Die Niederlage teilte das Reich der vielen Völker in beinahe ebenso viele Nachfolgestaaten auf. Ein Machtvakuum im Herzen Europas entstand, welches durch die ererbten Nationalitätenkonflikte der Nachfolgerstaaten nur noch verstärkt wurde.
Die Republik Deutsch-Österreich, schon bald auf Druck der Siegermächte im Namen und im politischen Programm nur die Republik Österreich, war am 12. November 1918 der letzte sich proklamierende Staat aus dem Territorium der Doppelmonarchie. Ausdrücklich nicht als Rechtsnachfolger von Österreich-Ungarn gegründet, zählt die Republik Österreich, die Tschechoslowakische Republik und die Republik Ungarn zu den neuen Staaten auf dem Gebiet des alten Reiches.
Weitere Teile des Habsburgerreiches gingen an Italien, an den Staat der Slowenen, Kroaten und Serben, schon ein Monat später das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Polen bildete sich aus Gebieten der drei zerschlagenen Kaiserreiche - Österreich-Ungarn, Russland und dem Deutschen Reich. Rumänien hatte den Frieden mit den Mittelmächten vom Mai 1918 mit einer erneuten Kriegserklärung am 10. November 1918 gerade noch rechtzeitig für „ungültig“ erklärt, um wieder auf Seiten der Sieger zu stehen und erhielt nun einen so großen Teil der Donaumonarchie, dass sich sein Territorium und die Bevölkerungszahl verdoppelte.
Was sich 1913 eigentlich niemand ernsthaft vorstellen konnte, außer politischen Wirrköpfen, den Zerfall eines Reiches das Jahrhunderte überdauert hatte, war nun im späten Herbst 1918 die scheinbar einzig logische Konsequenz des verlorenen Krieges.
Als am 30. Mai 1917 der Reichsrat von Cisleithanien nach dreijähriger Pause, wieder zusammentrat, verlangten schon eine Reihe Abgeordneter verschiedener Kronländern deren Unabhängigkeit. Etwas anders war die Lage in Ungarn, scheinbar. Durch das ungarische Wahlrecht waren Minderheiten im ungarischen Reichstag praktisch nicht vertreten, so erschien die ungarische Reichshälfte als die stabilere der Doppelmonarchie. Das Kriegsgeschehen 1917 lieferte dem Wunsch nach Auflösung des Reiches aber zu wenig Auftrieb. Russland war besiegt, auch wenn der Frieden von Brest-Litowsk erst am 3. März 1918 unterzeichnet wurde. Italien wurde in der 12. Isonzoschlacht beinahe aus dem Krieg geschlagen, auf jeden Fall aber für absehbare Zeit in die Defensive gedrängt. Die Versenkungszahlen des erneuerten uneingeschränkten U-Boot-Kriegs erreichten ungeheure Ausmaße. Das deutsche Heer konnte die französischen und britischen Offensiven an der Westfront erfolgreich abwehren. Der Kriegseintritt der USA im April 1917 änderte auf Monate hinaus nichts an der militärischen Lage. Die USA hatten zwar eine große und moderne Flotte, aber nichts, was den Namen Armee im Vergleich mit den Landstreitkräften der anderen großen Kriegsteilnehmer verdiente. Der Aufbau einer solchen Landstreitmacht würde Monate dauern, und angesichts der U-Boot-Erfolge blieb immer noch die Frage, ob diese Armee jemals Frankreich heil erreichen würde.
Zu Jahresbeginn 1918 hatte eine Reihe von inneren Unruhen die Monarchie erschüttert, aber sie schien diese Krise überstanden zu haben. Der Jänner-Streik des Jahres 1918 wurde wie die russische Februarrevolution 1917 durch Hunger ausgelöst. Am Höhepunkt, dem 18. Jänner, befanden sich fast 400.000 Arbeiter und Arbeiterinnen im Ausstand, aber eine Revolution wurde in Österreich-Ungarn nicht daraus. Auch die Meutereien von Heimkehrern, österreich-ungarischen Kriegsgefangenen, die nach dem Frieden von Brest-Litowsk zurückkehrten, waren Revolten aber keine Revolution. Selbst die Meuterei im Kriegshafen der k. u. k. Marine in der Bucht von Cattaro, beginnend am 1. Februar 1918 mit dem Hissen einer roten Fahne auf dem Admiralsschiff Sankt-Georg, brach schon am 3. Februar wieder in sich zusammen. Das Gefüge der Monarchie stöhnte und ächzte unter der Belastung des Krieges, aber es waren äußere militärische Ereignisse, die das Ende brachten.
Das Scheitern der deutschen Frühjahrsoffensive und das Scheitern des U-Boot-Krieges, die Niederlage der letzten österreich-ungarischen Offensive im Juni 1918 an der Front gegen Italien, die erfolgreiche Gegenoffensive der Entente an der Westfront, ab August 1918 mit immer stärkerer amerikanischer Beteiligung an den Kampfhandlungen, das Ausscheiden Bulgariens aus dem Krieg im September und das absehbare Ausscheiden der Türkei beendeten jegliche Möglichkeit, egal wie weit hergeholt, ja jeglichen Glauben an einen Siegfrieden. Selbst ein Verhandlungsfrieden war nun nicht mehr eine reale Option. Alle Zeichen deuteten in Richtung totale militärische Niederlage der Mittelmächte.
