Rudolf Pöch war Gründer und erster Inhaber des Lehrstuhles für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien.
Nach Kriegsausbruch begann Rudolf Pöch mit der Untersuchung von Gefangenen aus der russischen Armee in den k.u.k. Kriegsgefangenenlagern. Die kurzen Filme zeigen Verschiedenes zur Kultur, Alltag und den handwerklichen Tätigkeiten der Gefangenen, sowie einen Teil Forschungstätigkeit, die Pöch im Jahre 1915 in den Lagern Eger, Reichenberg und Theresienstadt, unter damals gültigen wissenschaftlichen Gesichtspunkten, durchführte. Im Zuge der rezenten Diskussion um koloniale Sammlungen wird die ethische Grundlage der Sammlungs- und Forschungsmethoden von Rudolf Pöch sehr kritisch gesehen.
Während des Ersten Weltkriegs, konkret ab dem Jahr 1915, führte der seit Kriegsbeginn als Arzt kriegsverpflichtete Pöch anthropologisch-metrische Reihenuntersuchungen und Vermessungen an russischen Kriegsgefangenen durch. Finanziert wurde dieses Vorhaben von der Wiener Anthropologischen Gesellschaft und der Akademie der Wissenschaften. Unterstützung erhielt Pöch durch das Kriegsministerium. Forschungsreisen waren wegen des Krieges ausgeschlossen, aber der Kriegsverlauf brachte hundertausende russische Kriegsgefangenen nach Österreich-Ungarn. Das Interesse Pöchs galt den vielen sogenannten Randvölkern des riesigen Reiches. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden insgesamt 7.000 Gefangene vermessen, neben Angehörigen der russischen Armee auch Männer der britischen und französischen Kolonialtruppen, sowie Soldaten vom Balkan.
Erwähnt werden sollte auch, dass Pöchs spätere Frau Hella – geborene Helene Schürer von Waldheim – ebenfalls während des Krieges für ihre Dissertation Vermessungen an 700 Frauen und Kindern aus der Ukraine im Lager Niederalm/Grödig bei Salzburg durchführte.
Neben den Daten der standardisierten Ganz-Körper- und Gesichts-Vermessungen und Gipsabgüssen vom Gesicht, dem ganzen Kopf oder Gliedmaßen, entstanden auch eine Reihe von Tonaufnahmen und einige wenige Filmaufnahmen. Die Tonaufnahmen wurden, auf Anregung von Pöch durch den Wiener Musikwissenschaftler Robert Lach vorgenommen. Die Filmaufnahmen stellte Pöch selbst her.
Rudolf Pöch hatte sich bei der inhaltlichen Auswahl und der formalen Gestaltung dieser Kurzfilme an seinen eigenen bisherigen Filmaufnahmen orientiert.
Am Beginn der Kurzfilme steht ein Beispiel für die Unterhaltung, auch das gab es, im Kriegsgefangenen-Lager. Zu sehen ist die komödiantische Aufführung einer „Hochzeit“. Es folgen Szenen mit Ringkämpfen und Tänzen von Gefangenen, dem Tanz und Gebet einer Gruppe von muslimischen Gefangenen und Filme über die verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten der Lagerinsassen. Den Abschluss bilden zwei Szenen, die einen Teil der Tätigkeit der Wissenschaftler im Kriegsgefangenenlager festhielten. Die Anfertigung eines Gipsabguss' vom Kopf eines Kriegsgefangenen und die Herstellung einer Gipsbüste aus der zuvor gewonnen Form.
Die Aufnahmen gerieten nach Pöchs Tod rasch in Vergessenheit. Paul Spindler, Leiter der anthropologischen Abteilung des NHM zitiert in seinem Artikel „Die Filmaufnahmen von Rudolf Pöch“, aus dem Jahr 1974, den Bericht Pöchs aus dem Jahr 1916. Darin verweist Pöch auf Filmaufnahmen in den Kriegsgefangenenlagern Eger, Reichenberg und Theresienstadt und er beschreibt auch knapp deren Inhalt. 1974 galten diese Aufnahmen als verloren.
