Noch einmal griff die deutsche Armee, ab dem 21. März 1918, an der Westfront an. Der Sieg, durch eine kurzzeitige Überlegenheit, blieb aus. Die Entente begannen am 8. August ihre „Hundertageoffensive“, die mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 endete.
Der Friede von Brest-Litowsk und das „Wunder von Karfeit“ an der Italienfront eröffnete für die Deutsche Oberste Heeresleitung, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und Generalquartiermeister Erich Ludendorff eine einmalige Gelegenheit. Bis zum Eintreffen von US-Truppen in womöglich kriegsentscheidender Zahl würde die deutsche Armee durch die Verlegung von Truppen aus dem Osten und vom italienischen Kriegsschauplatz, an der Westfront eine numerische Überlegenheit gegenüber den britischen und französischen Armeen haben. Ein kurzes Zeitfenster öffnet sich, denn noch im Sommer würde die Zahl der US-Soldaten in Frankreich voraussichtlich die Millionengrenze überschreiten. Bis dahin musste die Entscheidung fallen und sie musste im Westen fallen.
Am 21. März 1918 begann mit dem Unternehmen Michael die große deutsche Frühjahrsoffensive an der Westfront. Um 4.40 Uhr eröffnete die deutsche Artillerie mit beinahe 4.000 Geschützen das Feuer, geleitet von Oberst Georg Bruchmüller, der nicht umsonst „Durchbruchmüller“ genannt wurde. In vier Stunden verschossen die deutschen Artilleristen über zwei Millionen Granaten. Beinahe doppelt so viele Granaten wie die britische Artillerie in einer Woche vor dem Angriff an der Somme im Jahr 1916 verfeuert hatte. Die unglaublich gesteigerte Intensität des Artilleriefeuers, der Einsatz von Giftgas im Buntschießverfahren und weitreichendes Flachfeuer gegen die feindliche Artillerie, sowie die Konzentration von tausenden Minenwerfern auf die feindlichen Fronstellungen unmittelbar vor dem Infanterieangriff, sollten den Gegner lähmen und seine Reaktionsfähigkeit eliminieren. Sturmtruppen, speziell ausgebildete, handverlesene, junge und unverheiratete Männer, führten den Infanterieangriff an. Wenn sie auf harten Widerstand trafen, dann umgingen sie ihn. So wurde verhindert, dass sich die Offensive festlief. Gegnerische Widerstandnester wurden von nachfolgenden Einheiten ausgeschaltet. Die Oberste Heeresleitung setzte alles auf eine Karte. In einer Reihe von Angriffen sollte die Front zerschlagen, die britische und französische Armee voneinander getrennt und das britische Expeditionskorps vernichtet werden. Ludendorff meinte wörtlich „Das Wort ‚Operation‘ verbitte ich mir. Wir hauen ein Loch hinein. Das Weitere findet sich.“. Trotz großer Anfangserfolge, gemessen an den bisherigen Offensiven an der Westfront, fand sich „das Weitere“ nicht. Die Front wurde zwar stellenweise durchbrochen, die Zahl der Gefangenen und die Menge des erbeuteten Kriegsgerätes war gewaltig, aber die Trennung der Entente-Truppen und die Vernichtung der britischen Armeen misslang. Ein rasches und unerwünschtes Ergebnis der deutschen Offensive war die Ernennung eines gemeinsamen Oberbefehlshabers für die Entente. Der französische Marschall Ferdinand Foch sorgte künftig dafür, die Kräfte der Entente zu bündeln. Der allerletzte deutsche Angriff fand zwischen dem 15. und 18. Juli 1918 statt und blieb ohne nennenswerten Erfolg. Die Armee des Kaisers war am Ende ihrer Mittel angelangt. Das Deutsche Reich hatte beinahe 700.000 Mann verloren, die Entente über 850.000. Aber die deutschen Verluste konnten nicht ersetzt werden, während über 100.000 US-Soldaten pro Monat nach Frankreich kamen. Der erste Tag der Allliierten Gegenoffensive, der 8. August 1918, wurde zum „Schwarzen Tag des deutschen Heeres“. Die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen stand in keinem Verhältnis zum Terraingewinn der Angreifer. Erstmals im Krieg zeigten die deutschen Truppen eine Tendenz sich in großer Zahl zu ergeben. Ein Phänomen, das sich in den nächsten Wochen und Monaten noch verstärken sollte.
