“ 1933 abgelöst worden und in Deutschland waren schon die Nationalsozialisten an der Macht – ging Zweig nach London ins Exil. Der politische Umbruch ab 1933 führte schon vereinzelt zu einer ersten Flucht von Künstler/innen und Wissenschaftler/innen ins Exil, oft nach England oder in die USA, der dann vom geistigen Exodus 1938 noch weit übertroffen wurde.

00:05:12 audio
Stefan Zweig

Lesung eigener Gedichte

Details
Stefan Zweig ©
Stefan Zweig
00:24:44 (00:15:22 bis 00:18:07) audio
Alexander Lernet-Holenia

Über Stefan Zweig

Details
00:03:30 audio
Radioansprache von Arnold Schönberg

"Über moderne Musik"

Details
Franz Werfel ©
Franz Werfel
01:40:53 video Ticket erforderlich
Die vierzig Tage des Musa Dagh

Franz Werfel

00:01:14 audio
Der schöne strahlende Mensch

Franz Werfel

Details
01:42:21 audio Ticket erforderlich
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

1. Teil: Kakanien oder Die passive Phantasie unausgefüllter Räume

Arnold Schönberg ©
Arnold Schönberg
00:03:26 audio
Fritz Kreisler: Sissy

Potpourri

Details
00:02:47 audio
Robert Stolz: Venus in Seide

Erst hab' ich ihr Komplimente gemacht ...

Details
00:03:37 audio
Nico Dostal: Clivia

Ich bin verliebt, ich weiß nicht, wie mir geschah

Details
00:03:24 audio
Franz Lehár: Giuditta

Meine Lippen, sie küssen so heiß

Details
00:03:28 audio
Franz Lehár: Schön ist die Welt

Potpourri

Details

Mit den hier präsentierten Audio-Quellen kann im Bereich der Kultur nur ein Teilaspekt – in erster Linie Musik und teilweise auch Literatur – abgebildet werden. Die Möglichkeiten zur Dokumentation waren in den 1930er Jahren generell noch sehr eingeschränkt. (Schellack-)Platten waren zwar schon etabliert und verhalfen vor allem der Unterhaltungsmusik zu weiter Verbreitung. Das noch junge Radio war vor allem ein Live-Medium mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten zur Speicherung von Aufnahmen. Auch deshalb haben sich vergleichsweise wenige Aufzeichnungen aus dieser Zeit erhalten. 

Franz Lehár ©
Franz Lehár

Das Erbe der ‚großen‘ Vergangenheit des Landes wird angesichts des nunmehrigen Kleinstaates vielfach nicht als Last empfunden, sondern als das Anknüpfen an teils idealisierte kulturelle Muster der Vergangenheit. Diese „Rückbesinnung auf die eigene Vergangenheit“ fand etwa auch in der Wiedereinführung der alten Haydn-Hymne aus der Zeit der Habsburgermonarchie (mit dem neuem Text: „Sei gesegnet ohne Ende“ - von Ottokar Kernstock) ihren Ausdruck. Man bekannte sich zur Vergangenheit, zur deutschen Kulturnation - aber ganz explizit auch zur staatlichen Eigenständigkeit Österreichs - eine Haltung, die sich in dieser Form auch ab 1933 im so genannten autoritären „Ständestaat“ wiederfindet.

00:03:48 audio
Anton Wildgans

Rede über Österreich

Details
00:03:57 audio
Sei gesegnet ohne Ende...

"Kernstock-Hymne" (Österreichische Bundeshymne)

Details
Anton Wildgans ©
Anton Wildgans

Chronik