Trotz oder auch wegen des fortschreitenden Krieges erfreute sich die Unterhaltungsmusik ungebrochener Beliebtheit.
Robert Stolz
Robert Stölz
Robert Stolz
Einige Komponisten waren in den Kriegsdienst involviert, wie etwa Robert Stolz. Er war während des Krieges nicht nur Leiter des Theaters an der Wien, sondern auch Kapellmeister beim k.u.k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4.
Die persönliche Involvierung der Komponisten und Textdichter in den Kriegsdienst war von unterschiedlicher Intensität, bei ihren Werken lassen sich jedoch einige generelle Tendenzen feststellen: Eine patriotische Grundhaltung (Emmerich Kálmán: Gold gab ich für Eisen). Eine Rückwärtsgewandtheit der Themen und Stimmungen: Die „gute alte Zeit“, die auch heute teilweise ein populäres Bild des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts prägt, wurde damals schon heraufbeschworen (Heinrich Berté: Das Dreimäderlhaus) und zuletzt eine Sehnsucht nach „Heimat“, wie sie sich etwa in den Liedern mit Wienbezug zeigt: „Wien, Wien, nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein!“oder „Ich muß wieder einmal in Grinzing sein“.
Rudolf Sieczynski
Heinrich Berté
1915 befinden wir uns noch mitten in der „silbernen Ära“ der Operette und ihre wichtigsten Vertreter waren auch während des Krieges fast ungebrochen produktiv.
In den Kriegsjahren erblickten Klassiker des Operettengenres, wie etwa Emmerich Kálmáns Cárdásfürstin (17. November 1915, Johann-Strauß-Theater, Wien) das Licht der Welt und kamen auch während der Kriegsjahre auf beachtliche Aufführungszahlen.
Emmerich Kálmán
Musik als Teil einer Unterhaltungsindustrie an der Front war auch im Ersten Weltkrieg Thema, zwar in wesentlich geringerem Ausmaß als später im Zweiten Weltkrieg, aber doch vorhanden: So konnte man über den Tenor Max Mensing lesen, dass er sich „an der Ostfront, namentlich in Bjalystok, mit dem Vortrage schönster deutscher Lieder viele Anerkennung" erwarb.
Es traten nicht nur Künstler an der Front auf, sondern es floss der Krieg auch als Thema in die Unterhaltungsmusik ein: „Rosa, wir fahr'n nach Lodz“, ein Lied mit einem Text von Fritz Beda-Löhner, der einen 30,5-cm-Mörser („Rosa“) der Škoda-Werke, einer der wesentlichen Waffenproduktionsstätten der k.u.k. Monarchie zum Thema hat: „Der Franz'l hat a neue Braut seit er beim Militär ist, die ist ganz tadellos gebaut, wenn's auch a bisserl schwer ist.“
Carl Michael Ziehrer
Artur Werau