Britannia rule the waves! – Aber das Land?
BEF – „British Expedionary Force“ – so hießen die britischen Truppen in Frankreich und Belgien während des Ersten Weltkrieges. Im Laufe dieses Krieges gab es eine Entwicklung, die sich 1914 niemand hätte vorzustellen gewagt. Von einer kleinen Berufsarmee zu einem Millionenheer Wehrpflichtiger, doch das lag im August dieses Jahres noch in ferner, dunkler und blutiger Zukunft.
Die britische Armee hatte sich, seit der Zeit von Waterloo, im Geiste wohl am wenigsten unter den Armeen der europäischen Großmächte verändert. Zahlenmäßig klein, aber hoch professionell, sollte sie jederzeit und überall einsatzbereit sein – egal wo es galt, britische Interessen zu verteidigen, oder die Grenzen des Empires zu erweitern.
Die Gegner kamen aus allen Teilen der Welt. Die Armee des Zaren auf der Krim, die Anhänger des Mahdi im Sudan, aufständische Sepoys in Indien, die Armeen des Kaisers von China in China, Stammeskämpfer in Afghanistan, Buren-Farmer und Zulu-Krieger aus dem Süden Afrikas, um nur einige zu nennen.
1914 war das berühmte Rot der Waffenröcke Khaki gewichen, doch zahlenmäßig blieb die britische Armee ein Leichtgewicht. Kriegsminister Richard Burdon Haldane hatte von 1906 bis 1912 in erster Linie an der Aufstellung der BEF gearbeitet – einer Truppe für den Krieg am Kontinent an der Seite Frankreichs. Ganze vier Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision umfasste das BEF im August 1914. Kriegsminister Lord Kitchener ging als einer der ersten Entscheidungsträger von einer langen Kriegsdauer aus. Er begann mit der Schaffung der New Army, einer neuen britischen Armee, vorerst noch alles Freiwillige, denn eine Welle des Patriotismus hatte das ganze Königreich erfasst. Nie zuvor hatte es eine britische Armee dieser Größe gegeben, doch 1914 war sie noch lange nicht einsatzbereit. Großbritannien hatte die größte Flotte der Welt, aber seine Armee war bei Kriegsausbruch bestenfalls der Junior-Partner Frankreichs an der Westfront.
Die britische Armee war immer klein, aber professionell, so war es schon in der Zeit vor Napoleon gewesen. Im kommenden Krieg der Millionenheere war sie für lange Zeit der Junior-Partner an der Westfront. Auf Befehl des britischen Kriegsministers Lord Kitchener wurde noch im August 1914 mit der Aufstellung der "New-Army" begonnen, vorerst noch ausschließlich Freiwillige. Aber es würden noch Monate vergehen, bevor die ersten neuen Divisionen in Frankreich eintrafen.
Es waren wenige, aber erfahrenen Berufssoldaten, die 1914 für Großbritannien kämpften. Zu Jahresbeginn 1915 waren die meisten tot, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Sowohl in die niedrigeren Offiziersränge, als auch in die Reihen der Unteroffiziere und Mannschaften traten nun Männer, wie sie noch nie in der britischen Armee Dienst getan hatten. Es war ein Querschnitt durch die ganze britische Gesellschaft, alle Regionen des Landes, mit den Absolventen der Public-Schools und der Universitäten als den neuen Offizieren und Männern aus allen Berufen als Unteroffiziere und einfache Soldaten. Bisher hatten Adel oder Armut zum Eintritt in die britischen Streitkräfte motiviert. Neben den Freiwilligen aus dem Vereinigten Königreich traten Männer aus den Dominions, den selbstverwalteten britischen Kolonien Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika, sowie aus Indien und Nepal in die Reihen der Streitkräfte des British Empire. Gerade diese Welle patriotischer Begeisterung im ganzen Empire hat mitunter besonders tragische Konsequenzen, so meldeten sich oftmals mehrere Männer aus einer Firma, Mitglieder eines Sportklubs oder Freunde und Bekannte aus einer Ortschaft gemeinsam. Wenn so eine Einheit in Kämpfen besonders hohe Verluste erlitt, was in den Schlachten an der Westfront keine Seltenheit war, dann trug oft die Bevölkerung ganzer Straßenzüge oder halber Ortschaften Trauer.
Aber im Sommer 1914 waren auch die Männer des BEF noch fest davon überzeugt, zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein. Und die Angehörigen von Kitcheners New Army exerzierten oftmals mit Stöcken anstelle von Gewehren und in Ermangelung von Uniformen in Zivil in Parks oder auf Fußballplätzen im ganzen Königreich.