Si vis pacem para bellum - Wenn du Frieden willst, bereite Krieg vor
Am Land führte die Eisenbahn zu einer echten Verkehrsrevolution. Der österreichische Aufmarsch in Böhmen, im Krieg 1866 gegen Preußen, musste über eine einzige Eisenbahnlinie abgewickelt werden. Preußen konnte seinen Aufmarsch auf fünf Eisenbahnlinien verteilen. Erst dadurch wurde Moltkes Leitspruch "Getrennt marschieren, vereint schlagen" überhaupt möglich. Russlands Niederlage 1905, im Krieg gegen Japan, war nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass die transsibirische Eisenbahn nur einspurig ausgebaut war.
Das Automobil wurde von einem Spielzeug für Reiche zu einer ernsthaften Alternative zum bespannten Transport. Noch war "Kamerad Pferd" völlig unentbehrlich, aber die Zahl der Kraftfahrzeuge in den verschiedenen Armeen des Kontinents war im ständigen Steigen begriffen. Einer der revolutionären Aspekte am 30,5 cm Skoda-Mörser war der Transport. Aufgeteilt in 3 Lasten und von eigens entwickelten Motorschleppern gezogen, war seine Mobilität bis dahin unerreicht.
Luftschiffe und Flugzeuge fanden Eingang in die Arsenale der Großmächte. Noch stand nicht der Einsatz von bewaffneten Flugapparaten im Vordergrund der Überlegungen, aber ihr Wert als Mittel zur Aufklärung wurde erkannt. Clausewitz' "Nebel des Krieges" wurde dadurch etwas durchsichtiger. Der Telegraf und zunehmend das Funkgerät revolutionierten die Nachrichtenübermittlung. Nachrichten um die halbe Welt konnten bereits vor dem Ersten Weltkrieg in wenigen Stunden übermittelt werden.
Lieferte die Rüstung der Großmächte vor dem Ersten Weltkrieg den Kriegsgrund? Richtig ist, dass auch schon vor dem Zeitalter der arbeitsteiligen Massenproduktion der Ausspruch "Si vis pacem para bellum" bekannt war. Aber selten hatte er solche allgemein geteilte Gültigkeit wie in den Jahren vor 1914.
Der rasante Fortschritt in Wissenschaft und Technik, die industrielle Revolution, aber auch die Revolution der Landwirtschaft, bedingten sich gegenseitig, beeinflussten sich wechselseitig und letztendlich liefen alle diese Entwicklung auf eine Steigerung der Geschwindigkeit in praktisch allen Bereichen des Lebens, auf eine ungeheuerliche Beschleunigung, hinaus. Eine Steigerung jeglichen Wachstums in ungeahnten Ausmaßen war die Folge. Die Bevölkerung wuchs, die Produktion auf allen Gebieten der Wirtschaft wuchs, mehr Lebensmittel konnten mehr Menschen ernähren, die in immer mehr und größeren Fabriken immer mehr erzeugten. Weiterentwicklungen in Wissenschaft und Technik, besonders auf dem Gebiet der Chemie, der Metallurgie, der Elektrik und der Optik, Normierung und Standardisierung in der Produktion in ungeahntem Ausmaß, all das führte zu einer Erhöhung der Menge bei gleichzeitiger Hebung der Qualität der Produkte und deren Leistungsfähigkeit.
Eine Revolution der Mobilität auf einer Massenbasis war eine weitere Folge dieser Entwicklungen und Entfernungen begannen zu schrumpfen. Dampfschiffe, zuerst mit Kolbenmaschinen und später mit Dampfturbinen, machten die Seefahrt erstmals vom Wind unabhängig. Güter und Passagiere überquerten in sehr viel kürzerer Zeit die Meere.
Aber auch die Waffen selbst wurden immer wirkungsvoller. Geschütze mit wirklich funktionierenden Rohrrücklaufbremsen und Rohrvorholmechanismen, mit Schnellverschlüssen, um bis zu 20 gezielte Schuss in der Minute abzugeben. Eine Steigerung der Reichweite bei allen Kalibern, eine Verbesserung der Granaten, ihrer Zünder und der Feuerleitung, alles zusammen sollte die tödliche Herrschaft der Artillerie auf dem Schlachtfeld des kommenden Krieges ergeben. Infanteriegewehre, die einen Feuerkampf auf 1000 Meter Entfernung ermöglichten, Maschinengewehre mit einer Kadenz von 500 Schuss in der Minute, die Ziele noch in 1500 Meter Entfernung bekämpfen konnten. „All-Big-Gun“ Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, die sich auf mehr als 10 Kilometer Entfernung bekämpfen konnten und mit fast 30 Knoten, über 50 Stundenkilometern, bei voller Fahrt, die Meere durchquerten. U-Boote mit funktionierenden Torpedos und verbesserte Seeminen als Gefahr für die Schifffahrt, der Telegraf und das Funkgerät zur Nachrichtenübermittlung, all diese Neuerungen und noch viele mehr, die hier nicht genannt wurden, veränderten grundlegend das Bild des Krieges.
Selbst das Denken der Militärs in Europa war von der Beschleunigung erfasst. Der Kult der "Offensive bis zum Äußersten" (L'attaque à outrance) erreicht gerade jetzt seinen Höhepunkt. Nur wer die Initiative ergriff, im Krieg bedeutete dies wer angriff, konnte eine Entscheidung erzielen. Der Verteidiger kann vielleicht eine Schlacht für sich entscheiden, nur der Angreifer kann einen Krieg gewinnen, so lautet sehr stark verkürzt die Ansicht der führenden Militärs vor Kriegsausbruch. Dass gerade die gesteigerte Feuerkraft, in Kombination mit Feldbefestigungen und Schützengräben, diese wiederum durch Stacheldrahthindernisse gesichert, die Verteidigung bevorteilte, diese Erkenntnis sollte erst langsam, sehr langsam in den Köpfen der Offiziere Einzug halten.