Wien – eine der Kunstmetropolen der Welt, die bildende Kunst in ständigem Aufbruch – ein Tohuwabohu von Historismusresten, Sezessionismus und freier Expression.
Was sind die herausragenden künstlerischen Leistungen einer Zeit? Zeitgenossen und Nachgeborene sind sich darüber nicht immer einig. Dies gilt besonders für die Kunst der Wiener Jahrhundertwende. Wohl waren Klimt und Otto Wagner bereits große Namen, aber auch umstritten. In der Stimmportrait-Dokumentation des Wiener Phonogrammarchivs – an sich eine zukunftsweisende Form aktiver Quellenherstellung – finden wir die Stimmen beider nicht, ganz zu schweigen von jungen "Wilden" wie Gerstl, Schiele und Kokoschka. Das Phonogrammarchiv hat statt dessen einige andere Künstler vor ihr Mikrofon gebeten, die auch heute noch angesehen sind, allerdings bei weitem nicht das Gewicht von Klimt, Schiele oder Kokoschka besitzen.
Der Kunstskandal ist zu einer immer wiederkehrenden gesellschaftliche Übung geworden. Gustav Klimt! Das Kunstgewerbe gestaltet die Wohnungen des Bürgertums, Otto Wagner die Verkehrsflächen – noch Jugendstil, schon neue Sachlichkeit?
"Wiener Werkstätten" und "moderne Großstadt"! Das Wien um 1900 – Legende und Klischee! – in Ausstellungen und Symposien immer wieder heraufbeschworen. Ist das alles 1914 schon wieder überholt? Neue Malergenies – Schiele, Gerstl, Kokoschka – Alfred Kubin zeichnet den kommenden Krieg …