Die k. (u.) k. Wiener Hofoper war eines der Zentren des Wiener Kulturlebens. Wie heute reichte die Bedeutung des Hauses weit über Wien hinaus: Die Spielpläne spiegelten in ihrem jeweiligem Genre vor allem das wider, was der Hochkultur der Zeit entsprach.
Die Wiener Hofoper erlebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter der Direktion Gustav Mahlers eine tiefgreifende Umgestaltung und eine Verjüngung des Ensembles. Auf diesen künstlerischen Neuerungen konnten auch die nachfolgenden Direktionen aufbauen: Von 1908 bis 1911 der Dirigent Felix Weingartner und ab 1911 der Berliner Impresario Hans Gregor, der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dem Haus als Direktor vorstand.
Die Einspielungen auf dieser Seite sind Plattenaufnahmen aus dem Archiv der Österreichischen Mediathek, fast durchgehend aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – keine Live-Mitschnitte, was allein aus technischen Gründen damals nicht durchführbar gewesen wäre – und geben einen Eindruck vom Spielplan der Hofoper und den damaligen Besetzungen der Monate Jänner bis Juni 1914. Die Aufnahmen sind ein Spiegelbild des Gesangs- und Interpretationsstils und des Musikgeschmacks dieser Zeit: viel Wagner, daneben aber auch die "zeitgenössischen" italienischen Opern von Puccini (im Kriegsverlauf sollte sich das dann ändern) oder auch der noch junge Rosenkavalier von Richard Strauss. Abseits der vorgestellten Musikbeispiele waren die Höhepunkte dieser Saison u.a. die Wiener Erstaufführung von Richard Wagners Parsifal mit Schmedes, Weidemann und Bahr-Mildenburg oder die Uraufführung von Franz Schmidts Oper Notre Dame mit Weidemann, Mayr und Maikl.
Zu den wichtigsten Neu-Engagements vor dem Ersten Weltkrieg zählen u.a. die Sopranistin Maria Jeritza und der Tenor Alfred Piccaver, die sich rasch zu Publikumslieblingen entwickelten.
Mit der Schellack, die ab 1897/98 in Massenproduktion gegangen war, bot sich die Gelegenheit, dauerhaft, wenn schon nicht die Atmosphäre einer abendlichen Aufführungen, so doch die Interpretation der Künstler/innen sowie die Klangfarbe ihrer Stimmen einzufangen und für die Nachwelt festzuhalten.
Dass diese Aufnahmen neben dem künstlerischen Erfolg auch ein wirtschaftlicher waren, zeigt das Beispiel von Selma Kurz: Es war nicht allein ihre zur damaligen Zeit relativ hohe Gage als Ensemblemitglied der Hofoper, sondern es waren mit ihre Plattenaufnahmen dafür verantwortlich, dass sie, laut Einkommenssteuer, 1910 zum Kreis der 200 reichsten Wienerinnen und Wiener zählte.