Noch am 16. Oktober versuchte Kaiser Karl I. mit dem sogenannten Völkermanifest eine Überführung von Cisleithanien, der deutsch-österreichischen Reichshälfte, in einen Staatenbund. Die Regierung Ungarns lehnte das Völkermanifest strikt ab. Sie wollte die völlige politische Unabhängigkeit von der österreichischen Reichshälfte. Die Realunion sollte beendet werden und durch eine Personalunion, so der ungarische Vorschlag vom 18. Oktober, ersetzt werden. Die ungarische Regierung verkannte allerdings die reale politische Lage gründlich. Die Kroaten sahen ihre Zukunft im südslawischen Königreich, die Slowaken drängten auf einen Staat mit den Tschechen und der zu erwartende neuerliche Kriegseintritt Rumäniens machte ein ungarisches Siebenbürgen nach Kriegsende mehr als fraglich.
US-Präsident Woodrow Wilson, dessen 14 Punkte-Programm für eine Friedensordnung in einer Rede am 8. Jänner 1918 von ihm selbst vor beiden Häusern des Kongresses vorgestellt worden war, verlangte darin noch keine dezidierte Auflösung Österreich-Ungarns. Doch auch hier hatten sich die Dinge bis Oktober 1918 radikal geändert. Wilson erklärte am 18. Oktober, in einer Antwort-Note auf ein Waffenstillstandsangebot von Österreich-Ungarn vom 4. November, dass die Nationalitäten des Habsburgerreiches ihre Zukunft selbst bestimmen müssten. Der Nationalrat der Tschechoslowaken wurde als de facto kriegsführende Regierung auf Seiten der Entente anerkannt. Eine Autonomie wäre keine Grundlage mehr für eine Friedensübereinkunft. In Wilsons Antwort wurde aber keinerlei Einschränkung des Rechtes zur Selbstbestimmung der deutschen Volksgruppe verlangt.
Am 21. Oktober 1918 trafen sich die deutschen Abgeordneten des Reichsrates, im Niederösterreichischen Landhaus in Wiens Herrengasse, um über die Konsequenzen eines möglichen Zerfalls des Reiches zu beraten.
Am 24. Oktober 1918 begann die Offensive der wieder auferstandenen italienischen Armee. Der anfängliche Widerstand war nicht nachhaltig, und die Vertreter der sich abzeichnenden Nachfolgestaaten riefen Reih um Truppen, die sie als ihre betrachteten, in die neue Heimat. Ungarns Regierung eröffnete so noch am 24. Oktober diesen Reigen der Auflösung der k. u. k. Streitkräfte.
Als einen wohl letzten verzweifelten Versuch Kaiser Karls ist sein Telegramm an den deutschen Kaiser vom 26. Oktober zu verstehen. Darin teilte er Wilhelm die Auflösung des Bündnisses mit dem Deutschen Reich mit. In Wahrheit nur mehr eine Geste, die nichts mehr ändern konnte.
Am 28. Oktober wurde in Prag die CSR ausgerufen und die Macht ging von den k. u. k. Behörden praktisch unblutig auf die neue Regierung über. Am 29. Oktober wurden Slowenen und Kroaten zu Mitbegründern des Königreiches Jugoslawien. Galizien schloss sich dem gerade entstehenden Polen an, was zu einem Krieg mit der kurzlebigen Westukrainischen Volksrepublik um Ostgalizien führte. Diese wurde von der polnischen Armee besiegt, und so gelangte das gesamte Galizien, inklusive Lemberg, an Polen. Am 30. Oktober kündigte Ungarn die Realunion auf, womit Österreich-Ungarn aufgelöst war. Rumänien befreite oder eroberte Siebenbürgen - eine Frage des Standpunktes. Der daraus resultierende Krieg mit Ungarn sollte erst 1920 mit der Niederlage Ungarns beendet werden.
Der Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. November 1918, mit all seinen umstrittenen Aspekten, beendete endgültig den Kampf Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg.
Am 12. November 1918 wurde schließlich mit der Proklamation der Republik Deutschösterreich der letzte Rest der Doppelmonarchie in einen neuen Staat überführt. Dieser Rest-Staat hatte allerdings ein von seinen Gründern bestimmtes, wenn auch nicht konkret genanntes, Ablaufdatum. Artikel zwei der deutschösterreichischen Bundesverfassung lautete:
„Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik. Besondere Gesetze regeln die Teilnahme Deutschösterreichs an der Gesetzgebung und Verwaltung der Deutschen Republik sowie die Ausdehnung des Geltungsbereiches von Gesetzen und Einrichtungen der Deutschen Republik auf Deutschösterreich.“
Aus diesen Worten klingt wenig Zuversicht in die Zukunft der jungen Republik.
Der Zerfall des Habsburger-Reiches durch den Krieg war wie die Erfüllung so manches nationalistischen Wunschtraumes, mit Wurzeln im 19. Jahrhundert, die ohne diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts wohl nie Realität geworden wären. Aber die Nachfolgestaaten der Monarchie hatten wenig oder gar nichts aus der Geschichte von Österreich-Ungarn gelernt. Praktisch alle beherbergten in ihren Grenzen mehr als eine Nationalität und der Umgang mit den jeweiligen Minderheiten im Land war oftmals restriktiver als zuvor. So manches Volk kam zur Erkenntnis einen Völkerkerker gegen den nächsten, vielleicht sogar kleineren, eingetauscht zu haben. Durch das Verschwinden von Österreich-Ungarn war außerdem ein Machtvakuum in Mitteleuropa entstanden, verstärkt durch die vielfach weiterhin ungelösten Nationalitätsfragen und Konflikte im Herzen des Kontinents. Eine leere Stelle, die von keinem der mitteleuropäischen Nachfolgestaaten ausgefüllt werden konnte – die Doppelmonarchie war zumindest eine europäische Großmacht gewesen. So entstand durch den Zerfall von Österreich-Ungarn für die friedliche Zukunft Europas möglicherweise eine Bedrohung, zumindest aber ein Unsicherheitsfaktor.