Das Attentat

Das Attentat von Sarajewo war weit mehr als der zufällige Auslöser des Ersten Weltkrieges. In diesem Terrorakt bündelten sich eine ganze Reihe der politischen Entwicklungen, die maßgeblich am Kriegsausbruch Teil hatten.

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Das unvollendete "Kaiser-Portrait" Erzherzog Franz Ferdiands von Wilhelm Vita. ©
Der unvollendete Kaiser
Der Thronfolger mit seiner Tochter Sophie ©
Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Tochter Sophie Marie

Der aus den Balkankriegen entstandene Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, mit Russland an seiner Seite, führte Europa an den Rand des "Großen Krieges". Wien versperrte durch ein Ultimatum Belgrad den Zugang zur Adria und setzte Albanien als unabhängigen Staat durch. Die weitreichenden innenpolitischen Reformpläne von Erzherzog Franz Ferdinand – er wollte den Dualismus beenden und durch einen Ausgleich mit den Südslawen zumindest eine Art von "Trialismus" erreichen – brachten ihn ins Visier der "Schwarzen Hand" (Crna ruka). Dabei handelte es sich um einen terroristischen, großserbischen Geheimbund, der eigentlich "Vereinigung oder Tod" (Ujedinjenje ili Smrt) hieß. Geleitet wurde der Bund von Dragutin Dimitrijević, als Anführer Apis genannt. Dimitrijević, einer der führenden Offiziere bei der Ermordung des serbischen Königspaares aus dem Haus Obrenović im Jahr 1903, dadurch für den neuen König Peter aus dem Haus Karadordević und die serbische Politik praktisch sakrosankt, war auch Chef des serbischen Armee-Geheimdienstes. In dieser "Doppel-Funktion" entging ihm nichts, was sich innerhalb oder außerhalb des serbischen Irredentismus, auch in Österreich-Ungarn, tat.

Wie weit die serbische Regierung unter Ministerpräsident Pasic in die Pläne des Attentates eingeweiht war, bleibt bis heute ein heftig umstrittener Punkt. Dimitrijević wurde 1917 im Schnellverfahren wegen Hochverrates, zum Tode verurteilt und hingerichtet, allerdings nicht von Österreich-Ungarn sondern von der serbischen Regierung im griechischen Exil in Thessaloniki.

Die blutige Uniform des Thronfolgers, persönliche Gegenstände und die Liege auf der er verstarb. ©
Die Uniform des Thronfolgers. 
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Die Schüsse von Sarajewo - vor 70 Jahren - der letzte lebende Attentäter

Journalpanorama vom 20. August 1984

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  Der blutige Waffenrock des Thronfolgers ©
Der blutige Waffenrock des Thronfolgers
Verhaftung nach dem Attentat ©
Verhaftung nach dem Attentat
Titelseite Illustriertes Wiener Extrablatt vom 29. Juni 1914 ©
Illustriertes Wiener Extrablatt vom 29. Juni 1914

Das Attentat stand am Ende einer sich über Jahre aufbauenden Feindschaft zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. Diese Entwicklung begann spätestens mit der Ermordung des serbischen Königspaares 1903. Danach wandte sich das Land von Österreich-Ungarn ab und Russland zu, wodurch auch großserbische Strömungen mehr Bedeutung bekamen. Der Wirtschaftskrieg von 1906 bis 1911, der "Schweinekrieg", ein vergeblicher Versuch, durch Unterbindung von serbischen Agrarimporten in die Monarchie politischen Druck auf Serbien auszuüben, führte zu einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen. Aber es war die Annexion von Bosnien-Herzegowina 1908 und die internationale Annexionskrise von 1908/09, die echten Hass schufen. Die beiden Balkankriege 1912 und 1913 führten Österreich-Ungarn klar vor Augen, dass Serbien willens und in der Lage war, Krieg für seine Ziele zu führen und zu gewinnen.