Erst 1987 fand Josef Navratil, Mitarbeiter des Filmarchivs, im Filmarchiv die verschollenen Aufnahmen wieder. Schon die damalige Filmbefundung sah die Rechte an dem Material beim ÖWF – dem Österreichischen Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film, einer Stelle des Wissenschaftsministeriums. 1997, nach der Auflösung des ÖWF, kam der Großteil der Archivbestände des ÖWF, darunter auch der Pöch-Bestand, ins Archiv der Österreichischen Mediathek.
Rudolf Pöch gilt als der Begründer des Institutes für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien, er gilt ebenso als ein Pionier der Film- und Tonaufnahmen für wissenschaftliche Zwecke. Geboren am 17. April 1870 in Tarnopol, verstarb er am 21. März 1921 in Innsbruck an den Spätfolgen einer Malariaerkrankung.
Pöch studierte in Wien Medizin und nahm unter der Leitung des Internisten und Epidemiologen Hermann Franz Müller 1896–1897 in Bombay an Studien über die Pest teil.
Nach der Rückkehr der Expedition, kam es 1898 an der 1. Medizinischen Universitätsklinik in Wien zu einem tragischen Zwischenfall. Durch unbedachten Umgang mit Versuchskulturen von Pestbazillen, erkrankten ein Spitalsdiener und in Folge zwei Krankenschwestern an der tödlichen Seuche. Dr. Müller und zwei andere geistliche Schwestern übernahmen die Pflege der Erkrankten in einer Isolierbaracke des Franz-Josef-Spitals. Am 12. Oktober teilte Müller durch einen Zettel am Fenster der Baracke der Außenwelt mit, dass er selbst an Lungenpest erkrankt war. Pöch übernahm nun freiwillig die Pflege der schwer Erkrankten und schloss sich in der Isolierbaracke ein. Die Pest hatte noch nichts an ihrer Gefährlichkeit verloren. Am 18. Oktober starb der Spitalsdiener, am 23. Müller und am 30. eine der erkrankten Schwestern. Erst am 14. November – nach Einhaltung der Inkubationsfrist – konnten Pöch, die geistlichen Schwestern und die genesene Krankenschwester die Quarantänebaracke verlassen.
Danach ging Pöch nach Berlin und studierte dort Anthropologie bei Felix von Luschan.
1902 folgte eine Reise zur Erforschung der Malaria nach Westafrika. Inspiriert durch seine Tätigkeit in der afrikanisch-ozeanischen Abteilung des Museums für Völkerkunde in Berlin unternahm er von 1904 bis 1906 eine Forschungsreise nach Neuguinea, zum Bismarck-Archipel und nach Australien.
Bemerkenswert bei Pöchs Expeditionen war vor allem seine technische Ausrüstung. Er führte eine Plattenkamera, eine Filmkamera und einen Archivphonographen mit. Mit dieser Ausrüstung gelang Pöch eine Reihe von damals einzigartigen Bild-, Film- und Tonaufnahmen.
In den Jahren 1907 bis 1909 führte Pöch eine zweite Forschungsreise nach Südafrika, wo er die Kultur der San, damals Buschmänner genannt, studierte. Er brachte abermals eine ethnographische Sammlung von mehr als 1.000 Objekten sowie Film- und Tondokumente nach Wien. Auch bei dieser Reise befand sich unter den Sammlungsstücken eine Vielzahl menschlicher Überreste. Die Skelette von zwei San, die, selbst für die damaligen sehr weitgefassten gesetzlichen Bestimmungen, nicht eindeutig rechtens von Pöch erworben worden waren, sind mittlerweile in den Jahren 2011 und 2012 vom Naturhistorischen Museum zurückgegeben worden.
1913 wurde Pöch schließlich außerordentlicher Universitätsprofessor für Anthropologie und Ethnologie in Wien.