Die Gegenoffensive der Entente, auch Hunderttageoffensive genannt, dauerte vom 8. August bis zum Inkrafttreten des Waffenstillstandes am 11. November 1918 um 11.11 Uhr. Deutsche Verluste in der Höhe von fast 800.000 Toten und Verwundeten und annähernd 400.000 Kriegsgefangenen standen Verluste von über 1.000.000 Mann auf Seite der Entente gegenüber. Auch wenn es kein unblutiges Kriegsende war und der große Durchbruch, der totale Kollaps der deutschen Westfront ausblieb, der Sieg wurde von den Armeen von Frankreich und Großbritannien errungen, sie trugen ca. 9/10 der Verluste. Die Hundertageoffensive wäre aber ohne die immer massiver präsent werdende Armee der Vereinigten Staaten unmöglich gewesen.
Schon am 29. September hatte der Generalquartiermeister Ludendorff die deutsche Reichsregierung zur Aufnahme von Verhandlungen für einen Verständigungsfrieden, basierend auf den 14 Punkten des amerikanischen Präsidenten Wilson, aufgefordert. Am selben Tag unterzeichnete Bulgarien einen Waffenstillstand mit der Entente, nachdem die Saloniki-Front am 15. September zusammengerbrochen war. Im Oktober versuchte der neue deutsche Kanzler Prinz Max von Baden, die Monarchie zu retten, doch die dritte Note von US-Präsident Wilson am 23. Oktober, mit weitreichenden Forderungen an Deutschland, zerstörte jegliche Aussicht in diese Richtung. Auch Ludendorffs offizieller Rücktritt, eigentlich seine Absetzung, änderte nichts daran. Am 30. Oktober unterzeichnete das Osmanische Reich seinen Waffenstillstandsvertrag und Österreich-Ungarn schied am 3. bzw. 4. November aus dem Krieg aus. Erst am 5. November stimmten die Entente-Mächte Verhandlungen für einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich zu. Unter den harten Bedingungen wurden erstmals deutsche Reparationszahlungen genannt. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Am 6. November begab sich der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, als Delegationsleiter der Reichsregierung, auf den Weg in den Wald von Compiègne, um einen Waffenstillstand zu verhandeln. Durch diesen Umstand konnten später die Militärs die Verantwortung von sich weisen. Die „Dolchstoß-Legende“ hat hier ihre Wurzel, Erzberger war ja Zivilist. Die Mär vom heimtückischen Stoß, ausgeführt von „zersetzenden Kräften“ aus der Heimat - sprich Sozialisten, Kommunisten und Juden - in den Rücken der im Felde unbesiegten Armee, diese Legende sollte das Militär von der Schuld an der Niederlage reinwaschen.
Am 9. November dankte Kaiser Wilhelm II. ab und ging ins Exil nach Holland und am selben Tag wurde in Berlin die Republik ausgerufen. In Deutschland war schon am 3. November die Revolution ausgebrochen, zumindest teilweise. Besonders unter den Matrosen der im Hafen von Kiel vor sich hin rostenden Hochseeflotte und in der Hauptstadt fanden sich Anhänger eines radikalen Umbruchs. Am 10. November telegrafierte Generalfeldmarschall Hindenburg selbst an den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger als Regierungsbevollmächtigten der Waffenstillstandskommission die harten Bediengungen des Waffenstillstandes anzunehmen, noch am selben Tag bestätigte Friedrich Ebert, der neue sozialistische Kanzler Deutschlands, diese Anweisung. Am 11. November wurde in einem Eisenbahn-Salon-Wagen im Wald von Compiègne der Waffenstillstand, der um 11 Uhr in Kraft trat, von Matthias Erzberger für das Deutsche Reich und Marshall Ferdinand Foch für die Entente unterzeichnet – der Erste Weltkrieg war zu Ende