Der neue Kaiser Karl I. musste die Thronfolge inmitten der Kriegswirren des 1. Weltkriegs übernehmen und fand eine politische und soziale Situation vor, die auf das nahe Ende der Monarchie hindeutete.
Karl wurde am 17. August 1887 geboren und war der Großneffe Kaiser Franz Josephs. Dass er dereinst auf den Thron folgen würde, war ab dem Jahr 1900 absehbar, aber in weiter Ferne, als sein Onkel - der Thronfolger Franz Ferdinand - eine nicht standesgemäße Ehe mit Sophie Gräfin Chotek einging und die Kinder dieser Verbindung von der Thronfolge ausgeschlossen wurden.
Karl, seit 1911 mit Zita von Bourbon-Parma verheiratet, durchlief eine militärische Ausbildung und war während des Krieges dem Armeeoberkommando zugeteilt, wo er, zur Aufrechterhaltung der Moral der Truppe, zahlreiche Frontbesuche absolvierte ("Ich war an allen Fronten, bei allen Truppen unserer glorreichen Armee. Ich sah alle Nationalitäten..." - so der Beginn seiner Ansprache für den k.k. Österreichischen Militär-Witwen- und -Waisenfonds) ohne maßgeblichen Anteil an strategischen Entscheidungen zu haben.
Wie schon Franz Ferdinand vor ihm, so wurde auch Karl von Franz Joseph kaum in die Regierungsgeschäfte mit eingebunden, zumindest nicht in entscheidender Funktion.
Mit der Thronübernahme trat er ein schweres Erbe an, denn die Stimmung, dass mit dem Tod des "alten" Kaisers das Ende der Habsburgermonarchie gekommen war oder zumindest eine Epoche zu Ende war, war allgegenwärtig.