00:27:05 audio
Selbstmord der Alten Welt - Der Tag von Sarajewo

Journalpanorama vom 28. Juni 1984

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40 Heller Marke der k.u.k. Militärpost erschien im Jahr 1917 zum Angedenken an den ermordeten Thronfolger und seiner Gattin ©

Briefmarke aus dem Jahr 1917

Portrait der Gemahlin von Erzherzog Franz Ferdinand Sophie Maria Herzogin von Hohenberg ©
Sophie Maria Herzogin von Hohenberg
Thronfolger Erzherzog Ferdiand mit Kaiser Wilhelm II. aus der Jagd ©
Erzherzog Franz Ferdiand und der deutsche Kaiser Wilhelm II.
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Wochenschau nach dem Attentat von Sarajewo
Heimbringung der Särge des Thronfolgers und seiner Gemahlin nach dem Attentat ©
Die Heimbringung der Leichname

Als bekannt wurde, dass der Thronfolger Sarajewo am Vidovdan, dem Gedenktag der Schlacht am Amselfeld 1389, besuchen wollte, fand die "Schwarze Hand" schnell eine Gruppe von jungen und zur Tat bereiten serbischen Patrioten, allesamt Mitglieder von "Junges Bosnien" (Mlada Bosna), einer revolutionären Vereinigung von serbischen Schülern und Studenten gegen die Annexion von Bosnien-Herzegowina, die alte Schmach rächen und den Weg für Großserbien frei machen wollten. Waffen und Bomben kamen aus serbischen Armeebeständen und das rudimentäre Training wurde vom serbischen Major Tankosić in Belgrad durchgeführt. Die Attentäter und ihre Waffen wurden auf bereits erprobten Wegen nach Sarajewo geschleust. Schon zuvor hatte die "Schwarze Hand" Waffen und Terroristen nach Bosnien-Herzegowina geschmuggelt. Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie Herzogin von Hohenberg kamen am Vormittag des 28. Juni in Sarajewo an. Auf dem Weg zum Rathaus wurde das erste Attentat verübt. Die von Nedeljko Čabrinović geworfene Bombe explodierte aber erst nach dem Wagen des Thronfolgers. Čabrinović wurde verhaftet und die Fahrt nach kurzem Stopp fortgesetzt. Das Programm wurde geändert, nach dem Empfang im Rathaus wollte der Thronfolger die Verwundeten des Attentates im Krankenhaus aufsuchen. Auch in Abänderung des Programms begleitet ihn nun seine Gattin, doch war dem Fahrer nicht die Änderung der Route mitgeteilt worden. Als der Chauffeur falsch abbog und zurückschieben musste, geschah dies genau vor Gavrilo Princip. Princip eröffnete das Feuer auf kürzeste Entfernung und verwundete sowohl Franz Ferdinand als auch Sophie tödlich. Auch er wurde verhaftet, sein Selbstmordversuch scheiterte ebenso wie zuvor der von Čabrinović am Eingreifen der Polizei und an der Überalterung der Zyankalikapseln. Das Attentat wurde weltweit nicht, wie manchmal dargestellt, kaum wahrgenommen. Es gab es ein breites öffentliches und offizielles Echo, allerdings waren die Reaktionen von Anfang an unterschiedlich. Politik, öffentliche Meinung und Presse in Russland und Serbien bestritten jegliche Verwicklung Serbiens in den Anschlag und stellten das Attentat als eine rein innerösterreichische Angelegenheit dar. Auch die französische Presse folgte eher dieser Sichtweise. Die Zeitungen Großbritanniens gingen weit weniger freundliche mit Belgrad um. Die Redaktionen in der Doppelmonarchie und im Deutschen Reich sahen die Schuld bei der großserbischen Agitation, die Belgrad geduldet hatte und indirekt bei Serbiens panslawistischer Schutzmacht Russland.

Titelsteite der New York Times am 29. Juni 1914 ©
Titelseite der New York Times am 29. Juni 1914
Titelblatt "Das interessante Blatt" vom 2. Juli 1914 ©
Titelblatt "Das interessante Blatt" vom 2. Juli 1914

Chronologie der Ereignisse