Der "Rock des Kaisers" war das vielleicht am stärksten verbindende Element der ganzen Doppelmonarchie. Wer ihn trug, sicherlich als Offizier und Unteroffizier, zum Teil auch als einfacher Soldat, stand über dem wachsenden Zwist im Reich.
Die k. u .k Armee war die wichtigste gemeinsame Institution der Doppel-Monarchie. Die Armee war aber nicht ausschließlich als Ordnungsmacht für das Innere zu verstehen, es handelte sich bei ihr sicherlich nicht um ein reines Instrument der Unterdrückung im Vielvölkerreich. Alle Staaten Europas machten von der Armee gebrauch, wenn bei Unruhen oder Streiks die Polizei überfordert schien. Auch Großbritannien, Frankreich, die USA, Italien, Spanien oder Belgien ließen wiederholt Truppen gegen Streiks aufmarschieren. Die zaristische Herrschaft, gefährdet durch die Revolution von 1905, wurde letztlich durch die Loyalität der Armee zum Herrscherhaus bewahrt.
Aber für keine andere europäische Großmacht war die Armee so identitätsstiftend, den Staat förmlich zusammenhaltend, wie für Österreich-Ungarn. Zwar gab es auch hier antagonistische Tendenzen zwischen den beiden Reichshälften, die k. k. Landwehr und den k. u. Honvéd als die Armeen der jeweiligen Landesteile, aber noch war die gemeinsame Armee der mit Abstand wichtigste Waffenträger des gesamten Reiches. Das Offizierskorps, das sich dem Kaiser und der Dynastie verpflichtet fühlte, stand vor dem Ersten Weltkrieg über den nationalistischen Konflikten. Der Rock des Kaisers verband die Offiziere weit mehr als die Herkunft des Trägers hätte trennen könnte. Der deutsch-österreichische Anteil am Offizierskorps war zwar überproportional groß, aber zum Teil täuschen hier die Zahlen. Viele Offiziere aus Militärfamilien, deren Großväter oder Urgroßväter aus Kroatien, Mähren oder welchen Teil des Reiches auch immer kamen, verstanden sich, als Armeeangehörige in der dritten oder vierten Generation, als Deutsch-Österreicher. Was aber von viel größere Bedeutung war, ist die schlichte Tatsache, dass mit dem Bekenntnis eines Offiziers zur deutschen Muttersprache kein deutsch-nationales oder großdeutsches politisches Weltbild verknüpft war. Ein Georg von Schönerer hatte im Offizierskorps keine große Anhängerschaft. Die Offiziere des Kaisers verstanden sich als über der Politik stehend. Politik war das Geschäft von Zivilisten, Zivilisten aber wurden bestenfalls mit milder Herablassung betrachtet.
Die k.u.k Armee bildete eine Art von Gerüst für die Monarchie. Durch die sogenannte Gemeinsame Armee waren nicht nur die beiden Reichshälften eng verbunden, der ganze Vielvölkerstaat wurde durch sie wie durch keine zweite Einrichtung der Monarchie, außer vielleicht dem Verwaltungsapparat und seinen Beamten, gestützt und getragen.
Für die Mannschaften bedeutete der Militärdienst oftmals die einzige echte Berührung mit dem großen Reich, welches über den verschiedenen Kronländern, als den jeweiligen Regionen der Herkunft, thronte. Die Kommandosprache der Armee war Deutsch, allerdings begrenzt auf ca. 100 Befehle. Diese Befehle musste jeder Soldat des Kaisers verstehen. Die Regimentssprache richtete sich nach der ethnischen Herkunft des Hauptteils der Mannschaft. Wenn es mehrere ungefähr gleich starke Volksgruppen in einem Regiment gab, so waren es eben bis zu drei Regimentssprachen. Jeder Offizier war streng dazu angehalten Deutsch und die Sprache oder die Sprachen seines Truppenkörpers zu beherrschen. Der Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf selbst sprach mehrere in der Monarchie vertretene Sprachen.
Die finanzielle Lage der Armee war vor dem Ersten Weltkrieg kläglich, viele Reformbestrebungen und notwendig Erneuerung bei der Ausrüstung gingen nur schleppend vor sich. Gelder wurden von den beiden Parlamenten gerne in die Landwehr oder den Honvéd umgeleitet. Bezeichnend war die Einführung des revolutionären 30,5 cm Skodamörser M 11. Trotzdem kein Geld da war, bestellte Kriegsminister Auffenberg 1911 einfach 24 Mörser mit Ausstattung und Munition. Die Mittel wurden daraufhin genehmigt, Auffenberg fiel aber in Ungnade.
Die Marine hatte eine Sonderstellung, sowohl was die Herkunft der Offiziere und Mannschaften betraf, mit einem sehr hohen italienischen und südslawischen Anteil, als auch die finanzielle Lage, die weniger prekär war als bei der Gemeinsamen Armee. Die Flotte Österreich-Ungarns hätte, woran aber nie jemand ernsthaft glaubte, gemeinsam mit der italienischen Flotte durchaus im Kampf um die Herrschaft im Mittelmeer gegen Frankreich antreten können. Der weitere Kriegsverlauf, mit dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich-Ungarn und der Sperre der Straße von Otranto verurteilte die Schiffe des österreichischen Kaisers zu einem ähnlichen Schicksal wie die Schiffe des deutschen Kaisers.