Karl Kraus - Die letzten Tage der Menschheit - Ausschnitte I. und II. Akt

Die letzten Tage der Menschheit – jenes für ein Marstheater geschriebenes Stück, weil es einen irdischen Rahmen sprengen würde, zählt wohl zu den dauerhaftesten literarischen Zeugnissen des Ersten Weltkriegs.

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Karl Kraus ©
Karl Kraus
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – I, Akt, 13. Szene. Elektrische Bahn Baden–Wien. [Ausschnitt]
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Die elektrische Bahn Wien - Baden ©
Elektrische Bahn Baden-Wien

In über 200 Szenen lässt Karl Kraus die Archetypen österreichischer und deutscher Arroganz, Dummheit, Ignoranz, Präpotenz, Inkompetenz und Intoleranz als handelnde Personen auftreten, wie auch tatsächliche historische Figuren. Viele Namen der „Archetypen“ sprechen eigentlich schon für sich alleine, da gibt es den Oberleutnant Beinsteller und den Hauptmann Niedermacher. Die Familie Durchhalter hat da ebenso ihren Auftritt wie Poldi Fesch und mit dem Nörgler und dem Optimisten treten das Alter Ego von Kraus selbst und dessen Gegenteil auf. Reale Personen kommen ebenso vor, wenn auch, wie im Fall des Feldmarschalleutnants und späteren Generals Ludwig Hermann von Fabini, mit dem Namen „Kaiserjägertod“. Ein Name, gegeben durch die eigenen Truppen, eben Kaiserjäger, wegen Fabinis Vorgehen als Befehlshaber, welches auf Verluste in den eigenen Reihen keinerlei Rücksicht nahm.
Die Schauplätze wechseln sich ständig ab und reichen vom Arbeitszimmer des alten Kaisers, dem Restaurant des Anton Grüßer, der Poetenklause des Dichters Kernstock, der elektrischen Bahn Baden–Wien, der Sirk-Ecke, dem Standort des Hauptquartiers bis zu einem Baum in den winter­lichen Karpaten.

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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 17. Szene. Restaurant des Anton Grüßer. Bambula von Feldsturm. [Ausschnitt]
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 7. Szene. Bei der Batterie. [Ausschnitt]
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Alice Schallek ©
Alice Schalek
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 13. Szene. Florianigasse. [Ausschnitt]
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Erzherzog Friedrich und Franz Conrad von Hötzendorf ©
Das AOK mit Generalstabschef Conrad von Hötzendorf und Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II.  Akt, 16.  Szene. Bureauzimmer bei einem Kommando. Ein Generalstäbler am Telefon. [Ausschnitt]
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Wie niemand vor oder nach ihm verstand es Helmut Qualtinger, der große österreichische Schauspieler, Kabarettist, Dichter, Schriftsteller und eben genialer Rezitator und Stimmen-Künstler, dieses Drama in der Form der Lesung zum Leben zu erwecken. Qualtingers Stimme lässt dieses ganze Weltuntergangs-Panoptikum mit alle seinen Larven und Lemuren aus der Asche dieses ersten, aber nicht letzten Weltenbrandes des 20. Jahrhunderts auferstehen.   

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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 1. Szene. Wien. Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Ein Berliner Schieber und ein Dienstmann treten auf. [Ausschnitt]
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Helmut Qualtinger ©
Helmut Qualtinger
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – I. Akt, 1. Szene. Wien. Ringstraßenkorso. Sirk-Ecke. Ein Fiaker hält vor einem Haus [Ausschnitt]
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 28. Szene. Hauptquartier. Kinotheater. [Ausschnitt]
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Der Missbrauch der Sprache durch die Journallie, die dem Missbrauch des Menschen durch die Herrschenden, die Reichen und durch das Militär Vor­schub leistet, ist ein zentraler Ansatz- und Angelpunkt für die Satire von Kraus. Der gemeingefährliche Umgang mit der Sprache, in jener damals schon angeblich großen Zeit, ist für Kraus der Spiegel für die Schrecken des Krieges – die Schrecken, die in der Fortdauer des Stückes immer mehr und immer direkter in die Handlung einbrechen, die das befreiende, vielleicht erlösende, aber immer erleichternde Lachen zunehmend ver­stummen lassen. Am Ende steht eine Vision der Apokalypse mit den letzten Worten eines verzweifelten und gescheiterten, vielleicht impotenten Gottes: „Ich habe es nicht gewollt“.
Helmut Qualtinger hatte dieses Stück, dieses Panoptikum voller mensch­licher Zerrbilder zu einem seiner Favoriten für Lesungen ausgewählt. Das Ergebnis erübrigt beinahe jede weitere szenische Aufführung mit mehr als einem Darsteller. Ob es nun ein alter General, ein Betrunkener, Pogatschnig – genannt Teut, der Feld-Kurat Anton Allmer, die Hofräte i. P. Dlauhobetzky von Dlauhobetz und Tibetanzl, der schnada-hüpfelnde Dichter Ganghofer oder der deutsche Kaiser ist, denen Qualtinger durch seine Vortragskunst Leben verlieh, keiner entging der Schärfe von Kraus Feder und keiner entkam der Schärfe von Qualtingers Zunge.
Lediglich den wahren Opfern des Krieges wurde von beiden mit Mitleid im Sinne von Schopenhauer begegnet. Der Verwundete, der die fröhlichen Lieder der Offiziersfeier nebenan nicht erträgt, oder der Kriegsblinde, der auf die barsche Frage eines Offiziers ob er blind sei, weil er nicht salutiert hat, mit „Ja“ antwortet.

Hansi Niese ©
Denkmal von Hansi Niese
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Helmut Qualtinger liest Karl Kraus – Die letzten Tage der Menschheit – II. Akt, 24. Szene. Während der Vorstellung in einem Vorstadttheater. Die Schauspielerin Niese. [Ausschnitt]
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Chronologie der Ereignisse