Der 1. Weltkrieg führte nicht nur zu politischen Umwälzungen sondern auch zu gesellschaftlichen, deren Folgen weit über die Kriegsjahre hinausreichten, wie etwa der Wandel der Rolle der Frau in der Gesellschaft.
Exemplarisch für die gesellschaftliche Situation der Frauen vor und zu Beginn des Ersten Weltkrieges stehen die Klischeebilder der kämpferischen Sufragette und der fürsorglichen Krankenschwester. Letztere kamen 1914 schon bald zum Einsatz: Transporte mit Verwundeten trafen schon unmittelbar nach Kriegsbeginn in Wien ein und Feldspitäler sowie mobile Reservespitäler standen hinter der Front bereit. Die Kapazitäten der medizinischen Versorgung waren der Kriegsrealität nicht gewachsen, auch die kolportierten Bilder von mildtätigen Frauen in gestärkten und blütenweißen Uniformen hatten mit der Realität wenig zu tun. Der Freiwilligendienst von Frauen in Militärspitälern war ein unverzichtbarer Faktor der Betreuung und Pflege verwundeter Soldaten, dies wurde als das weibliche Pendant zum Kriegsdienst des Mannes gesehen: Aufrufe an Frauen, diesen (nicht oder sehr schlecht bezahlten) Dienst am Vaterland zu leisten, gab es gleich nach Kriegsbeginn. Krankenpflege und Wohlfahrt standen auch in der Tradition weiblicher Tätigkeiten, vor allem des Bürgertums und des Adels. Viele der Frauenvereine des beginnenden 20. Jahrhunderts widmeten sich sozialen oder karitativen Belangen – auf diesem Rollenbild und Selbstverständnis konnte nun aufgebaut werden. Auch Mitglieder des Kaiserhauses stellten sich in den Dienst dieser Sache, wenngleich Bilder von Erzherzoginnen am Krankenbett verwundeter Soldaten in erster Linie Symbolkraft hatten.
Am gewissermaßen anderen Spektrum des Frauenbildes standen jene Frauen, die, jenseits der gesellschaftlichen Realität, Rechte für Frauen einforderten. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellen Frauen mit zunehmenden Nachdruck Forderungen hinsichtlich Bildungsmöglichkeiten sowie Partizipation am öffentlichen Leben. Hier kam der Frage nach dem Wahlrecht eine besondere Stellung zu. In der Habsburgermonarchie stellte sowohl die bürgerliche als auch in besonderem Maß die sozialdemokratische Frauenbewegung Forderungen nach einem Wahlrecht für Frauen (das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht wurde 1906 eingeführt). Die Debatten darüber wurden auch öffentlich geführt, Demonstrationen von Frauen in dieser Sache sollten ihren Anliegen Nachdruck verleihen. Das Bild dieser Frauen war in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung nicht positiv besetzt, als besonderes „Extrembeispiel“ galt die (bürgerlich dominerte) Suffragettenbewegung, die vor allem in England und in den USA mit nicht nur gewaltfreien Mitteln für die Durchsetzung des Frauenwahlrechts eintrat.
Innerhalb dieses Spektrums eines Frauenbildes ist auch die weitere Entwicklung während des Ersten Weltkrieges zu sehen: Frauen im Dienste der Krankenpflege, Frauen als Teil des Produktionsprozesses in Fabriken, Frauen in der Landwirtschaft – in allen Bereichen wurde auf sozialen Entwicklungen aufgebaut, die auch schon vor dem Krieg existierten, durch die Kriegsrealität wurden diese Entwicklung in einigen Bereichen jedoch verstärkt und beschleunigt.
Der Erste Weltkrieg wird auch als Katalysator gesellschaftlicher Entwicklungen gesehen – retrospektiv, die Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg betrachtet, trifft das auch zu: Für die Frauen war die Erlangung des Wahlrechtes 1918 die Erfüllung langjähriger Forderungen. Die gesellschaftlichen Entwicklungen in einer längeren Linie betrachtet, zeigen aber auch, dass viele Umwälzungen schon in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ihren Ursprung hatten bzw. der Kriegsnotwendigkeit geschuldet waren und nur bedingt nach Kriegsende weiter fortwirkten.